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Keine Gnade für die Bären Aktienmärkte: Wie die Tech-Rally den Bären Schmerzen bereitet

Wall Street Bären. Grafik: Frolopiaton Palm - Freepik.com

Mit jeder Woche, in der die Aktienmärkte weiter steigen, nimmt auch die Frustration der Bären zu. Die unaufhaltsame Rally an der Wall Street sorgt dafür, dass die bärischen Trades wieder und wieder scheitern. Dennoch erweist sich das Bären-Szenario für einige mutige Händler als zu verlockend, um darauf zu verzichten. Allerdings läuft die Rally an den Aktienmärkten schon seit Ende Oktober wie an der Schnur gezogen nach oben und hat bis auf ein paar kleine Rücksetzer keinen Ertrag für die Short-Seller gebracht. Angetrieben wird die Hausse vor allem von den Tech-Werten, die von dem Boom rund um das Thema der künstlichen Intelligenz (KI) profitieren. Die technologielastigen US-Indizes S&P 500 und Nasdaq konnten seit dem Tief Ende Oktober um 29 % beziehungsweise 33 % zulegen und dabei neue Rekorde erreichen. Auf dem Weg dahin sind schon viele Bären unter die Räder gekommen.

Tech-Rally bereitet den Bären Schmerzen

Risikoreiche Technologie-Aktien mit üppigen Bewertungen marschieren entgegen den Erwartungen der Bären immer weiter, obwohl die US-Notenbank Fed ihre Zinswende erneut nach hinten verschoben hat. Dabei bleibt die Gruppe der Aktien-Gewinner hartnäckig konzentriert. Es sind lediglich ein Dutzend Aktien, wie beispielsweise Nvidia, Microsoft, Meta und andere Tech-Werte, die für starke Kursanstiege an den Aktienmärkten sorgen.

In der Hoffnung, dass sich die Dinge bald umkehren, schlucken die Leerverkäufer immer wieder den Köder. So investierten sie laut einem Bericht von Bloomberg Anfang des Monats 500 Millionen Dollar – so viel wie in diesem Jahr noch nie – in einen gehebelten ETF, der auf große Gewinne ausgelegt ist, wenn der Nasdaq 100 fällt. Das Problem: Der technologielastige Index steigt immer weiter und legte diese Woche erneut um 1,4 % zu. Währenddessen ist der bärische Fonds allein in diesem Monat um 20 % gefallen.

Ähnlich ergeht es all jenen, die sich in letzter Zeit auf Trades eingelassen haben, die bei steigender Volatilität, also einem steigenden VIX, Gewinne abwerfen. Doch der VIX-Index ist auf den tiefsten Stand seit Ende 2017 gefallen, während die Händler auf Absicherung durch Vanilla-Optionen bis hin zu komplexeren Black-Swan-Portfolio-Versicherungen setzten. In jedem Fall haben die Händler teuer bezahlt, da die bullische Stimmung an den Aktienmärkten anhält.

„Etwas zu kaufen, das nicht in der Gunst der Anleger steht, ist nachvollziehbar, aber es widerspricht der menschlichen Natur“, sagt der Quant-Guru Rob Arnott, ein Verfechter des Value-Investing, der für eine Diversifizierung des Handels, einschließlich des Engagements in Übersee, plädiert. „Wir sind zum Glück so gut verdrahtet, dass wir die Reißleine ziehen und sagen: ‚Hol mich hier raus, wenn die Schmerzen oder Verluste groß werden'“, so der Gründer von Research Affiliates.

Es gibt gute Argumente für die Bären

Himmelhohe Bewertungen vieler Tech-Aktien, eine restriktive Geldpolitik und das Zögern der US-Notenbank, die hohen Zinsen zu senken. All das macht Vorsicht zum Gebot der Stunde. Dennoch hat sich praktisch jeder bärische Impuls als kostspielig erwiesen, da der Gewinnmotor von Corporate America weiterläuft. Bei Kryptowährungen und in ausgewählten Schwellenländern herrscht Aufbruchsstimmung, während risikoreichere Unternehmensanleihen ihre qualitativ hochwertigeren Pendants weiterhin übertreffen.

Bären stehen tief unter Wasser - Rally der Aktienmärkte geht weiter
Bärische Trades schmieren ab, während Tech-Aktien steigen

Nach einem Jahr der Euphorie über künstliche Intelligenz sieht es für die Gewinner der großen Tech-Rally immer noch gut aus. Nvidia, der wertvollste Chiphersteller der Welt, hat am Mittwoch erneut die Erwartungen übertroffen. Dies trug dazu bei, dass der technologielastige Nasdaq 100 die fünfte Woche in Folge zulegen konnte. Anleger, die darauf wetten, dass sich die einseitige Rally an den Aktienmärkten bald umkehren wird, stehen erneut unter Wasser. Die gleichgewichtete Version des S&P 500 (S&P 500 Equal Weight Index) lag zuletzt so weit unter der nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmark wie seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Der Cboe Volatility Index, bekannt als VIX, sank unter 12 und damit auf das Niveau vor der Pandemie. Der S&P 500 beendete die Woche kaum verändert und in der Nähe seines Rekordhochs.

