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Die Messlatte liegt extrem hoch Aktienmärkte vor Zahlen: Warnsignale für Nasdaq und KI-Aktien

Grafik: ChatGPT

Die US-Aktienmärkte stehen vor ihrer vielleicht wichtigsten Bewährungsprobe des Sommers. In den kommenden Tagen startet die Berichtssaison – und selten waren die Erwartungen an die Unternehmen höher als heute. Unter der Oberfläche mehren sich die Warnsignale: Vor allem im Nasdaq geraten Technologie- und KI-Aktien unter Druck, institutionelle Anleger bauen ihre Absicherungen aus und selbst starke Quartalszahlen treiben die Kurse kaum noch. Genau darin könnte das eigentliche Risiko der kommenden Wochen liegen: Nicht die Unternehmensgewinne werden zum Problem – sondern die extrem hohen Erwartungen des Marktes.


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Aktienmärkte: Warnsignale nehmen zu

Dass die Nervosität unter professionellen Anlegern zunimmt, lässt sich bereits an den Aktienmärkten beobachten. Besonders der Optionsmarkt sendet erste Warnsignale. Aktuelle Gamma-Daten verorten die sogenannte Put Wall des Nasdaq 100-ETF QQQ bei rund 700 Dollar. Gleichzeitig befindet sich der Markt laut den Daten in einem negativen Gamma-Regime. Sollte der QQQ diese wichtige Unterstützungszone unterschreiten, könnten Absicherungsgeschäfte institutioneller Händler den Verkaufsdruck zusätzlich verstärken und die Volatilität deutlich erhöhen. Der Nasdaq-ETF schloss den Handel am Donnerstag bei rund 711 Dollar und notiert damit nur knapp oberhalb dieser entscheidenden Marke.

Auch unter der Oberfläche verändert sich das Marktbild. Im Nasdaq 100 notieren inzwischen weniger als 45 Prozent der Technologieaktien noch oberhalb ihrer 50-Tage-Linie. Gleichzeitig haben einige der zuvor stärksten Halbleiter- und KI-Aktien innerhalb weniger Wochen mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Kapital fließt zunehmend in defensivere Bereiche wie Gesundheit, Banken, Versorger oder Software. Ein breiter Ausverkauf ist das zwar noch nicht – die Marktführung beginnt sich jedoch zu verschieben.

Gute Zahlen reichen nicht mehr


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Wie anspruchsvoll das Umfeld an den Aktienmärkten inzwischen geworden ist, zeigte zuletzt Samsung. Der Konzern legte überraschend starke Quartalszahlen vor und übertraf die Erwartungen deutlich. Dennoch verlor die Aktie zeitweise rund zehn Prozent und schloss den Handel klar im Minus. Auch SK Hynix geriet kräftig unter Druck, während der Kospi – der in diesem Jahr zu einem der wichtigsten Börsenbarometer für den Chip- und KI-Boom geworden ist – zeitweise sogar in einen technischen Bärenmarkt abrutschte.

Samsung könnte damit zum Sinnbild der jetzt beginnenden Berichtssaison werden. Die Erwartungen nach der Rekordrally bei Technologie- und KI-Aktien sind inzwischen so hoch, dass selbst positive Überraschungen nicht mehr automatisch für steigende Kurse sorgen.

Genau deshalb richtet sich der Blick nun auf Taiwan Semiconductor (TSMC). Der weltweit wichtigste Auftragsfertiger für KI-Chips gilt als nächster großer Belastungstest für den Nasdaq 100 und den gesamten Technologiesektor. Gleichzeitig beginnt in den USA die Berichtssaison der Banken. Auch dort zeigen Optionsdaten zuletzt erhöhte Aktivität bei JPMorgan – ein Signal, das Anleger vor den anstehenden Quartalszahlen zumindest nicht ignorieren sollten.

Aktienmärkte vor Berichtssaison: Warnsignale bei und KI-Aktien aus dem Nasdaq

Hinzu kommen die ambitionierten Bewertungen. Das Forward-KGV des S&P 500 liegt mit rund 20 bereits über seinem langfristigen Durchschnitt. Beim Nasdaq bewegt es sich – je nach Berechnung – im Bereich von 23 oder darüber. Solange die milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne anhalten, lässt sich dieses Bewertungsniveau rechtfertigen. Verlangsamen sich jedoch die KI-Investitionen oder werden Gewinnprognosen nach unten angepasst, dürfte der Spielraum für Enttäuschungen deutlich kleiner werden.

Die Stunde der Wahrheit

Zusätzliche Unsicherheit bringt die geopolitische Lage. Die Spannungen im Nahen Osten haben die Ölpreise zuletzt wieder steigen lassen und damit auch die langfristigen US-Renditen nach oben gedrückt. Höhere Renditen belasten vor allem hoch bewertete Wachstumsaktien und erhöhen die Nervosität an den Aktienmärkten.

Dennoch sprechen bislang nicht alle Indikatoren für eine größere Korrektur. Die Kreditmärkte bleiben vergleichsweise stabil, defensive Branchen zeigen relative Stärke und auch Bitcoin verzeichnet nach dem jüngsten Einbruch wieder erste Zuflüsse institutioneller Anleger. Von einem flächendeckenden Ausverkauf kann also noch keine Rede sein.

Gerade deshalb dürfte die jetzt beginnende Berichtssaison zum entscheidenden Härtetest werden. Mit TSMC sowie den großen US-Banken stehen in den kommenden Tagen gleich mehrere Schwergewichte im Fokus. Entscheidend wird dabei weniger sein, ob die Unternehmen starke Zahlen liefern – sondern ob diese noch ausreichen, um die extrem hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen.

Genau darin liegt das Risiko für die Aktienmärkte. Der Markt hat bereits sehr viel Optimismus eingepreist. Sollte sich das Beispiel Samsung bei weiteren Technologie- und KI-Schwergewichten wiederholen, könnte aus den ersten Warnsignalen deutlich schneller eine breitere Neubewertung entstehen, als viele Investoren derzeit erwarten. Die kommenden Quartalszahlen dürften deshalb entscheiden, ob die Rekordrally an den Aktienmärkten neuen Rückenwind erhält – oder ernsthaft unter Druck gerät.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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