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Aktienmärkte: Trotz Rally fließt das Geld woanders hin!

Trotz der gestiegenen Kurse der Aktienmärkte haben Anleger ihre Cashreserven erhöht. Einer Erhebung der Privatbank Berenbank zufolge sind von Januar bis Mitte Mai weltweit 1,2 Billionen Dollar in Geldmarktfonds geflossen

Aktienbären – also jene, die Rallys der Aktienmärkte gerne zum shorten nutzen –  hassen dieses Wort: TINA. Zumal es aberwitzig erscheint, wenn zu Zeiten des größten Wirtschaftseinbruchs aller Zeiten, die Aktienmärkte immer weiter steigen. „Spinnen die Aktienmärkte“, lautet eine noch zahme Umschreibung der Situation. Allerdings gibt es einfach dieses „blöde“ Akronym (TINA) – und die Lage wird nicht besser, wenn man neue Meldungen berücksichtigt.

Die Flucht in Sicherheit – trotz Rally der Aktienmärkte

Die Coronakrise hat die Volkswirtschaften der Länder in die tiefste Rezession (zumindest kurzfristig geführt), die man in Geschichtsbüchern nachlesen kann. Die Schrumpfung von -2,2 Prozent (Deutschland) und –4,8 Prozent (USA) sind erst ein müder Abklatsch des Kommenden, da der Höhepunkt des Lockdowns in den westlichen Staaten der Monat April und damit das zweite Quartal sein wird. Quartalseinbrüche von minus 15 bis minus 35 Prozent machen die Runde – und der Monat April dürfte in die statistischen Tabellen als der schlimmste Monat eingehen, den es je in Zeiten der globalisierten Wirtschaftswelt gegeben hat.

Demzufolge sind trotz hoher Kurse der Aktienmärkte sehr viele Anleger in die Warteposition der Geldmarktfonds gegangen. Warum die Kurse dennoch so hoch stehen, ist das Thema der Gegenwart (siehe gestriger Artikel) durch eine Geldflut biblischen Ausmaßes, die den Anlagemärkten stark zugute kommt. Weil die Notenbanken den Anlagezins zerstören und selbst die konservativste Stiftung zur Generierung von Ausschüttungen auf die so gefürchteten, unberechenbaren Aktienmärkte schielt.

Bei der gestrigen Emission einer 2-jährigen deutschen Anleihe mit Nullkupon und einer Rendite von minus 0,66 Prozent können nur Anlagerichtlinien befolgt werden, aber kein Ertrag erzielt werden. Außer man hofft auf einen weiteren Rückgang der Zinsen in den Minusbereich und Kurzzeitgewinne durch Duration. Aber dies ist nichts für Stiftungen, eher für spekulierende Banken. Den Versicherungen wird wohl oder übel nicht anderes übrig bleiben, als ihren Aktienanteil zu erhöhen, wenn am Anleihemarkt nichts mehr zu holen sein wird. Im Jahr 2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase hatte der Aktienanteil der deutschen Versicherer schon einmal 26,4 Prozent betragen – und liegt seither stets unter 10 Prozent. Hat Börsen-Urgestein Gottfried Heller recht, als er bereits letztes Jahr behauptet hat, die Niedrigzinsphase werde die Versicherer zwingen, ihre Anlagenrichtlinien zu ändern? Der größte Staatsfonds der Welt – der norwegische Statens Pensjonsfond – , hatte dies bereits im letzten Jahr getan und die Aktienquote von 60 auf 70 Prozent erhöht.

Die gestiegenen Cashquoten

Trotz der gestiegenen Kurse der Aktienmärkte haben Anleger ihre Cashreserven erhöht. Einer Erhebung der Privatbank Berenbank zufolge sind von Januar bis Mitte Mai weltweit 1,2 Billionen Dollar in Geldmarktfonds geflossen. Das bedeutet insgesamt die unglaubliche Summe von 4,8 Billionen Dollar in real negativ verzinsten Papieren. Dies ist, wie die Bank bemerkt, mehr als die gesamte Marktkapitalisierung der Aktien der Euro-Zone von etwa 3,7 Billionen Dollar – oder fast so viel wie die gesamte Marktkapitalisierung der Schwellenländer in Höhe von 5,1 Billionen (ex China). Noch gibt es ein bisschen Zinsen auf das Tagesgeld, aber was passiert, wenn die Zinsen auch in den USA ins Negative gleiten, wie es von vielen Volkswirten schon erwartet wird? Das Geld wird nicht allzu lange bei Negativverzinsung parken. Die Frage ist nur, wohin damit? In die Aktienmärkte?

