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Aktienmärkte: Start in den Herbst – fallende Blätter und Aktien?

Die Federal Reserve deckt alles mit ihrer Geldflut zu, die saisonalen Muster "ertrinken"

Fallen im Herbst die Kurse der Aktienmärkte?

Jetzt ist er da, der meteorologische Herbstanfang –  und wie in jedem Jahr stellen sich die meisten Investoren die Frage, ob dieser traditionell eher schwache Monat für die Aktienmärkte seinem Jahrzehnte alten Ruf gerecht wird?

Aktienmärkte: Die Notenbanken zerfleddern saisonale Muster

Klar war das Corona Jahr 2020 außergewöhnlich für die Aktienmärkte. Demzufolge hatte im Vorjahr so ziemlich keines der sonst üblichen saisonalen Muster gepasst, bis auf die schwächliche Jahresendrallye. In diesem Jahr schien es zunächst so etwas wie eine Rückkehr zu alten Gepflogenheiten zu geben, aber wer auf das Muster „Sell in May, and..“ gesetzt hatte, blickt doch ganz schön belämmert hinter den Kursen hinterher. Nicht in China und ein wenig abgemilderter in Deutschland. Aber selbst das Sommerloch hat bisher nicht funktioniert. In den USA sind die Kurse der jeweiligen Aktienmärkte schon sieben Monate am Steigen – und selbst der August konnte die Anleger nicht zu einer Korrektur, die ihren Namen verdient hätte, bewegen. Trotz vieler Nachrichten, die in früheren Jahren zu einem Druck auf den Verkaufs-Button animiert hätte.

Der Monat endete für den US-Leitindex S&P 500 mit einem Plus von knapp drei Prozent, der Nasdaq brachte es auf fast vier Prozentpunkte und auch der Dax kann mit zwei Prozent plus auf eine positive Periode blicken.

Tenor von alten Wall Street-Recken: Die Federal Reserve deckt alles mit ihrer Geldflut zu, die saisonalen Muster „ertrinken“.

Auch im dritten Quartal, welches bereits zu zwei Dritteln vorüber ist, bleibt es bei einer ständigen Rotation von der Rotation, Vorteil BigTech:

Während der S&P bisher fünf Prozent im Plus liegt, sind die Small Caps fast unverändert, Growth sticht mit plus acht Prozent hervor, während Value seit einigen Wochen mit plus zwei Prozent etwas das Nachsehen hat.

Aber was wären die großen Indizes ohne die großen Techwerte? Nach wie vor laufen die Gewinne, aber umso wertvoller werden diese, bei niedrigen Zinsen, weil sie durch den Abzinsungsfaktor Oberwasser bekommen. Die 10-jährige US-Treasury in ihren derzeitigen Fenster von 1,20- 1,30 Prozent hat zu (bisher) folgenden Quartalsgewinnen geführt:

Alphabet plus 18 Prozent, Microsoft plus 12 Prozent, Apple plus 12 Prozent und Facebook plus 10 Prozent.

Daraus lässt sich relativ schnell ableiten, was die Rallye von S&P und Nasdaq abrupt beenden könnte.

Was brachte der Monat September historisch?

Auf ganze lange Sicht erkennt man, dass der erste Herbstmonat nicht umsonst seinen schlechten Ruf genießt. Seit 1945 beträgt die durchschnittliche Monatsperformance minus 0,6 Prozent, negativ ist auf diese lange Sicht nur noch der Februar mit minus 0,2 Prozent, Nummer drei im Ranking, der August, brachte es schon auf ein Miniplus von 0,03 Prozent. Aber das ist die ganz lange und stark ausgleichende Betrachtungsweise. Denn wie formulierte Risikoforscher Nassim Taleb es so schön in seinem letzten Buch? „Versuchen sie keinen Fluss zu durchqueren, der im Durchschnitt einen Meter tief ist.“

Im Coronajahr war der S&P 500 um 3,9 Prozent gefallen, die drei Jahre zuvor jeweils gestiegen (2019 + 1,7%, 2018 + 0,4%, 2017 + 1,9 %).

Also, mit der Statistik ist eigentlich wenig anzufangen. Tatsache ist, dass der Weltleitindex nun schon den siebten Monat in Folge gestiegen ist und der Auftaktmonat Januar ergab auch nur ein ganz geringes Minus von 1,11 Prozent.

Das alles erinnert schon gewaltig an das Jahr 2017, wo das Warten auf die US-Steuerreform die Investoren an den Aktienmarkt „gefesselt“ hatte. Ist es 2021 die Erwartung des Taperings und die Situation um die Realrenditen, die diesen „Nötigungseffekt“ bei den Aktienanlegern auslöst?

Fazit

Gut 80 Börsentage vor dem Jahresende dauert die Zwangslage für die großen Vermögensverwalter an, die Spannung vor den Arbeitsmarktdaten ist aber etwas gewachsen. Denn die aktuellen Veröffentlichungen für das so wichtige Verbrauchervertrauen aus den USA (Uni Michigan und Conference Board) schwächeln gewaltig.

Hinzu kommen die Zeichen der wirtschaftlichen Abühlung in China. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren war der Caixin Einkaufsmanagerindex im Juli unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Sollte dies alles tatsächlich dazu führen, dass die US-Notenbank ihre Schritte beim Tapering in sehr homöopathischen Dosen ankündigt und gleichzeitig die Inflationsentwicklung innehält? 2021 auf den Spuren von 1995, dem Rekordjahr für Allzeithochs der Aktienmärkte?

Natürlich ist es noch etwas früh, um Derartiges zu prognostizieren – und auch die 34 Prozent Indexzuwachs von damals erscheinen aus heutiger Sicht reichlich ambitioniert. Auch wenn es derzeit fast etwas unsinnig klingt: Langfristig orientierten sich die Aktienmärkte stets an den Gewinnen der im Index enthaltenen Unternehmen. Deshalb sollte die Freude über fallende Konjunkturindikatoren nicht allzu stark ausgeprägt sein, bei Aktienanlegern. Denn rezessive Wirtschaftsaussichten haben die Kurse noch immer in die Knie gezwungen.



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