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Aktienmärkte: Wer gewinnt den Kampf – Bullen oder Bären?

Vor knapp drei Wochen haben die Aktienmärkte ihr Corona-Hoch erreicht. Jetzt stehen wir kurz vor Daten, wie man sie als aktiver Investor noch nie erlebt hat..

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Vor knapp drei Wochen haben die Aktienmärkte ihr Corona-Hoch erreicht (bis auf den Tech-Index Nasdaq, der noch bis zum 23. des Monats kletterte). Jetzt stehen wir kurz vor dem Ende des zweiten Quartals 2020, vor dem Beginn der US-Berichtssaison und der Bekanntgabe von Rezessionszahlen aus Q2, Daten, wie man sie als aktiver Investor noch nie erlebt hat.

Der Vorlauf der Aktienmärkte

Morgen geht das zweite Quartal des Jahres zu Ende. Seit dem Tief der meisten Aktienmärkte vom 23. März haben sich die großen Indizes gewaltig erholt, ein Aktien-V nach dem Einbruch gebildet, das seinesgleichen sucht. Auch nach den Rückschlägen der letzten Tage kann man noch auf 30 bis 45 prozentige Steigerungsraten blicken. Erstaunlicherweise liegt unser DAX weit vorne, zusammen mit dem US-Technologie-Index Nasdaq 100.

Hier ein Abgleich zwischen den Tiefs im März und den Schlusskursen vom letzten Freitag:

Nasdaq: 6994 – 9849 Punkte (aktuell)

Dax: 8255 – 12089 Punkte

S&P 500: 2206 – 3009 Punkte

Auch andere Aktienmärkte kamen auf fast ähnliche Steigerungen, wie der japanische Nikkei oder europäische Indizes. Der Höhepunkt der Kursrally war aber bereits der Zeitpunkt um den 8. Juni, seither hat sich schon ein kleiner Rückgang entwickelt, ein Kampf zwischen „Headwinds“ und „Tailwinds“.

Die Unterstützungsfaktoren

Der große Treiber für die Aktienmärkte ist zweifelsohne und bereits mehrfach beschrieben die große Geldflut der Notenbanken inklusive der Rettungspakete der Regierungen. 3 Billionen Dollar Hilfpakete in den USA plus billionenschwerer Anleihekaufprogramme , 1,2 Billionen Euro Garantiepakete in Deutschland, 1,35 Billionen Euro an Anleihekaufprogrammen der EZB, ein 500 Milliarden Euro teurer Aufbaufonds in Europa und ein geplantes, neues Infrastrukturprogramm in den USA über eine Billion Dollar – die weltweiten Rettungssummen übersteigen alles bisher Dagewesene. Zweistellige Billionensummen, bei einer Weltwirtschaftsleistung von 86,6 Billionen Dollar (2019). Soll die Weltwirtschaft 2020 laut IWF und OECD nicht um 5,2 bis 6 Prozent schrumpfen, also um etwa fünf Billionen Dollar? Man geht überall in die Vollen, um dem Schrumpfen der Volkswirtschaften entgegenzuwirken.

Vor allem in den USA. Diese haben zwar bereits 47 Millionen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung und 20 Million fortgesetzte Anträge, aber zugleich eine finanzielle Unterstützung der Arbeitslosen, die für die Vereinigten Staaten völlig unüblich ist. Bis zu 4600 Dollar pro Monat, je nach Bundesstaat und voraussichtlich bis Ende Juli. Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen haben mehr Geld in der Tasche beim Daheimbleiben als beim Gang zur Arbeit. Klar, dass dabei der so wirtschaftsdominante US-Konsum nicht unter die Räder kommt.

Natürlich gibt es auch aus der Wirtschaft Signale der Erholung nach dem Lockdown. Steigende Einkaufsmanagerindizes, ein Baltic Dry-Index, der von Anfang Mai von unter 500 Punkten auf aktuell 1749 Punkten geradezu explodiert ist. Welche Rohmaterialien werden da in welcher Region plötzlich so nachgefragt? Oder in Deutschland der Ifo-Index, der von seinem Allzeittief im April mit 74,3 Punkten im Juni bereits wieder bei 86,2 Punkten steht. Natürlich befinden sich manche Branchen noch tief im Tal der Tränen, aber selbst die Flugindustrie fährt ihre Kapazitäten wieder hoch, extreme Steigerungsraten, auf niedrigem Gesamtniveau. Ist aber auch nicht anders zu erwarten, schließlich gibt es noch zahlreiche Reiseverbote zwischen den Staaten und die Urlaubsregionen sind noch nicht überall geöffnet.

