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Aktienmärkte: War es das schon mit der Korrektur?

Wird „Aktionär“ Jerome Powell heute Öl ins Feuer der etwas angeschlagenen Aktienmärkte gießen?

Aktienmärkte - war es das mit der Korrektur?

Auch wenn man offiziell die Gefahr einer riesigen Immobilienpleite um den chinesischen Riesen Evergrande als Erklärung für die aktuelle Korrektur der Aktienmärkte angab: es gab wohl nicht allzu häufig einen Börsenrückschlag, der durch die Finanzinstitute so deutlich angesagt worden ist. Schon über mehrere Wochen sprachen Goldman Sachs und Co von einer bevorstehenden Marktbereinigung, viele Indikatoren deuteten darauf hin. Nachdem es im September an sieben von zehn Tagen beim S&P 500 scheibchenweise nach unten ging, kam es am Montag zum großen Abschwung – unter extrem hohen Umsätze, schon war die Rede von stark überverkauften Märkten. Die gestrige Erholung der Aktienmärkte war noch nicht allzu überzeugend, ein ständiges Auf- und Ab.

Aktienmärkte: Die Vorsicht der Investoren

Die gestrige Berg- und Talfahrt bei den Indizes endete zum Handelsschluss mit fast unveränderten Kursständen zum verlustreichen Montag:

S&P 500 minus 0,08 Prozent – Dow minus 0,15 Prozent – Nasdaq plus 0,22 Prozent – Russel 2000 plus 0,18 Prozent

Alles in allem war der gestrige Handelstag kein Turnaround Tuesday.

Ein Marktkommentator an der Wall Street bezeichnete die Lage der Aktienmärkte so: Die Investoren bleiben in der neutralen Ecke, im Vorfeld zur Pressekonferenz der US-Notenbank am heutigen Mittwoch.

Hinzu kommen natürlich noch die anderen Belastungsfaktoren, wie die drohende Pleite um Evergrade, wo es noch keine Lösung gibt, von welcher Seite auch immer. Dann die Problematik um das Infrastrukturpaket der Regierung Biden. Die politischen Widersacher könnten bei einer Entscheidung eine für die Börsen ungünstige Konstellation verursachen. Bei einer Verabschiedung des Konjunkturpakets wären Steuererhöhungen die Folge, bei einem Scheitern entfiele der erhoffte Stimulus. Dann gibt es natürlich noch die schädliche Diskussion über die Anhebung der Schuldenobergrenze und manch Investor erinnert sich noch an die Saisonalität, die für den Monat September eine große Wahrscheinlichkeit für eine negative Performance attestiert.

Vor allem in einem Börsenjahr, in dem es schon sieben Monate in Folge kein negatives Monatsergebnis gegeben hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Serie im jetzigen Umfeld reißt, ist nicht gerade gering.

Daher die Skepsis der Anleger, die nach dem Bruch der 50-Tage-Linie beim S&P 500 eine deutliche Bestätigung erhalten hat. Wie ich schon in mehreren Artikeln herausgestellt habe, hielt diese seit Jahresanfang achtmal bei Kursrückgangen stand, beim neunten Mal kam kein rettendes „Buy the Dip.“ Aber was die Bullen ein wenig versöhnlich stimmen könnte, sind einige Indikatoren, die einen größeren Rückgang der Aktienmärkte verhindern könnten.

Aktienmärkte: Die Ängste und die Absicherungen

Wie ängstlich die Anleger geworden sind, sieht man am Stand des Fear&Greed-Index, der mit 23 Punkten in die Region der großen Angst vorgedrungen ist. Mit sieben Indikatoren auf den S&P 500 und vor allem mit dem Put/Call-Ratio der Investoren.

Die Käufe von Put-Optionen liegen auf einem der höchsten Levels der letzten beiden Jahre, was natürlich so etwas wie ein Auffangnetz nach unten bildet. Denn wie schon oft in den letzten 12 Monaten berichtet, entstehen hierdurch oftmals kleine Short Squeezes nach der so genannten Eindeckung der Verkaufsoptionen und den folgenden Käufe der Basiswerte.

Allerdings kann man erst bei Ständen von unter 10 mit einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer großen Gegenbewegung rechnen.

Auch das ist nicht bearish – die Anzahl der Aktien im S&P 500, die über ihrem 50-Tage-Durchschnitt notieren:

Aktienmärkte 50-Tage-Linie

Auch der Aktienrisikoindikator von Morgan Stanley liegt in der Angstzone:

Aktienmärkt Sentiment

Fazit

Vor dem Handelsbeginn in Europa kommt eine Meldung, die weiter für etwas Beruhigung sorgen könnte: Die Hengda Real Estate Group (zu Evergrande gehörend) teilte heute in einer Erklärung mit, dass sie die Kuponzahlung für ihre Onshore-Anleihe, mit 5,8 Prozent und fällig im September, pünktlich am Donnerstag, den 23. September, begleichen werde. Es geht Chinas Führung natürlich um die inländischen Anleger, allerdings beträgt der Anteil ausländischer Investoren an chinesischen Anleihen auch nur wenige Prozent.

Mit 4354 Punkten lag der Weltleitindex S&P 500, der so großen Einfluss auf den MSCI World besitzt, gestern gerade einmal 194 Punkte unter seinem am 6. September erzielten Allzeithoch. Auch wenn man die bei 4440 Punkten notierende 50-Tage-Linie durchbrochen hat, stellt das Ganze noch nicht einmal ein Rückgang von fünf Prozent dar. Damit rückt am heutigen Tag zunächst einmal die Sitzung der US-Notenbank in den Blickpunkt des Interesses, mit all den Spekulationen um den Beginn des Taperings.

Wird „Aktionär“ Jerome Powell heute Öl ins Feuer der etwas angeschlagenen Aktienmärkte gießen?



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