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Aktienmärkte: Wie endet das Jahr 2019?

Über die psychologische Lage der Investoren vor den letzten Handelstagen der Aktienmärkte im Jahr 2019

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Es sind nur noch gut ein Dutzend Handelstage für die Aktienmärkte in diesem Börsenjahr – in den letzten Wochen stockte die Jahresendrally, aber wird es im Dezember noch zum Abverkauf der großen Jahresgewinne kommen?

 

2019 – ein bisher großes Börsenjahr für die Aktienmärkte

Wer hätte das zu Jahresanfang gedacht? Nach einem Jahresstart von 10477 Punkten beim Dax und 2476 Punkten beim S&P 500 liegen beide Indizes mit circa 25 Prozent im Plus. Obwohl es mit den Gewinnen im ganzen Jahr permanent nach unten ging und es eine Schere zwischen den Aktienkursen und den gemeldeten Gewinnen gibt, die sich schon gewaltig geöffnet hat.

Zu den Ursachen für diese Rally braucht man an dieser Stelle nicht mehr viel zu erwähnen, es war der monetäre Faktor, also eine Flut von über 100 Zinssenkungen weltweit, die die Rentenmärkte immer unattraktiver als Konkurrenzanlage für die Aktien gemacht haben. Dazu kommt in den USA die Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms in einem Volumen von bisher mindestens 600 Milliarden Dollar. Weitgehend ignoriert haben die Aktienmärkte dagegen die Fakten im Handelsstreit, denn im Verlauf des Jahres wurden die Zölle und Gegenzölle doch andauernd weiter gesteigert – und nicht etwa gesenkt!

Aber die Börse handelt die Zukunft, die jetzigen Aktienkurse sollen das Niveau der Wirtschaftslage des Frühsommers 2020 reflektieren – und da eskomptiert man ein moderates Wachstum, gepaart mit niedrigen, vielleicht noch niedrigeren Zinsen als heute sowie zusätzlich weltweite fiskalische Stimuli – sogar in Deutschland.

Für den weltgrößten Index (S&P 500) ist das bisherige Jahr das achtbeste seit 1957, also seit dem Jahr, seit es den Index in seiner Ausweitung auf 500 Titel gibt.

Für den Dax wäre es das fünftbeste seit dem Jahr 2000, im aktuellen Zyklus seit der Finanzkrise lag nur das Jahr 2012 mit 29 Prozent deutlich besser.

Stellt sich natürlich die Frage: Wird man das Niveau angesichts der noch zu erwartenden Ereignisse bis zum Jahresende halten können?

 

Das psychologische Momentum

Dax und Dow haben erst vor knapp zwei Wochen ihre Jahreshöchststände erreicht, seither geht es eigentlich nur seitwärts, für den Dax genau genommen bereits seit einem Monat. Man verdaut den Riesenanstieg, bei dem im Dax 2000 Punkte seit dem 14. August aufgelaufen sind. Derzeit hält man sich offenkundig wegen der starken Überkauftheit der Aktienmärrkte zurück, will aber auch nicht verkaufen. Sentimentexperte Joachim Goldberg hat dies in den letzten Wochen immer wieder schön beschrieben: Beim Dax-Stand unter 13000 werden immer wieder Käufer in den Markt gelockt, die in diesem Jahr nicht richtig dabei waren – neudeutsch also die „Fear of missing out“. Psychologisch eine immer wiederkehrende Situation, aber angesichts des grandiosen Börsenjahres besonders ausgeprägt:

  • Wer schon länger im Markt ist, hat Angst es könnte eine Korrektur geben und seine Gewinne abschmelzen.
  • Wer aus dem Markt heraus ist, spürt die Angst, er könnte weiterlaufen in Form der sehr häufigen Jahresendrally und man ist selbst nicht dabei.

Wenn man aber gerade erst in den letzten Wochen eingestiegen ist, mit der Hoffnung diese Position zumindest bis zum Jahresende halten zu können, macht einen das Minus an den folgenden Tagen doch nervös und man fragt sich, ob man nicht doch wieder aussteigen sollte.

Ist man ausgestiegen – zum Beispiel wegen der Negativschlagzeilen im Handelskonflikt – hat man bei positiven Meldungen über eine kleine Lösung im Zollstreit „the Deal is so close“, wieder Angst, es könnte genau jetzt drehen und das Investment weglaufen.

Dies sind nur eine Reihe von Empfindungen, die so manchem bekannt sein dürften, die aber derzeit zu einem Patt geführt haben. Die Märkte pendeln bisher um ein gewisses Niveau, in einer insbesondere für den Dax geringen Handelsspanne.

