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Aktienmarkt atmet im Takt der Fiskal- und Geldpolitik

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Würde der Aktienmarkt nur auf die Fundamentaldaten und die technischen Indikatoren reagieren, dann hätte sich der Crash aus dem März dieses Jahres vermutlich ungebremst fortgesetzt. Stattdessen hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen, der alles auf den Kopf stellt. Wer in Zukunft an der Börse Geld verdienen will, der muss sich dem Diktat der Geld- und Fiskalpolitiker beugen.

Die Fundamentaldaten rechtfertigen einen Crash am Aktienmarkt

Abgesehen von kurzfristigen Rücksetzern oder Minicrashs am Aktienmarkt sind Shortspekulationen, so verlockend sie im Lichte der Unternehmens- und Wirtschaftsdaten auch sein mögen, riskant. Solange die Fiskal- und Geldpolitiker das Finanz- und Wirtschaftssystem vor dem Kollaps bewahren wollen, haben sie auch die Macht dazu. Das ist die Realität in einem ungedeckten Fiat-Geld-System, in dem die Notenbanken im Zeitverlauf immer näher an die Fiskalpolitik heranrücken und die Interdependenzen der beiden bis ins Existenzielle zunehmen.

Ja, die die Aktienmärkte sind weltweit historisch überbewertet. Mit am drastischsten in den USA: Die Marktkapitalisierung aller amerikanischen Aktienunternehmen ist gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung der USA (BIP) auf weit über 100 Prozent angestiegen. Die auch als „Warren Buffet Indicator“ bekannte Kennzahl zeigt für den 16. Juni 2020 einen Gesamtwert des Wilshire Total Market Aktienindex von 31,93 Billionen US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt der USA (BIP) wird mit 21,53 Billionen US-Dollar geschätzt (wegen der Coronakrise wahrscheinlich etwas zu hoch). Daraus leitet sich ein Wert aller US-Aktien in Höhe von mehr als 148 Prozent des US-BIP ab.

Die Gesamtverschuldung in den USA (Staat, Unternehmen, Banken, Privathaushalte) liegt aktuell bei 80 Billionen US-Dollar, das entspricht 400 Prozent des BIP. Auch das ist in Friedenszeiten beispiellos. Dabei ist die Coronakrise noch längst nicht überstanden, wie die Rekordansteckungszahlen auf globaler Ebene und die dynamisch ansteigenden Zahlen im Süden der USA sowie der erneute Ausbruch in Teilen der chinesischen Hauptstadt Beijing zeigen. Auch in Schwellenländern wie Russland, Brasilien oder der Indien ist das Virus nach wieder vor auf dem Vormarsch und richtet gemäß den Prognosen von Weltbank, OECD und IWF die größten ökonomischen Schäden seit 90 Jahren an.

Positiv zu bemerken ist allerdings, dass es auch erste Signale der Besserung gibt, und der Aktienmarkt schaut ja primär in die Zukunft: So sinkt im Trend die Anzahl der Todesopfer weltweit und einzelne Wirtschaftsindikatoren, wie z. B. der Frachtratenindex für Schüttgüter (Baltic Dry Index) ist heute auf den höchsten Stand seit Weihnachten 2019 angestiegen.

Extrem überbewertet und extrem überkauft

Wie signifikant die Diskrepanz zwischen Bewertung der Aktien und der realen wirtschfatlichen Lage ist, zeigen die Gewinnentwicklungen (bzw. Verlustausweitungen) der großen US-Aktiengesellschaften.

Grafik der Gewinnentwicklung im US-Aktienmarkt

Auch von der technischen Seite her gibt es massive Signale von Überkauftheit, so zum Beispiel vom Shiller KGV. Die nach dem US-Nobelpreisträger Robert Shiller benannte Kennzahl bewertet den Kurs einer Aktie im Verhältnis zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie in einem Geschäftsjahr erwirtschaftet. Im Gegensatz zum normalen KGV handelt es sich um eine über zehn Jahre geglättete und zugleich inflationsbereinigte Variante dieser Kennzahl. Daher hat sie vor allem im langfristigen Vergleich eine hohe Aussagekraft. Aktuell liegt das Shiller KGV bei 29,25 und damit auf dem Niveau des „Black Tuesday“ von 1929, als der damalige historische Crash am Aktienmarkt begann. Der Median-Wert des Shiller KGV liegt übrigens bei 15,8. Der bisher höchste Wert lag im Januar 2000 bei 44,19.

Andere technische Kennzahlen, wie der MACD (Moving Average Convergence/Divergence) oder das Put-Call-Ratio bei den Kleinanlegern würden unter „normalen“ Umständen jedes Aktieninvestment verbieten.