Natürlich muss man immer wieder auf die Konkurrenzsituation zu sprechen kommen: Aktienmärkte gegen Anleihemärkte. Kapitalsammelstellen brauchen Rendite und wo liegt der Zins für die 10-jährige US-Treasury? Bei 0,6 Prozent – zudem befindet sich trotz Corona die Dividendenrendite des S&P 500 deutlich über der Rendite der bedeutendsten Zins-Benchmark. Das von vielen gehasste Thema der Alternativlosigkeit der Aktienmärkte.

Kurzfristig gibt es auch noch ein paar kleinere Stützungsfaktoren für die Aktienmärkte: Das Window Dressing zum Ende eines Superquartals, in dem einige Manager noch etwas nachjustieren (müssen) und die nach wie vor hohe Cashquote der Fonds, auch wenn es für manchen nicht glaubhaft erscheint, dass es nach diesem Quartal noch Kapital an der Seitenlinie gibt.

Die Belastungsfaktoren

Hängt die Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte mit der derzeit nicht weiter steigenden Fed-Bilanz zusammen? Sicherlich, denn der Chart des S&P 500 zeigt einen synchronen Anstieg in Relation zu deren Aufblähung.

Die Federal hat zumindest eine Pause eingelegt, aber auf der anderen Seite hat doch Jerome Powell wiederholt angedeutet, alles tun zu wollen, um Konsum und Wirtschaft zu stützen, sinngemäß „Whatever it takes and believe me it will be enough!“

Eine Pause derzeit ja, aber man braucht auch noch Pulver für die kommenden vier Monate.

Die Ausbreitung von Covid-19

Ein plötzlich wieder auftretender Bremsfaktor für die Aktienmärkte ist die weiter fortschreitenden Coronawelle in einigen Ländern, nicht nur in Brasilien, Indien oder Russland, sondern besonders relevant in den USA. 80.000 neue Fälle in zwei Tagen besonders in wichtigen Regionen wie Texas, Florida oder Kalifornien bringen das Thema Teil-Lockdown und damit Verzögerung bei der wirtschaftlichen Entwicklung auf das Börsentableau.

Hat nicht erst am Donnerstag der Direktor des CDC (Center for Disease Control and Prevention – Zentrum für für Krankheitskontrolle und -prävention), des US-Gesundheitsministerins, Robert Redfield, behauptet: „Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen!“

Offiziell hat man in den USA bereits über 2,6 Millionen Corona-Infizierte, aber es verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt. Allein in New York mit seiner Metro, die von Millionen täglich ohne Schutzmaßnahmen und für mehrere Wochen genutzt wurde (übrigens ebenso wie in London). Die Zahl derer, die ohne große Symptomatik infiziert waren, ist sehr hoch, wie mehr und mehr Antikörpertests beweisen.

Das große unterschwellige Thema lautet sowieso „Zweite Welle“. Aber haben die Aktienmärkte in den letzten Tagen nicht schon darauf reagiert? Während es mit den Corona-Profiteuren aus dem Tech-und Pharmasektor noch weiter nach oben ging, haben Covid-19-sensible Aktien aus dem Luftfahrbereich oder Titel wie Disney, Carnival Corp oder Starbucks schon seit zwei Wochen an Boden verloren.

