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Aktienmärkte: Weit enteilt – zieht die Wirtschaft wirklich nach?

Nach einem Absturz der Aktienmärkte im Februar/März folgte eine ebenso spektakuläre Erholung: Nun sehen wir eine Bilanz, die der Realwirtschaft Hohn spricht..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Hausse der Aktienmärkte im zweiten Quartal ist (war) in aller Munde. Rekordverdächtig und schon lange nicht mehr gesehen. Das Ganze wird aber noch viel extremer, wenn man nur die letzte Märzwoche dazurechnet.

Das Quartal lieferte ein „V“ der Aktienmärkte

Nach einem Absturz der Aktienmärkte im Februar/März, wie man ihn noch nie in einer solchen Geschwindigkeit beobachtet hat – 16 Tage vom Allzeithoch bis in den Bärenmarkt – folgte eine ebenso spektakuläre Erholung: Weltweite konzertierte Aktionen von Notenbanken und Regierungen waren die großen Treiber. Jetzt ist das Anschlussquartal vorbei und man starrt auf eine Bilanz, die der Realwirtschaft Hohn spricht. Aber, wie ich in meinem Beitrag vom 12. Juni dargelegt habe „Der unsinnige Vergleich Börsen-V versus Wirtschafts-V“ laufen Aktienrally und Wirtschaftserholung immer zeitversetzt aus einer Rezession. Die Vergangenheit liefert genug Beispiele, nur sind die Aktienmärkte auch kein sicherer Indikator. Auch dafür gibt es ein paar Vorlagen. Zu den Quartalszahlen:

  • Der DAX stieg in Q2 um 23 Prozent. Es war das drittbeste Quartal seiner Geschichte, nach den Jahren 1999 und 2003 mit über 33 Prozent.
  • Der S&P 500 kletterte um 19 Prozent und damit so schnell wie zuletzt vor 22 Jahren. Der Dow Jones um 18 Prozent und der Nasdaq sogar um die 30 Prozent.

Dass einem dies eigentlich nicht besonders spektakulär vorkommt, liegt an der Tatsache, dass die Indizes einen großen Teil des Anstiegs bereits in der letzten Märzwoche und damit in Q1 vollzogen hatten. Nach dem panikartigen Ausverkauf aus Angst vor einer wirtschaftlichen Depression und einem möglicherweise sechsmonatigem Lockdown waren die Indizes zwischen 33 und 40 Prozent nahezu senkrecht in einem Monat eingebrochen. Die Reaktion darauf war wie die eines gespannten Gummibandes. Die gesamte Kursbewegung war viel spektakulärer, als es die Quartalszahlen annehmen lassen.

Dax: 8255 – 12310 Punkte (Ausverkauf – Quartalsende)

S&P 500: 2206 – 3100 Punkte

Also Kursavancen der Aktienmärkte von 40 bis 50 Prozent, sonst hätte man auch nicht von einem Aktienmarkt-V sprechen können.

Was macht die Konjunktur?

Auch wenn die seltsame Fantasie, bezogen auf ein Wirtschafts-V beendet ist, so ist bei Berücksichtigung aller Indikatoren ein zunächst – aus mathematischen Gründen heftiger – aber in der Gesamtbetrachtung zäher Anstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten erkennbar.

Ob Einkaufsmanagerindizes, Konsumausgaben, Verbrauchervertrauen, alles steigt an, nur nicht so schnell wie es sich manche wünschen. Reiseverbote, Abstandsregeln, begrenzte Kapazitäten, Konsumfrust durch Masketragen und Unsicherheit von Konsumenten durch die Arbeitslosigkeit – dieser toxische Cocktail muss zu einem langsamen Anstieg volkswirtschaftlicher Aktivitäten führen. Zumal es auch eine große zeitliche Divergenz zwischen Ausbreitung und Eindämmung von Ost nach West gibt.

