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Aktienmarkt atmet im Takt der Fiskal- und Geldpolitik

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Würde der Aktienmarkt nur auf die Fundamentaldaten und die technischen Indikatoren reagieren, dann hätte sich der Crash aus dem März dieses Jahres vermutlich ungebremst fortgesetzt. Stattdessen hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen, der alles auf den Kopf stellt. Wer in Zukunft an der Börse Geld verdienen will, der muss sich dem Diktat der Geld- und Fiskalpolitiker beugen.

Die Fundamentaldaten rechtfertigen einen Crash am Aktienmarkt

Abgesehen von kurzfristigen Rücksetzern oder Minicrashs am Aktienmarkt sind Shortspekulationen, so verlockend sie im Lichte der Unternehmens- und Wirtschaftsdaten auch sein mögen, riskant. Solange die Fiskal- und Geldpolitiker das Finanz- und Wirtschaftssystem vor dem Kollaps bewahren wollen, haben sie auch die Macht dazu. Das ist die Realität in einem ungedeckten Fiat-Geld-System, in dem die Notenbanken im Zeitverlauf immer näher an die Fiskalpolitik heranrücken und die Interdependenzen der beiden bis ins Existenzielle zunehmen.

Ja, die die Aktienmärkte sind weltweit historisch überbewertet. Mit am drastischsten in den USA: Die Marktkapitalisierung aller amerikanischen Aktienunternehmen ist gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung der USA (BIP) auf weit über 100 Prozent angestiegen. Die auch als „Warren Buffet Indicator“ bekannte Kennzahl zeigt für den 16. Juni 2020 einen Gesamtwert des Wilshire Total Market Aktienindex von 31,93 Billionen US-Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt der USA (BIP) wird mit 21,53 Billionen US-Dollar geschätzt (wegen der Coronakrise wahrscheinlich etwas zu hoch). Daraus leitet sich ein Wert aller US-Aktien in Höhe von mehr als 148 Prozent des US-BIP ab.

Die Gesamtverschuldung in den USA (Staat, Unternehmen, Banken, Privathaushalte) liegt aktuell bei 80 Billionen US-Dollar, das entspricht 400 Prozent des BIP. Auch das ist in Friedenszeiten beispiellos. Dabei ist die Coronakrise noch längst nicht überstanden, wie die Rekordansteckungszahlen auf globaler Ebene und die dynamisch ansteigenden Zahlen im Süden der USA sowie der erneute Ausbruch in Teilen der chinesischen Hauptstadt Beijing zeigen. Auch in Schwellenländern wie Russland, Brasilien oder der Indien ist das Virus nach wieder vor auf dem Vormarsch und richtet gemäß den Prognosen von Weltbank, OECD und IWF die größten ökonomischen Schäden seit 90 Jahren an.

Positiv zu bemerken ist allerdings, dass es auch erste Signale der Besserung gibt, und der Aktienmarkt schaut ja primär in die Zukunft: So sinkt im Trend die Anzahl der Todesopfer weltweit und einzelne Wirtschaftsindikatoren, wie z. B. der Frachtratenindex für Schüttgüter (Baltic Dry Index) ist heute auf den höchsten Stand seit Weihnachten 2019 angestiegen.

Extrem überbewertet und extrem überkauft

Wie signifikant die Diskrepanz zwischen Bewertung der Aktien und der realen wirtschfatlichen Lage ist, zeigen die Gewinnentwicklungen (bzw. Verlustausweitungen) der großen US-Aktiengesellschaften.

Grafik der Gewinnentwicklung im US-Aktienmarkt

Auch von der technischen Seite her gibt es massive Signale von Überkauftheit, so zum Beispiel vom Shiller KGV. Die nach dem US-Nobelpreisträger Robert Shiller benannte Kennzahl bewertet den Kurs einer Aktie im Verhältnis zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie in einem Geschäftsjahr erwirtschaftet. Im Gegensatz zum normalen KGV handelt es sich um eine über zehn Jahre geglättete und zugleich inflationsbereinigte Variante dieser Kennzahl. Daher hat sie vor allem im langfristigen Vergleich eine hohe Aussagekraft. Aktuell liegt das Shiller KGV bei 29,25 und damit auf dem Niveau des „Black Tuesday“ von 1929, als der damalige historische Crash am Aktienmarkt begann. Der Median-Wert des Shiller KGV liegt übrigens bei 15,8. Der bisher höchste Wert lag im Januar 2000 bei 44,19.

