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Aktienmärkte: TINA oder Zinsleck – oder was trieb die Kurse im ersten Halbjahr in diese Höhen?

Drei Hauptfaktoren, die für die (noch) andauernde Börsenhausse maßgeblich verantwortlich waren bzw. für die Zukunft sind!

Wolfgang Müller

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am

Eine permanente Eskalation im Handelsstreit in den letzten Monaten, eine sich abschwächende Weltwirtschaft und Gewinnwarnungen der Unternehmen „en masse“, dennoch sind die Aktienmärkte in vielen großen Volkswirtschaften im ersten Halbjahr um über 15 Prozent gestiegen. Hier ein paar Gedanken, um das Ganze zu einem großen Bild zu formen, abseits vom täglichen Auf und Ab der Kurse. Es gibt dafür nach meiner Ansicht drei Hauptfaktoren, die für die (noch) andauernde Börsenhausse maßgeblich verantwortlich waren bzw. für die Zukunft sind.

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1. Die Versorgung der Aktienmärkte mit billigem Geld, oder der monetäre Faktor.

Wie ich bereits in zahlreichen Kommentaren betont habe, ist das zu erwartende Zinsniveau eine entscheidende Größe, die Flut hebt bekanntlich alle Boote und den originären Abstoß gab „Jay“ Powell Ende Dezember 2018 mit seiner 180 Grad-Kehrtwende. Vorher war das Gegenteil passiert, vier Zinsanhebungen in 2018 und eine automatische Verknappung des Geldstromes durch eine Bilanzkorrektur von 50 Milliarden Dollar pro Monat. Seit einigen Wochen rechnen die Märkte fest mit drei Zinssenkungen in 2019, Ende Juli beginnend. Das alleine würde die Hausse aber nicht begründen.

2. Das Zweite ist das absolute Zinsniveau, das Aktienmärkte stützt

TINA (There is no alternative) oder das Zinsleck, beschreibt den einmaligen Umstand, dass die Zinsen so tief gefallen sind, dass man nach Inflation kaum noch Rendite (USA) bekommt oder sogar real Verluste schreibt (Europa, Japan). In meinem Artikel vom Donnerstag „Startet TINA jetzt so richtig durch …“ habe ich die Nöte der Kapitalsammelstellen beschrieben.

Vor den letzten beiden Krisen 2000 und 2007 konnte man bei Zinssätzen von 5 bzw. 6 Prozent noch leicht leichter an den Rentenmärkten „überwintern“. Aber heute? Keine Zinsen mehr an den Anleihemärkten, aber eine Dividendenrendite von zwei bis drei Prozent mit Dividendentiteln. Dazu noch die Aussicht, dass im zweiten Halbjahr in 19 Ländern die Zinsen weiter gesenkt werden, wie eine amerikanische Großbank vorhergesagt hat. Aber das ist auch noch keine Garantie für weiter steigende Kurse, es bedarf noch eines weiteren Faktors.

 

3. Das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne

Für die Börsen ideal ist ein moderates oder sogar ein schwaches Wirtschaftswachstum – wenn die Unternehmen noch Gewinne schreiben und sich billig refinanzieren können. Bei brummender Wirtschaft fließt das Geld in die Wirtschaft und die Notenbanken werden in der Regel „hawkish“.

Hier liegt das große Problem der Gegenwart: Das Auftreten einer Rezession. Die Märkte, wie die großen Institutionen, erwarten weder in den USA noch in Europa (auch nicht in Deutschland mit seinem tief rezessiven Industriesektor) eine Schrumpfung der Wirtschaft. Sollte dies passieren verliert der monetäre Faktor oder TINA sofort an Bedeutung. Bei einem Einbruch der Unternehmensgewinne „in Summa“ werden die Aktienkurse massiv einbrechen, die Bewertungskennziffern schössen in die Höhe. Dies haben wir in Einzelfällen bereits in Q1 in den USA gesehen, wo es bei Gewinnenttäuschungen selbst bei Großfirmen heftigste Kurseinbrüche bis in den zweistelligen Bereich gab. Was helfen mir Dividenden von zwei Prozent, wenn die Aktienkurse um 30 Prozent korrigieren?

 

Fazit

Aus dieser Argumentation wird nach meiner Ansicht klar, dass es für eine Fortsetzung der Kursanstiege beziehungsweise auch nur nur für eine Stabilisierung der Aktienmärkte eines nicht geben darf: Eine weitere Eskalation im Handelsstreit und eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft. Dann kann auch TINA oder das Zinsleck nicht weiterhelfen, die Aktienkurse werden den Unternehmensgewinnen folgen – nach Süden. Deshalb dürfte die kommende Quartalsberichtssaison doch einiges an Potenzial in petto haben, vor allem durch die Ausblicke auf das zweite Halbjahr.

Es gibt natürlich jederzeit exogene Schocks, die einen Börsenrutsch auslösen können, man denke nur an den Irankonflikt und die Straße von Hormus. Aber das wäre ein anderes Thema, der Blick in die Glaskugel.

