Eigentlich könnte die Ausgangslage für die Aktienmärkte kaum besser sein. Die US-Inflation kühlt ab, die Berichtssaison ist mit starken Zahlen gestartet und die Hoffnungen auf eine lockerere Geldpolitik der Fed nehmen zu. Dennoch fällt es dem S&P 500, Nasdaq 100 und vielen KI-Aktien zunehmend schwer, neue Höchststände zu erreichen. Der Grund könnte ausgerechnet der zu große Optimismus der Anleger sein. Denn je mehr positive Erwartungen bereits in den Kursen stecken, desto schwieriger wird es, die nächste Rallye zu entfachen.
Aktienmärkte, zu bullisch?
Die Fundamentaldaten sprechen weiterhin für die Aktienmärkte. Doch an der Börse entscheidet nicht nur, wie gut die Nachrichten sind – sondern auch, wie viele Anleger diese bereits vorweggenommen haben.
Wie Bloomberg berichtet, sehen genau hier mehrere große Investmentbanken inzwischen das größte Risiko. Die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America zeigt, dass die Cashquote professioneller Investoren auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau gefallen sind. Gleichzeitig signalisiert der hauseigene Bull-&-Bear-Indikator eine zunehmend überhitzte Marktstimmung.
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Ein ähnliches Bild liefern die Daten der Deutschen Bank. Trendfolgende CTAs haben ihre Aktienquote bereits auf das 72. Perzentil ihres historischen Bereichs ausgebaut. Bei sogenannten Volatility-Control-Fonds liegt die Positionierung sogar im 91. Perzentil. Viele institutionelle Investoren sind also bereits stark investiert – und genau das könnte zum Problem für die Aktienmärkte werden. Denn wenn die meisten Anleger bereits auf steigende Kurse setzen, fehlen oft die zusätzlichen Käufer, die eine neue Rallye antreiben.
Auch die Kapitalströme sprechen eine klare Sprache. Nach Berechnungen der Société Générale halten Aktienfonds inzwischen einen Rekordanteil von 64,7 Prozent am gesamten von EPFR Global erfassten Fondsvermögen ohne Rohstoffe. Mit anderen Worten: „Fondsanleger sind risikofreudiger als jemals zuvor“, schreiben die Strategen der französischen Großbank.

Berichtssaison: Gute Nachrichten reichen nicht mehr
Die laufende Berichtssaison liefert bislang kaum Anlass zur Sorge. Große US-Banken haben überwiegend solide Zahlen vorgelegt. ASML überzeugte mit einer weiterhin robusten Nachfrage nach Halbleiterausrüstung. Am Donnerstag legte auch TSMC starke Quartalszahlen vor und bestätigte damit die anhaltend hohe Investitionsbereitschaft rund um das Thema Künstliche Intelligenz.
Dennoch blieb die große Reaktion an den Aktienmärkten bislang aus. Genau darin liegt das eigentliche Dilemma.
„Ob die Aktienmärkte weiter steigen, wird weniger von den Schlagzeilen als vielmehr von den Unternehmensausblicken und der Positionierung der Anleger abhängen“, sagte Goldman-Sachs-Partner Richard Privorotsky. Mit Blick auf viele KI-Aktien gehe es inzwischen nicht mehr darum, ob die Zahlen gut seien – sondern ob sie angesichts der bereits hohen Erwartungen überhaupt noch positiv überraschen könnten.
Die Messlatte liegt inzwischen deutlich höher als noch vor einigen Monaten. Gute Quartalszahlen allein reichen vielfach nicht mehr aus. Gefragt sind außergewöhnlich starke Prognosen, steigende Gewinnschätzungen und neue Wachstumsimpulse, die den Markt erneut überraschen können.
Was könnte die nächste Rallye auslösen?
Das makroökonomische Umfeld bleibt grundsätzlich konstruktiv. Die Inflation in den USA lässt wieder nach, das Wirtschaftswachstum zeigt sich bislang robust und die Aussicht auf eine weniger restriktive Fed verbessert sich nach den jüngsten Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten weiter.
Doch genau diese positiven Faktoren scheinen inzwischen weitgehend in den Kursen berücksichtigt zu sein. Anders lassen sich die bislang verhaltenen Reaktionen an den Aktienmärkten kaum erklären.
Der nächste nachhaltige Kursschub dürfte deshalb nur gelingen, wenn Unternehmen ihre ohnehin hohen Erwartungen klar übertreffen. Eine außergewöhnlich starke Guidance während der Berichtssaison, eine erneute Beschleunigung der KI-Nachfrage, sinkende Anleiherenditen oder eine überraschend dovishe Fed könnten zu den wenigen Impulsen gehören, die den Aktienmärkten noch neues Aufwärtspotenzial eröffnen.
Die Fundamentaldaten sprechen weiterhin für steigende Aktienkurse. Gleichzeitig wächst jedoch das Risiko, dass der Markt seinem eigenen Optimismus vorausgelaufen ist. Viele institutionelle Investoren sind bereits stark investiert, die Erwartungen an die Berichtssaison liegen hoch und selbst positive Überraschungen sorgen nur noch für begrenzte Kursreaktionen. Genau darin liegt derzeit das Spannungsfeld an den Aktienmärkten: Nicht schlechte Nachrichten bremsen die Rallye – sondern die Frage, ob gute Nachrichten überhaupt noch gut genug sind.
FMW/Bloomberg
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Weil schon alle investiert sind…ganz einfach…in der Finanzkrise das Gegenteil..niemand wollte mehr was mit Aktien zu tun haben…jetzt das blanke Gegenteil…jetzt ist selbst die hinterletzte Putzfrau…irgendwo auf Mallorca investiert und gibt im Internet Tipps zum Aktienmarkt..
Ein klarer Kontraindikator…