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Aktienmärkte: Warum es derzeit nicht die beste Idee ist den Dip zu kaufen

Aktienmärkte: Warum es derzeit nicht die beste Idee ist Aktien zu kaufen

Die Aktienmärkte befinden sich derzeit in einer längst überfälligen Korrektur. Lange gab es keine Korrektur, die letzten Wochen haben aber gezeigt, dass es an den Märkten doch noch abwärts gehen kann. Viele Anleger wurden durch die rabenschwarze Handelswoche auf dem falschen Fuß erwischt. Es waren aber vor allem die beiden Handelstage am Freitag und Montag, die den Charakter eines Ausverkaufs hatten, also ein deutlicher Kursrutsch bei gleichzeitig hohem Handelsvolumen.

Aktienmärkte: Das Ausmaß der Korrektur

Viele der bedeutenden Indizes dies- und jenseits des Atlantiks befinden sich seitdem im Korrekturmodus. Von einer Korrektur am Aktienmarkt spricht man, wenn der Markt mehr als 10 Prozent unter sein Rekordhoch fällt. Der Dax erfüllt dieses Kriterium (noch) nicht, denn er gab von seinem jüngsten Hoch bei 16.285 Punkten bisher „nur“ etwas über 8% nach. Betrachtet man die durchlaufenden Kurse, dann waren es 9% vom Hoch. An den US-Börsen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Hier sehen wir ausgeprägtere Rücksetzer: S&P500 12%, Nasdaq 18% und Dow Jones knapp 10%. Im Russel2000, der rund 2.000 kleinere Unternehmen enthält, fiel die Korrektur mit über 20% am stärksten aus. Im folgenden Chart fällt auf, dass die techlastigen Indizes zwar zuvor stärker zulegen konnten, aber zuletzt auch stärker nachgaben. Der Grund dafür ist die Rotation von Wachstumsaktien hin zu Value-Werten.

Korrektur: Vergleich der großen Indizes Jahresentwicklung

Aktienmärkte: Die Gründe für die Korrektur

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten ist der hawkishen Wende der US-Notenbank geschuldet. Angesichts der hohen Inflation steuert die Fed auf ein früheres Ende der ultralaxen Geldpolitik zu und leitet die Zinswende ein. Zudem plant man eine baldige Bilanzreduzierung, die dem Markt folglich Liquidität entzieht. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Positionierung an den Aktienmärkten. Aufgrund des vorherigen Sicherheitsnetzes der Fed haben viele Anleger eine long-only Strategie gefahren und sich dabei bis Oberkante Unterlippe mit gehebelten Wertpapieren und Optionen vollgesogen. Diese müssen erstmal wieder enthebelt werden.

Korrektur als Kaufchance – Buy-the-Dip?

In den vergangenen zwei Jahren bedeutete jeder Rücksetzer an den Aktienmärkten gleichzeitig eine Kaufgelegenheit. Fast schon gebetsmühlenartig agieren (neue) Anleger nach diesem Motto, da man die Aktienmärkte bisher nur als Einbahnstraße kennengelernt hat. Doch bietet die aktuelle Korrektur wieder eine Kaufgelegenheit? Dafür spricht, dass (noch) genug Liquidität vorhanden ist. Dagegen spricht jedoch der monetäre Klimawandel.

Angesichts der morgigen Zinsentscheidung der US-Notenbank ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Positiv für die Märkte wäre es, wenn Fed-Chef Powell das Thema Quantitive Tightening (Bilanzreduzierung) ignoriert bzw. noch keinen Starttermin nennt. Negativ wäre es hingegen, wenn die Fed das Quantitive Easing bereits im Januar beendet und eine baldige Bilanzreduzierung ankündigt. Morgen Abend werden wir wissen, ob die Fed die Märkte stützt. Anschließend könnten die Aktienmärkte erste technische Signale senden, ob der Boden gefunden ist oder auch nicht.

Fazit:

Nach dem harten Rücksetzer an den Aktienmärkten ist die Stimmung im Keller. Das Sentiment notiert auf dem tiefsten Stand seit dem Corona-Crash. Daher ist es wahrscheinlich, dass wir zunächst einen Rebound sehen. So geschehen im gestrigen Handel. Dabei konnte der zuvor gebeutelte Nasdaq von seinem Tagestief um 800 Punkte ansteigen. Obwohl viele US-Investoren der Ansicht sind, dass das gesunkene Kursniveau der richtige Zeitpunkt zum Wiedereinstieg sei, ist weiterhin Vorsicht geboten. Solche Gegenbewegungen sehen wir häufig in Bärenmärkten, wenn Aktien stark überverkauft sind und zahlreiche technische Indikatoren Extremwerte erreicht haben.

Aber ob es sich bei dem gestrigen Erholungsversuch schon um einen Boden handelt, ist sehr unwahrscheinlich. Es gibt die Börsenweisheit „greife nie in ein fallendes Messer“ – daran sollten sich Anleger zunächst orientieren. Oftmals ist man besser beraten, erst eine Bodenbildung abzuwarten, bevor man zugreift. Aus technischer Sicht sind die Aktienmärkte nämlich schwer angeschlagen. Im Gegensatz zu den vorherigen Dips könnte es diesmal wesentlich länger dauern, bis die Aktienmärkte wieder in Richtung ihrer jüngsten Rekordstände ansteigen. Insgesamt dürfte das Jahr 2022 für hohe Rendite verwöhnte Anleger deutlich schwieriger werden. Anstiege wie wir sie in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben, sind eher unwahrscheinlich. Zudem dürfte die Volatilität zunehmen, was immer wieder zu größeren Kursschwankungen führt.

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