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Risiken wohin man blickt Aktienmärkte vor Schicksalswoche: Vier Tage, fünf Risiken

Die New York Stock Exchange (NYSE) in New York. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Von einer ruhigen Sommerwoche kann an den Aktienmärkten keine Rede sein. Selten prallten innerhalb von nur zwei Handelstagen so viele potenzielle Kurstreiber aufeinander. Vier der Magnificent Seven legen ihre Quartalszahlen vor, die US-Notenbank Fed entscheidet über die Zinsen und die Anleiherenditen notieren auf dem höchsten Stand seit Monaten. Gleichzeitig kämpfen die US-Börsen mit zunehmendem Verkaufsdruck, während sich der DAX überraschend nahe an sein Rekordhoch heranschiebt. Für Anleger dürfte die bevorstehende Nachrichtenflut zur bislang wichtigsten Bewährungsprobe dieses Börsensommers werden.


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Aktienmärkte vor Schicksalswoche

Der Mittwoch und Donnerstag könnten zur Richtungsentscheidung für die Aktienmärkte werden. Microsoft und Meta eröffnen am Mittwoch den Zahlenreigen der großen US-Technologiekonzerne. Nur einen Tag später folgen Apple und Amazon. Parallel dazu richtet sich der Blick auf die Fed. Der Terminmarkt preist inzwischen eine Zinserhöhung im September vollständig ein und erwartet bis Jahresende sogar einen zweiten Zinsschritt.

Hinzu kommen am Donnerstag die Inflationsdaten aus der Eurozone sowie die Zinsentscheidung der Bank of England. Die Kombination aus Geldpolitik, Big-Tech-Bilanzen und Konjunkturdaten dürfte die Richtung an den Aktienmärkten für die kommenden Wochen maßgeblich beeinflussen.

Woche der Wahrheit: Quartalszahlen und Fed entscheiden über Richtung


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Wie Bloomberg berichtet, treffen diese Termine auf ein ohnehin fragiles Marktumfeld. Brent-Öl notierte zwischenzeitlich wieder über 100 US-Dollar, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf 4,7 % und die Aktienmärkte verarbeiten noch immer zwei schwache Handelswochen.

Historisch spricht ebenfalls vieles für steigende Kursschwankungen. Nach Berechnungen von Goldman Sachs nimmt die Volatilität in US-Zwischenwahljahren typischerweise ab August deutlich zu und erreicht häufig erst im Oktober ihren Höhepunkt. Goldman-Partner Richard Privorotsky hält VIX-Optionen deshalb weiterhin für einen sinnvollen Schutz gegen Extremrisiken. „Wir befinden uns weiterhin eher in einer volatilen Seitwärtsphase“, sagte er.

Was die Charts verraten

Auch aus charttechnischer Sicht mehren sich die Warnsignale. Während der DAX am Dienstag bei rund 25.500 Punkte handelt und damit nur noch rund 1,6 % unter seinem Rekordhoch notiert, zeigt sich an der Wall Street ein anderes Bild.

Der S&P 500 bewegt sich weiterhin innerhalb seiner mehrwöchigen Seitwärtsrange, der Verkaufsdruck hat zuletzt jedoch spürbar zugenommen. Noch schwächer präsentiert sich der Nasdaq 100. Belastet von deutlichen Gewinnmitnahmen bei KI-, Halbleiter- und Hyperscaler-Aktien hat der Technologieindex seine Seitwärtsrange bereits nach unten verlassen und im vorbörslichen Dienstagshandel ein neues Verlaufstief markiert.

Auch der MSCI World Index steht unmittelbar unter einem wichtigen Widerstand. Gleichzeitig weisen Strategen der Deutschen Bank darauf hin, dass systematische Investoren derzeit ungewöhnlich hoch investiert sind. Sollte die Volatilität anziehen oder die Aktienmärkte nach unten ausbrechen, könnte sich der Verkaufsdruck zusätzlich beschleunigen.

MSCI: Globale Aktien in enger Handelsspanne

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Neben der Fed dürfte vor allem der Ausblick der großen Technologiekonzerne über die Marktreaktion entscheiden. Im Mittelpunkt steht dabei längst nicht mehr das Umsatzwachstum, sondern die Frage nach der Rendite der milliardenschweren KI-Investitionen. Das Beispiel Alphabet hat dies eindrucksvoll gezeigt: Trotz starker Quartalszahlen und eines überzeugenden Cloud-Geschäfts verlor die Aktie rund sieben Prozent, nachdem das Unternehmen seine Investitionspläne für KI-Rechenzentren erneut ausgeweitet hatte.

Genau darin liegt nun auch die größte Unsicherheit vor den Zahlen von Microsoft, Meta, Apple und Amazon. Anleger wollen sehen, dass sich die gewaltigen Investitionen zunehmend in höheren Umsätzen, steigenden Gewinnen und einem wachsenden freien Cashflow niederschlagen. Weitere Milliardenprogramme für KI-Infrastruktur dürften dagegen kritisch aufgenommen werden, solange ein entsprechender Renditenachweis fehlt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Hyperscaler weiter investieren – sondern ob diese Investitionen endlich den erwarteten wirtschaftlichen Mehrwert liefern.

Trotz der jüngsten Kursverluste bleibt Morgan Stanley optimistisch. Die Analysten sehen den Rücksetzer bei vielen KI-Infrastrukturwerten als „ungewöhnlich attraktive Kaufgelegenheit“. Langfristig bleibe man von der Entwicklung künstlicher Intelligenz und den damit verbundenen Investitionen überzeugt.

Für die Aktienmärkte dürfte zunächst etwas anderes entscheidend sein: Ob die Quartalszahlen von Big Tech die hohen Erwartungen erfüllen, wie sich Fed-Chef Kevin Warsh zu den Zinserwartungen äußert und ob die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über die Marke von 4,8 % steigt. Die Antworten auf diese Fragen könnten bereits in dieser Woche den Börsentrend für den August vorgeben.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. das ist wohl die größte gefahr eines allfälligen stillhaltens von warsh – die rentenmärkte werden weiter erhöhte rechnungen schicken, je länger er zuwartet. mal sehen, ob er wahr macht was er angedeutet hat.

    die fed liefert angeblich keinen blanko-put für die wallstreet mehr. das glaube ich aber erst, wenn ich es gesehen habe….

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