Dem US-Präsidenten geht alles nicht schnell genug – und dies könnte die Wirtschaftserholung noch gewaltig einbremsen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Auch wenn Deutschland als Exportnation sehr von den Fortschritten des Auslands abhängig ist, so sind die Zeichen der Erholung erkennbar.

Das Ifo-Institut hält in seinem neuesten Ausblick den Absturz für beendet, eigentlich eine Plattitüde, denn wenn ich staatlicherseits im April alles stilllege, was nicht für das Existenzielle erforderlich ist – was soll dann im Monat der Öffnung folgen? Der Einzelhandel hat vorlegt und im Mai den stärksten Zuwachs seit 26 Jahren hingelegt.

Ifo-Konjunkturchef Prof. Timo Wollmershäuser brachte den aktuellen Ausblick seines Instituts so auf den Punkt: „Von nun an geht es schrittweise wieder aufwärts!“

Die deutsche Wirtschaft sollte im Gesamtjahr um 6,7 Prozent einbrechen – und damit so stark wie nie in der Nachkriegszeit. Nach einem voraussichtlichen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im letzten Quartal um 11,9 Prozent zur Vorperiode, dürfte es im dritten Quartal um 6,9 Prozent nach oben gehen und Ende 2020 um 3,8 Prozent, so der Konjunkturforscher.

2021 solle das BIP wieder um 6,4 Prozent wachsen, so dass die Wirtschaftsleistung von Ende 2019 dann Ende 2021 wieder erreicht werde.

Hierzu gab es gestern einige aktuelle Konjunkturindikatoren:

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (Markit-Institut) stieg im Juni auf 45,2 Punkte von 36,6 Zählern im Mai.
Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich. Im Juni waren 40.000 mehr Menschen ohne Job als im Mai, wie die Bundesagentur für Arbeit bekannt gab. Die Arbeitslosenquote stieg demnach um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Insgesamt waren 2.853.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen noch um 169.000 gegenüber April geklettert; von März auf April waren es sogar 308.000.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ließ vorgestern verlauten, dass nach seiner letzten Umfrage die Unternehmen erst mit einer Normalisierung in acht oder neun Monaten rechnen.

Die Halbwertszeit von Prognosen

Was soll man von den dargestellten Wirtschaftsperspektiven halten? „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie…..!“ Dieses Karl-Valentin-Bonmot gilt in diesen Zeiten ganz besonders, schließlich befinden wir uns in einer extrem außergewöhnlichen Situation, in der man weder den Menschen, zugleich Konsumenten, einschätzen kann, noch den Auslöser des Ganzen, Covid-19.

Bisher stocherten Viele, die sich mit Wirtschaft und Pandemie beschäftigen, im Nebel. Wenn man sich nur die letzten drei Monate betrachtet: Aktienmärkte, Lockdown, Lockerungen, Infektionszahlen, Eindämmung – wer hatte diese Entwicklung erwartet? Jedenfalls sind die Aktienmärkte weit vorausgelaufen, die Wirtschaft muss liefern, zumindest Step by Step.

Wie sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: Ein Konjunkturpaket von 130 Milliarden Euro durch die Regierung ist zwar lobenswert, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Umsätze der deutschen Firmen betrügen 5300 Milliarden Euro und davon seien 1000 Milliarden durch die Pandemie bedroht. Klar steckt hinter dieser Aussage auch Kalkül in Richtung weiterer Unterstützung in Form des Wiederaufbaufonds der EU. Deshalb auch sein gezielter Hinweis, dass die Umsätze der deutschen Wirtschaft zu 80 Prozent aus Deutschland und der EU stammten, der Rest von außerhalb. Aber noch einmal, die Wirtschaft muss jetzt einen Gang hochschalten.

Was bringt der neue Monat?

