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Aktienmärkte ziehen an: Fed-Signale lösen neue Kaufwelle aus

Aktienmärkte ziehen an: Fed-Signale lösen neue Kaufwelle aus
Grafik: ChatGPT

Die globalen Aktienmärkte verzeichneten eine deutliche Fortsetzung ihrer Erholungsrally, während der US-Dollar unter Druck geriet. Auslöser waren schwache US-Konjunkturdaten sowie die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass ein geldpolitisch lockerer Kandidat neuer Vorsitzender der US-Notenbank Fed werden könnte. In der Folge preisten die Märkte eine nahezu sichere Zinssenkung für Dezember ein und trieben die Risikobereitschaft weltweit nach oben. Hierzulande sorgte zudem die wachsende Hoffnung auf ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges für zusätzlichen Rückenwind und trieb die Kurse im DAX deutlich an.

Der MSCI All Country World Index legte bereits den vierten Tag in Folge zu und verringerte damit die Verluste aus dem jüngsten Ausverkauf auf 1,3 %. Die asiatischen Aktienmärkte gewannen 1,4 % und folgten damit den Vorgaben der Wall Street. Auch die Futures für den S&P 500 und europäische Aktien deuteten auf weitere Kursanstiege hin, was die Dynamik zusätzlich stärkte.

Parallel dazu gaben US-Staatsanleihen einen Teil ihrer kräftigen Vortagesgewinne wieder ab. Zuvor hatten Meldungen, wonach Kevin Hassett – derzeit Direktor des National Economic Council im Weißen Haus – als Favorit für den Chefposten der Federal Reserve gehandelt wird, die Renditen nach unten gedrückt. Der Dollar verlor gegen die meisten Währungen der G-10. Gold, das typischerweise von erwarteten Zinssenkungen profitiert, stieg um 0,9 % auf 4.166 US-Dollar je Unze.

Fed-Aussichten treiben Aktienmärkte

Der neuerliche Schwung an den Aktienmärkten folgt auf eine Phase wachsender Skepsis über hohe Bewertungen im Technologiesektor, die Anleger zu Gewinnmitnahmen und einer Flucht aus riskanteren Anlageklassen wie Aktien und Kryptos veranlasst hatte, so ein Bericht von Bloomberg. Nun jedoch verbessert sich die Stimmung, da die verspätet veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten eine merkliche Abkühlung signalisieren und gleichzeitig immer mehr Fed-Vertreter Zinssenkungen unterstützen.

Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, kommentierte: „Über die vergangene Woche haben die Märkte eine Kehrtwende hingelegt – sowohl hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Fed im Dezember als auch bezüglich der Gewinnerwartungen für den Technologiesektor.“

Aktienmärkte: Aussicht auf eine Fed-Zinssenkung treibt die Erholung an
Aussichten auf Zinssenkung durch Fed im Dezember durch schwache Daten wiederbelebt

Vor der Fed-Sitzung Ende Oktober galt eine Zinssenkung im Dezember als nahezu sicher. Diese Wahrscheinlichkeit fiel jedoch nach einer Welle falkenhafter Aussagen zeitweise unter 30 %. Mittlerweile sehen Händler die Chance einer Lockerung jedoch wieder bei 85 %, was die Aktienmärkte spürbar unterstützt. Die Fed versuche traditionell, Marktteilnehmer rechtzeitig zu informieren, um Überraschungen zu vermeiden; in nur drei der vergangenen 20 Sitzungen war kurz vor einer Entscheidung kein klares Marktpricing erkennbar.

Mit zunehmenden Wetten auf eine Zinssenkung fiel die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe erstmals seit fast einem Monat wieder unter die Marke von 4 %. Verantwortlich dafür waren unter anderem schwache US-Verbraucherdaten: Das Verbrauchervertrauen verzeichnete im November den stärksten Rückgang seit April, während die Einzelhandelsumsätze im September nur moderat zunahmen. Dies deutet darauf hin, dass sich der zuvor robuste Konsum abkühlt.

Zinsfantasie beflügelt die Märkte

Die jüngsten Konjunkturdaten erhalten vor dem Dezember-Meeting der Fed besonderes Gewicht, da neue Veröffentlichungen aufgrund des teilweisen Regierungsstillstands fehlen. Fed-Gouverneur Stephen Miran bekräftigte jüngst seine Einschätzung, dass die US-Wirtschaft „substantielle Zinssenkungen“ benötige. Normalerweise bewegt die Fed den Leitzins in Schritten von 25 Basispunkten, hat aber auch größere Schritte nicht ausgeschlossen.

Laut Dilin Wu, Stratege bei Pepperstone Group, fliegen „die Aktienmärkte derzeit praktisch halb blind“, da wichtige Daten verzögert seien. Die Nachhaltigkeit der Erholung hänge daher davon ab, ob kommende Berichte das Szenario einer weichen Landung bestätigen.

Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel am Mittwoch um 0,2 %, nachdem er am Vortag bereits 0,3 % verloren hatte. Die Bloomberg-Strategen betonen, dass der Dollar angesichts der Erwartung von Zinssenkungen im Jahr 2026 weiter an Stärke verlieren könnte. Zudem sei Kevin Hassett bekannt dafür, Zinssenkungen bereits jetzt zu fordern und politisch gut mit Donald Trump abgestimmt zu sein.

Europa im Fokus

In Europa richtet sich der Blick auf das britische Budget. Finanzministerin Rachel Reeves müsse laut Analyst Fawad Razaqzada „einen überzeugenden Plan liefern“, um sowohl das Parlament als auch die Inhaber britischer Staatsanleihen zu beruhigen. Andernfalls könnten die britischen Aktienmärkte „eine harte Phase“ erleben. Die Volatilität am Anleihemarkt bleibe hoch, während das Pfund seitwärts tendiere.

Am Rohstoffmarkt notierte Öl stabil, nachdem es zuletzt aufgrund von Fortschritten bei Friedensgesprächen in der Ukraine auf den niedrigsten Stand seit einem Monat gefallen war.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Wenn die FED schon wieder nervös wird und mit Zinssenkungen droht….dann lässt das tief blicken.

    Was ist denn passiert…? Der Buffet Indikator lag beständig über den 200 Prozent…! Es waren paar leichte Gewinnmitnahmen …auf dem allerhöchsten Niveau, mehr nicht! Und schon wird die FED nervös!

    Alles läuft nach dem Motto: Diese Blase darf nicht platzen! Nicht heute oder morgen. Nie mehr!

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