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Aktienmärkte: Vor der US-Berichtssaison – Woche der Ruhe?

Die Wochen der Wahrheit stehen für die Aktienmärkte an – mit der Dokumentation des größten pandemiebedingten Wirtschaftseinbruchs der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg! Es werden Zahlen geliefert zum zweiten Quartal 2020, in dem der Lockdown seinen Höhepunkt hatte und bei dem bis zu vier Milliarden Menschen in Quarantäne versetzt wurden. Dazu Daten zu den verschiedenen Bruttoinlandsprodukten, aber vorher kommen die Quartalsberichte der Unternehmen.

Allerdings wird es noch über eine Woche dauern bis am 15. Juli Alcoa den Reigen der US-Unternehmensberichte eröffnen wird.

Unterstützung für die Aktienmärkte

Auch wenn man das Gefühl hat, die Aktienmärkte würden immer weiter steigen, trügt dieser Eindruck. Seit der ersten Juniwoche laufen die Märkte in einem Seitwärtstrend quer – Ausnahme der Nasdaq, dessen Tech-Werte durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens profitieren konnten. Titel wie Amazon, Alphabet und Microsoft befeuern den Index, der sogar seit Jahresanfang im Plus liegt. Der Nasdaq seit Jahresanfang klar im Plus, der Dow im Minus, so etwas gab es bisher erst drei Mal seit Gründung des Technologie-Index im Jahr 1971.

Dax: Der deutsche Leitindex ist nach einer wochenlangen Aufwärtphase und einer deutlicheren Korrektur in eine richtungslose Phase eingetreten. Er startete mit 12.000 Punkten in den Juni, erreichte sein Hoch am 5. Juni mit etwa 12.900 Punkten und pendelt (bis inklusive Freitag) seither zwischen 11.900 und 12.600 Punkten herum.

S&P 500: Der große Leitindex aus den USA begann den Monat Juni mit 3080 Punkten, das Hoch kam am 8. Juni mit etwa 3240 Punkten, Unterstützung bot stets der 200-Tagesdurchschnitt bei 3020 Punkten, der Index pendelte oberhalb dieser Marke, um am Donnerstag mit 3130 Punkten aus dem Markt zu gehen.

Was stützte die Aktienmärkte trotz schlechter Daten aus der Wirtschaft? Da ist zum einen der Blick in die Zukunft: Ob der Sprung des US-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe über die 50-er-Marke im Juni, das Verbrauchervertrauen, die Einzelhandelsumsätze in den USA, oder der zaghafte Anstieg am Arbeitsmarkt.

Die Stimmung in der Eurozone, die sich im Juni laut Marktforschungsinstitut IHS Markit im Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft im Juni auf 48,5 Punkte, nach 31,9 Punkten im Mai, gesteigert hat. Und immer wieder Daten aus China, die auf langsame Normalisierung hindeuten. Dort wuchs die Dienstleistungsbranche im Juni so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Asien ist erkennbar weiter in der Bewältigung der Coronakrise als der Westen.

Nicht zu vergessen die Prognose des Münchner Ifo Instituts in der letzten Woche. Derzufolge sich die deutsche Wirtschaft nach dem Rekordeinbruch spürbar erholen soll, im dritten Quartal mit einem Wachstum um 6,9 Prozent und 3,8 Prozent im Jahresschlussquartal.

Weiterhin gilt der Anlagenotstand bei Zinsanlagen, denn laut einer Analyse der Anlageplattform Raisin sind die Zinssätze für ein- bis dreijährige Festgelder in einigen europäischen Ländern inklusive Deutschland zuletzt gesunken. Die größten Banken in diesen Märkten böten aktuell nur Zinssätze von weniger als 0,05 Prozent an.

Insgesamt unterstützen die altbekannten Faktoren die Aktienmärkte, wie die Rettungspakete von Regierungen und Notenbanken weiter, mit Krediten, staatlicher Unterstützung, steuerlichen Erleichterungen, Helikoptergeld und Weiteres – mit Summen in einer Höhe, die den fünf bis sechsprozentigen Einbruch der Weltwirtschaft 2020 übersteigen.

Gegenwind für die Aktienmärkte

Natürlich steigen die wirtschaftlichen Aktivitäten lange nicht so schnell, wie man es von dem Kursanstieg der Aktienmärkte erwarten könnte. Mit jedem Monat wächst die Schieflage bei Unternehmen, werden höhere Restrukturierungsmaßnahmen und Entlassungen erforderlich. Was wird alles offenbart werden müssen, wenn der Insolvenzschutz im Herbst fällt? Und dann das Thema Coronakrise. Aus den USA werden ständig neue Höchstmarken aktueller Infektionszahlen gemeldet. Fast 60.000 Infizierten pro Tag –  und Chefvirologe Fauci spricht schon von möglichen 100.000 pro Tag. Wie soll hier der internationale Handel, das Flug- und Reisegeschöft in Gang kommen, bei der Bedeutung der USA für die Weltwirtschaft? Die Aktienmärkte in den USA haben schon viel vorweggenommen, die aktuelle Ertragskraft der Unternehmen kann die Kursentwicklung nicht rechtfertigen. Dafür werden ab Mitte Juli die Fakten geliefert.

Was bringt uns diese Woche?

Neben den Infektionszahlen aus den USA und ihre Bedeutung für lokale Lockdowns gibt es weitere Konjunkturdaten, die etwas Aufschlüsse über den Fortgang oder den Stillstand bei der Erholung der Wirtschaft geben können. In der Eurozone zunächst die Einzelhandelsumsätze im Juni, für die USA heute der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor.

Tags darauf Chinas Exportzahlen und Zahlen zu Deutschlands Industrieproduktion. Später in der Woche Daten zu Deutschlands Exporten und Importen im Juni. Dazu natürlich die übliche Zahlen zu den US-Arbeitslosenanträgen. Alles in allem viel Blick in den Rückspiegel, bevor man die Woche darauf bei den Quartalszahlen auf die Ausblicke der Unternehmen wartet. Wird weiter geschaukelt – Volatilität im Seitwärtstrend?

Fazit

Es bleibt bei diesem für viele unverständlichen Paradoxon: Stark steigende Coronazahlen in den USA, wieder leicht anziehende Werte in Ländern, wo man die Krise schon weitgehend eingedämmt hatte – von Japan über Israel bis Österreich – und vermehrte Publikationen über das diesjährige Schrumpfen der großen Ökonomien der Welt. Dennoch gibt es noch keine Anstalten auf größere Korrekturen der Aktienmärkte. Derzeit scheint sich ein Patt herausgebildet zu haben, denn auf der anderen Seite gibt es die Geldflut, den Anlagenotstand, die Erwartung auf eine konjunkturelle Erholung im Jahr 2021, die Hoffnung auf Impfstoff und wenn es Gegenwind gibt, die Bereitschaft von Regierungen und Notenbanken sofort wieder eine Bazooka abzufeuern, zumal es gerade noch gut 16 Wochen bis zur US-Präsidentschaftswahl sind.

Wer oder was wird dieses fragile Gleichgewicht an den Märkten beenden? Vielleicht doch Enttäuschungen durch die Berichtssaison? Aber die Unternehmen hatten lange Zeit mit ihrer gewohnten Methode die Erwartungen vorher in den Keller zu formulieren, um sie in der Regel am Berichtstag übertreffen zu können. Die Sommerzeit schreit nach Korrekturen der Aktienmärkte, Auslöser „The Unknown Unknown“..

Die Aktienmärkte sind vor derzeit in einer Pattsituation



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