Die Mehrheit der institutionellen Investoren, die auf solche Kennzahlen konditioniert sind und immer noch an das Funktionieren freier Märkte glauben, haben daher einen Großteil der V-förmigen Erholung nach den Einbrüchen im März verpasst und laufen nun der Rallye hinterher, wie man an den jüngsten Eindeckungen der Shortpositionen in der Korrekturbewegung der letzten Woche gesehen hat. Auch die Investitionsquote der institutionellen Investoren in den USA ist zuletzt weiter von 5,7 auf 4,7 Prozent gesunken. Die Profis scheinen verstanden zu haben, dass jeder Rücksetzer eine Opportunität darstellt, verloren gegangenes Rendite-Terrain aufzuholen.

Dabei sprach bereits im September letzten Jahres der in den USA sehr bekannte Hedgefonds-Manager Ray Dalio von einem bevorstehenden Paradigmenwechsel (Text ist in Deutsch verfasst). Denn die Geld- und Fiskalpolitik war bereits damals der entscheidende Impulsgeber für den Aktienmarkt. Spätestens seit dem gescheiterten Versuch der geldpolitischen „Normalisierung“ durch die US-Notenbank Fed im Herbst 2018 war das klar. Die überbordenden Schulden zwangen die Notenbanken schon vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie zu desperater Geldpolitik, um die Schuldenlast tragfähig zu halten. Und so pervers es auch klingen mag, umso schlimmer die Krise, umso niedriger die Zinsen und umso schneller rotieren die digitalen Notenpressen als einzige verbliebene effektive Gegenmaßnahme. Und in diesem Takt von Krise und noch mehr Gelddrucken atmet nun der Aktienmarkt.

Alles was für den Aktienmarkt noch zählt, ist die Fiskal- und Geldpolitik

Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt und der heißt Jerome Hayden „Jay“ Powell: seines Zeichens Präsident der US-Notenbank Fed. Er und seine Kollegen im Entscheidungsgremium der Fed machen die Regeln für das neue Spiel an der Wall Street und das heißt: Never Bet Against the Fed. Es sei denn, man möchte sich mit der digitalen Notenpresse anlegen. Das Problem der Short-Seller ist ja nicht nur die ohnehin gegebene Asymmetrie des Chance-Risiko-Verhältnisses, wenn man auf fallende Kurse spekuliert, sondern zudem die unerschöpfliche Liquidität, die jederzeit über die Märkte wie eine Tsunamiwelle hereinbrechen kann – so wie ab Mitte März dieses Jahres geschehen.

Und dann ist da noch die Fiskalpolitik, die das Geld der Notenbanken immer dreister einfordert und mit vollen Händen ausgibt. So ist zum Beispiel die Verschuldung in den USA auf Ebene der Bundesregierung seit Ultimo des ersten Quartals 2019 von 22 Billionen US-Dollar bis zum Ultimo des ersten Quartals dieses Jahres auf über 26 Billionen US-Dollar emporgeschossen. Das entspricht einem Anstieg innerhalb von nur 12 Monaten der in der gesamten Geschichte der USA aufgelaufenen Schulden in Höhe um 18 Prozent oder um 19,5 Prozent des US-BIP des Jahres 2019. Ein Wachstum des BIP wird es in den USA in diesem Jahr trotz der Schuldenorgie nicht geben (Schätzung der Fed für das US-BIP 2020: -6,5 Prozent).

Die reine Staatsverschuldung der USA lag zum Jahresultimo 2019 bei 106,8 Prozent (Quelle: Fed of St. Louis). Seitdem ist die Quote bis Stand 16. Juni gemäß der US-Schuldenuhr auf 130,7 Prozent explodiert. Das sind italienische Verhältnisse. Die US-Notenbank sitzt also in der Falle, weshalb sie sich auf ihrer letzten Sitzung auf eine die Nullzinspolitik bis mindestens Ende 2022 festgelegt hat (bis dahin werden die Schulden wohl weiter dynamisch ansteigen).

Insgesamt wurden bereits über 3 Billionen US-Dollar für Hilfs- und Konjunkturpakete allein in den USA freigegeben. Weitere werden folgen, das haben sowohl die Demokraten im US-Repräsentantenhaus als auch Präsident Trump und sein US-Finanzminister Mnuchin klar gemacht. Ein Infrastrukturprogramm in Billionenhöhe soll noch im Juli verabschiedet werden.

