Nach dem jüngsten Ausverkauf an der Wall Street haben sich die US-Aktien am Mittwoch stabilisiert. Ein geringerer Anstieg der Verbraucherpreise verhalf den US-Aktienmärkten zu einer zaghaften Erholung. Für eine echte Erholungsrallye fehlt es aber noch an Kaufinteresse. Das Hin und Her von Trump bei den Zöllen und die Angst vor einer „Trumpcession“ ließen die Anleger misstrauisch bleiben. Die Erholung wurde von den großen Technologiewerten angeführt, während sich der Abwärtstrend bei Apple fortsetzte.
Aktienmärkte: Erholung aber keine Wende
Asiatische Aktien legten am Donnerstag zu, nachdem eine niedriger als erwartet ausgefallene US-Inflation der Wall Street nach zwei Tagen mit starken Verlusten zu einer Erholung verhalf. Auch die japanischen Aktienmärkte legten zu, während die Futures auf US-Aktien im frühen asiatischen Handel unverändert blieben. Selbst nach den Kursgewinnen des S&P 500 und des Nasdaq 100 am Mittwoch, den ersten seit Freitag für die US-Benchmarks, liegen beide in dieser Woche um mehr als 3 % im Minus. Die Aktienkurse in Hongkong fielen, nachdem am Mittwoch ein Index chinesischer Unternehmen, die in den USA notiert sind, nachgegeben hatte.
US-Staatsanleihen notieren am Donnerstag kaum verändert, obwohl die US-Inflationsdaten vom Mittwoch niedriger als erwartet ausgefallen waren. Die 10-jährige US-Rendite stieg tags zuvor um drei Basispunkte auf 4,3%. Die geldpolitisch sensible zweijährige Rendite stieg um vier Basispunkte. Die wichtigsten Währungen bewegten sich in engen Bandbreiten. Ein Dollar-Index zeigte sich am Mittwoch kaum verändert.

Die gedämpften Bewegungen und das Ausbleiben einer klaren Reaktion der Staatsanleihen auf die Inflationsdaten waren ein weiteres Zeichen dafür, dass die durch die Handelspolitik von Präsident Donald Trump ausgelöste Unsicherheit die Stimmung an den globalen Märkten belastet.
„In den letzten drei Wochen hatten die Händler das Gefühl, dass ein Kauf von US-Aktien dem Versuch gleichkam, ein fallendes Messer zu fangen“, sagte Mark Hackett von Nationwide. „Aber die extrem überverkauften Bedingungen und der nahezu universelle Pessimismus an den Aktienmärkten deuten darauf hin, dass eine Erholungsrallye wahrscheinlich ist und kurz bevor stehen könnte. Die Gegenbewegung dürfte jedoch technischer Natur sein, und die Korrektur könnte sich anschließend fortsetzen.
Verunsicherung durch Handelskrieg
Der US-Verbraucherpreisindex und die Kernrate, die die Preise für Lebensmittel und Energie ausklammert, stiegen im Februar um jeweils 0,2 %, während die Konsensschätzung bei 0,3 % lag. Das besser als erwartete Ergebnis ist ein positives Zeichen angesichts des Risikos, dass Zölle die Kosten für die amerikanischen Haushalte in die Höhe treiben könnten. Es dürfte auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die Fed stärken.
Trotz der Verbesserung durch den jüngsten Verbraucherpreisindex bleibt die Unsicherheit in der Luft, da die Inflationsaussichten aufgrund der Entwicklungen in der Handelspolitik unklar bleiben“, so Oscar Munoz und Gennadiy Goldberg von TD Securities. „Vor diesem Hintergrund sei es unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank ihre geldpolitischen Leitlinien in naher Zukunft ändern werde.
Ein Regierungsbericht über die US-Erzeugerpreise, der am Donnerstag erscheint, wird Aufschluss über weitere Kategorien geben, die direkt in den von der Fed bevorzugten Inflationsindikator einfließen, der Ende des Monats veröffentlicht werden soll.
Am Mittwoch kündigte Donald Trump an, dass die USA auf die Gegenmaßnahmen der Europäischen Union gegen seine neuen Zölle in Höhe von 25 % auf Stahl und Aluminium reagieren würden, was das Risiko einer weiteren Eskalation in seinem globalen Handelskrieg erhöht. Zuvor hatte Kanada neue Zölle in Höhe von 25 Prozent auf in den USA hergestellte Produkte, einschließlich Stahl und Aluminium, im Wert von rund 20,8 Milliarden US-Dollar angekündigt, nachdem die Trump-Regierung globale Zölle auf die Einfuhr dieser beiden Materialien eingeführt hatte.
Noch kein Boden an den US-Börsen
Die Kursgewinne an den US-Aktienmärkten wurden von den Mega-Caps aus dem Technologiesektor getragen. Der Index der „Magnificent Seven“ stieg um 2,3% und verzeichnete damit den besten Tag seit Januar. Vor allem Tesla trug mit einem Kursplus von 7,6 % zum Anstieg bei. Die Aktie des Autobauers hatte sich zwischenzeitlich von ihrem Allzeithoch halbiert. Die Apple-Aktie setzte hingegen ihren Abwärtstrend fort und verlor 1,75 %, womit sie in den letzten fünf Handelstagen rund 8 % einbüßte. Nachbörslich gab Intel die Ernennung des Branchenveteranen Lip-Bu Tan zum neuen CEO bekannt, woraufhin die Aktie um 10% nach oben sprang. Adobe hingegen verloren 3,3% nach einem lauwarmen Ausblick.
„Die Aktienmärkte haben sich von den extrem überverkauften Bedingungen, die wir in der letzten Woche hatten, nach oben bewegt“, sagte Jonathan Krinsky, Chef-Markttechniker bei BTIG. „Ich glaube, dass wir uns an einem handelbaren Boden befinden, aber ich glaube nicht, dass dies der endgültige Boden ist.“
Andernorts bestellten die chinesischen Behörden Manager von Walmart ein, weil das Unternehmen von seinen Zulieferern verlangte, die Kosten für die erhöhten US-Zölle zu tragen.
Der Yen blieb stabil. Beamte der Bank of Japan sehen mehrere Gründe dafür, nicht in den Anleihemarkt einzugreifen, auch wenn die Benchmark-Renditen den höchsten Stand seit 2008 erreicht haben, so mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Der Goldpreis setzte indessen seinen Anstieg fort und notiert am Donnerstag bei 2.944 Dollar je Feinunze. West Texas Intermediate stieg leicht an und baute damit seine Gewinne den dritten Handelstag in Folge aus.
FMW/Bloomberg
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