Ja, derzeit bläht sich die KI-Blase der amerikanischen Aktienmärkte immer weiter auf – das größte Risiko laut aktueller Aussage von JPMorgan. Eine deutliche Korrektur ist jederzeit möglich. Es ist derzeit mehr als eindeutig: Die allgemeine Euphorie bei Anlegern in den USA und auch von außerhalb zum Thema Künstliche Intelligenz ist seit Monaten die treibende Kraft für den Anstieg bei S&P 500 und Nasdaq 100. Und eben dieser Anstieg kann eine böse Falle sein. Aber auf lange Sicht sieht man: Die amerikanischen Aktienmärkte haben Europa klar ausgestochen, und könnten auch nach einer Korrektur weiterhin die Oberhand behalten.
Aktienmärkte in den USA laufen auf 10-Jahressicht deutlich besser
Der folgende Chart zeigt die Entwicklung seit genau zehn Jahren: Der S&P 500 Index stieg bis jetzt um 229 %, der Nasdaq 100-Index um 459 %. Gleichzeitig konnte der Dax „nur“ 135 % und der europäische breite Markt (Stoxx Europe 600) sogar nur um 53 % zulegen. Daran erkennt man: Die Aktienmärkte in den USA sind Europa eindeutig davon gelaufen. Und diese Entwicklung könnte sich fortsetzen.
In den letzten Tagen sahen wir aus dem Nichts Mega-Ereignisse für KI-Aktien: Oracle meldete letzte Woche gigantische Umsatzausblicke wegen seinem KI-Geschäft, die Aktie stieg mal eben um 30 % in kürzester Zeit. Und erst gestern stieg die Intel-Aktie mal eben um 22 % an – weil Nvidia für 5 Milliarden Dollar neue Aktien des Chipherstellers kauft, und weil es eine enge Kooperation der beiden Firmen geben wird.
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Mal abgesehen von Namen wie ASML und SAP – wo ist die große europäische Tech-Euphorie? Weit und breit kein Unternehmen, das im Segment KI Euphorie für die europäischen Aktienmärkte versprühen könnte. Kein Nvidia, kein Meta, kein Google, kein Amazon. Nichts Vergleichbares in Sicht. Aber eben diese Giganten, denen Anleger höhere KGV-Bewertungen zugestehen, ziehen die US-Indizes seit Jahren nach oben. Dass Rückschläge immer wieder vorkommen, zeigt der Chart. Das ganze Jahr 2022 war ein Jahr des Rückschlags. Dann kam der April 2025 mit Trumps Zöllen – auch da ein deutlicher Rückschlag. Aber der Gesamttrend wurde dadurch nicht aufgehalten.
America First 🇺🇸 Trotz der #Dollar-Schwäche hat ein #ETF auf den S&P 500 in Euro sogar über die letzten zwölf Monate besser abgeschnitten als der paneuropäische STOXX 600 Europe. Es bleibt dabei: „Don‘t bet against America.“ pic.twitter.com/J01Aa0VuWg
— Christian W. Röhl (@CWRoehl) September 19, 2025
Top-Player befeuern KI-Rally
Erst diese Woche sah man, wie absolute Giganten der Wall Street die Rally beim Thema KI anheizen. Goldman Sachs sagte vorgestern, Vermögensverwalter hätten ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass Europa ins Hintertreffen gerate, während künstliche Intelligenz US-Aktien beflügele. „Europa ist auf den letzten Platz der Einkaufsliste gerutscht, weil es so viele andere Regionen gibt, die eine bessere Dynamik zeigen“, so Goldman. Beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock, wo man bei Modellportfolios diese Woche die Gewichtung in Richtung US-Aktien erhöht hat, sagte man vorgestern, die amerikanischen Aktienmärkte stehen in Bezug auf Gewinnentwicklung, Umsatzwachstum und nachhaltige Trends in den Schätzungen und Revisionen der Analysten weiterhin allein da. Die entwickelten Märkte außerhalb der USA seien in Bezug auf Gewinn- und Umsatzentwicklung, insbesondere in Bezug auf Trends beim Umsatzwachstum, nicht wettbewerbsfähig, so BlackRock.
Absturz, und dann neuer Rally-Anlauf?
Gut möglich wäre, dass der KI-Boom dafür sorgt, dass die amerikanischen Aktienmärkte unter Schwankungen weiter nach oben rennen. Oder es gibt einen kräftigen Absturz als reinigendes Gewitter – und genau dann treten viele Dip-Käufer auf und ziehen die Kurse wieder nach oben. So sah man es auch nach Trumps Zoll-Verkündungen im April, wo nach einem kräftigen kurzen Rückschlag eine monatelange Rally der amerikanischen Aktienmärkte einsetzte, die bis heute anhält. Nach dem Motto „Alles halb so schlimm mit den Zöllen“. Nach einem möglichen Platzen der KI-Blase und einem kräftigen Rückschlag bei Nvidia, Amazon, Alphabet, Oracle, Broadcom und Co könnten sich Anleger ebenfalls sagen: „Jetzt haben sich die Bewertungen wieder auf ein gesünderes Niveau bewegt, jetzt können wir wieder einkaufen – denn die KI-Story bei den Konzernen lebt ja weiter.“
US-Aktienmärkte deutlich teurer bewertet
Es ist normal: Tech-Aktien, die ein weiterhin großes Wachstumspotenzial aufweisen, wird von Anlegern eine teurere Bewertung zugestanden als „langweiligen“ Industrie-Aktien. KGV-Werte (Kurs-Gewinn-Verhältnis) unter 10 sind günstig, unter 20 normal. Der Dax weist für die Aussicht der nächsten zwölf Monate einen KGV-Wert von 16 auf, beim Stoxx Europe 600 sind es 14,98 – also eine gesunde Bewertung! Hingegen sind die amerikanischen Aktienmärkte wie gesagt spürbar teurer mit 23,3 für den S&P 500 und 28,57 beim Nasdaq 100. Noch im Frühjahr, als führende Anlagestrategen der Wall Street europäische Aktien lobten und zum Wechsel von US-Aktien nach Europa aufriefen, wurde eben diese deutlich günstigere KGV-Bewertung der Europäer lobend hervorgehoben. Derzeit will davon niemand etwas wissen, sondern man spricht nur von der gut geölten KI-Story der amerikanischen Aktienmärkte. Aber es kann gut sein, dass dieses KGV-Thema wieder aufkommt, und die Märkte in Europa in Sachen Performance mal wieder etwas aufholen. An der Tatsache, dass Europa keine KI-Stories am Aktienmarkt zu bieten hat, ändert das aber nichts.
Fazit
Jüngst zeigten Daten aus der Fondsindustrie, dass im Juli und August bereits massiv Anlegergelder auch in Europa in ETF geflossen sind, die in US-Aktien investieren. Die Message ist klar: Man springt auf den fahrenden KI-Zug auf, denn man will keine Gewinne verpassen (FOMO). Vor 2024 lief der Boom der Magnificent Seven-Aktien auf Hochtouren, und ab 2024 kam dann noch der KI-Hype dazu, der vor allem Chipaktien gepusht hat, allen voran Nvidia. Die gewaltigen Marktkapitalisierungen dieser Konzerne zogen die Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 kräftig nach oben. Dies kann im Absturz vom Segen zum Fluch werden, weil eine mögliche Abwärtsbewegung der Aktienmärkte dann auch um so drastischer ausfallen kann. Aber nach so einem möglichen Absturz könnten wie gesagt reihenweise die Dip-Käufer auftreten, und die Kurse wieder zügig nach oben pushen.
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