Normalerweise könnte man nach dem Rekordquartal auf die Statistik für den Börsenmonat Juli blicken. Nur ist diese nach einem Aktien-V überhaupt etwas wert? Beim Dax ist der Juli durchschnittlich sogar ein guter Monat – mit gemittelten 1,57 Prozent, Nummer fünf aus Jahressicht. Aber bei vielen Aktien könnten die Karten jetzt neu gemischt werden. Kommen jetzt die Gewinnmitnahmen, nachdem man zu Quartalsende noch etwas Window Dressing betrieben hat?

Fazit: Aktienmärkte und Realwirtschaft

Bei der Beurteilung der Entwicklung der Aktienmärkte gibt es eben immer auch das Problem der Auswahl des Zeitintervalls, wie jetzt beim Rückblick auf das zweite Quartal 2020. Betrachtet man die Entwicklung der Indizes seit Jahresanfang, so stehen für Dax und S&P 500 minus 7 beziehungsweise minus 4 Prozent zu Buche. Und bei einer extrem langen Darstellung über 10 oder gar 30 Jahre, so verliert die Panik- und Gierphase des Jahres 2020 stark an Dramatik.

Kursentwicklung Dax und S&P 500 seit 1990:

Dax (1370 – 12310 Punkte) – S&P 500 (353 – 3100 Punkte)

Seit dem Tief im Jahre 2009:

Dax (3666 – 12310 Punkte) – S&P 500 (676 – 3100 Punkte)

Für das Ende eines Konjunkturzyklus mit ausgeprägter Rezession waren die Kursverluste der Aktienmärkte in diesem Jahr zumindest bei den Indizes sehr moderat, sogar zu moderat. Die Regression zum Mittelwert der über Jahrzehnte zu beobachtenden Renditen der Aktienmärkte hat noch nicht stattgefunden. Sie wird kommen und vermutlich wieder alle überraschen, bis auf diejenigen, die es wieder einmal gewusst haben: Zeitpunkt und Ausmaß, aber die gab es immer – in jeder Dekade.

Die Aktienmärkte sind stark gestiegen, die Wirtschaft muss das rechtfertigen

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Dax: Jahresausblick – Anleger sehen mehr Gefahren als Chancen

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Der Dax ist 2021 bereits angesprungen, der Bitcoin hatte die 40.000 USD geknackt und Tesla konnte in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits um 30% zulegen!

Der Quadratmeter Bauland wird in meiner Nachbarschaft auf 2.200 Euro taxiert, ich war bis vor kurzem von 800-1.000 Euro ausgegangen. Ja, liebe Notenbanken, von Inflation keine Spur, oder? Ich habe gelesen, dass die EZB im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung nach Möglichkeiten sucht, den Zins für langfristig laufende Anleihen zu beeinflussen, ohne über den Geldmarkt gehen zu müssen. Abenteuerlich.

Für uns Anleger sind das goldene Zeiten, wobei der Gradmesser der Inflation, das Gold, tatsächlich nicht anschlägt. Die Feinunze Gold verlor diese Woche 1,4%. Ich denke, die überschüssige Liquidität der Anleger wandert derzeit eher in den Bitcoin als ins Gold. Den Bitcoin können Sie problemlos über Landesgrenzen mitnehmen, beim Gold ist das nicht so einfach.

Durch Disruption zum Milliardär

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Mahatma Gandhi

1990-2000:

Es ist nicht leicht, Milliardär zu werden: Bill Gates lief sich in der Industrie die Hacken wund, niemand wollte Computer für den Privatanwender bauen. Das solle man den Profis überlassen, war die Antwort und IBM hatte eine ganze IT-Industrie erschaffen, die von den Personal Computern nichts wissen wollte. Der IBM Mainframe fristet heute ein Nischendasein, Bill Gates wurde mit seinem Betriebssystem für Personal Computer, dem Windows, zum reichsten Mann der Welt.

