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Europa-Märkte heute mit Eigenleben ohne USA Aktienmärkte und Anleiherenditen steigen gleichzeitig – der Grund

Ohne US-Impuls steigen die Aktienmärkte in Europa heute eigenständig, gleichzeitig dazu auch die Anleiherenditen. Ein Blick auf die Gründe.

Börsenkurse
Grafik: pongpun-Freepik.com

Heute haben die US-Aktienmärkte aufgrund eines Feiertags geschlossen. Dennoch tut sich aktuell ordentlich was bei europäischen Aktien und Anleihen – ein echtes Eigenleben, fast unglaublich! Und dazu gibt es noch einen ungewöhnlichen Gleichschritt.

Der Dax steigt heute – trotz massiver Anstiege in der letzten Woche – um weitere 0,89 % an. Gleichzeitig sehen wir, wie Anleiherenditen in Europa heute steigen. Die zehnjährige deutsche Bund-Rendite steigt heute von 2,43 % auf 2,49 %, in Frankreich steigt sie gegenüber Freitag Abend von 3,12 % auf 3,17 %. Im Chart sehen wir den deutschen Aktien CFD DE40 und die deutsche Rendite seit Freitag Mittag. Eigentlich verlaufen beide Kurslinien meistens eher gegenläufig. Denn je höher die Renditen für Anleihen notieren, desto attraktiver sind Investitionen in Anleihen für institutionelle Investoren im Vergleich zu Aktien. Aber heute haben wir eine Art Sondersituation in Europa. Die Aktienmärkte steigen aufgrund von großen Hoffnungen, dass die EU-Staaten ihre Neuverschuldung massiv hochfahren könnten, um nach einem möglichen Kriegsende in der Ukraine erstens das Land wieder aufzubauen, zweitens für Friedenssicherung an der Grenze zu Russland zu sorgen, und drittens in ihren eigenen Ländern massiv nachzurüsten.

Chart vergleicht deutsche Aktienmärkte und Anleiherenditen seit Freitag

Denn die USA machten jüngst immer deutlicher, dass sie sich nach einem möglichen Kriegsende in der Ukraine wohl gar nicht an einer Finanzierung von Folgekosten beteiligen wollen. Man will offenbar das Problem den Europäern überlassen. Dies brächte womöglich für zahlreiche europäische Unternehmen ein großen Auftragsschub. Man denke dabei an Rüstungskonzerne (Rheinmetall und Co heute mit Mega-Rally), Technik-Ausrüster (Siemens und Co), Baustoffunternehmen uvm.

Aber warum fallen denn heute die Anleihekurse, was automatisch die Anleiherenditen steigen lässt? Die Aussicht auf eine deutlich höhere Neuverschuldung der EU-Staaten sorgt für diese höheren Renditen. Die Aussicht auf eine massiv ansteigende Staatsverschuldung war in den letzten Monaten auch ein Grund dafür, dass die Anleiherenditen in den USA stiegen, obwohl die Zentralbank ihre Zinsen senkte. Kurz und simpel formuliert: Wie bei Privatpersonen, so ist es auch bei Staaten: Wer mehr Schulden aufnimmt, zahlt auch höhere Zinsen. Und Anleiherenditen sind sozusagen der Realtime-Vorläufer für die zukünftige Entwicklung.

Fraglich ist, ob dieser heutige Zustand weiter andauern kann. Anleiherenditen steigen, parallel dazu auch die Aktienmärkte? Eigentlich ein Unding. Aber am Aktienmarkt ist man derzeit mitten in einer großen FOMO-Rally. Niemand scheint noch länger am Seitenrand stehen zu wollen, während alle investierten Anleger immer mehr Gewinne machen. Jeder will nun wohl mit an Bord sein bei der großen Sause? So eine Rally kann jenseits vieler negativer Faktoren die Kurse eine ganze Weile weiter ansteigen lassen, bevor aus dem Nichts die große Ernüchterung eintritt, in Form eines plötzlichen Absackers.



Claudio Kummerfeld

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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