Nicht vergessen sollte man auch das überragenden Interesse der Bonusempfänger am Zustandekommen eines positiven Jahresabschlusses. Zudem: In dem immer stärker werdenden Wettstreit zwischen den passiven Indexfonds ETFs und den aktiven Fonds haben die Erstgenannten wieder einen großen Vorsprung erarbeitet. Soll man jetzt aussteigen, Gefahr laufend, dass es dann vielleicht doch noch in einer Santa Claus-Rally weiter nach oben geht?

In nächster Zeit könnte es doch noch einmal spannend werden.

 

Aktienmärkte: US-Arbeitsmarktdaten und die Deadline 15. Dezember

Bereits am heutigen Tag kommen mit den neuesten Daten zum US-Arbeitsmarkt die wohl relevantesten Daten zur US-Wirtschaft. Nicht nur, weil diese für die Federal Reserve eine entscheidende Größe darstellen, die sogar ihren gesetzlichen Auftrag definieren (nämlich für ein stabiles Wachstum der Beschäftigung zu sorgen), sondern weil der Arbeitsmarkt eine zentrale Bedeutung in der 70 Prozent-US-Konsumökonomie innehat.

Die Beschäftigungssituation ist dabei mehr denn je entscheidend für die hoch verschuldeten Verbraucher. Ein Abbau von Arbeitsplätzen würde sich sehr rasch auf die Konjunktur auswirken und noch „rascher“ auf die Aktienmärkte.

Nach den schwachen Daten des privaten Arbeitsvermittlers ADP am vergangenen Mittwoch hat man ein bisschen Sorge vor den Daten heute um 14:30 Uhr. Auf der anderen Seite muss man aber das Argument anführen, dass die Fed bei einer Abschwächung des Arbeitsmarktes bei gleichzeitig niedriger Inflation „ammunition“ (Munition) für weitere Zinsschritte bekäme. Sehr zum Wohlwollen von Präsident Trump.

Über die Bedeutung des Datums 15. Dezembers wurde hier schon x-fach berichtet. Sollte es tatsächlich zu den Zöllen in Höhe von 156 Milliarden Dollar auf US-Gebrauchsgüter kommen – inklusive der milliardenschweren iPhone-Einfuhren – könnten dies die Aktienmärkte nicht ignorieren. Man hat dies schlichtweg nicht eingepreist – und ein zweiter Effekt wäre sogar noch dramatischer: Den vielen Unternehmenschefs auf dieser Welt würde klar werden, dass es mit dem Handelskrieg weiter geht, ungeachtet der Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und möglicher rezessiver Tendenzen. Und dies wäre die eigentlich schlechte Nachricht.

 

Fazit

Wie bereits schon erwähnt, müsste das Börsenjahr eigentlich mit einem hohen Stand der Indizes enden. Gerade beim Dax existiert eine sehr signifikante Korrelation zwischen der Entwicklung der Kurse in den ersten neun Monaten und dem Schlussquartal. Zumindest seit seinem Start im Jahr 1988 war mit einer Trefferquote von 94 Prozent dann auch das vierte Quartal positiv, eine hohe Signifikanz gibt es auch für die US-Indizes. Aber das Kursschiff muss noch einige Klippen umschiffen, außerdem haben wir einen Unsicherheitsfaktor, den keine Statistik abbilden kann: Donald Trump!

Starten die Aktienmärkte jetzt die Weihnachtsrally?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Dorinella

    6. Dezember 2019 10:57 at 10:57

    Ich glaube auch, dass der 15.12., oder die Tage davor bzw die Verkündung, ob die Zölle nun eintreten oder nicht….wird die Börse am meisten beeinflussen in den nächsten 3 Monaten. Und zwar wohl alle, weltweit. Bei dem Gedanken, dass EIN Mann…und dann auch noch so ein s….Typ wie Trump tatsächlich in der Lage ist, die Welt nach seiner Pfeiffe tanzen zu lassen, krieg ich manchmal echt die Wut.