2000-2010:

Man muss in Büchern herumblättern, wenn man sich eine Kaufentscheidung bilden möchte, so das Dogma des Buchhandels vor 20 Jahren. Jeff Bezos bot die Bücher im Online-Versand an und hatte nicht nur alle Buchhändler der Welt, sondern später auch alle Einzelhändler der Welt gegen sich. Eine kleine Nische, die kaum Potential habe, urteilten viele damals. Amazon liefert heute so ziemlich alles, was das Herz an materiellen Wünschen hat. Jeff Bezos löste Bill Gates als reichsten Mann der Welt ab.

2010-2020:

Wenn Sie sich einmal die Ölindustrie und deren weltweite Logistiknetze anschauen, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht nur die Autoindustrie gegen die Ablösung der Verbrennermotoren war: Als wichtiger Abnehmer der Ölindustrie liefen also gleich mehrere Branchen weltweit Sturm gegen das Elektroauto. Elon Musk peitschte sein Projekt durch, baute weltweit mangels Kooperationswillen in der Ölindustrie (denen gehören die meisten Tankstellen) ein eigenes Netz an Ladesäulen auf, die weltweit größten Batteriefabriken (Giga-Factories). Durch den Kurssprung in den Tesla-Aktien löste Elon Musk gestern Jeff Bezos als reichten Mann der Welt ab.

2020-2030:

Vielleicht steht der nächste Milliardär ja schon in den Startlöchern. Der Erfinder des Bitcoin ist nicht bekannt. Die mRNA-Technologie wird von mehreren Unternehmen genutzt, aber Moderna und BionTech scheinen die Nase vorn zu haben. Beyond Meat krumpelt die Nahrungsmittelindustrie um. Und Zoom Video und Twilio verändern die Art und Weise, in der wir untereinander kommunizieren. Spannend! Und es lohnt sich, am Ball zu bleiben.

Ich habe den Eindruck, dass die Coronakrise in einigen Bereichen Entwicklungen der kommenden Jahre vorweg genommen hat. So konnten die Aktien von BionTech, Zoom Video usw. im vergangenen Jahr exorbitant anspringen. Im Jahr 2021 wird sich zeigen, welche Entwicklungen tatsächlich beschleunigt wurden, und welche lediglich eine Sonderkonjunktur erfuhren.

Dax: Jahresausblick 2021

Bereits seit sechs Jahren führe ich die Jahresumfrage unter Lesern des Handelsblatts durch. Im Sinne der Sentiment-Theorie interpretiere ich die Mehrheitsmeinung dahingehend, dass es unwahrscheinlich ist, dass genau diese Erwartung eintritt. Vielmehr haben Untersuchungen gezeigt, dass an den Finanzmärkten in der Regel das Unerwartete passiert.

Das Ergebnis meiner Analyse der Jahresumfrage vor einem Jahr war die Erwartung, dass der DAX frühzeitig im Jahr 2020 ausverkauft würde, um dann bis in den November hinein stark anzusteigen. Den Jahresschlusskurs hatte ich sodann auf knapp unter das Jahreshoch taxiert. Optisch betrachtet habe ich damit ziemlich gut gelegen.

Wenn wir jedoch die Beschriftung der X-Achse zufügen, könnte ich nicht schlechter gelegen haben: Das Tief hatte ich auf über 12.000 festgelegt und als Jahreshoch hielt ich die 15.000 Punkte für möglich.

Nun könnte man sagen, die Corona-Pandemie hat ohnehin alles auf den Kopf gestellt. Doch gerade solche unvorhersehbaren Ereignisse sollen ja mit Hilfe technischer Instrumente, wie beispielsweise dieser Jahresumfrage, berücksichtigt werden. Dennoch würde ich sagen, dass wir den Verlauf recht gut prognostiziert haben, wenngleich die Intensität durch Corona nach unten verstärkt wurde. Heute werden wir untersuchen, ob der Lauf in Richtung 15.000 nur um ein Jahr verschoben wurde, oder ob sich nach Corona eine vollständig neue Situation ergibt.