Was für ein Unterschied in Sachen Corona – USA versus Deutschland:

Die Aktienmärkte und die Corona-Zahlen in den USA

Die Corona-Zahen in Deutschland - ein Grund, waum Europas Aktienmärkte derzeit besser laufen

Die anderen Faktoren wie hohe Bewertung nach allen Maßstäben, wie KGV, Shiller-KGV, Warren-Buffett-Indikator, technische Faktoren, wie der Abstand des Nasdaq von seinem Aufwärtstrend, fehlende Marktbreite der Aktienmärkte, Dominanz der fünf Tech-Werte in allen Indizes etc. haben natürlich weiterhin ihre Gültigkeit. Das Entscheidende ist nur: Haben sie für die Investitionsentscheidung der Masse der Anleger eine Bedeutung – oder wird man sie weiter ignorieren? Weil man immer noch dem großen Wal (Fed) im Aktienbecken vertrauen kann?

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marko

    29. Juni 2020 14:35 at 14:35

    Den Kampf gewinnen die Bullen.

    Warum ? – Weil die Bären keine Chance mehr haben, durch Lehman darum.

    Weil der Anleihemarkt, durch Lehman, zu teuer bewertet ist.

    Alleine die Daimler-Aktie, wenn man sich die mal anschaut… Und soll ich noch weiter machen ..? ;)

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    Marko

    29. Juni 2020 14:45 at 14:45

    Diese Faktoren wie Shiller/KGV – Aktienmarkt vom KGV zu teuer usw… müssen (!!) ebenso gelten für den natürlich nicht manipulierten Anleihemarkt ! ;)

    Und da, beim Anleihemarkt, sieht`s duster aus ! Hier wird wohl mit zweierlei Maß gemessen ?

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    Lehmann-Allergiker

    29. Juni 2020 16:37 at 16:37

    @ Marko, gegen das „LEHMANN SYNDROM“ gibt es einen Impfstoff.Wenn du es noch nicht gemerkt hättest, mit den immergleichen Sprüchen nervst du Alle.

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    Marko

    29. Juni 2020 20:44 at 20:44

    Ich weiss, nur wenn man sich den Aktienmarkt anschaut und keine Bärchen-Bilder an die Wand malt… muss man schon sagen…

    Natürlich ist es mir bewusst , dass ich ein „Longbrüller“ bin ? Na und ? – das hier gehört doch dazu, eben weil dies eine Bären-Seite ist ? Dafür ist doch ein Forum da ?
    Was erwartet Ihr Bären eigentlich ?

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Devisen

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkauf- und Liquiditätsprogramme (PEPP, APP und TLTRO III) laufen wie bisher weiter.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

(2) The Governing Council will continue its purchases under the pandemic emergency purchase programme (PEPP) with a total envelope of €1,350 billion. These purchases contribute to easing the overall monetary policy stance, thereby helping to offset the downward impact of the pandemic on the projected path of inflation. The purchases will continue to be conducted in a flexible manner over time, across asset classes and among jurisdictions. This allows the Governing Council to effectively stave off risks to the smooth transmission of monetary policy. The Governing Council will conduct net asset purchases under the PEPP until at least the end of June 2021 and, in any case, until it judges that the coronavirus crisis phase is over. The Governing Council will reinvest the principal payments from maturing securities purchased under the PEPP until at least the end of 2022. In any case, the future roll-off of the PEPP portfolio will be managed to avoid interference with the appropriate monetary policy stance.

(3) Net purchases under the asset purchase programme (APP) will continue at a monthly pace of €20 billion, together with the purchases under the additional €120 billion temporary envelope until the end of the year. The Governing Council continues to expect monthly net asset purchases under the APP to run for as long as necessary to reinforce the accommodative impact of its policy rates, and to end shortly before it starts raising the key ECB interest rates. The Governing Council intends to continue reinvesting, in full, the principal payments from maturing securities purchased under the APP for an extended period of time past the date when it starts raising the key ECB interest rates, and in any case for as long as necessary to maintain favourable liquidity conditions and an ample degree of monetary accommodation.

(4) The Governing Council will also continue to provide ample liquidity through its refinancing operations. In particular, the third series of targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) remains an attractive source of funding for banks, supporting bank lending to firms and households.

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Hui und Pfui an der Wall Street

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Aktuell ist die Hoffnung vorhanden auf gute Quartalszahlen der großen Tech-Konzerne heute Abend.

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Aktien

Nasdaq: Ist eine Korrektur der Tech-Werte unausweichlich?

Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird?