 

Die Aktienmärkte trotzen den schwachen Konjunkturdaten

Foto: Deutsche Börse AG

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    8. Juli 2019 12:16 at 12:16

    Hervorragend zusammengefasst und auf den Punkt gebracht! Ich bewerte alles ganz genauso.

    Die Gefahr für Spekulanten auf fallende Aktienkurse sehe ich nicht in den Notenbanken, es sei denn, die EZB und die FED kaufen künftig auch noch Aktien, was nicht auszuschließen ist. Dann kann das Spiel noch Jahre fortdauern. Nicht einzuschätzen ist allerdings TINA. Es gab sie noch nie und ihre Kraft für steigende Aktienkurse könnte größer sein als die Kraft einer Rezession für fallende Aktienmärkte. Shortseller leben gefährlicher denn je.

  2. Avatar

    Johann Steinhaus

    8. Juli 2019 13:56 at 13:56

    Hallo Herr Müller,
    Fundamental stimme ich Ihnen absolut zu. Allerdings würde ich sogar noch einen weiteren Punkt welcher für den Anstieg der Märkte verantwortlich ist hinzufügen.
    Ein Punkt 4 wäre die wissentliche Marktmanipulation seitens der USA.
    Wie oft….., wurde ein voranschreiten und schnelle Lösung der Handelsstreitigkeiten USA/China, in den Medien verbreitet obwohl die US Administration genau wusste, wie weit man von einem „Deal“ entfernt ist. Jedesmal schossen die Märkte nach oben und korrigierten kaum.

    Gruß, Johann Steinhaus

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Aktienmärkte: Rally – es ist genug für alle da! Videoausblick

Heute der Leitindex S&P 500 wieder auf dem Stand vom 09.11 nach der Pfizer-Meldung – aber die Euphorie ist seitdem noch größer geworden!

Markus Fugmann

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Eigentlich ist ja der Montag für die Aktienmärkte der Tag für besonderen Optimismus (normalerweise Impfstoff-Optimismus) – aber der gestrige Montag konnte nicht liefern, vor allem die zuletzt so massiv gestiegenen Energie-Werte waren unter Druck. Nach den gestrigen eher leichtne Kursverlusten verschiebt man offenkundig den Montags-Optimismus einfach auf den Dienstag – Taktgeber heute sind Asiens starke Aktienmärkte nach guten Zahlen aus China. Auffallend ist: das Angstbarometer VIX steht nun genau dort, wo es vor dem Einbruch durch die Coronakrise war. Und der Leitindex S&P 500 steht jetzt da, wo er im Hoch nach der Pfizer/BioNTech-Meldung vom 09.November stand. Seit dem 09.November ist in diesem Sinne eigentlich nichts mehr passiert, aber die Euphorie ist gigantisch..

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DAX daily: Freundliche Asien-Börsen lassen den Dax wieder steigen

Stefan Jäger

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am

Was ein Hin und Her im Dax – gestern drückten die US-Börsen auf die Laune, in der Nacht ziehen die asiatischen Börsen die Kurse wieder hoch. Bereits im gestrigen Handel ging es wild Hin und Her. Zunächst beflügelten wie jeden Montag die Impfstoff-Hoffnungen den Dax, doch anschließend kam Gegenwind auf. Zum Wochenstart sah es gut aus für den deutschen Leitindex, dieser konnte das erste Mal seit September wieder über die Marke von 13.400 Punkten ansteigen. Mit einem Tageshoch bei 13.445 durfte der Dax sogar am September Hoch schnuppern, danach hat sich das Blatt jedoch gewendet. Auslöser für die Dax-Rally war erneut eine Impfstoff-Meldung, diesmal von Moderna. Der US-Pharmakonzern gab bekannt, dass man als erstes Unternehmen seinen Impfstoff in der EU beantragen will. Damit wurde die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung auch hierzulande weiter angetrieben.

Die US-Börsen haben sich diesmal aber nicht von der Impfstoff-Euphorie anstecken lassen. Während die US-Futures am Montagvormittag bereits Schwäche andeuteten, hat der Dax den Anstieg im Alleingang absolviert. Mit der Eröffnung der US-Börsen ist ihm schließlich die Puste ausgegangen. An der Wall Street setzten nämlich zum Ende eines sehr erfolgreichen Börsenmonats November deutliche Gewinnmitnahmen ein. Dem konnte sich der Dax auch nicht entziehen und gab seine Gewinne vollends wieder ab. Zum Handelsschluss musste der deutsche Leitindex letztendlich einen Verlust von 44 Punkten (-0,33%) verbuchen und schloss bei 13.291 Punkten. Unter dem Strich bleibt ein Kursgewinn von historisch einmaligen 15 % für den November. Für einen Schlusskurs über 13.300 hat es allerdings nicht gereicht. Aber starke Wirtschaftsdaten aus China und gut aufgelegte asiatische Börsen machen es für den Dax möglich das September-Hoch anzupeilen.

