Die Aktienmärkte stehen auch am Ende einer nervenaufreibenden Woche unter Druck: Nach einem kurzen Aufflackern der Dip-Käufer setzten die Kurse am Freitag ihre Talfahrt fort. Der S&P 500 rutschte weiter ab, während die von künstlicher Intelligenz (KI) befeuerte Rally an Schwung verliert. Die Stimmung kippt – zwischen wachsender Unsicherheit über die Geldpolitik der Fed und der Frage, ob die monatelange Aufwärtsbewegung bereits ihren Höhepunkt erreicht hat.
Ein Wendepunkt an den Aktienmärkten?
Die US-Aktienmärkte setzten am Freitag ihre Talfahrt fort, nachdem eine kurze Welle von Dip-Käufen rasch verpufft war. Wie Bloomberg berichtet, dominierte zum Wochenschluss eine Atmosphäre der Vorsicht – inmitten einer turbulenten Handelsphase, in der die von KI befeuerte Rally des Jahres ins Stocken geriet.
Der Nasdaq 100 eröffnete rund ein Prozent tiefer, während der S&P 500 um 0,6 Prozent nachgab, nachdem die Aktienmärkte bereits am Donnerstag unter starkem Verkaufsdruck gestanden hatten. US-Staatsanleihen hielten ihre Vortagesgewinne, der Dollar zeigte sich kaum verändert, und Bitcoin fiel erneut unter die Marke von 100.000 Dollar – auf Kurs zur schwächsten Woche seit März.
Die sogenannten „Magnificent Seven“ der Tech-Megakapitalisierungen verstärkten ihre Verluste im vorbörslichen Handel. Tesla gab nach, nachdem die Aktionäre das potenzielle 1 Billion US-Dollar Vergütungspaket für Elon Musk genehmigt hatten. Nvidia verlor mehr als 1 % und Microsoft steuerte auf seine längste Verlustserie seit 2011 zu.

Die Investoren steuern dem Ende einer verwirrenden Woche entgegen, die eine der härtesten Prüfungen für die seit April durch KI angefachte Rally an den Aktienmärkten darstellte. Die Zweifel, ob der Anstieg nicht schon zu weit gegangen sei, häufen sich. Die Aktienmärkte agieren zudem teils blind angesichts der begrenzten Konjunkturdaten während des längsten Shutdowns der US-Regierung in der Geschichte, was Unsicherheit über die Zinspolitik der US-Notenbank Fed erzeugt.
„Das Sentiment ist wahrscheinlich moderat vorsichtig“, sagte Karen Georges, Fondsmanagerin bei Ecofi. „Jede beruhigende Nachricht zu den Beschäftigungsdaten in den USA, ein potenzielles Ende des Shutdowns oder Tarifnachrichten könnten den Aktienmärkten einen neuen Impuls geben.“ Aktuell befindet sich der Fear and Greed Index jedoch im Bereich „extreme Angst“.
KI-Rally im Fokus
Mit dem US-Leitindex S&P 500, der in dieser Woche bereits um 2,3 % gefallen ist, war ein bemerkenswertes Merkmal der Aktienmärkte das Fehlen klarer Auslöser für den Rücksetzer. Analysten sagen, die Unruhe könnte noch eine Weile anhalten, erwarten jedoch, dass sie relativ oberflächlich bleibt – gestützt durch solide Unternehmenszahlen und die Aussicht auf weitere Zinssenkungen der Federal Reserve.
Auch im Kreditmarkt regt sich Vorsicht: Robert Cohen von DoubleLine Capital warnte, dass Anleger im festverzinslichen Bereich bei der Finanzierung des KI-Booms vorsichtig sein sollten. „Sie müssen nicht nur im Technologiesektor vorsichtig sein, sondern auch in den tangentialen, verwandten Sektoren, die diese neuen Projekte unterstützen“, sagte Cohen im Bloomberg Intelligence Credit Edge Podcast. „Wer weiß, was passiert, wenn die Musik aufhört?“
Tony Pasquariello von Goldman Saschs ist vorsichtig optimistisch. Er warnte, dass die enge Marktbreite zwar ein Risiko darstelle, aber kein automatisches Warnsignal sei. Die fundamentale Grundlage, welche die größten Gewinner der Rally getragen habe, bleibe intakt: „Seit 2009 wurden 90 % der Gewinne im Nasdaq durch Gewinnwachstum und Dividenden erzielt“, erklärte er.
Weiterhin Zuflüsse, aber Dip-Risiken bleiben
Trotz erhöhter Volatilität bleiben die Kapitalströme in die Aktienmärkte robust. Laut Bank of America, die sich auf EPFR-Daten beruft, verzeichneten US-Aktienfonds in der Woche bis zum 5. November Zuflüsse von 19,6 Milliarden US-Dollar – die achte Woche in Folge mit Nettoinvestitionen.
„Wir sind noch weit davon entfernt, dass eine Blase platzt – das ist nicht einmal eine Korrektur“, sagte Delphine Arnaud, Portfoliomanagerin bei Edmond de Rothschild. „Es gibt allerdings Bedenken, wie schnell die massiven Investitionsausgaben tatsächlich in Gewinne umschlagen können. In diesem Umfeld sind zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen kaum zu vermeiden.“
Für Dip-Käufer erweist sich das als zusätzliche Belastung, nachdem ihr jüngster Versuch, den Markt zu stabilisieren, rasch verpuffte.
FMW/Bloomberg
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