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Aktienmärkte: Tech-Rally pausiert – diese Nachzügler laufen

Der steile Aufwärtstrend bei den großen Nasdaq-Werten, die die Rally der Aktienmärkte maßgeblich getrieben hatten, scheint erst einmal gebrochen zu sein. Was kommt jetzt?

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Der steile Aufwärtstrend bei den großen Nasdaq-Werten, die die Rally der Aktienmärkte maßgeblich getrieben hatten, scheint erst einmal gebrochen zu sein. Das wurde irgendwann auch einmal unumgänglich, denn der parabolische Chartverlauf hätte Apple und Co bereits in wenigen Monaten in absurde Höhen geführt. Monatliche zweistellige Steigerungsraten bei Aktien im Billionenbereich sind niemals aufrecht zu erhalten. Außer man erfände das Rad neu. Oder sollen sich Durchschnittsinder oder- afrikaner plötzlich vierstellige Dollar-teure Konsumartikel leisten können? Aber was passiert derzeit mit dem vielen Geld – welche Auswirkungen hat es auf die Aktienmärkte?

Aktienmärkte: Die Umschichtungen und Verkäufe der Großen

Es wurde bereits schon im späten Frühjahr festgestellt: die Firmeninsider, also die oberste Managementebene, verkaufte verstärkt die eigenen Aktien – und dieses Verhalten kumulierte im August. Die US-Topmanager verkauften im Sommer fünfmal so viele Aktien wie sie erwarben, ein Anstieg, wie man ihn seit 2016 nicht mehr gesehen hat. Aber auch in Deutschland hat die letzte Meldung der so genannten Director Dealings an die Bafin eine deutlich gestiegene Verkaufsneigung der Vorstände und Aufsichtsräte ergeben. Man scheint die Performance der eigenen Titel offenkundig als etwas ausgereizt zu sehen. Ein Warnsignal für die Aktienmärkte?

Geradezu spektakulär liest sich die jüngste Meldung über das Verhalten der US-Fondsmanager. Anscheinend haben diese ihre Investitionsquote von 93 auf 53 Prozent reduziert. So vermeldete es zumindest Stephan Heibel bei seiner wöchentlichen Auswertung des Sentiments der deutschen Anleger und der Indikationen von den Aktien- und Terminmärkten. Zudem zeigte sich bei der Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII), dass der Anteil der Bären, die künftig fallende Kurse erwarten, auf 48,5 Prozent gestiegen ist.

All dies könnte man eigentlich schon wieder als Kontraindikation für die Aktienmärkte  betrachten. Was machen die Fondsmanager, die unerschütterlichen Kämpfer gegen ihre Gegner – den Exchange Traded Funds, ETF –  sollte die Post bald wieder nach oben abgehen?

Der unerschütterliche Optimismus der Neuspekulanten

Was die US-Anleger betrifft, ist die Stimmung der Privatanleger klar bearish, anders als bei den „Kleinen“, die an der CBOE in Chicago am Optionsmarkt spekulieren. Wie Markus Fugmann gestern in seinem Morgenvideo gezeigt hat, setzen die kleinsten Spekulanten mit unter 10 Kontrakten am heftigsten auf Call-Optionen. Insgesamt aber hat sich die einseitige Positionierung auf steigende Kurse nach dem Mini-Dreitages-Crash beim Nasdaq doch deutlich abgekühlt. Aber sind die Schieflagen schon korrigiert, drei Handelstage vor dem großen Verfall am Freitag?

In Deutschland ergab die Auswertung von Eurex- und Euwax-Positionierungen weiter ein verwirrendes Bild: Während die Profis von ihren Calls deutlich auf Puts umgeschwenkt sind, haben die Privaten ihre Absicherungen reduziert und sind stark auf die Long-Seite gewechselt. Ein heftiges Durcheinander, wie es eine Schaukelbörse mit sich bringt. Wenn man glaubt eine Richtung erkannt zu haben, drehen die Aktienmärkte oft und kippen auf die Gegenseite..

Aber eine neue Tendenz brachte die Auswertung der Aktienentwicklung der letzten Woche dennoch zu Tage.

Differenzierte Käufe über viele Branchen verteilt

Das Wort Branchenrotation suggeriert, dass man eine oder mehrere Branchen verkauft (wie Hightech und Healthcare) und dafür andere Branchen nachkauft. So einfach gestaltet sich die Lage der Aktienmärkte derzeit aber nicht. Man differenziert aus den Nachzüglerbranchen die Werte, die zwar zurückgeblieben sind, aber besser als erwartet durch die Krise gekommen sind. Der Inhaber des Analysehauses Animusx, Heibel, hat dabei mehrere Werte aus den Branchen Gesundheit, Industrie, Chemie und Bauwirtschaft identifiziert, die in der vergangenen Woche um die 10 Prozent zulegen konnten. Der Sentimentprofi bestätigt damit den schon in den USA zu beobachtenden Wechsel in Value, in dem ETFs auf die „Chemicals“ und auf die „Materials“ den S&P 500 im September schon einmal etwas outperformt haben.

Dabei kommt mir immer wieder in den Sinn: Wieso trennte sich Warren Buffett so heftig von seinen langjährig gehaltenen Bankaktien (JP Morgan, Goldman Sachs, Wells Fargo, PNC Financial, Bank of New York Mellon und M&T Bank), während er gleichzeitig seine Position in Bank of America so aufstockte?

Fazit

Sollte die Rallye der großen „Zukunftswerte“ jetzt tatsächlich einmal eine längere Pause einlegen? Gut möglich, obgleich die RobinHoodies immer noch riesige Wetten (Call/Put-Ratio) auf die Highflyer des Jahres gesetzt haben. Aber jede Glücksträhne an der Börse geht einmal zu Ende. Die börsentechnische Erdanziehung (Mean Reversion oder Regression zum Mittelwert) gab es noch zu jeder Zeit. Dies betrifft auch Werte wie Microsoft, Apple oder Amazon, die allesamt schon heftige Korrekturen in ihrem Börsendasein hinter sich gebracht haben. Die Auferstehung von Value wird kommen, wie immer in den letzten Dekaden. In welcher Form, beziehungsweise mit welchen Titeln und in welcher Größenordnung, ist stets nicht so einfach antizipierbar.

Es sieht momemtan so aus, als ob man gezielt im Nebel nach Titeln sucht und nicht die ganze Branche auswählt. Jeder Zyklus ist ein wenig anders als der Vorangegangene. Sonst würden die mit Vergangenheitsdaten gefütterten Algorithmen rasch die Hoheit übernehmen. Dass sie das nicht können, hat wieder einmal die vergangene Corona-Periode bewiesen.

Der gestrige Tag brachte wieder einen schönen Umschwung der Aktienmärkte nach oben – ist das eine Trendwende oder doch nur eine Gegenbewegung innerhalb einer längeren Schaukelbörse? Wäre eigentlich logisch, auch wenn es schwer fällt in einem reflexiven Gebilde wie der Börse von Logik zu sprechen..

Die Aktienmärkte und das Ende der Tech-Rally

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