Bei unserer Jahresumfrage vor einem Jahr wurde die Anlage in Immobilien als beste Investmentchance bezeichnet, gefolgt von Aktien und Edelmetallen. Industriemetalle (bspw. Kupfer) und Nahrungsmittel (bspw. Getreide) wurden als mäßig attraktiv betrachtet.

Tatsächlich haben gerade Industriemetalle (+26%) und Nahrungsmittel (+16%) im abgelaufenen Jahr eine gute Performance gezeigt. Der DAX konnte sich auf Jahressicht knapp ins Plus retten (+3,5%).

Immobilien muss man für das Jahr 2020 detailliert betrachten: Bauland zeigt mit +13% den stärksten Wertzuwachs, gefolgt von Wohnimmobilien mit +8%. Gewerbeimmobilien litten stark unter der Corona-Pandemie, wobei Büroimmobilien Einbußen erlitten, während Flächen für logistische Nutzung gefragt waren.

Wenngleich der Wertzuwachs bei Wohnimmobilien nicht mit Industriemetallen und Nahrungsmitteln mithalten konnte, so ändert sich das Bild wenn wir berücksichtigen, dass Immobilien in der Regel zu einem großen Teil finanziert werden. Die Wertentwicklung des Eigenkapitals ist, auch nach Abzug der derzeit niedrigen Zinsen, deutlich höher anzusetzen.

Hier die Jahresperformance:

· Kupfer +26%

· Getreide +16%

· Gold +12%

· Immobilien 8%

· DAX +3,5%

· Anleihen +0,5%

· Öl -25%

· Dow Jones +6%

· Nikkei +16%

· Shanghai A-Aktien +12%

In einem Punkt haben die Umfrageteilnehmer vor einem Jahr gut gelegen: Der Median der Umfrageerwartung von vor einem Jahr erwartete einen DAX-Jahresschluss 2020 bei 13.750 Punkten, was einem Plus von 3,8% entsprochen hätte. Mit dem tatsächlichen Jahresschlusskurs von 13.719 (+3,5%) wurde dieser Median ziemlich gut getroffen.

In den vergangenen 50 Jahren hat der DAX nur fünfmal mit einem so kleinen Plus (kleiner 5%) geschlossen.

Nun hat die Corona-Pandemie zu einem durchweg überraschenden und untypischen Börsenjahr geführt, sowohl im Ergebnis als auch im Verlauf. Ich wäre daher vorsichtig, unseren Umfrageteilnehmern vorschnell eine hohe Trefferquote zuzusprechen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Gedämpfte Erwartungen für Aktien im Jahr 2021

Für das Jahr 2021 erwarten Anleger nicht viel vom Aktienmarkt: zum Jahresende dürfte sich der DAX in etwa erneut auf dem aktuellen Kursniveau bewegen, wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben.

Wo steht der Dax Ende 2021?
Abbildung 1: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahresschlusskurs DAX

Die meisten gehen von einem Jahresschlusskurs im Bereich von 13.600 bis 13.900 aus, was im Mittel einem Jahresplus von mageren 0,2% entspräche. Wenn wir die durchschnittliche Erwartung unter Einbeziehung aller Antworten errechnen, ergibt sich sogar nur ein Wert von 13.726 Punkten, also +0,1%.

Interessant dabei ist, dass die Streuung der Erwartungen sehr gering ist: 60% aller Teilnehmer erwarten einen Jahresschlusskurs zwischen 13.500 und 14.400 Punkten. Werte außerhalb dieses Bereiches wurden nur vereinzelt ausgewählt. Einen Schlusskurs unter 13.000 befürchtet fast keiner mehr. Nach oben gibt es vereinzelte Stimmen, die sogar einen DAX bis 16.000 Punkte erwarten.