Andere technische Kennzahlen, wie der MACD (Moving Average Convergence/Divergence) oder das Put-Call-Ratio bei den Kleinanlegern würden unter „normalen“ Umständen jedes Aktieninvestment verbieten.

Die Mehrheit der institutionellen Investoren, die auf solche Kennzahlen konditioniert sind und immer noch an das Funktionieren freier Märkte glauben, haben daher einen Großteil der V-förmigen Erholung nach den Einbrüchen im März verpasst und laufen nun der Rallye hinterher, wie man an den jüngsten Eindeckungen der Shortpositionen in der Korrekturbewegung der letzten Woche gesehen hat. Auch die Investitionsquote der institutionellen Investoren in den USA ist zuletzt weiter von 5,7 auf 4,7 Prozent gesunken. Die Profis scheinen verstanden zu haben, dass jeder Rücksetzer eine Opportunität darstellt, verloren gegangenes Rendite-Terrain aufzuholen.

Dabei sprach bereits im September letzten Jahres der in den USA sehr bekannte Hedgefonds-Manager Ray Dalio von einem bevorstehenden Paradigmenwechsel (Text ist in Deutsch verfasst). Denn die Geld- und Fiskalpolitik war bereits damals der entscheidende Impulsgeber für den Aktienmarkt. Spätestens seit dem gescheiterten Versuch der geldpolitischen „Normalisierung“ durch die US-Notenbank Fed im Herbst 2018 war das klar. Die überbordenden Schulden zwangen die Notenbanken schon vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie zu desperater Geldpolitik, um die Schuldenlast tragfähig zu halten. Und so pervers es auch klingen mag, umso schlimmer die Krise, umso niedriger die Zinsen und umso schneller rotieren die digitalen Notenpressen als einzige verbliebene effektive Gegenmaßnahme. Und in diesem Takt von Krise und noch mehr Gelddrucken atmet nun der Aktienmarkt.

Alles was für den Aktienmarkt noch zählt, ist die Fiskal- und Geldpolitik

Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt und der heißt Jerome Hayden „Jay“ Powell: seines Zeichens Präsident der US-Notenbank Fed. Er und seine Kollegen im Entscheidungsgremium der Fed machen die Regeln für das neue Spiel an der Wall Street und das heißt: Never Bet Against the Fed. Es sei denn, man möchte sich mit der digitalen Notenpresse anlegen. Das Problem der Short-Seller ist ja nicht nur die ohnehin gegebene Asymmetrie des Chance-Risiko-Verhältnisses, wenn man auf fallende Kurse spekuliert, sondern zudem die unerschöpfliche Liquidität, die jederzeit über die Märkte wie eine Tsunamiwelle hereinbrechen kann – so wie ab Mitte März dieses Jahres geschehen.

Und dann ist da noch die Fiskalpolitik, die das Geld der Notenbanken immer dreister einfordert und mit vollen Händen ausgibt. So ist zum Beispiel die Verschuldung in den USA auf Ebene der Bundesregierung seit Ultimo des ersten Quartals 2019 von 22 Billionen US-Dollar bis zum Ultimo des ersten Quartals dieses Jahres auf über 26 Billionen US-Dollar emporgeschossen. Das entspricht einem Anstieg innerhalb von nur 12 Monaten der in der gesamten Geschichte der USA aufgelaufenen Schulden in Höhe um 18 Prozent oder um 19,5 Prozent des US-BIP des Jahres 2019. Ein Wachstum des BIP wird es in den USA in diesem Jahr trotz der Schuldenorgie nicht geben (Schätzung der Fed für das US-BIP 2020: -6,5 Prozent).

Die reine Staatsverschuldung der USA lag zum Jahresultimo 2019 bei 106,8 Prozent (Quelle: Fed of St. Louis). Seitdem ist die Quote bis Stand 16. Juni gemäß der US-Schuldenuhr auf 130,7 Prozent explodiert. Das sind italienische Verhältnisse. Die US-Notenbank sitzt also in der Falle, weshalb sie sich auf ihrer letzten Sitzung auf eine die Nullzinspolitik bis mindestens Ende 2022 festgelegt hat (bis dahin werden die Schulden wohl weiter dynamisch ansteigen).

