Nachdem die Aktienmärkte am Freitag einen Rückschlag erlitten hatten, als Trump 50-prozentige Zölle gegen die EU ankündigte, sieht es am Montag schon wieder deutlich besser aus. Die Futures auf US-amerikanische und europäische Aktienindizes kletterten, da Trump die Frist für aggressive Zölle gegen Europa verlängert hat. Dies verstärkte den Optimismus an den Börsen, der nach dem Zollschock am Freitag einen Dämpfer erhalten hatte. Der US-Dollar setzte hingegen seine Talfahrt fort. Dabei kletterte das Währungspaar EUR/USD über die Marke von 1,14 USD.
Aktienmärkte mit Kurssprung
Die Kontrakte für den S&P 500 und den Nasdaq 100 stiegen um 1 % und die für den Euro Stoxx 50 um 1,6 %. Der Deutsche Aktienindex (DAX) legte ebenfalls deutlich zu und notiert wieder an der Marke von 24.000 Punkten. Laut einem Bericht von Bloomberg hatte Trump zuvor erklärt, er habe zugestimmt, den Termin für die Einführung von 50 % Zöllen auf Waren aus der Europäischen Union vom 1. Juni auf den 9. Juli zu verschieben. Die asiatischen Aktienmärkte legten um 0,2 % zu und gaben damit einen Teil ihrer anfänglichen Gewinne wieder ab. Ein Dollar-Indikator sank um 0,2 % auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2023.
US-Treasury-Futures gaben nach, und der Goldpreis verlor 0,3 % aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach sicheren Anlagen. Wegen des Feiertags Memorial Day in den USA werden Treasuries am Montag in Asien nicht gehandelt, auch die Wall Street bleibt geschlossen.
Trumps erneuter Zoll-Hammer spiegelte die zunehmende Unsicherheit an den Aktienmärkten wider, wobei seine Breitseite gegen Europa am Freitag eine harte Erinnerung an die sprunghafte Politik des Präsidenten war. Der Krieg um die Zölle ist wieder in den Vordergrund getreten und hat die Märkte erneut stark beeinflusst, nachdem die Bedenken über die von Trump vorgeschlagenen Steuersenkungen und deren Auswirkungen auf das US-Defizit die Aktienmärkte in der vergangenen Woche stark aufgewühlt haben.
„Es hat sich ein klares Muster herauskristallisiert, wenn es um Trumps Zollstrategie geht – auf heftige Zolldrohungen folgen bald Zollpausen, in denen verhandelt wird“, sagte Tim Waterer, leitender Marktanalyst bei KCM Trade in Sydney. „Die Anleger kennen das Vorgehen von Trump bei den Zöllen also schon recht gut, sein Hin und Her muss einkalkuliert werden.“

EU-Zölle: Trumps Fristverlängerung
Trumps Entscheidung, die Frist zu verlängern, kam nach einem Telefonat mit Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission.
Von der Leyen, die dem Exekutivorgan der EU vorsteht, schrieb am Sonntag in einem Beitrag auf X, dass Europa bereit sei, die Gespräche schnell und entschlossen voranzutreiben, aber ein gutes Abkommen Zeit bis zum 9. Juli brauche. Das ist das Datum, an dem Trumps 90-tägige Pause seiner sogenannten reziproken Zölle ursprünglich enden sollte.
Zu Trumps Zolldrohungen vom Freitag gehörte auch eine 25-prozentige Abgabe auf Smartphones, falls Unternehmen wie Apple und Samsung Electronics ihre Produktion nicht in die USA verlagern würden. Die Aktien von Samsung fielen um 0,2 %, während die Apple-Aktie um 3 % nachgab.
„Um es klar zu sagen: Die Risiken bestehen weiterhin darin, dass es sich nur um Zollpausen handelt und wir noch keine strukturellen Änderungen bei den Zöllen sehen“, sagte Josh Gilbert, Marktanalyst bei eToro in Sydney. „Pausen sind im Moment gut und schön, aber in dieser Zeit müssen wir mehr Vereinbarungen sehen, die Trumps verhandlungsfähigeren Ansatz bestätigen.“
Abkehr vom US-Dollar
Die schwache Nachfrage nach US-Vermögenswerten spiegelt sich im Dollar wider. Trumps Zolldrohungen und das Risiko eines wachsenden Haushaltsdefizits schmälern die Attraktivität der Währung. Donald Trumps Handelskrieg-Chaos und die hohe US-Verschuldung lassen den Dollar immer weiter abrutschen, andere Währungen profitieren.
Der Enthusiasmus für die Weltreservewährung hat in diesem Jahr nachgelassen. Spekulative Händler blieben bearish gegenüber dem Dollar, reduzierten aber ihre Positionierung in der Woche bis zum 20. Mai auf 12,4 Mrd. $ gegenüber 16,5 Mrd. $ in der Vorwoche, so die CFTC-Daten vom Freitag.“
Garfield Reynolds, Stratege bei Markets Live, sagt:
„Die Abkehr vom US-Dollar verfestigt sich, da die Händler auf die unbeständige Politik von Präsident Trump reagieren. Die schwache Performance des Dollars unterstreicht den Vertrauensverlust in die amerikanische Regierung und ihre Zuverlässigkeit. Dies wird dazu führen, dass die Preise, die Anleger für den Erwerb von US-Vermögenswerten zu zahlen bereit sind, unter Druck geraten, was sich negativ auf die Aktienmärkte auswirken könnte.
Die Anleger bereiten sich auch auf die von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmessung vor: den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) ohne Lebensmittel und Energie. Dieser wird am Freitag veröffentlicht und dürfte neue Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Fed geben. Konsenserwartungen gehen davon aus, dass der Wert für den Monat April um 0,1 % steigen wird.
Nach Ansicht von Mike Wilson, CIO und Chefstratege für US-Aktien bei Morgan Stanley, könnte der US-Dollar in diesem Jahr um weitere 10 % fallen.
Aktuelles Marktgeschehen
Anzeichen für eine Überlastung der Häfen in Nordeuropa und anderen Drehkreuzen deuten darauf hin, dass Handelskriege zu Störungen im weltweiten Seeverkehr und zu höheren Schifffahrtspreisen führen könnten.
In den asiatischen Unternehmensnachrichten führte BYD Co. am Montag die chinesischen Elektrofahrzeugaktien in Hongkong nach unten und belastete die Aktienmärkte, da die Anleger die umfassenden Preissenkungen des Autogiganten von bis zu 35 % Ende letzter Woche analysierten. Auch die Aktien der Betreiber von Online-Plattformen rutschten ab, da der Vorstoß der Regierung zur Unterstützung der Händler Bedenken hinsichtlich der Gewinnspannen weckte.
Unterdessen kündigte Japans Chefunterhändler für Handelsfragen, Ryosei Akazawa, an, die Zollgespräche rechtzeitig vor einem Treffen zwischen Trump und Japans Premierminister Shigeru Ishiba im Juni abzuschließen. Dies erfolgte, nachdem der Präsident überraschend eine Partnerschaft zwischen den Stahlherstellern der beiden Länder zugelassen hatte.
Trump kündigte am Freitag eine Partnerschaft zwischen der United States Steel Corp. und der japanischen Nippon Steel Corp. an. Mit dieser Vereinbarung schockierte er die Märkte, da er sagte, dass sie das einst ikonische amerikanische Unternehmen in den USA halten würde, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Die Aktien von Nippon Steel stiegen in Tokio um bis zu 7,4 %, während die Aktien von US Steel am Freitag um 21 % zulegten.
FMW/Bloomberg
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