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Aktienmärkte: Was für einen „Sägezahnmarkt“ spricht

Die Entwicklung der Pandemie

Nahezu alle Staaten der Welt sind von der Covid-19 -Ausbreitung betroffen. An der Spitze die USA mit eineinhalb Millionen (registrierten) Fällen –  und Inselstaaten, die es gerade auf ein Dutzend Infektionen bringen. Natürlich gibt es immer wieder Meldungen über Anstiege der Fallzahlen, wie zum Beispiel in einzelnen Bundesstaaten der USA oder auch in Singapur, die für Unruhe sorgen. Aber wie sieht es aus mit dem großen Bild? Bei der Zahl der Infektionen in ihrem Zuwachs, aber nicht minder interessant das Verhalten des Wachstums an gesundeten Patienten. Hier ist eines auffällig: Zwar hat die Zahl der weltweiten infizierten bereits fast die 5-Millionen-Grenze erreicht, aktuell 4,805 Millionen, aber die Zahl der Genesenen steigt seit ein paar Wochen quasi in ihrem „Reproduktionsfaktor“ schneller als bei den Neufällen – und das könnte die Aktienmärkte weiter beruhigen.

17.April: 1,508 Mio. aktive Fälle – 568 Tsd. Genesene

1.Mai: 2,044 Mio. AF – 1,053 Mio. (G)

17.Mai: 2,628 Mio. AF – 1,860 Mio. (G)

Interessant vor allem der Stand der Dinge in Asien, auch wenn man die Zahlen von China anzweifeln muss:

China (82 aktive Fälle), Hongkong (28), Neuseeland (45), Taiwan (38), Vietnam (60), Thailand (118), Australien (563) und Südkorea (898).

Wenn man die großen Länder Indien, Indonesien, Japan und die Philippinen und noch weitere hinzunimmt, kann man feststellen, dass die Hälfte der Weltbevölkerung auf keine 100.000 Covid-19 Fälle kommt. Und die Zunahme der Zahlen schwächt sich ab, derzeit liegen die großen Zuwächse in Russland und Brasilien. Übrigens werden die beiden Supermächte USA und Russland in der Infektionstabelle bald gemeinsam an der Spitze stehen, geschrieben – getan. Es ist fast ein Treppenwitz, wenngleich ein schlechter: Die beiden Super-Militärmächte, mit 90 Prozent der weltweiten Atomsprengköpfe (6500 – 6185) sehen derzeit bei der Bekämpfung des kleinsten Feindes (100 Nanometer) am schwächsten aus.

Wir warten auf eine zweite Welle, aber das müsste man auch wieder zunächst in den Ländern sehen, die als erste „gelockert“ haben.

Wir werden sicher mit dem Virus weiterleben müssen. Aber da fällt mir ein Vergleich ein, nicht ganz passend, aber irgendwie auch symptomatisch: Die HIV-Hysterie aus den 1980-ern (safer sex). Damals dachten wir auch, das Ende der Welt naht, das Virus ist noch da und was machen wir?

Fazit

Ich habe jetzt absichtlich auf große Zahlenreihen verzichtet, die in der gegenwärtigen Situation nur verwirren können. Wir haben eine außergewöhnliche Situation, für die Volkswirte auf keine Modelle zurückgreifen können. Wenn selbst der 96-jährige Langfristinvestor Charlie Munger feststellt, er wisse nicht, wie es weitergeht. Es ist auch verwirrender denn je. Kommt eine zweite Welle in nächster Zeit überhaupt? Wenn es in Asien bereits acht Länder gibt, die akkumuliert nur noch weniger als 3000 Covid-19- Fälle haben, bei einer Bevölkerung von 1,7 Milliarden Menschen?

Und was die Aktienmärkte betrifft: Aufgrund der überragenden Bedeutung dieser Märkte für die US-Bevölkerung (nicht nur für die oberen 10 Prozent aufgrund der Altersvorsorge), kann man davon ausgehen, dass bei jeder fünf- bis zehnprozentigen Korrektur die nächste Bazooka angekündigt wird, auch neue Tranchen mit Helikoptergeld. Auch die Demokraten im Abgeordnetenhaus wissen, dass Amerikas Wirtschaft auf Konsum aufgebaut ist – und dieser muss mindestens bis zum 3. November aufrechterhalten werden. Jede Partei, die das nicht unterstützt, hat schon verloren.

Deshalb ist ein aus meiner Sicht ein monatelanger Sägezahnmarkt der Aktienmärkte gar nicht so unwahrscheinlich – falls es den berühmten externen Schock nicht gibt. Beim deutschen Leitindex ist so etwas schon zu erkennen, denn bereits seit fünf Wochen oszilliert der DAX um die Marke von 10.500 Punkten.

Daher die Situation: Investoren, eingezwängt zwischen den Polen Hoffnung und Angst – dem Glauben an eine rasche Erholung, an die Wirkungen der Flut des Geldes und die Furcht vor einer Rezession ungeahnten Ausmaßes. Dokumentiert durch grottenschlechte Unternehmensdaten – das Meiste aber ausgelöst durch einen unsichtbaren und unberechenbaren Feind.

