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Indizes

Aktienmärkte: Wo bleibt bloß die überfällige Korrektur?

Die Aktienmärkte in den USA waren bis vor kurzem extrem überkauft. Aber was ist bisher passiert? Eine mickrige Korrektur, mehr bisher nicht! Warum?

Wolfgang Müller

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Es ist schon erstaunlich: Die Aktienmärkte in den USA waren bis vor kurzem extrem überkauft, erkennbar an den Indizes und den großen Abständen zu ihren Aufwärtstrends, den großen Zuflüssen von Anlagekapital in die Investmentfonds oder auch an der großen Euphorie der Anleger. Aber was ist bisher passiert? Eine mickrige Korrektur der US-Indizes (Dow Jones, S&P 500, Nasdaq) im Bereich der Tagesschwankungen. Und es sind nur noch ein paar Wochen bis zum Saisonfinale. Woher rührt diese Marktstärke?

Aktienmärkte: Änderungen im großen Bild?

Wie immer lohnt sich ein Blick auf das Big Picture an den Märkten mit den be- und entlastenden Faktoren. Denn die Tagesschlagzeilen verleiten zu Aktionismus, wie die Störfeuer Donald Trumps sich für die Wahlniederlage zu rächen, oder die vielen Nickligkeiten gegen seinen Nachfolger, um ihm den Amtsantritt zu erschweren. Belastend sind auf alle Fälle die hohen Coronazahlen mit den vielen kleinen Lockdown-Maßnahmen, wie die Schulschließungen in New York. Aber auch das hat die Aktienmärkte bisher nicht richtig beeinflusst. Sehr erstaunlich, denn bei überkauften Märkten bedarf es oft nur eines kleinen Anlasses für eine größere Korrektur.

Gibt es neue Gegenwindfaktoren?

Natürlich hinterlässt die Ausbreitung von Covid-19 immer deutlichere Spuren in der aktuellen Wirtschaftsentwicklung. Kurz- und mittelfristige Indikatoren, wie Einkaufsmanagerindizes, Verbrauchervertrauen, Einzelhandelsumsätze oder auch der Economic Surprise Index der Citigroup sind zuletzt schwächer ausgefallen. Dazu fangen die Banken schon an, auch bereits für das erste Quartal 2021 einen Rückschlag in der Konjunktur mit einem leichten Minus zu prognostizieren: Das Szenario der Double-Dip-Recession, nach Q2 im laufenden Jahr, Rückgänge in Q4 sowie in Q1 2021. Aber wie lagen die Prognostiker im Jahr 2020 daneben? Gab es nur annähernd zuverlässige „Forecasts“, für irgend ein Quartal?

Auch wenn die US-Wahlen entschieden sind und das Risiko einer US-Verfassungskrise recht sicher vom Tisch ist, versucht der scheidende Amtsinhaber seinem Nachfolger das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mit der Folge, dass sich auch notwendige Stützungsmaßnahmen der Wirtschaft und speziell für die vielen Coronaopfer am Arbeitsmarkt verzögern. Ein starker Belastungsfaktor für die 70-Prozent US-Konsumökonomie – indirekt damit auch für die Aktienmärkte.

Impfungen und Wirtschaftswachstum

Aber spielt das für die Aktienmärkte eine Rolle? Wir haben Ende November und wie weit blicken die Märkte in die Zukunft? Bestimmt nicht bis März. Zum Thema Antizipation habe ich schon viele Beispiele aus den letzten Rezessionen genannt. Das Entscheidende ist, ob mit den Impfungen im Winter begonnen werden kann und mit welcher Frequenz.

Sollte es tatsächlich Tausende von täglichen Impfungen geben, würde sich die Zahl derer rasch erhöhen, die im Sommer in Sachen Urlaub, Flugreise, Hotelaufenthalt, Freizeit, Kultur, viel nachholen können, was bisher nur eingeschränkt möglich war. Der Effekt könnte gigantisch ausfallen, wenn man nur manche Reaktion der Menschen inmitten der riskanten Coronasituation im Sommer 2020 betrachtet. Die Aktienmärkte antizipieren dies, die Kurse von Fluggesellschaften, Kreuzfahrtlinien u.w. haben deutlich angezogen.

