Die Aktienmärkte stehen am Scheideweg – eine Korrektur droht. Während Insider in großem Stil verkaufen und damit Zweifel an den hohen Bewertungen aufkommen lassen, fließt weiterhin frisches Kapital von Privatanlegern in US-Aktien. Zwischen Euphorie und Vorsicht prallen gegensätzliche Signale aufeinander – ein Umfeld, das die kommenden Monate an den Börsen besonders brisant machen dürfte.
Insider stoßen US-Aktien ab
In ihrem neuen Video „Insider verkaufen ihre Aktien wie nie zuvor …” weist Bravos Research auf die derzeitigen Risiken an den US-Aktienmärkten hin. Die Dynamik zeigt laut den Analysten ein paradoxes Bild. Während Privatanleger seit Jahresbeginn über 155 Milliarden Dollar in die Aktienmärkte gepumpt haben – der größte jemals verzeichnete Kaufrausch – nutzen Insider und Unternehmenslenker die Gelegenheit, um sich von eigenen Anteilen zu trennen. Ein Blick auf die Kennzahlen verdeutlicht dies: Das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen unter Insidern ist auf 0,21 gefallen – der niedrigste Wert seit zwei Jahrzehnten. Damit kommen auf einen Insider-Käufer fast fünf Verkäufer, was als klares Warnsignal gedeutet werden kann. Gleichzeitig verzeichnet die Zahl der börsennotierten Unternehmen mit Netto-Käufen durch Führungskräfte den schwächsten Stand seit über zehn Jahren.
Diese Entwicklung wirft Fragen auf, da Insider gemeinhin als „Smart Money“ gelten – ausgestattet mit dem besten Einblick in die wirtschaftliche Lage ihrer Firmen. Privatanleger hingegen tragen häufig das Etikett des „Dumb Money“. Während also Kleinanleger optimistisch in die Aktienmärkte drängen, zeigt die Zurückhaltung der Insider eine gänzlich andere Lesart. Ein Grund für die Zurückhaltung der Führungskräfte könnten die hohen Aktienbewertungen vor allem bei Tech-Aktien sein. Der folgende Chart zeigt die 40%-Rally des Nasdaq 100 seit dem April-Tief.
Aktienmärkte: Konsturktives Umfeld
Gleichwohl ist das Bild komplexer, als es die Verkaufswelle der Insider auf den ersten Blick vermuten lässt. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen präsentieren sich für die Aktienmärkte äußerst günstig. Das reale US-Wachstum liegt stabil bei rund zwei Prozent und ähnelt damit Phasen in den 1990er-Jahren, die als Hochzeiten für die Börse gelten. Vor allem die großen Technologieunternehmen treiben das Wachstum voran. Hinzu kommt eine Trendwende in der Geldmenge: Nach Jahren der Schrumpfung wächst das Liquiditätsangebot seit den jüngsten Zinssenkungen der Federal Reserve wieder kräftig. Historisch betrachtet, ging eine solche Re-Liquidisierung mit deutlichen Kurssteigerungen einher.
Vor diesem Hintergrund erscheint das Engagement der Privatanleger nachvollziehbar. Die Voraussetzungen für steigende Kurse sind gegeben, auch wenn die hohen Bewertungen von US-Aktien Risiken bergen. Der Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis unterstreicht die Nervosität der Insider: Mit den derzeitigen Forward-KGVs bewegen sich die Aktienmärkte auf Bewertungsniveaus, die zuletzt in den späten 1990er-Jahren sowie 2021 erreicht wurden – beides Perioden, nach denen markante Korrekturen folgten.
Der Nasdaq 100, der größte Gewinner an den Aktienmärkten seit dem Einbruch im April, wird mit dem 27-fachen der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne gehandelt und liegt damit fast ein Drittel über seinem langfristigen Durchschnitt. Doch die Geschichte zeigt ebenfalls, dass überhöhte Bewertungen nicht zwangsläufig sofortige Einbrüche bedeuten müssen. So blieb der Aktienmarkt nach 1998 zwei Jahre teuer und legte dennoch um mehr als 50 Prozent zu, bevor es zu einer massiven Korrektur kam, die schließlich die Bewertungen drückte.
Fazit
Bravos Research weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine vorsichtigere Haltung gegenüber den Aktienmärkten im kurzfristigen Bild angebracht ist. Zwar bleiben die mittel- bis langfristigen Aussichten dank solider Wachstumsdynamik und wachsender Liquidität günstig, doch saisonale Schwankungen, eine heißgelaufene Rally und überzogene Bewertungen machen kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlich. Laut den Bravos-Analysten könnte dies jedoch eine Chance sein, die Marktpositionen in einem weiterhin unterstützenden Umfeld auszubauen.
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Wenn wir jetzt eine Angebotsinflation haben, durch die Zölle, steht dem ja keine steigende Kaufkraft gegenüber. Das müsste eigentlich zu einem Wirtschaftsrückgang führen. Zinssenkungen wirken auch nicht so schnell.
Wer heutzutage das KGV als einziges Kriterium für überbewertete Aktienmärkte heranzieht, hat keine Ahnung. Gerade bei Tech-Aktien ist das KGV irrelevant. Wichtig ist, wie sich Umsatz und Gewinne der Unternehmen entwickeln. Wenn eine Aktie ein KGV von 100 hat, aber die Gewinne stärker steigen, geht das KGV langfristig auch runter. Das KGV ist ein Überbleibsel aus dem letzten Jahrhundert.