Es ist interessant zu beobachten, dass wann immer derartige Maßnahmen auch nur verbal angekündigt werden, der Markt die versprochenen Stimuli sofort in Form erneut steigenden Kurse eskomptiert. Charttechnik, Sentiment, Fundamentaldaten, Financial Behavior, längerfristige Emotionszyklen, Astrologie, Wellen zählen etc.: All das kann man vergessen, wie die Senior Anlagestrategin des Investmenthauses WallachBeth Capital auf dem in den USA sehr populären Börsensender CNBC (Consumer News and Business Channel) nach der vorgestrigen überraschenden Ankündigung der amerikanischen Notenbanker zur Erweiterung ihres Wertpapierkaufprogramms auf Anleihen einzelner Unternehmen passend formulierte: „Die Fed wird immer versuchen, zu zeigen, wer der Boss ist“. Die Fed habe noch viel mehr effektive Instrumente, um die Märkte zu stützen. Auch die Profis fangen an zu verstehen, dass sich der Aktienmarkt in ein Kasino verwandelt hat, in dem nur der gewinnt, der im Trend auf weiter steigende Kurse setzt – so irrational dies unter vielen Aspekten auch sein mag.

Die Regeln bestimmt die Fed. Lässt sie die Zügel im Sinne einer verstärkten Ausweitung ihrer Bilanz locker, steigen die Kurse, geht der Fed die Übertreibung zu weit, bremst sie die Vermögenspreise durch Liquiditätssteuerung wieder etwas ein. Simple and stupid.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    17. Juni 2020 10:26 at 10:26

    Sinnvoll wäre es zugleich, die Kurse staatlich festzusetzen.
    Siehe China, Shanghai Composite.
    Man könnte z.B. heute einsteigen in ETF, weil die EZB den DAX auf 12.500 Punkte hebt heute abend, Stand 17.45 Uhr.
    Für die Naivlinge, die ans Gerede/Geschreibsel der Mainstream-Medien von „freiem Wirtschaften” glauben lässt man die Kurse bis zum Abendfixing frei laufen.
    Dann können die Shortseller während der Handelszeit ein bisschen zocken.
    Abends ist dann Ruhe. Eine Nachbörse währen unnötig.
    Bei Börse vor Acht heißt es: Christine Lagarde setzte den Dax planmäßig auf 12.500 Punkte fest heute (und die anderen Indizes natürlich auch).
    Damit baut ein jeder planmäßig Vermögen auf.
    Die EU schafft Arbeitsplätze im Zuge der Fixing-Behörde.
    Das könnte auch das bisherige Ministerium für Kurspflege übernehmen.
    Ich sehe hier Bedarf für 6.000 und mehr gut bezahlte Arbeistplätze.
    Börse wird damit zur Nebensache. Zum sicheren Sparschwein auch für die Hausfrau, das immer weiter nach oben arbeitet.
    Donald Trump kann jeden Tag neue Rekorde twittern und wird sicher wiedergewählt.
    Wer braucht denn eine freie Börse, außer den Verfassern von Lehrbüchern?

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    Faktist

    17. Juni 2020 11:04 at 11:04

    Bitte FMW …Ihr müsst euch umbenennen, weil es gibt keinen Finanzmarkt und daher auch keine Finanzmarktwelt. Bitte in “CasinoWelt” umbenennen und drunter auch den Satz ersetzen in zB “Gewinne Gewinne Gewinne”

    oder so ähnlich…. dann braucht Ihr auch keine Artikel mehr zu verfassen. Es interessiert sowieso niemanden mehr. Täglich einfach Aktien mit den gewinnen von Vortag nachkaufen… bis man irgendwann evtl. mehr Aktien hat als der Gründer des Unternehmens. Wer achtet da schon auf die Menge der ausgegebenen Aktien??? So viele Instrumente bedienen sich am Markt, da sind einfach mal millionenfach mehr Anteile unterwegs als die Unternehmen an Aktien ausgegeben haben. Einfach nur in andere Produkte verpackt und schön auf die Masse verteilt. Naja ich schweife wieder aus.

    Eigentlich muss man hier nichts mehr Schreiben. Es ist klar, dass es nur noch hoch geht.

    • Avatar

      Stina

      17. Juni 2020 12:10 at 12:10

      @Faktist, gute Idee!

      CasinoWelt
      Blauäugig ins Zentrum der Finanzen

  3. Pingback: Aktuelles vom 17.06.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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Aktienrückkäufe: Wie CEOs ihre Unternehmen aufs Spiel setzen

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An der Wall Street sieht man Aktienrückkäufe als normales Instrument an

In den vergangenen Jahren gab es zwei von Top-Managern initiierte Schemata, die beide die von ihnen geführten Unternehmen aufs Spiel setzten: Aktienrückkäufe (verlorenes Jahrzehnt?) und für Kredite als Sicherheit hinterlegte Aktien! Beide Schemata fliegen den Unternehmen nun reihenweise um die Ohren. Im ersten Fall fehlt den Unternehmen nun das Geld in der Krise, im zweiten Fall können die als Kreditsicherheit hinterlegten Aktien schlimmstenfalls einen Abwärtstrend in der Aktie noch zusätzlich verstärken.