Insgesamt wurden bereits über 3 Billionen US-Dollar für Hilfs- und Konjunkturpakete allein in den USA freigegeben. Weitere werden folgen, das haben sowohl die Demokraten im US-Repräsentantenhaus als auch Präsident Trump und sein US-Finanzminister Mnuchin klar gemacht. Ein Infrastrukturprogramm in Billionenhöhe soll noch im Juli verabschiedet werden.

Es ist interessant zu beobachten, dass wann immer derartige Maßnahmen auch nur verbal angekündigt werden, der Markt die versprochenen Stimuli sofort in Form erneut steigenden Kurse eskomptiert. Charttechnik, Sentiment, Fundamentaldaten, Financial Behavior, längerfristige Emotionszyklen, Astrologie, Wellen zählen etc.: All das kann man vergessen, wie die Senior Anlagestrategin des Investmenthauses WallachBeth Capital auf dem in den USA sehr populären Börsensender CNBC (Consumer News and Business Channel) nach der vorgestrigen überraschenden Ankündigung der amerikanischen Notenbanker zur Erweiterung ihres Wertpapierkaufprogramms auf Anleihen einzelner Unternehmen passend formulierte: „Die Fed wird immer versuchen, zu zeigen, wer der Boss ist“. Die Fed habe noch viel mehr effektive Instrumente, um die Märkte zu stützen. Auch die Profis fangen an zu verstehen, dass sich der Aktienmarkt in ein Kasino verwandelt hat, in dem nur der gewinnt, der im Trend auf weiter steigende Kurse setzt – so irrational dies unter vielen Aspekten auch sein mag.

Die Regeln bestimmt die Fed. Lässt sie die Zügel im Sinne einer verstärkten Ausweitung ihrer Bilanz locker, steigen die Kurse, geht der Fed die Übertreibung zu weit, bremst sie die Vermögenspreise durch Liquiditätssteuerung wieder etwas ein. Simple and stupid.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    17. Juni 2020 10:26 at 10:26

    Sinnvoll wäre es zugleich, die Kurse staatlich festzusetzen.
    Siehe China, Shanghai Composite.
    Man könnte z.B. heute einsteigen in ETF, weil die EZB den DAX auf 12.500 Punkte hebt heute abend, Stand 17.45 Uhr.
    Für die Naivlinge, die ans Gerede/Geschreibsel der Mainstream-Medien von „freiem Wirtschaften” glauben lässt man die Kurse bis zum Abendfixing frei laufen.
    Dann können die Shortseller während der Handelszeit ein bisschen zocken.
    Abends ist dann Ruhe. Eine Nachbörse währen unnötig.
    Bei Börse vor Acht heißt es: Christine Lagarde setzte den Dax planmäßig auf 12.500 Punkte fest heute (und die anderen Indizes natürlich auch).
    Damit baut ein jeder planmäßig Vermögen auf.
    Die EU schafft Arbeitsplätze im Zuge der Fixing-Behörde.
    Das könnte auch das bisherige Ministerium für Kurspflege übernehmen.
    Ich sehe hier Bedarf für 6.000 und mehr gut bezahlte Arbeistplätze.
    Börse wird damit zur Nebensache. Zum sicheren Sparschwein auch für die Hausfrau, das immer weiter nach oben arbeitet.
    Donald Trump kann jeden Tag neue Rekorde twittern und wird sicher wiedergewählt.
    Wer braucht denn eine freie Börse, außer den Verfassern von Lehrbüchern?

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    Faktist

    17. Juni 2020 11:04 at 11:04

    Bitte FMW …Ihr müsst euch umbenennen, weil es gibt keinen Finanzmarkt und daher auch keine Finanzmarktwelt. Bitte in “CasinoWelt” umbenennen und drunter auch den Satz ersetzen in zB “Gewinne Gewinne Gewinne”

    oder so ähnlich…. dann braucht Ihr auch keine Artikel mehr zu verfassen. Es interessiert sowieso niemanden mehr. Täglich einfach Aktien mit den gewinnen von Vortag nachkaufen… bis man irgendwann evtl. mehr Aktien hat als der Gründer des Unternehmens. Wer achtet da schon auf die Menge der ausgegebenen Aktien??? So viele Instrumente bedienen sich am Markt, da sind einfach mal millionenfach mehr Anteile unterwegs als die Unternehmen an Aktien ausgegeben haben. Einfach nur in andere Produkte verpackt und schön auf die Masse verteilt. Naja ich schweife wieder aus.

