Wir sagen es seit Tagen und Wochen: Das enorme Gewinnwachstum und die Aussicht auf weiterhin kräftiges Gewinnwachstum bei den Konzernen in Europa und den USA ist aktuell ein großer Stützpfeiler für den Aktienmarkt. Aber ein Blick auf die heutige Bewegung der Kurse zeigt: Es gibt kurzfristig eine klare negative Korrelation von Aktien zu Ölpreis und Anleiherenditen!
Zumindest ganz kurzfristig befindet sich der Aktienmarkt unter dem klaren Einfluss des Iran-Kriegs. Die Algorithmen der großen Marktteilnehmer sind derzeit offenbar darauf programmiert, sich negativ korrelierend zum Ölpreis zu verhalten, so meine Vermutung. Im folgenden Chart sehen wir seit 10 Uhr heute früh: Der US500 CFD (rote Linie) für den breiten amerikanischen Aktienmarkt stieg seit heute früh bis 15 Uhr, um von da an wieder zu fallen. In sehr guter negativer Korrelation dazu fiel der Brent-Ölpreis von heute Vormittag bei 108 Dollar auf 105 Dollar heute um 15 Uhr, um seitdem bis jetzt wieder auf 108 Dollar anzusteigen. Die Logik ist ganz einfach: Ein hoher Ölpreis verteuert alles im Wirtschaftskreislauf, was somit eine Belastung für Unternehmen und Verbraucher darstellt, was negativ für Aktien gewertet wird.
Der folgende Chart zeigt den US500 CFD (blaue Linie) im heutigen Verlauf. Dazu in negativer Korrelation die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen in rot. Sehr gut parallel zum Ölpreis gab es heute bis 15 Uhr den Rückgang der Rendite von 5,03 % auf 4,99 %, und bis jetzt geht es wieder aufwärts auf 5,01 %. Die steigende Rendite zeigt an: Der höhere Ölpreis „weht“ mehr Inflation in die US-Volkswirtschaft, weswegen die Anleihrenditen den Anlegern eine höhere Kompensation für die Geldentwertung bieten müssen. Zumindest auf kurze Sicht sieht man also: Der Aktienmarkt fokussiert sich auf kurzfristige Sicht auf die Bewegung im Ölpreis, von wo aus der Anleihemarkt und der Aktienmarkt bewegt wird. Also Obacht, ob der Iran-Krieg weiter eskaliert und die Verknappungsängste zunehmen – dann nämlich könnte der Ölpreis weiter ansteigen.
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Interessant zu sehen, wie direkt der Ölpreis derzeit auf Aktien und Anleihen durchschlägt. Gerade die Verbindung aus höheren Energiekosten, erneutem Inflationsdruck und steigenden Renditen könnte für die Märkte noch unangenehm werden, wenn sich die Lage weiter zuspitzt.
Spannend finde ich dabei, dass gute Unternehmensgewinne den Aktienmarkt zwar grundsätzlich stützen, kurzfristig aber geopolitische Nachrichten offenbar deutlich stärker den Takt vorgeben. Der Ölpreis dürfte deshalb momentan tatsächlich einer der wichtigsten Indikatoren sein, auf die man schauen sollte.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation nicht weiter verschärft – denn dauerhaft hohe Energiepreise würden am Ende nicht nur die Börsen, sondern auch Unternehmen und Verbraucher deutlich stärker belasten.