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Die US-Wahlen stehen in Kürze an, viele Marktteilnehmer sinnieren über mögliche Folgen für die US-Wirtschaft, aber auch für die Aktienmärkte –  vor allem dürften die heiß gelaufenen Titel aus dem Nasdaq im Fokus stehen. Seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 haben sich die Werte im Nasdaq 100 mehr als verzehnfacht. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen, dass Investoren nicht mehr an die Fortsetzung der Wachstumsstory, zumindest mit dieser Geschwindigkeit, glauben.

Nasdaq: Microsoft machte den Auftakt

Die Zahlen des Software-Konzerns, die dieser am Dienstag nachbörslich bekanntgab, lagen über den Erwartungen: 30 Prozent plus bei Umsatz, 12 Prozent bei, Gewinn, die Corona-Pandemie hat die Geschäfte des Konzerns weiter beflügelt. Der Ausblick wurde hingegen mit einem Umsatzanstieg von etwa acht Prozent (ca. 40 Milliarden Dollar) taxiert, was das Problem der Highflyer, nicht nur von Microsoft, verdeutlicht: In diesem Jahr ist der Börsenwert des Konzerns bereits um ein Drittel auf 1,6 Billionen Dollar gestiegen. Die Aktie verlor nachbörslich trotz der guten Zahlen um 1,5 Prozent.

Am Mittwoch war der Wert mit minus fünf Prozent sogar der schwächste Wert im Dow Jones.

Am heutigen Donnerstag veröffentlichen die Schwergewichte im Nasdaq Apple, Amazon, Alphabet und Facebook ihre Quartalszahlen, mit den Ausblicken auf die nahe Zukunft. In jedem Fall werden die Zahlen ein Fingerzeig für das Kommende nach einer überragenden Entwicklung, nicht nur in der jüngsten Vergangenheit.

Die Entwicklung des Nasdaq ist nicht fortsetzbar

Man muss sich nur die Entwicklung der Aktienmärkte und beaonders der Aktien im Nasdaq seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 zu betrachten:

Nasdaq Composite plus 895 Prozent
Nasdaq 100 plus 1102 Prozent
S&P 500 plus 497 Prozent
Dax plus 328 Prozent (Kurse vom 28.10. zur Mittagszeit)

Durch das Gewicht der FANGMAN-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix, Google, Microsoft, Apple, Nvidia) in den großen Indizes hat sich das Kurs/Gewinn-Verhältnis des MSCI World Growth nach oben geschaukelt. Mittlerweile ist es fast doppelt so hoch wie das des MSCI World Value, eine extreme Divergenz, die es nur während der Internet-Bubble um die Jahrtausendwende gegeben hat.

Klar ist die aktuelle Pandemie eine Phase, die die neuen Technologien und damit die Aktien im Nasdaq anfeuert und begünstigt, die digitale Welt inmitten des Social Distancings.

Kursgewinne locken aber seit jeher Anleger in einen Sektor, Euphorie entsteht, da leichtes Geld über einen längeren Zeitraum erzielt werden kann – die Hausse nährt die Hausse. Das Wachstum ist irgendwann satt eingepreist, gerade im Bereich der Growth-Titel hatten wir so etwas fast in einem jeden Jahrzehnt.

Das Beste ist eingepreist

Aber: Ist es tatsächlich realistisch, dass der Nasdaq 100 nach seinem Anstieg von über 1000 Prozent binnen einer guten Dekade einfach so weiter klettern wird? Obwohl das Kurs-Buch-Verhältnis auf über acht gestiegen ist und die Kurse den Unternehmensgewinnen allein im letzten Jahr um etwa 50 Prozent davongelaufen sind? Die besseren Wachstumsaussichten der Hightech-Werte sind zum jetzigen Zeitpunkt schon in den Kursen enthalten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der FAANG-Aktien betrug vor Kurzem etwa 61, damit hat es das Dreifache des KGVs des Gesamtmarktes erreicht. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firmen in Zukunft dreimal so gute Geschäftszahlen bringen müssen, als der Gesamtmarkt, um nur die Bewertung zu erhalten. Sollte dies nicht geschehen, wäre eine Korrektur des Nasdaq unausweichlich.