Ergo: Das Wohl und Wehe der Aktienmärkte liegt nicht in der unmittelbaren Auswirkung von Covid-19 auf die Wirtschaft mit den „letzten“ Lockdowns, sondern hängt von den Fortschritten bei der Verfügbarkeit und Wirksamkeit des Corona-Imfstoffs ab. Klingt banal, aber sollte das Szenario der Impfstoffhersteller eintreten, würde die Zahl der Geimpften sogar schneller steigen, als die Zahl der Infizierten im Jahr 2020. Und wiederum würde Verwunderung eintreten, warum das Wachstum plötzlich so schlagartig anzieht.

Die Wirtschaft im produzierenden Gewerbe hat im Jahr 2020 bereits ein V hingelegt, warum es im Gesamtbereich nicht der Fall war, ist natürlich leicht nachvollziehbar. Social Distancing verhindert eine Erholung in einigen Bereichen, wie zum Beispiel im Tourismus. 330 Millionen Menschen arbeiten laut Welttourimusverband WTTC in diesem Bereich, allein in der EU machen Tourismuseinnahmen rund neun Prozent zum Bruttosozialprodukt aus, auch in der Welt liegt der Anteil auf ähnlichem Niveau. Und es gibt weitere betroffene Branchen. Klar, dass es hier keine Erholung auf den vorherigen Stand geben konnte, allen fiskalischen Maßnahmen zum Trotze. Die Ursache ist Covid-19 und hierin liegt der große Game Changer im Zusammenhang mit der Impfung.

Die Stützung durch die Notenbanken

Wer glaubt, dass sich die derzeitigen Töne im Austausch zwischen Finanzminister Steven Mnuchin und Fedchef Jerome Powell zu einer Änderung der akkommodierenden Geldpolitik auswachsen könnten, der übersieht die Bedürftigkeiten des Gesamtsystems. Weder könnten Staaten als auch viele Unternehmen eine Änderung kompensieren, noch erlaubt es die noch grassierende Pandemie. Bisher haben sowohl die Notenbankchefs als auch die Politiker von der Notwendigkeit der monetären Unterstützung bis weit ins Jahr 2021 gesprochen. Außerdem bezog sich die Forderung des Finanzministeriums an die Federal Reserve auf Fazilitäten, die gar nicht in Anspruch genommen wurden. Der Dezember dürfte bei den vorweihnachtlichen Sitzungen sogar noch einmal einen Schwung neuen Geldes ins System spülen, anders sind die Verlautbarungen der Notenbanker bei ihrem letzten (virtuellen) Treffen nicht zu deuten.

November 2020, ein Monat der Superlative

Durch die bisher ausbleibenden Minikorrekturen der Aktienmärtkte hat sich der vorletzte Monat im Jahr 2020 zu einem historischen Ausnahmemonat entwickelt. Durch die Short Squeeze nach dem Wahltag und die Kursexplosion infolge der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer liegt der S&P 500 in der bisherigen Monatsperformance bei knapp 11 Prozent (Freitagsschlusskurs), ein Anstieg, wie es ihn seit 1928 nicht mehr gegeben hat. Dies, die extremen kurzfristigen Mittelzuflüsse in die Investmentfonds, gepaart mit dem großen Optimismus, rufen eigentlich nach einer temporären Abkühlung der Aktienmärkte. Aber das Coronajahr 2020 hat bisher noch viele Statistiken missachtet.

Die Aktienmärkte im November 2020

Fazit

Die Wirtschaftsaussichten für das Jahresende sowie für den Anfang des neuen Jahres trüben sich infolge der aktuellen Entwicklungen um Covid-19 ein. Gleichzeitig kommen Zweifel auf, ob in den USA die sich verzögernden Stimulus-Maßnahmen den so wichtigen Konsum ausreichend aufrechterhalten können. Warum fallen die hoch gelaufenen Aktienmärkte dann nicht zeitnah? Weil mit jedem Tag die Aussichten für eine Impfung von Millionen Menschen ab dem ersten Quartal 2021 steigen und gleichzeitig die Zahl der bereits immunisierten Menschen (in den USA) gestiegen ist, so herzlos diese Formulierung auch klingen mag. Die Börse blickt mindestens auf den Sommer und darüber hinaus – wie wahrscheinlich ist es, dass dann Millionen Menschen ein Flugzeug von Delta Airlines oder ein Kreuzschiff von Carnival Cruise Lines betreten, einen Freizeitpark von Disney besuchen oder ein Hotel von Marriott buchen werden?

