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Gefährliche Wochen voraus Aktienmärkte vor Herbststurm: Experte warnt vor Kursrückschlag

Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Die Aktienmärkte treten in eine der schwierigsten Phasen des Jahres ein. Nicht nur die negative Saisonalität schwebt über den Kursen, auch steigende Renditen und drohende Zinserhöhungen sorgen für wachsenden Gegenwind. Noch zeigen sich viele Börsen erstaunlich robust – doch genau diese Ruhe könnte trügerisch sein. Denn an den Anleihemärkten zeichnet sich bereits eine Entwicklung ab, die den Aktienmärkten in den nächsten Wochen gefährlich werden könnte.


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Renditen setzen Aktienmärkte unter Druck

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Frankreich. Der Renditeabstand zehnjähriger französischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen ist laut Stagge auf 93 Basispunkte gestiegen und hat damit ein Fünfjahreshoch erreicht. Während französische Papiere inzwischen rund 4,4 Prozent abwerfen, liegt die Rendite deutscher Bundesanleihen bei etwa 3,5 Prozent – das höchste Niveau seit August 2009.

Am französischen Aktienmarkt seien die Folgen bereits zu erkennen. Der CAC 40 habe seine gesamte Jahresperformance zwischenzeitlich wieder abgegeben. Stagge führt die deutlich schwächere Entwicklung gegenüber dem DAX auch auf die höheren Finanzierungskosten und die angespannte Verschuldungssituation Frankreichs zurück. Seine Kernthese lautet: Je attraktiver Staatsanleihen werden, desto größer ist die Konkurrenz für Aktien – und desto stärker geraten hoch bewertete oder schuldenfinanzierte Unternehmen unter Druck.


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Als Beispiel nennt er Oracle. Zwar hätten die jüngsten Geschäftszahlen zunächst für Kursfantasie gesorgt, doch bei steigenden Kapitalmarktzinsen müsse das Wachstum schneller zulegen als der Schuldendienst. Genau daran zweifelt Stagge. Kursanstiege betrachtet er deshalb eher als Verkaufsgelegenheiten.

Zusätzlichen Druck erzeugt der US-Anleihemarkt. Renditen von fast 5 Prozent bei zehnjährigen und rund 5,4 Prozent bei 30-jährigen US-Staatsanleihen schaffen für institutionelle Investoren eine ernsthafte Alternative zu den teuren Aktienmärkten. Gleichzeitig haben lang laufende Anleihen durch den abrupten Renditeanstieg hohe Kursverluste erlitten. Die Folgen dieser Bewegung seien an den Börsen noch nicht vollständig angekommen.

Gefährliche Mischung für die Börsen

Entscheidend wird nun der weitere Kurs der Fed. Der Markt preist nicht mehr nur einen einzelnen Zinsschritt ein, sondern zunehmend einen neuen Erhöhungszyklus. Selbst leicht schwächere Inflationsdaten könnten daher lediglich eine kurzfristige Erholung auslösen. Der ehemalige Portfoliomanager würde eine solche Gegenbewegung eher als Gelegenheit betrachten, um auf fallende Aktienmärkte zu setzen.

Verschärft wird die Lage durch steigende Energie- und Transportkosten. Zusätzlichen Inflationsdruck erzeugt die drohende Doppelblockade im Nahen Osten. Während die Straße von Hormus weiterhin weitgehend blockiert ist, rücken die Huthis am Bab al-Mandab vor und bedrohen damit auch die wichtigste Zufahrt zum Roten Meer.

Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist bereits um rund 60 Prozent eingebrochen.Teurere Versicherungen, längere Transportwege und massiv gestiegene Dieselpreise treiben die Frachtkosten in die Höhe und könnten weitere Zweit- und Drittrundeneffekte bei der Inflation auslösen und damit die Notenbanken unter Zugzwang bringen. Wie ernst der Markt die Gefahr nimmt, zeigte sich in der Nacht zum Freitag: Der Brent-Ölpreis sprang zeitweise auf knapp 110 Dollar je Barrel.

Hinzu kommt eine ausgesprochen ungünstige Saisonalität. Der September gilt ohnehin als schwächster Börsenmonat – in Jahren mit US-Zwischenwahlen fällt die Bilanz im Vorfeld der Midterms häufig noch schlechter aus. Die Wochen bis in den Oktober hinein zählen damit zu den schwächsten Phasen des vierjährigen Börsenzyklus. Laut der von André Stagge gezeigten Auswertung gaben die Kurse in rund 73 Prozent der untersuchten Fälle nach.

Für André Stagge ergibt sich daraus eine gefährliche Mischung. Steigende Zinsen, hohe Renditen, hartnäckige Inflation und eine negative Saisonalität könnten die Aktienmärkte in den kommenden Wochen zunehmend unter Druck setzen. Noch halten sich viele Börsen vergleichsweise robust. Doch je länger sie die Warnsignale vom Anleihemarkt ignorieren, desto größer wird die Gefahr, dass aus der trügerischen Ruhe ein kräftiger Rückschlag wird.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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