News und fundamentale Daten

Nachdem gestern bereits der Einkaufsmanagerindizes für die Industrie (EMI) aus China für eine positive Überraschung sorgte, konnte auch der heute Morgen veröffentlichte HSBC Einkaufsmanagerindex die Erwartungen übertreffen. Dieser ist mit einem Wert von 54,9 um 1,4 Punkte höher als erwartet ausgefallen (Prognose 53,5; Vormonat 53,6). Von den guten Zahlen konnten auch die Börsen in China und Hongkong profitieren, die allesamt Gewinne verzeichnen. Um 9:55 Uhr folgen dann die deutschen EMI-Daten für das verarbeitende Gewerbe. Zudem erscheinen gleichzeitig die Daten zur Veränderung der Arbeitslosigkeit und die Arbeitslosenquote für den November. Danach geht es mit den  Konjunkturdaten aus der Eurozone weiter. Um 10:00 sehen wir zuerst den EMI der Industrie, anschließend folgt um 11:00 Uhr der Verbraucherpreisindex. Die zahlreichen Daten aus Deutschland und der Eurozone könnten folglich Bewegung in den Dax bringen.

Außerdem werden am Nachmittag Wirtschaftsdaten aus den USA veröffentlicht. Den Auftakt machen die EMI-Daten um 15:45 Uhr sowie der ISM Einkaufsmanagerindex um 16:00 Uhr. Zeitgleich findet um 16:00 Uhr die Stellungnahme von Fed-Chef Powell vor dem Kongress statt. Sollte der Fed-Vorsitzende Hinweise auf die zukünftige Geldpolitik geben, dann dürfte es zu Volatilität an den Märkten kommen.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Nachdem der Dax im gestrigen nachbörslichen Handel Abgaben zu verzeichnen hatte, konnte er diese während der Asien-Rampe wieder zurückgewinnen. Im frühen Handel notiert der Leitindex nahe der 13.400. Darüber erstreckt sich eine breite Widerstandszone. Zuerst kommt das Nachthoch bei 13.423, danach folgt des gestrige Tageshoch bei 13.445 und zuletzt befindet sich das September-Hoch bei 13.460. Dieses Bollwerk muss der Dax überwinden, um den Anstieg fortzusetzen.  Dadurch würden sich weitere Ziele bei 13.530 und 13.600 ergeben. Mit dem Erreichen der 13.600 hätte der Dax die vorherige Seitwärtsrange nach oben abgearbeitet, dann wäre der Index

Ein Scheitern an dem Bollwerk könnte den Dax wieder unter die 13.300er Marke befördern. Zuvor könnte er aber an dem Unterstützungsbereich bei 13.340/320 Halt finden. Durchbricht der Dax auch diese Zone, dann folgen bei 13.256 und 13.235 weitere Unterstützungen. Ein Unterschreiten der Tiefs würde Abwärtspotenzial bis 13.140 freisetzen. Darunter bietet die Unterkante der vorherigen Range bei 13.020/004 weiteren Halt.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Tagesausblick 01.12. - H1-Chart - asiatische Märkte unterstützen

Heutige Pivot Punkte (PP):

13.551 – Pivot Punkt R2

13.434 – Pivot Punkt R1

13.330 – Pivot Punkt

13.213 – Pivot Punk.t S1

13.108 – Pivot Punk.t S2

Dax Unterstützungen (US):

13.330 – vormals WS

13.235 – Tagestief 25.11.

13.137 – Schlusskurs 20.11.

13.054 – Tagestief 20.11.

13.004/020 – Doppelboden (Tief 13.11. / 12.11.)

Dax Widerstände (WS):

13.423 – Nachthoch

13.460 – September-Hoch

13.530 – 261,8 % Extension

13.600 – Ausbruchsziel Seitwärtsrange

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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Finanznews

Aktienmärkte: Trotz Impfstoff-Hoffnung Verluste – warum? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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am

Die Aktienmärkte heute trotz neuer Impfstoff-Hoffnungen im Minus – und das an einem Montag, dem Wochentag, an dem eigentlich Gewinne fast garantiert waren in den letzten Wochen. Warum also steigen die Aktienmärkte nicht mehr trotz guter Nachrichten? Dafür gibt es wohl zwei Antworten: die erste ist, dass alle schon drin sind – wer soll also noch kaufen? Und die zweite Antwort dürfte sein, dass Profi-Investoren (Pensionsfonds, Investmentfonds etc.) in Aktien übergewichtet und in Anleihen untergewichtet sind und nun ihre Portfolios adjustieren müssen (siehe den heutigen Videoausblick) – sie treten daher bis Jahresende tendentiell als Verkäufer und nicht als Käufer auf. Trotz guter Saisonalität für die Märkte besteht also weiteres Korrektur-Potential..

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Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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