Wo wird der Höchststand beim Dax 2021 sein?
Abbildung 2: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahreshoch im DAX

Das Jahreshoch wird gemäß der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens über 13.950 Punkten liegen, im Mittel wird ein Jahreshoch bei 14.250 (+3,9%) Punkten erwartet. Berechnen wir den Durchschnitt aller Erwartungen, so erhalten wir einen Wert von 14.385 Punkten (+4,9%). Ein Jahreshoch über 14.850 Punkte (+8,2%) hält kaum jemand für möglich.

Wo wird das Tief beim Dax sein?
Abbildung 3: Jahresumfrage Handelsblatt: Jahrestief im DAX

Auch beim Jahrestief sind die Erwartungen etwas pessimistischer: Unter 12.750 Punkte (-7,1%) sollte der DAX nach der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer mindestens nochmals rutschen. Im Mittel wird sogar ein zwischenzeitliches Abrutschen bis auf 12.150 Punkte (-11,4%) befürchtet. Das durchschnittlich erwartete Tief im Jahr 2021 liegt bei 11.910 Punkten (-13,2%). Immerhin fürchtet kaum jemand ein erneutes Abrutschen unter 11.250 Punkte (-18%).

Ich finde dieses Ergebnis merkwürdig: Im Jahr 2019 sprang der DAX um 25% an. Im Corona-Jahr 2020 betrug die Schwankungsbreite im DAX über 60%! Für das Jahr 2021 gehen Anleger jedoch nur von einer maximalen Schwankungsbreite von 24% aus, die meisten erwarten eine Schwankungsbreite von nur 17%. Es wäre schön, wenn’s so kommt.

Für den DAX erwarten die meisten Anleger das Jahreshoch im Mai. „Sell in May and go away…” heißt eine Börsenweisheit, die sich offensichtlich in den Köpfen der Anleger festgesetzt hat. Doch in den vergangenen Jahren galt diese Regel kaum.

Das Jahrestief wird im August erwartet, ebenfalls entsprechend der obigen Börsenregel: „… and always remember to come back in September”.

Bis zum Jahresschluss würde der DAX dann wieder in Richtung seiner Höchststände marschieren, wenn wir der Erwartung unserer Umfrageteilnehmer glauben. Soweit wird hier eine durchaus typische Jahresentwicklung erwartet.

Untypisch ist jedoch die Befürchtung eines unmittelbar anstehenden Ausverkaufs zum Jahresbeginn: Verhältnismäßig viele Anleger befürchten, dass wir bereits im Februar das Jahrestief sehen können. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

Zum einen wird der Markt aktuell als überhitzt wahrgenommen, so dass kurzfristig keine weiteren Kurssteigerungen erwartet werden. Nach dem Jahresschlussspurt wird nun eine Konsolidierung bis hin zu einer Korrektur erwartet.

Zum anderen spiegelt die Erwartung der Kurstiefs bereits so früh im Jahr die optimistische Erwartung der Anleger wider, dass die Kurse im Jahr 2021 überwiegend steigen werden.

Diese Erwartung widerspricht offensichtlich der weiter oben formulierten Erwartung der geringen Sprunghöhe im DAX: Wenn der DAX schon in den kommenden Wochen sein Tief sieht und dann für den Rest des Jahres steigt, dann erscheint das Kursziel bis zum Jahresende bei durchschnittlich 13.726 Punkten (+0,1%) sehr konservativ. Einzige Erklärungsmöglichkeit wäre ein heftiger Ausverkauf in den kommenden Wochen, so dass der DAX von tiefem Niveau aus dann das ganze Jahr steigen kann, ohne über die 14.000 Punkte zu springen.

Das wäre eine Entwicklung, die der DAX-Entwicklung aus dem Pandemie-Jahr 2020 entspräche. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich.

Umfragen zum Dax im Jahr 2021

 

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Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Charttechnik bei Dow, Nasdaq und Silber

Redaktion

Veröffentlicht

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Von

Ganz so einfach ist die Lage bei Dow Jones, Nasdaq und Silber derzeit nicht. Schauen wir genauer auf die Charts im folgenden Video.

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