Beispiel: Man braucht sich nur den Kursverlauf des größten europäischen Reise- und Freizeit-Zertifikats betrachten, welches die betroffenen Branchen enthält. Es ist seit dem Märztief um über 75 Prozent gestiegen und hat vor allem in den letzten zwei Wochen einen Schub erhalten. Die aktuellen Verschlechterungen in der Reisebranche haben dort bisher noch kaum Spuren gezeigt, weil man eben weiter nach vorne blickt.

Aber: Kursrückschläge der Aktienmärkte kann und wird es natürlich geben, da brauchen nur Verzögerungen auftreten, bei der Zulassung des Impfstoffs, Meldungen über Nebenwirkungen oder logistische Probleme bei der Mammutaufgabe Massenimpfung. Oder aber ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen und/oder Spekulationen auf eine vermeintlich nachlassenden monetären Geldversorgung durch die Notenbanken. Dies wäre sogar noch Börsen-relevanter als eine temporäre Verzögerung der Impfstoffstory.

Die jetzige Pattsituation der Aktienmärkte erklärt sich aus diesen gegenläufigen Kräften – aber die Wirtschaft wird sich erholen. Die durchschnittliche Dauer von zehn Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg betrug 11 Monate (8 bis 18 Monate). Wir bekommen in vielen Ländern die „Double-Dip-Recession“, aber für die Börsen ist diese – bei einem Eintritt des Positivszenarios – schon verarbeitet. Das Frühjahr soll die Wende bringen und dann geht es aufwärts, so die Indikation. Die Aktienmärkte haben dies vorweggenommen und dann kommt… vielleicht die vielfach begründete Inflation, aber das ist noch „der Schnee von morgen“.

Zunächst steht das Jahresende an mit manchem Re-Balancing in der Struktur Aktien – Anleihen in den großen Depots, aber mit einem noch stärkeren Window Dressing, so meine unveränderte Annahme. Metaphorisch gesprochen: Die Flut hebt immer noch die Boote!

Die Korrektur der Aktienmärkte läßt auf sich warten

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    23. November 2020 12:26 at 12:26

    Korrekturen wird es kaum noch geben. Die Geldschwemme wird alle Boote heben. Am Ende wird sich jedoch real gemessen in Gold zeigen, dass die Aktienmärkte dennoch verlieren.

  2. Avatar

    Marko

    26. November 2020 19:39 at 19:39

    „Weil mit jedem Tag die Aussichten für eine Impfung von Millionen Menschen ab dem ersten Quartal 2021 steigen und gleichzeitig die Zahl der bereits immunisierten Menschen (in den USA) gestiegen ist, so herzlos diese Formulierung auch klingen mag. Die Börse blickt mindestens auf den Sommer und darüber hinaus – wie wahrscheinlich ist es, dass dann Millionen Menschen ein Flugzeug von Delta Airlines oder ein Kreuzschiff von Carnival Cruise Lines betreten, einen Freizeitpark von Disney besuchen oder ein Hotel von Marriott buchen werden?“

    Exakt wolfgang, exakt. Hinzu kommt noch, dass dieser Twitter-Präsidenten-Clown endlich weg ist.

    Realitisch gesehen, ist der Sommer 2021 als Wendepunkt anzusehen (und dies wäre in Sachen Impfstoffforschung , eine Rekordzeit !!), dies kann sich sogar noch beschleunigen, weil noch andere Pharma-Unternemhen etwaige Corona-Impfstoffe zulassen dürften.

    Warum wohl drehen die Kreuzfahrten nach oben ab, Tui usw .. ? Und der Knaller ist der DOW ist bei 30000 Punkten, trotz oder wegen Corona !?!!

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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