    Trump ist tatsächlich in einer echten Zwickmühle. Er liebt Zölle…und braucht sie auch. Allein schon für das Aufrechterhalten seines Machtgefühls !! Und seines Egos. Mit den Zöllen spielt er, manipuliert er, erpresst er. ER….der mächtigste Mann der Welt.
    MIt was soll er spielen und erpressen, wenn er die Zölle also nun rückabwickelt ? Und auch keine neuen mehr erlassen kann ? Dann ist sein Förmchen weg….( Sandspielplatz).
    Ein Verschieben der Zölle wird er sicherlich favorisieren. Damit hält er die Macht in den Händen und erreicht auch, dass der Konsum schön weiter auf Hochtouren läuft. ( kauft jetzt…denn in Zukunft wird alles teurer )….So hat es das ganze Jahr ja schön funktioniert. Die Bürger verschulden sich also immer mehr.

    Andererseits spielt er so sehr mit dem Feuer, dass ein klitzekleiner Funken ausreicht, um das ganze Haus zum Brennen zu bringen. Denn die Fallhöhe bei den künstlich aufgebauschten Indizeswerten ist sooo gross wie nie und vor allem nicht auf Fundament gebaut.

    In einer solchen Zwickmühle wie jetzt, war er noch nie. Und auch noch NIE SO DUMM wie jetzt !. Heute der Bericht, er verlangt, dass China 4-5 Millarden für Sojabohnen ausgibt, sonst denkt er im Traum nicht darüber nach, die Zölle irgendwie rückabzuwickeln.
    Wäre er schlau gewesen, hätte er Chinas derzeitige Situation bedacht, dass sie aufgrund der Schweinepest gar nicht sooo viel Soja mehr benötigen und hätte die Menge reduziert. Hauptsache, die Chinesen kaufen Soja, Hauptsache das Signal an die Bauern ist positiv.
    Aber nein…er muss auf die völlig überzogene Zahl von 4 Milliarden bestehen, in dem Wissen dass China die so einfach gar nicht aufbringen kann. Ist das jetzt einfach nur Dummheit oder Kalkül ? China wird sich auf die 4-5 Milliarden nicht einlassen !!

    Blöd ist für ihn aber auch, den Handelskrieg in vollem Ausmass mit ins Wahljahr zu nehmen. Psychiologisch ungünstig. Besser wäre,es würde hier erst etwas Ruhe einkehren, denn sonst überschattet dieses Thema ja immer wieder seine „Showauftritte“ im Wahlkampf. Er liebt das Bad in der Menge. Und er liebt es, sich auf seine Gegner einzuschiessen, da ist er in seinem Element und muss nicht viel nachdenken. ( was ihm sowieso extrem schwer fällt ). Störende Fragen von Journalisten bezüglich des Handelskrieges lenken ihn im wichtigen Wahlkampfjahr zu sehr ab.

    Er wird also vielleicht versuchen, IRGENDWIE einen Deal hinzukriegen, den er als “ den Grössten der Menschengeschichte“ verkaufen kann. Nur wie soll der aussehen ? Vor allem, da die Chinesen in ihren Medien ihm seine “ Genialität“ gar nicht so richtig gönnen, indem sie einfach schreiben, wie es wirklich abgelaufen ist.

    Liefert er hingegen für die grossen Konzerne weltweit nicht das, was sie sich erhoffen…riskiert er eine Korrektur am Markt, die in einen STRUDEL münden könnte. Weil eben die Fallhöhe so gross ist.

    Trump ist im Hintertreffen…er hat sich verzockt und nicht mit der Sturheit und Klugheit der Chinesen gerechnet. Er ist am Zug ! Leider fehlt im die Klugheit, hier jetzt richtig zu handeln. Für Amerika !!! Und nicht nur für sich, was er aber auf jeden Fall tun wird. Also nur für SICH ALLEIN handeln.

    Ich glaube nach wie vor: Er wird die Zölle einführen am 15.12.
    Mit der Brgründung, China halte sich nicht an seine Zusagen, China ist nicht zu vertrauen, China zahlt sowieso allein die Zölle, Keiner zwingt die Amerikaner, chinesische Produkte zu kaufen, sie können auch aus anderen Ländern importieren, Apple werden wir spartenweise von Zöllen befreien, ansonsten sollen die Konzerne eben in USA produzieren und nicht in China.
    Und ich glaube nach wie vor, dass er den Wählern eine Steuersenkung versprechen wird, die auch aus den Zolleinnahmen bezahlt werden soll. ( die ja die Chinesen bezahlen )….

    Bleibt allerdings die ganz grosse Unsicherheit, WIE WEIT geht der DOW nach unten ? Denn die Auffangmöglichkeit China-Deal is coming so soon….fällt ja dann weg.

    Echt schwierig !!! Was meint Ihr Anderen ? Kommen die Zölle am 15., oder nicht ?? Und wenn ja oder nein, warum ? Freue mich auf Antworten.

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