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Aktienmärkte: Turbulenzen voraus – oder endet der Januar im Plus?

Als vor einem Monat die großen Prognosen für das Börsenjahr abgegeben wurden, waren sich die vielen „Seher“ einig, dass es ein positives Jahr für die Aktienmärkte werden sollte. Allerdings mit großen Schwankungen, was sich in den letzten Tagen schon ein bisschen bewahrheitet hat. Heute endet der erste Monat und der berühmte Januareffekt wird sehr genau betrachtet, denn dieses saisonale Muster gibt sehr oft Hinweise auf den Verlauf eines Aktienjahres.

Aktienmärkte: Zinsen, Inflation, Corona und die „Unknown Unknowns“

1,08 Prozent, so hoch soll die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe bis zum Ende des Jahres gestiegen sein, so der Bankenkonsensus von Mitte Dezember. Eine wichtige Wirtschaftszahl, denn daraus erkennt man, ob sich eine Konkurrenz für die Aktienmärkte entwickelt, denn bei Negativrenditen gibt es für viele Kapitalsammelstellen eben wenig Alternativen zum Aktienmarkt. 1,19 Prozent war schon einmal der Höchstwert im Januar, gestern endete der Handel bei knapp 1,05 Prozent – Ausdruck der Sorgen um eine Verspätung der Konjunkturerholung.

Bei der Inflation gibt es zwar die ersten Anzeichen für ein Anziehen, aber Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks geben sich noch recht gelassen. Ganz im Gegenteil, die permanente Unterschreitung des fiktiven Inflationsziels von zwei Prozent wird ständig als Grund für eine weitere „akkomodative“ Geldpolitik herangezogen. Wenn man sich hierbei nicht täuscht, sollte die Konjunktur tatsächlich nach der erfolgreichen Bekämpfung von Covid-19 anspringen, ist mit einer ähnlichen Entwicklung bei den Preisen zu rechnen. Nicht bei den Gütern, die immer noch sehr günstig auf den Markt geworfen werden, sondern bei Dienstleistungen, bei staatlichen Abgaben (Stichwort CO2-Steuern, Kommunalgebühren) und bei den Energiepreisen, schließlich wird man im zweiten Quartal 2021 einen Vergleich zu einem historischen Kollaps in der Vergleichsperiode 2020 herststellen müssen.

Einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und auf die Aktienmärkte wird natürlich die Eindämmung von Covid-19, seine Mutanten und der Fortgang der Impfungen haben. Hier gibt es nicht nur Unsicherheit, sondern große Asymmetrien. Während in Deutschland Gesundheitsminister Jens Spahn von einem noch 10-wöchigen Engpass bei der Belieferung mit den Vakzinen spricht, haben die USA bereits gewaltige Vorteile. Zum einen zynischerweise durch ihre Ignoranz bei der Bekämpfung, was schon zu 26 Millionen offiziellen Coronafällen (inklusive der Dunkelziffer heißt > 100 Millionen?) und zum anderen über die „America-First-Strategie“. Man hat nicht nur ausreichend Impfstoffdosen geordert, indem man einfach die Finanzkraft des Landes eingesetzt hat, sondern bereits 24 Millionen Bürger bis Ende Januar geimpft. Es sollen jeden Tag über eine Million Impfungen erfolgen, so dass man bereits Ende April davon ausgehen kann, dass dem Virus künftige Wirte in ausreichender Zahl ausgehen könnten. Für die Wirtschaft ein großes Thema, desto langsamer die Impfungen, desto später eine Rückkehr zur Normalität.

Was die „Unknwown Unknowns“ angeht, kann man natürlich nur spekulieren. Aber mit den Aktionen des Flashmobs an der Börse und dem Thema der Gegenwart – Angriff Main Street gegen Wall Street, oder Youngsters gegen Hedgefonds -, kann man sehen, wie schnell Ereignisse auftreten können, die das Potenzial haben, die Aktienmärkte auf Talfahrt zu schicken. Dabei gibt es vielen Entwicklungen an den Börsen, über die schon so viel geschrieben wurden und die jederzeit ein Gewitter auslösen können. Die unglaublichen Call-Spekulationen, der Margin Debt, die Exzesse bei Pennystocks, die niedrigen Cashquoten der Dickschiffe, man könnte die Liste der Warnzeichen noch lange fortsetzen.

Aber die größte Unwägbarkeit werden wohl die Marktteilnehmer selbst sein, wenn sich ein Positivszenario bei Konjunktur und Corona einstellen sollte. Was passiert im Sommer wenn sich die Wachstumsraten, wie in Q3 2020 plötzlich in die Höhe schrauben, muss nicht die staatliche Notversorgung durch Stimuli enden? Wird der wichtigste Treiber der Aktienmärkte, der stetige Zuwachs bei der Geldmenge, nicht zumindest gebremst werden?

Könnten nicht Kapitalmarktzinsen und Inflation parallel steigen und die Argumentation für weiteres Quantitative Easing absenken? Könnte es nicht ein börsentypisches „Sell on Good News“ geben, wenn das eintritt, was die Aktienmärkte schon ein Dreivierteljahr vorher eingepreist haben? Kein Volkswirt kann dafür valide Antworten geben, weil an der Börse die handelnden Akteure zugleich Beobachter sind, die durch ihr Verhalten den Gang der Dinge bestimmen (damit die Börse), weil sie schon wieder in die Zukunft blicken.

Fazit

Also wie wird der Januar als scheinbarer Signalgeber für das Gesamtjahr der Aktienmärkte enden? Während die USA durch ihren Swing an den Märkten am gestrigen Tag gute Chancen haben den Monat im positiven Terrain zu beenden, wenn auch nur mit einem kleinen Anstieg, so dürfte dies dem deutschen Leitindex deutlich schwerer fallen. Oder gibt es noch ein wenig Window Dressing?

Auf saisonale Muster der Aktienmärkte würde ich persönlich zu Zeiten von Corona allerdings nicht allzu viel geben. Ich habe es schon öfters im Jahr 2020 kommentiert, wo kaum ein saisonales Muster gestimmt hat. Wir haben zwei Parameter, für die es keine historisch verwertbare Blaupause gibt: Eine Pandemie und Zinsen an der Nuller-Marke, dazu eine Verschuldung, wie es sie nicht einmal nach Weltkriegen gegeben hat. Wie also wird das Börsenjahr 2021? You can make an educated guess!

Wie endte der Januar für die Aktienmärkte?



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1 Kommentar

  1. Ja heute noch ein wenig Window Dressing und nächste Woche müssen die Fenster verriegelt werden, sonst machen wieder einige Falschzoker Bungie Jumping ohne Seil.Denkt bitte daran, das Netz von „ Jerome von der Lüge „ beschützt nur die Aktienmärkte.Bitte beachten, der nächste Montag wird der erste seit langem ohne Impfstoffhoffnung.

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