Fazit

Auch wenn man immer wieder hört, dass viele US-Kleinanleger am Markt zocken, überinvestiert sind, so stehen immer noch große Summen an der Seitenlinie, die investiert werden können. Ob dies derzeit eine so gute Idee ist, steht auf einem anderen Blatt. Jede Hausse der Aktienmärkte, so absonderlich sie auch sein mag, wird immer wieder durch Gewinnmitnahmen unterbrochen. Auch wenn die Sell im May-Regel in dieser ungewöhnlichen Situation eines Lockdowns und einer V-förmigen Erholung nicht ertragreich sein sollte, so ist das berüchtigte Sommerloch bis in den Herbst doch überaus häufig.

Insgesamt betrachtet liegt noch viel Geld auf den Konten, trotz Corona. Erst recht bei den Deutschen. Wie hoch waren laut Bundesbank die Einlagen auf Girokonten und Tagesgeldkonten noch vor wenigen Monaten? 2,4 Billionen Euro, allein über eine Billion auf dem Girokonto. Allein davon könnte man den Dax zwei Mal erwerben. Aber Deutsche und die Aktienmärkte, das ist eine besondere Beziehung..

Trotz Rally fließt Geld eher nicht in die Aktienmärkte, sondern in die Geldmärkte



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3 Kommentare

  1. Es investiert auch deswegen keiner in den Markt, weil er voller Zombiefirmen ist, die irgendwann mal platzen und andere gute Firmen mitreißen. Und darauf warten viele.
    Und wenn die Notenbanken die Märkte mit Geld fluten, fließt es eben großteils in Geldmarktfonds. (Es fließt erst in die Märkte, dann in die Aktien, dann verkaufen diese vielen bei guten Preisen und schichten das gehabte und dazugewonnene Geld in Geldmarktfonds.) Das Wissen von Markus Krall, von Mises, usw. breitet sich eben aus.
    https://www.youtube.com/watch?v=dku7LfketuQ

  2. Der fundamentale Unterschied zwischen Anleihen und Aktien ist: Anleihen sind – bis auf das Emittenten- und Inflationsrisiko – eine bombensichere Anlage ohne Risiko eines Wertverlustes. Aktien dagegen können – schon aus Prinzip – auch erheblich im Wert schwanken, und machen somit eine Anlage risikoreicher. Und als dritter großer Kapitalsammler gibt es dann noch die Geldmarktfonds, die sich im Prinzip aber nicht von den Anleihen unterscheiden.

    Bei einer Deflation sind Geldmarktfonds und kurzlaufende Anleihen eindeutig die Gewinner. Bei einer Inflation wären es die Aktien (und ggf. kurzfristig Bargeld zwecks Sachwert-Investitionen), aber ganz sicherlich keine langlaufenden Anleihen.

    Vielleicht wird auch nach einer Deflation-/Inflation-Erwartung das Geld entsprechend investiert. Ggf. nimmt man auch 0% Zinsen in Kauf, wenn man dadurch vor Wertverlust geschützt ist. Unter diesem Aspekt kann der Geld- und Anleihemarkt noch unendlich viel Kapital aufnehmen – und der Aktienmarkt schrumpfen.

    Es wird immer von dem Zwang zu Gewinnen und Renditen bei Versicherungs- und Pensionsfonds gesprochen – aber was wird die Zukunft bringen? Möglicherweise Wertverluste? Dann wäre man schon über Werterhalt und null Rendite glücklich. Ich sehe eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass in näherer Zukunft ein erheblicher Wertverlust bei diesen Fonds eintreten wird – sei es durch Deflation oder Inflation. Also sollte man jetzt nicht über fehlende oder magere Renditen „meckern“.

  3. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 11. Juni 2020 | das-bewegt-die-welt.de

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