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Aktienmärkte: wann korrigiert die US-Blase?

Die Aktienmärkte der USA eilen von Rekordhoch zu Rekordhoch – der Dow Jones übersprang am Freitag kurzzeitig die Marke von 29.000 Punkten. Damit hat der Index seit Amtsantritt von Donald Trump 11.000 Punkte zugelegt, und das Beste werde noch kommen, so verspricht der US-Präsident am Freitag mit einem Tweet. Gleichwohl konnten die US-Indizes die Gewinne nicht halten und drehten dann am Freitag noch ins Minus.

Auslöser der Hausse ist fraglos die Fed, die ihre Bilanzsumme immens gesteigert hat seit ihren Käufen von kurz kaufenden US-Staatsanleihen und ihrer Intervention am Repo-Markt. In den letzten Wochen ergab sich eine Übereinstimmung von Fed-Bilanzsumme und S&P 500 von annähernd 100%. Aber – und das könnte ein Warnzeichen für die Bullen sein: in der nun ablaufenden Woche hat die US-Notenbank ihre Bilanzsumme wieder reduziert. Inzwischen sieht etwa Robert Kaplan von der Dalls-Fed die Exzesse der US-Aktienmärkte kritisch, wie er kürzlich in einem Interview eingestand:

“I do think the growth in the balance sheet is having some impact on the financial markets and on the valuation of risk assets…I want to be cognizant of not adding more fuel that could help create further excesses and imbalances.”

Zu beachten ist vor allem die Formulierung „further excesses and imbalances“ – die impliziert, dass die Fed (zumindet Robert Kaplan) das Geschehen an den Aktienmärkten der USA bereits als „Exzess“ wahrnimmt.

Die Aktienmärkte haben den Iran-Konflikt abgehakt, am Mittwoch soll dann der Phase 1 Deal zwichen den USA und China unterzeichnet werden – aber Chinas Präsident Xi Jinping wird nicht seine Unterschrift unter den Deal setzen (das zeigt, wie wenig Substanz dieser Deal hat). Die Aktienmärkte der USA sind jedenfalls für ein Ideal-Szenario bepreist, in dem (auch geopolitisch) nichts schief gehen darf.

Selbst beim ansonsten nicht gerade bärisch eingestellten US-Börsensender CNBC mehren sich nun die kritischen Stimmen, die die Euphorie der Aktienmärkte kritisch sehen: die Anstiege seien durch die Fed ausgelöst und damit aus „dünner Luft“, die Überkauftheit sei inzwischen auf historisch selten je erreichten Niveaus angelangt, und irgendwann werden Bewertungen, die derzeit keine Rolle spielen, wieder wichtig werden.

In der nächsten Woche beginnt die US-Berichtssaison – Kurse und Bewertungen müssen dann abgeglichen werden. Wie ist das aktuelle technische setup vor Begin der neuen Woche? Sven Henrich zeigt in einer sehenswerten Analyse, wie überdehnt die Aktienmärkte der USA  (besonders Aktien wie Apple, Tesla etc.) sind:

 

Für die Aktienmärkte der USA spielen Bewertungen derzeit keine Rolle - ein Kennzeichen für eine Blase



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4 Kommentare

  1. Also demnächst ~10% Korrektur, aufkommende Panik, dann Zinsenkung, QE, Repomarkinjektionen blabla… und zur US-Wahl dann ~3650 im S&P. Was soll die FED auch anderes machen? Aus der Nummer kommt sie nicht mehr raus. Bis zum bitteren Ende.

  2. Das Beste kommt noch.
    Vermutlich erwartet Hr. TRUMP von Hr. POWELL, dass im Falle eines noch so kleinen Rücksetzers der Kurse an der WS die Leitzinsen gesenkt werden, da man ja im Vergleich zur EU noch massiv Luft nach unten haben würde. Zumindest bis hin zur Wahl kann man ja das Spiel noch weiterteiben – Deals mit china, weitere Zinssenkungen, etc.
    Ich fürchte nur, dass sich mr. president in vielen seiner Wunschszenarien verzocken wird, weil:
    1. Ob POWELL den Steigbügelhalter für Trumps Wiederwahl spielt ist noch nicht so ganz klar.
    2. Die Rücknahme von Liquidität am REPO-Markt wird deutliche Spuren hinterlassen.
    3. Die anstehende Berichtsaison wird wohl das eine oder andere desaströse Unternehmensergebnis zu Tage fördern.
    4. Ob der Deal 1 mit China ein Durchbruch sein wird ist wohl sehr anzuzweifeln, umsomehr schon kritische Stimmen aus dem Reich der Mitte hinsichtlich dessen Textes zu hören sind.
    5. Last but not least wird Syrien und Iran zum Albtraum für Hr. TRUMP werden.
    Bin schon sehr gespannt auf die nächsten Tage und Wochen.

  3. Die Berichtssaison wird gar nichts angleichen, das haben wir vor anderen Berichtssaisons auch schon gehört. Bei der Fed Bilanzsumme denke ich, das dies temporäre Schwankungen sind und keine länger anhaltende Reduzierung zur Folge haben werden, da sie durch die Käufe von T-Bills faktisch neutralisiert werden.
    Bedenklich ist insbesondere, das die „Märkte“ die Repo Operationen als QE Programm ansehen und nicht als das was es eigentlich aussagt, nämlich massive Probleme im Finanzsystem.

  4. An die Zinssenkungsoptimisten, bei den letzten beiden Krisen mussten u.konnten die Zinsen um ca.5% gesenkt werden um die Märkte zu beleben,was jetzt unmöglich ist. Wieso sollte ein S&P 500 von 2900Pt. Panik auslösen?
    Ein Analyst hat meine oft gepostet Meinung bestätigt, dass der zukünftige Ex-Präsident jetzt Luft aus der Börse lassen sollte, um kurz vor den Wahlen wieder im Aufschwung zu sein.
    Googeln: IN DEN USA SIND NEGATIVZINSEN TABU

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