    Eigentlich muss man hier nichts mehr Schreiben. Es ist klar, dass es nur noch hoch geht.

    • Avatar

      Stina

      17. Juni 2020 12:10 at 12:10

      @Faktist, gute Idee!

      CasinoWelt
      Blauäugig ins Zentrum der Finanzen

  3. Pingback: Aktuelles vom 17.06.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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US-Berichtssaison: Ende der Seitwärtsrange?

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US-Berichtssaison kann Bewegung in die Wall Street bringen

Manche bezeichnen es als langweilige Kursbewegungen, manch einer als Ruhe vor dem Sturm und andere wiederum als frühes Sommerloch. Die Rede ist von einer Querbewegung an den großen Börsen (Ausnahme Nasdaq), nach dem etwa 40-prozentigen Anstieg und Aufwärtstrend seit dem 23. März bis zur ersten Juniwoche (der große Goldrausch). Wird sich mit dem Beginn der US-Berichtssaison etwas daran ändern, vielleicht auch wegen der ständig steigenden Coronazahlen in Amerika?

Die Großbanken beginnen die US-Berichtssaison

In der neuen Woche nimmt die US-Berichtssaison in den USA für das zweite Quartal Fahrt auf: In den kommenden Tagen berichten 36 Unternehmen aus dem S&P 500-Index, nach PepsiCo (Montag), vor allem die großen US-Banken JPMorgan, Wells Fargo, Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Bank of America. Dazu unter unter anderen die Fluggesellschaft Delta Air Lines, der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson und der Filmstreaming-Dienst Netflix (hier die Zahlen von vor drei Monaten).

Die Banken haben in der Coronakrise mächtig gelitten. Die Kurse von JP Morgan und Bank of America liegen 30 bis 40 Prozent im Minus gegenüber Vor-Corona. Damit könnte sehr viel eingepreist sein und die Ergebnisse inklusive Aussichten nicht mehr viel anrichten – eher das Gegenteil? Dabei sollte man einen Blick auf Wells Fargo richten, einer Bank, die besonders viele kleinere Kunden und Firmen als Geschäftspartner hat.

Richtig kursrelevant dürfte es erst bei den Highflyern der letzten Monate werden, die Dickschiffe mit einer Marktkapitalisierung, die sonst ganze Länderindizes nicht aufweisen können (z.B. unser Dax), aus dem Tech-Sektor, aber auch im Pharmabereich. Bei Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Co liegen die Erwartungen und die bereits erzielten Gewinne so hoch, so dass es hier am ehesten zu Enttäuschungen oder Gewinnmitnahmen kommen könnte. Auf diese Zahlen müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

Die Konjunkturdaten

Die derzeitigen Konjunkturdaten zeichnen ein ziemlich diffuses Bild. Da gibt es Abstufungen durch die großen Wirtschaftsinstitute für die großen Volkswirtschaften 2020, düstere Prognosen für die Exportwirtschaften, zuletzt durch unseren Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dafür aber wieder Zeichen von Licht am Ende des Tunnels, wie der starke Anstieg des Ifo-Instituts oder die neuesten Zahlen am Freitag zur Industrieproduktion Italiens und Frankreichs, die trotz tiefer Rezession nicht so schlimm ausfielen wie befürchtet. Und natürlich die Wirtschaftsdaten aus dem Ursprungsland der Virusinfektion China, das mit Daten aufwartet, die zugleich verblüffen, aber auch misstrauisch machen. Der Automarkt Chinas ist im Juni zum ersten Mal seit einem Jahr wieder gewachsen. 1,8 Millionen Fahrzeuge im größten Automobilmarkt der Welt bedeuten 4,9 Prozent mehr Pkw als im Vorjahresmonat, wie der Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) letzte Woche in Peking mitteilte.