Die Bullen werden sich vermutlich an den Spruch klammern, getätigt von einem Reporter nach einer der tausend Corona-Sendungen: „Wir müssen an alles glauben, auch an das Gute!“

Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen. Diese persönliche Einschätzung bezieht sich auf die Phase der nächsten Monate, mit dem Thema US-Wahl u.s.w. Was danach kommt, ist ein neues Thema und es beginnt mit dem Wort – Schulden….!

Powell und Trump tun alles, um die Aktienmärkte nach oben zu pushen



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10 Kommentare

  1. Egal wieviel die Notenbanker auch bei jedem Problem drucken, diese Flut wird das eigentliche Problem nur verschärft in die Zukunft verlagern. Notenbanker und Politiker due glauben, dass sich jedes Problem mit gedruckter heisser Luft lösen lasse, müssten dringend einem Intelligenztest unterzogen werden. Oder würden Sie einem Studenten gute Noten geben, der für alle Probleme immer nur Gelddrucken als Lösung sieht?

  2. @Wolfgang Müller, vielen Dank für den ausführlihen Bericht und Ihre Sichtweise auf die Dinge. Sie sagen es vollkommen richtig. Es gibt keinen Vergleich zu dieser aktuellen Situation. Denn neben den schlechtesten Wirtschaftsdaten ever und den stärksten Liquiditätsspriten ever wird meines Erachtens sich das durchsetzen worauf die Börsen gegründet sind. Auf LIQUIDITÄT. Auch wenn es unserem Verstand von Wirtschaftbezug zur Börse widerspricht wird dieses Experiment den Bullen dienen. Auf Sicht von 12 Monaten werden wohl nur kurze schnelle Dips sehen die noch schneller aufgekauft werden. Die FED macht es tatsächlich möglich. Zumindest zeigen es die Charts. Alles andere sind Fakten die Gewiss sind. Denn die hohe Arbeitslosigkeit und die schlechtesten Konsumzahlen aller Zeiten sind bekannt. Aber die Märkte reagieren nicht einmal darauf selbst wenn die schlechten Daten sogar von noch schlechteren übertroffen werden. Das sind meines Erachtens Anzeichen dafür, das die Liquidität gegen die Fakten gewonnen hat. Erst wenn sich alles beruhigt und die FED das ganze Ausgeschüttete Geld wieder einsammeln muß, werden wir eine Korrektur bekommen, die allerdings auf einem heute noch undenkbar hohem Niveau stattfinden wird. Das ist meine Meinung und wird natürlich viele Gegner hier finden. Aber das ist auch gut so. Wir leben vom Austausch. In diesem Sinne …:-)

  3. Ich versuche heute mit Short´s

    1. Ging in die Hose, aber sowas von… :-(
      Ausgestoppt…
      Versuche es mit einer mittelgroßen Posi noch mal!

  4. Rezessionsleugner

    @ Mutwürger, kürzlich lagen sie richtig mit ihren Shorts, die kurzen Hosen würden ja auch zum Wetter passen. Aber es ist wieder verrückt, Powell warnt vor Kathastrophenzahlen aber die Börsen steigen weil immer noch Alle glauben die Notbänker können die ganze Realwirtschaft ersetzen.
    Die Notenbanken wollen eine Brücke bauen von der grössten Rezession zum nächsten Aufschwung.
    Das Tal unter der Brücke möchte man nicht durchschreiten.
    Aber unter der Brücke warten Buffett, Druckenmiller u.Co. auf die Opfer beim Zusammenbruch der Brücke.Die Wette Notenbanken/ Gelddrucker gegen Realwirtschaft läuft, die Frage ist nicht wer gewinnt, die Frage ist nur wann u.wie das passiert.

    1. Mit der Brücke ist gut bildlich dargestellt……

    2. @REZESSIONSLEUGNER
      Korrekt! Stehe dem V äußerst skeptisch gegenüber.
      Ich gehe aber an markanten Punkten Market rein, egal ob Short oder Long, egal ob Boom oder Rezession, egal ob Powell oder Druckenmiller u.Co.
      Das einzige, was zählt ist die Rendite.

  5. so wie es aussieht werden Buffe & Co…alle langsam selbst zittrig. Die Kurse laufen ihnen weg und der Korken knallt gleich. Dann kommen sie doch alle in die Märkte und verursachen einen Crack up Boom an den Börsen der sich gewaschen hat. Keiner will es, aber es passiert weil der Herdentrieb von der FED geleitet wird. Es gibt doch kaum einen Marktteilnehmer der bezweifelt das die Börsen heute nichts mehr mit Wirtschaftsdaten zu tun hat. Das weiß doch jeder das es ein völliger FED MARKT ist. Durch die Corona Pandemie hat die FED den Markt nun KOMPLETT übernommen. Und gestern teilt sie uns per TV Sendung mit, dass sie ALLES tun werden damit es in deren Hande bleibt weil sie jede mögliche Waffe gegen fallende Kurse haben. Also frage ich mich warum man in diesem Markt shorten sollte ???

  6. Melden sich die Longbrüller, werden Short- Positionen bald ein Knüller.
    Ich habe früher ans Christkind, an den Osterhasen u.an den Nikolaus geglaubt, leider ging der Glaube an all diese Institutionen nach der Kindheit verloren.Erwachsene Leute glauben an die ewige Allmacht der Notenbanken.Fehlende reale Leistungen werden durch gedrucktes Geld ersetzt u.es funktioniert.
    Corona wird das Gegenteil beweisen.

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