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Aktienmärkte: Wird die Zukunft zu pessimistisch gesehen?

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Die Aktienmärkte notieren auf Allzeithochs und steigen weiter, während gleichzeitig die Konjunktur Schwächen zeigt. Und trotz der mit der Konjunkturentwicklung nicht im Einklang stehenden Allzeithochs geht die US-Großbank JPMorgan davon aus, dass Analysten zu pessimistisch in die Zukunft schauen. Die Gewinnerwartungen für 2020 seien zu niedrig. Was ist dran an JP Morgans Einschätzung?

Wenn Analysten die Zukunft zu negativ einschätzen, hat das in der Regel zwei Auswirkungen:

1) Die Aktienkurse in der Gegenwart sind niedriger, als sie bei korrekter Antizipierung der künftigen Gewinne sein könnten und
2) Die Aktienkurse werden nach Bekanntgabe der besser als erwartet ausfallenden Ergebnisse rasch steigen.

Denn für viele Anleger ist der Consensus der Analysteneinschätzungen, also deren durchschnittliche Gewinnerwartung, eine Richtschnur bei Anlageentscheidungen. JP Morgan berichtet nun, dass die Analystenerwartungen für die kommenden beiden Berichtsquartale unterhalb der Ergebnisse liegen würden, die in den vergangenen beiden Quartalen gemeldet wurden. Die kommenden beiden Berichtsquartale sind übrigens das 4. Quartal 2019 und das 1. Quartal 2020, da für das 4. Quartal 2019 noch keine bzw. kaum Unternehmensergebnisse veröffentlicht wurden.

Normalerweise sehen Bankanalysten die Zukunft zu positiv, jetzt jedoch angeblich zu negativ

Da das Weihnachtsquartal für viele Unternehmen das stärkste Quartal des Jahres ist, sei die Erwartung nicht stichhaltig, die Ergebnisse der beiden kommenden Berichtsquartale würden unterhalb der beiden vorhergehenden Quartale liegen. Normalerweise schätzen Analysten die Zukunft als zu positiv ein und korrigieren ihre zu positiven Annahmen im Jahresverlauf nach unten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Analysten im Dienste von Banken stehen, die erstens Vermögensverwaltung für ihre Kunden betreiben und daher ein Interesse an steigenden Kursen haben, zweitens Fonds vertreiben, deren Verkauf bei steigenden Kursen besser läuft und die drittens als Investmentbanken Kapitalerhöhungen und Börsengänge begleiten, die bei steigenden Kursen bedeutend einfacher oder überhaupt erst durchzuführen sind. Darum nennt man diese Analysten auch „Sell Side Analysts“, da ihre Arbeitgeber Aktien verkaufen und nicht kaufen wollen.

Die Citigroup ergänzt JPMorgans Aussagen dahingehend, dass seit April in jeder einzelnen Woche die Zahl der negativeren Einschätzungen die Zahl der positiveren Ausblicke überwog. Mehr Analysten stutzten also ihre Erwartungen zurück als umgekehrt. Dass zeitgleich eine Aktien-Hausse startet, verwundert. Ich verwies in den vergangenen Wochen bereits mehrfach darauf, dass die Anleger irrational handeln und belegte das am Beispiel von Apple. Seitdem Apple eine Umsatz- und Gewinnwarnung Anfang Januar 2019 herausgab, hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Es ergibt jedoch keinen Sinn, einem Unternehmen einen mehr als doppelt so hohen Wert beizumessen, nachdem es bekanntgab, künftig weniger Geld zu verdienen. Und trotzdem geschah genau das – und zwar nicht nur bei Apple, sondern bei tausenden Aktiengesellschaften.

Sollten wir nun auf JP Morgans Einschätzung hören? Zumindest im vergangenen Jahr lag die Bank mit der Einschätzung genau richtig. Damals prognostizierte sie, dass die Aktienmärkte in den USA besser abschneiden würden als die Aktien der anderen Industrienationen und genau das trat ein.

Erste Ergebnisse sind positiv, doch die Aktienmärkte preisten das vielleicht schon ein!

Bislang haben etwa 6% der Unternehmen im S&P 500 bereits die Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht und konnten im Schnitt 3% Ergebniswachstum präsentieren. Setzt sich der Trend fort, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Analystenerwartungen von der Mehrheit der Unternehmen übertroffen werden können. Was folgt, wären bessere Analystenerwartungen für die kommenden Quartale, die in der Regel mit steigenden Kursen einhergehen.

JPMorgan wird aber noch konkreter. Die Bank erwartet, dass vor allem Rohstoff-, Luxus-, und Halbleiterunternehmen im 4. Quartal bessere Ergebnisse präsentieren könnten, als Analysten erwarten. Ich berichtete bereits in den vergangenen Wochen vom Boom bei Luxus-Aktien und von der Tatsache, dass in China die Rohstoffbranche eine der wenigen sei, die noch Geld verdienen kann. Insofern bestätigt die neue JPMorgan-Analyse meine eigenen Beobachtungen.

Zweifel hege ich jedoch an der Einschätzung, dass die Aktienmärkte die Möglichkeit übertroffener Analysten-Erwartungen noch nicht eingepreist haben könnten. Die stark gestiegenen Aktienkurse der vergangenen Monate deuten meiner Ansicht nach darauf hin, dass die Anleger die Zukunft bereits deutlich positiver sehen als die Bankanalysten. Denkbar ist also, dass eine weitere Boomphase ausbleibt, selbst wenn die Erwartungen jetzt übertroffen werden können.

Aktienmärkte haussieren - Tim Cook und Donald Trump
Die Apple-Aktie lief letztes Jahr extrem gut. Apple-Chef Tim Cook mit Donald Trump im November 2019 auf Fabrik-Besichtigung.

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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