Ist Microsoft, zweifelsohne ein Konzern mit einer Ausnahmestellung, nicht ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl? Heute kommen vier der ganz Großen im Nasdaq mit ihren Zahlen – vor allem Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt.

Vor gut zwei Wochen habe ich die Divergenz zwischen Börsen- und Geschäftsentwicklung bei Apple schon einmal so skizziert:

Das Technologieunternehmen mit seinen 157.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 260 Milliarden Dollar (2019) hat sich binnen Jahresfrist verdoppelt und einen Börsenwert von über zwei Billionen Dollar erreicht. Soll sich dieses nur annähernd so fortsetzen mit einer weiteren Verdoppelung? Bei vier Billionen Dollar hätte man eine höhere Bewertung als die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, Deutschland, mit ihren über 44 Millionen Arbeitnehmern und Hunderten börsennotierten Unternehmen und Famillienunternehmen, in denen sich wiederum hunderte Weltmarktführer aus verschiedenen Branchen tummeln. Ehrlich gesagt, kaum vorstellbar.

Aber, um noch einmal auf den Nasdaq zurückzukommen: Im Verlauf der Internet-Bubble war der Technologieindex am 10. März 2000 bis auf 5048 Punkte gestiegen, um dann bis zum 8. Oktober 2002 bis auf 1114 Punkte zu korrigieren. Growth und Value hatte sich wieder angenähert. Klar waren die Werte damals extrem überspekuliert und bei vielen Titeln ohne Substanz. Aber die aktuelle Hausse des Nasdaq und des Nasdaq 100 mit einer groben Verzehnfachung binnen eines guten Jahrzehnts ist fundamental aus dem Ruder gelaufen.

Die Kursentwicklung des Nasdaq während der Internet-Bubble:

Die Performance des Nasdaq

Die Quartalssaison Q3 und die Reaktion der Märkte

Die heutige Situation hat es in sich. Unmittelbar vor einer ziemlich entscheidenden US-Wahl geraten die Weltbörsen ins Straucheln, dennoch erleben wir bisher eine Berichtssaison, die überaus überraschende Ergebnisse liefert: Bislang übertrafen die Unternehmen um etwa 85 Prozent die Unternehmenserwartungen, selbst die Ausblicke auf Q4 wurden bisher fast bei einem Fünftel der Unternehmen angehoben. Dennoch werden die Ergebnisse nicht honoriert und selbst bei Microsoft hatte man ein Sell on good News praktiziert.

Werden Apple und Amazon heute einen Umschwung einleiten können?

Das Hard- und Softwareunternehmen aus Cupertino, welches erst kürzlich die neue Smartphone-Generation im 5G-Netz präsentiert hat und Amazon, das jetzt vor dem Weihnachtsgeschäft sogar 100.000 Saisonarbeiter in den USA und Kanada eingestellt hat, um im Bereich der Logistik das erwartete Online-Bestellaufkommen zu bewältigen. Kann diese Entwicklung in Zukunft fortgesetzt werden? Darum geht es.

Fazit

Es ist sicherlich kein Muss für die allernächste Zeit, aber wie es die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, ein sich immer wiederkehrender Vorgang an den Finanzmärkten – Mean Reversion, Regression zum Mittelwert, wie immer man es auch bezeichnen will. Exponentielles Wachstum, egal in welcher Branche, ist nicht aufrechtzuerhalten. Der Technologieindex Nasdaq 100 hat sich von Ende 2018 bis September 2020 mehr als verdoppelt, dies ist nur dann haltbar, wenn die entsprechenden Unternehmensgewinne steigen oder die Zahl der Aktien, durch „Buybacks“ entsprechend reduziert werden. Ist dies nicht der Fall, so kommt es irgendwann zur Angleichung von Wachstum und Kursentwicklung – auch wenn es im Zeitalter der finanziellen Repression, inklusive TINA, etwas länger dauert, es wird kommen.

Bei Einzelaktien dauert es mitunter noch etwas länger, vor allem wenn ein Unternehmenschef „magische“ Fähigkeiten besitzt.

Ist die glorreiche Zeit des Nasdaq schon vorbei?

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