Aktienmärkte: Keine Gnade für die Bären

Die Zuflüsse in komplexe börsengehandelte Produkte zeigen, wie schmerzhaft es sein kann, gegen die Rally der Aktien-Gewinner zu wetten. Der ProShares UltraPro Short QQQ (Ticker SQQQ), der mit dreifacher Hebelwirkung auf einen Rückgang des Nasdaq 100 wettet, ist in diesem Monat bisher um 20 % eingebrochen. Ein börsengehandelter Fonds, der als 2x Long VIX Futures ETF (UVIX) bekannt ist und darauf ausgelegt ist, bei einem Anstieg der Volatilität in besonderem Maße zu profitieren, verzeichnete seine größten Zuflüsse seit einem Jahr. Allerdings brach er im Mai bisher um 33 % ein.

„Angesichts des günstigen Risikohintergrunds ist es sinnvoll, technologielastige Märkte und Sektoren zu bevorzugen“, sagte Alex Saunders, Leiter des Quant-Macro-Teams bei Citi Research. „Wir sind der Meinung, dass es trotz der schwachen Wirtschaftsdaten noch zu früh ist, um über defensive Trades nachzudenken. Die Zinssenkungen der US-Notenbank sind für dieses Jahr noch nicht vom Tisch und dürften die Risiken von Rückschlägen an den Aktienmärkten abmildern.“

Aktienmärkte: Gewinne konzentrieren sich auf eine kleine Gruppe – S&P 500 vs. S&P Equal Weight

Verschobene Zinswende der Fed

Doch obwohl die Wirtschaft weiterhin robust ist, deuten die jüngsten Daten über Einzelhandelsumsätze und das verarbeitende Gewerbe auf eine nachlassende Nachfrage hin. Aus dem Protokoll der Fed-Sitzung von Anfang dieser Woche geht unter anderem hervor, dass verschiedene Notenbanker bereit sind, die hohen Zinsen länger beizubehalten, „falls die Inflation keine Anzeichen für eine nachhaltige Annäherung an 2 % zeigt.“

Kein Wunder, dass sich die Banken an der Wall Street beeilt haben, ihre Prognosen für den wichtigsten Zinssatz der Welt zu revidieren. Diese Woche haben Nomura Securities und Goldman Sachs ihre Erwartungen für die erste Zinssenkung von Juli auf September verschoben. Auf dem Swap-Markt wird dies jedoch erst im Dezember erwartet, was eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Prognosen von Ende 2023 darstellt, als der Beginn der Lockerung für März erwartet wurde.

„Alle Aktienmärkte sind im Hinblick auf eine sanfte Landung und eine Outperformance der Technologiebranche perfekt eingepreist“, so Priya Misra, Portfoliomanagerin bei JPMorgan Asset Management. „Die Spreads sind eng, die Multiplikatoren sind hoch und die Zinssätze werden in den nächsten Monaten sinken.“

Kapitulation der Wall Street Bären

Michael Wilson von Morgan Stanley hat diese Woche das Handtuch geworfen, nachdem er lange Zeit von einer deutlichen Korrektur im S&P 500 ausgegangen war. Er prognostiziert jetzt, dass der S&P 500 in diesem Jahr in der Nähe seiner Rekordstände auf der Stelle treten und nicht sinken wird. Seine Kapitulation unterstreicht die breite Abrechnung mit den letzten verbliebenen Skeptikern und kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Strategen von der Deutschen Bank bis zu UBS Global Wealth Management sich beeilen, ihre Ziele für den US-Leitindex anzuheben.

Für George Cipolloni, Portfoliomanager bei Penn Mutual Asset Management, sind defensive Trades auf einer relativen Bewertungsbasis sinnvoll, aber nicht, wenn die Aktienmärkte weiterhin auf die Belohnung von Gewinnwachstum ausgerichtet ist.

„Dennoch dürfen wir nicht zulassen, dass die guten Zeiten zu Selbstzufriedenheit führen“, sagte er. „Nur weil der Aktienmarkt derzeit dem Abwärtsrisiko keinen großen Wert beimisst, heißt das nicht, dass es keines gibt.

FWW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Fugi empfiehlt uns in den Videos ja immer so nett Artikel von FMW. Diesmal habe ich eine Empfehlung für Fugi => diesen Artikel. Sind nämlich nicht immer alle nur long. Da sind durchaus extrem viele, die auf den Big Short wetten :).

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