Ich bleibe dabei: Für Covid-19 gibt es wirtschaftlich keine Blaupause, einen gerade erlebten globalen Lockdown gab es früher in keiner Gesundheitskrise, nicht einmal bei großen Kriegen. Es herrscht auch jetzt zum Start der US-Berichtssaison Unsicherheit über die weitere Ausbreitung von Corona und vor allem über die Reaktionen der Regierungen betroffenerer Regionen mit neuen Lockdowns, aber auch Rätselraten zum Verhalten der Menschen. Wie schnell verfliegt die Angst vor der Pandemie und wie schnell kehren die Konsumenten zu ihrem „alten“ Gewohnheiten zurück? Aber fast überall hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein nochmaliger großer Shutdown die große wirtschaftliche Katastrophe wäre, mit nicht mehr zu kontrollierenden Schäden. Ergo: Man tappt weiterhin im Dunkeln und bewertet die Situation von Monat zu Monat neu.

Was machen die Notenbanken?

Hier scheint sich zur Sommerzeit auch eine Sommerpause in den Aktivitäten anzudeuten. So sprach die EZB-Chefin Christine Lagarde in einem Interview mit der Financial Times von einer Phase des Abwartens: „Wir haben so viel getan, dass wir etwas Zeit haben, die Wirtschaftsdaten sorgfältig zu bewerten.” Damit ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik derzeit voraussichtlich nicht zu erwarten. Auch von der Federal Reserve kommt derzeit wenig, ganz im Gegenteil. Bereits seit ein paar Wochen schrumpft die Bilanz der Notenbank etwas. Mit ein Grund, warum die Kurse auch beim S&P 500 sich seit über einem Monat in einer Querbewegung befinden.

Weitere Konjunkturpakete?

Eine weitere Unbekannte ist der Fortgang bei den möglichen Rettungspaketen für die Konjunktur der Staaten, ob der Aufbaufonds in Europa oder die US-Infrastrukturprogramme – bei jeder Verschärfung der Coronakrise wird nachgelegt. Zuletzt warb auch der Herausforderer Joseph Robinette „Joe“ Biden für seinen Job- und Investitionsplan. Er wolle 700 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung von Elektrofahrzeugen und neuer Technologien investieren, um die Nachfrage heimischer Produkte anzukurbeln. Das alte Motto: „Buy American“.

Fazit

Fünf Wochen dauert die Querbewegung der großen Indizes nun schon an. Man oszilliert zwischen einem Boden und einem Deckel – beim Dax in einer Range von etwa 1000 Punkten (11.900 – 12.913 Punkte) und 240 Punkte beim S&P 500 (3.000 – 3.240 Punkte). „Normalerweise“ müsste es jetzt eine weitere Korrektur geben, schließlich sind die Kurse der Realwirtschaft weit vorausgelaufen und die täglichen Coronazahlen aus den USA lassen auf weitere Verzögerungen der Wirtschaftserholung schließen. Viele Anleger haben sich an diese Sommer-Range gewöhnt und handeln innerhalb dieser Zone. Damit dürfte es viele Stopps geben, die bei einem Über- oder Unterschreiten gerissen werden könnten. Wie gesagt „normalerweise“ wäre eine von Vielen herbeigesehnte Korrektur angebracht, aber liegen nicht immer noch fünf Billionen Dollar an Cash an der Seitenlinie, von Fonds, die schon einmal ein Quartal „underperformt“ haben und ist die Zuversicht der großen Anleger eher nicht so ausgeprägt? Nicht die der RobinHood-er, aber können die 3 Millionen Neukunden seit Jahresanfang wirklich Märkte bewegen, in denen Microsoft, Apple und Amazon schon eine Marktkapitalisierung von 4500 Milliarden Dollar aufweisen? Einen Konkurswert wie Hertz kann man schon um ein paar Hundert Prozent in die Höhe spekulieren, aber einen Index mit 25 Billionen Dollar? Es riecht nach einer Kursbewegung, zu leicht konnte man mit Range-Trading über Wochen Geld verdienen. Die US-Berichtssaison könnte hier den entsprechenden Schubs geben.

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Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0?

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie erleben wir eine regelrechte Flucht in Technologie-Aktien. Insbesondere die Nasdaq eilt seit Wochen von einem Allzeithoch zum nächsten. Zwar profitieren einige Technologie-Werte von der aktuellen Situation während der Pandemie, aber was zurzeit abläuft, grenzt an absurder Euphorie. Man muss sich nur den Chart von Tesla anschauen, hier fehlt nur das Fähnchen, dass man an die Fahnenstange hängen kann. Tesla ist nur eins von vielen Beispielen. Auch Apple hat seit dem März-Tief einen Anstieg von über 80 Prozent hingelegt. Als Info an alle Börsenanfänger – solche Steigerungsraten sind NICHT normal.