Aktienrückkäufe leerten die Konten der Unternehmen, ohne Nutzen zu stiften

Aktienrückkäufe waren über etliche Jahre beim Management zahlloser Unternehmen Mittel der Wahl, um angeblich Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Hunderte Milliarden US-Dollar wurden ausgegeben, um Aktien zurückzukaufen. Dieser Rückkäufe erhöhen temporär den Preis einer Aktie, da die Nachfrage nach den Papieren erhöht wird. Und wenn die Unternehmen die Aktien nach dem Rückkauf vernichten, dann haben die verbliebenen Aktionäre auch einen größeren Anteil am Unternehmen. Eventuelle Dividenden verteilen sich auf weniger Aktien und bei unverändertem Unternehmenswert sollte jede Aktie aus dem kleiner gewordenen Pool aller Aktien mehr wert sein. Um Steuern zu sparen und gemachte Gewinne nicht versteuern zu müssen, nahmen Unternehmen wie Apple sogar Kredite im Umfang dutzender Milliarden US-Dollar auf, um die eigenen Aktien zu kaufen.

Die Kredite sind bei Apple weniger ein Problem, da das Unternehmen gleichzeitig auf enormen Barreserven sitzt. Andere Unternehmen wie Boeing haben es deutlich schwieriger. Geld, das in den vergangenen Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben wurde, fehlt dem Unternehmen nun. Es wurde ausgegeben, ohne dadurch zusätzliches Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Es ist das Mittel der Wahl für faule Manager, die keine Ideen haben, wie sie die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne so reinvestieren können, dass Aktionäre dadurch langfristig profitieren. Dabei wäre die Mehrung des Unternehmensvermögens genau das, wofür das Management von den Aktionären eingesetzt wurde.

Dividenden-Ausschüttungen würden dem Unternehmen zwar auch Kapital entziehen, ohne dadurch zusätzliches Wachstum zu generieren. Doch Dividenden fließen den Aktionären wenigstens direkt zu. Von Aktienrückkäufen haben Aktionäre real höchstens dann etwas, wenn sie ihre eigenen Aktien zum künstlich gepushten Kurs veräußern.

Aktienrückkäufe lassen vor allem das Management profitieren

Dividenden haben zudem den Vorteil, dass das Management nicht überproportional davon profitiert. Genau das tut es aber bei Aktienrückkäufen. Denn inzwischen machen Optionskomponenten den Großteil der Managervergütungen aus. Je höher der Aktienkurs des Unternehmens ist, umso mehr wert sind auch die zugeteilten Aktienoptionen. Manche Aufsichtsräte waren sogar so verrückt, die Managervergütung direkt an den Aktienkurs zu koppeln – bei Tesla Motors zum Beispiel. Das Management hat damit einen maximal großen Anreiz, den Aktienkurs kurzfristig zu erhöhen.

Aktien-Optionen haben zudem den Nachteil, die Anteile der Altaktionäre zu verwässern. Denn jede ausgeübte Aktien-Option führt dazu, dass mehr Aktien im Umlauf sind. Vom gleichen Management durchgeführte Aktienrückkäufe neutralisieren somit erstens die Verwässerungseffekte der eigenen Aktien-Optionen und führen zweitens zu temporär höheren Aktienkursen, die die vom Management gehaltenen Optionen mehr wert werden lassen – oder wie im Falle von Tesla überhaupt erst zur Zuteilung der Optionen führen. Fehlt den Unternehmen nach den Rückkäufen dann auch noch das Geld in der nächsten Krise, wie bei Boeing, dann hat das Management die Unternehmenszukunft aufs Spiel gesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Manager verpfänden ihre Aktien, um den eigenen Lebensstil steuerfrei zu finanzieren

Ein zweites gern von Managern genutztes Schema der Bereicherung zum Nachteil des Unternehmens ist abseits der Aktienrückkäufe die Kreditaufnahme für persönliche Zwecke. Manager wie Elon Musk von Tesla oder Markus Braun von Wirecard zahlen ungern Steuern. Und sie geben auch ungern das Steuer „ihres“ Unternehmens aus der Hand. Gleichzeitig pflegen oder pflegten sie jedoch gern einen opulenten Lebensstil. Um den zu finanzieren, müssten sie eigentlich einen Teil ihrer Aktien verkaufen. Dabei müssten die Kursgewinne versteuert werden und sie hätten anschließend weniger Stimmrechte auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Liebend gern boten und bieten Banken daher an, doch einfach einen (großen) Teil der eigenen Aktien als Kreditsicherheit zu hinterlegen. Für Kredit fallen keine Steuern an, die Stimmrechte bleiben beim Aktienbesitzer und trotzdem ist der Lebensstil gesichert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld werden die Zinsen dafür gern gezahlt.