Diesmal ist alles anders

Diesmal ist es aber anders als in der Zeit des „Neuen Markt“. Damals wurde alles gekauft, dass nicht bei drei auf den Bäumen war. Dazu gehörten auch Unternehmen, die übertrieben gesagt, irgendwo in einer Garage an unnützer Software gearbeitet haben. Im Gegensatz dazu, ist es diesmal so, dass sich die Euphorie nicht auf eine große Anzahl von Techwerten konzentriert, sondern nur auf wenige Unternehmen. Hier sind die großen Technologie-Unternehmen zu nennen – Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook, Netflix und Nvidia. Diese sieben Unternehmen machen mittlerweile 50 Prozent des gesamten Index aus.

Klumpenbildung der Technologie-Werte

Die Situation ist auch den ETFs geschuldet. Um gute Wachstumsraten für ihre Kunden zu gewährleisten, müssen sie die großen Technologie-Werte übergewichten. Dadurch verstärkt sich der Effekt. Steigen die Kurse der großen Technologie-Unternehmen, dann zieht das mehr und mehr Käufer aus allen Bereichen an – Private, Institutionelle und Fonds. Entsprechend erhöht sich das Risiko einer Klumpenbildung. Kommt es zu einer erneuten Korrektur, wäre das ein Problem, da alle gleichzeitig durch eine kleine Tür rauswollen.

Weltweite Rezession

Es scheint auch fast so, als ob die Investoren vergessen, dass wir uns in einer weltweiten Rezession befinden. Diese Rezession ausgelöst durch die Corona-Pandemie hat nämlich einen Faktor, der derzeit ignoriert wird – Unsicherheit. Damit ist gemeint, dass aktuell niemand voraussagen kann was die tatsächlichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind und wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Auch die Technologie-Unternehmen sind davon betroffen. Apple setzt zum Beispiel weniger Handys ab, Facebook hat weniger Werbeeinnahmen und Teslas Absatz an Automobilen ist alles andere als beeindruckend. Die ab nächste Woche beginnende Berichtssaison wird mehr Aufschluss darüber geben, wie sich die Pandemie tatsächlich auf die Unternehmensgewinne auswirkt.

Aktuelle Entwicklung der Technologie-Unternehmen

In den nachfolgenden Grafiken kann man einerseits die Kursentwicklung der großen fünf Technologie-Unternehmen in dem letzten Monat erkennen sowie die Relation vom Nasdaq zum S&P500. Insbesondere der Chart des Nasdaq in Relation zum S&P zeigt deutlich, dass die Entwicklung der Technologie-Werte auf dem Weg ist eine neue Blase zu bilden. Demnach brauchen wir nicht mehr über Bewertungen zu sprechen. Es wurde mehrfach in anderen Artikeln darauf hingewiesen, dass diese fernab von Gut und Böse sind. Geschuldet ist diese Situation natürlich auch den Geldflutungen und Stimuli von Notenbanken und Staaten. FED-Chef Powell hat zwar vor kurzem betont, dass man durch die Maßnahmen keine Blasenbildung erzeugen möchte, aber genau das ist was gerade passiert. Die Corona-Pandemie wird noch länger Einfluss auf die Märkte haben und Unsicherheit verbreiten. Früher oder später muss Luft aus der Blase abgelassen werden, sonst droht das Platzen.


Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0? Corona

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Aktienmärkte aktuell: Der nächste Corona-Hype durch Remdesivir

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Und die nächste Jubelmeldung über ein Medikament, welches das Coronavirus bekämpfen soll. Remdesivir (der schon wieder) soll laut ganz aktueller Veröffentlichung des Herstellers Gilead Sciences das Todesrisiko bei Patienten um 62 Prozent senken. Hurra, es kann endlich wieder aufwärts gehen an der Börse? Die Aktienmärkte steigen. Der Dow Jones steigt in den letzten Minuten um 150 Punkte, der Dax um 54 Punkte. Wie lange kann diese Euphorieblase dieses Mal die Kurse pushen? Wann folgt die Enttäuschung? Oder ist es dieses Mal wirklich der Durchbruch?

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