Doch die Sache hat einen kleinen Haken: Das Schema funktioniert nur solange, wie der Aktienkurs nicht crasht. Tut er das, werden die Banken irgendwann nervös. Reicht der Wert der als Sicherheit hinterlegten Aktien nicht mehr aus, um den Kredit zu besichern, folgt der Margin Call. Der Kreditnehmer muss dann neue Sicherheiten hinterlegen. Kann er das nicht, werden die Kreditsicherheiten, also die Aktien, verwertet. Das heißt, die Bank wirft die Aktien auf den Markt. Alle. Zur gleichen Zeit. So wie bei Wirecard vor einigen Tagen. Diese Notverkäufe befeuern einen ohnehin bestehenden steilen Abwärtstrend zusätzlich. Je niedriger der Aktienkurs ist, umso schwieriger werden jedoch Kapitalerhöhungen. Denn für den gleichen neu eingeworbenen Betrag müssen viel mehr neue Aktien verkauft und damit der Anteil der Altaktionäre auch stärker verwässert werden.

Der Anteil der verpfändeten Aktien kann dabei durchaus enorme Werte annehmen. Bei Elon Musk sind es 54% all seiner Tesla-Aktien, von denen er rund 20% besitzt. Bei Softbanks Masayoshi Son sind es 60%. Son hält 27% an Softbank. Und Steven Rales, CEO der Danaher Corporation, hat 74% seiner Aktien verpfändet. Er hält 6,2% an Danaher. Sein Bruder Mitchell Rales hält weitere 5,1% an Danaher, von denen wiederrum volle 90,7% für Kredite verpfändet wurden.

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Tesla – die Wiederauferstehung der Dotcom-Blase!

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Die Euphorie um Tesla erinnert stark an die Dotcom-Blase: damals wurde alles gekauft, was mit Internet zu tun hatte – heute ist an die Stelle des Internets die Euphorie um die Elektromobilität getreten. Vor allem Tesla steigt von Allzeithoch zu Allzeithoch – aber dieser Anstieg basiert auf zwei eher unwahrscheinlichen Prämissen: erstens dass Elektroautos den Markt klar dominieren werden in Zukunft, und zweitens dass kein anderer Hersteller in der Lage sein wird, Tesla wirklich Konkurrenz zu machen..

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Dirk Müller zum Wasserstoff-Hype: Warum man jetzt nicht einsteigen sollte

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Wir hatten erst vorgestern über die Aussagen von Dirk Müller berichtet,über die Wahnsinns-Hausse der letzten Wochen in den USA, wo teilweise Minderjährige mit den Kreditkarten ihrer Eltern die Börse stürmen, und wo Millionen von Menschen mit Kleinstbeträgen wie wahnsinnig Börsenkurse pushen. Heute spricht Dirk Müller im folgenden Video über den aktuellen Hype rund um das Thema Wasserstoff. Diese Woche wurde der Hype nochmal kräftig befeuert durch die erst gestern präsentierten großen Pläne der EU, dass man bis 2050 klimaneutral werden wolle, und das mit Wasserstoff. Gigantische Milliardenprogramme sollen von Staaten und Unternehmen in Europa aufgelegt werden.

Also, ist das nun auch der große Start für den Hype rund um Wasserstoff-Aktien? Oder läuft er schon, und Anleger, die sich hier noch nicht auskennen, kommen zu spät? Genau davor warnt Dirk Müller im folgenden Video. Er beschreibt diese jetzige Euphorie und vergleicht sie mit Themen wie 3D-Druck oder Cannabis-Aktien. Jetzt sei der Markt für Anleger schon zu teuer. Man müsse nun erst einmal auf die Marktbereinigung warten, die nach der Euphorie einsetze. Er beschreibt auch Phasen der Markteuphorie, wie es sie in anderen Bereichen schon gegeben habe, die nun auch so beim Wasserstoff ablaufen würden.

Wasserstoff Tankstelle in Belgien
Eine Wasserstofftankstelle in Zaventem Belgien. Foto: Dr. Artur Braun (Arturbraun) CC BY-SA 4.0

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