Der Memory-Boom, Künstliche Intelligenz und eine neue Reformdynamik treiben den Aktienindex Kospi auf ein historisches Rekordniveau. Dabei durchbrechen südkoreanische Aktien erstmals die Marke von 6.000 Punkten – getragen von Samsung Electronics, SK Hynix und einer globalen Tech-Rally. Der Aktienmarkt profitiert vor allem von der weltweiten Nachfrage nach Speicherchips, strukturellen Reformen und hohen Investitionen im KI-Sektor.
Aktienmarkt: Kospi hebt dank KI-Boom ab
Nur einen Monat nach dem Überschreiten der lange als unerreichbar geltenden 5.000-Punkte-Marke hat Südkoreas Leitindex bereits die nächste Hürde genommen. Der Kospi stieg am Mittwoch zeitweise um knapp 3 Prozent auf ein Rekordhoch von 6.144 Punkten, bevor er einen Teil seiner Gewinne wieder abgab. Samsung Electronics legte zeitweise um 2,5 Prozent zu, SK Hynix gewann 3 Prozent, ehe auch hier Gewinnmitnahmen einsetzten.
Seit Jahresbeginn liegt der Index damit rund 43 Prozent im Plus, nachdem er bereits 2025 um 76 Prozent zugelegt hatte. In den letzten 12 Monaten ist er damit um mehr als 130 % gestiegen. Wie Bloomberg berichtet, wird die Rally vor allem von der global stark steigenden Nachfrage nach Speicherchips getrieben. Südkoreas große Halbleiterhersteller Samsung und SK Hynix zählen zu den Hauptprofiteuren dieses sogenannten Memory-Superzyklus.
Lange Zeit galten koreanische Aktien bei internationalen Investoren als unterbewertet. Inzwischen haben sie sich jedoch zu klaren Gewinnern im globalen Aktienmarkt entwickelt. Der sogenannte „AI-Scare-Trade“ – also die Umschichtung von Kapital infolge der Sorgen einer KI-Disruption – spielt dem Land in die Karten. Während Softwaretitel im koreanischen Markt nur eine untergeordnete Rolle spielen, dominieren Hardware- und Chipproduzenten das Geschehen und treiben die Kurse weiter nach oben.

Reformen und globale Impulse
Zusätzlichen Rückenwind liefern Reformen der Corporate Governance. Das Parlament dürfte ein Gesetz verabschieden, das Unternehmen verpflichtet, eigene Aktien einzuziehen statt sie dauerhaft zu halten. Diese Maßnahme gilt als Schritt zur Stärkung der Aktionärsrechte und zur Verbesserung der Kapitalrendite.
Auch international erhält der Aktienmarkt Unterstützung. Die jüngste Tech-Rally wurde durch eine Vereinbarung von Meta Platforms ausgelöst, Chips und KI-Server von Advanced Micro Devices zu erwerben. Solche Investitionen in KI-Infrastruktur stärken die gesamte Halbleiter-Wertschöpfungskette – und damit auch koreanische Hersteller.
Homin Lee, Senior Macro Strategist bei Lombard Odier, betont, dass das Land weiterhin von mehreren strukturellen Rückenwinden profitiert. Der positive Effekt des Memory-Superzyklus könnte sich zunehmend auf das gesamte Technologie-Ökosystem ausweiten. Selbst wenn der Weg oberhalb der 6.000-Punkte-Marke volatiler verlaufen sollte, sieht er in den kommenden zwölf Monaten weiteres Aufwärtspotenzial für den Kospi.
Zusätzlich wirkt die Entscheidung des US Supreme Court unterstützend, die von Präsident Donald Trump eingeführten reziproken Zölle aufzuheben. Laut Tiffany Hsiao, Portfoliomanagerin bei Matthews, dürften insbesondere koreanische Exporteure mit starker Abhängigkeit von der US-Konsumnachfrage – vor allem im Elektronik- und Komponentenbereich – von einer geringeren Zollunsicherheit profitieren.
Bewertung und Ausblick
Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass auch Privatanleger an den Aktienmarkt zurückkehren. Diese hatten traditionell US-Aktien gegenüber heimischen Werten bevorzugt. Sollte sich dieser Trend verstetigen, könnte er die nächste Phase der Rally einleiten.
Bemerkenswert ist zudem die Marktkapitalisierung: Südkorea hat inzwischen Deutschland überholt und liegt nahezu auf Augenhöhe mit Frankreich – trotz einer deutlich kleineren Volkswirtschaft. Eine derart rasante Kursentwicklung würde normalerweise Warnsignale auslösen. Analysten sprechen jedoch von einem strukturellen Wendepunkt für den koreanischen Aktienmarkt.
Nomura hat sein Kursziel für den Kospi jüngst auf bis zu 8.000 Punkte im ersten Halbjahr angehoben. Als Begründung nennt das Institut den Memory-Superzyklus, robuste Gewinne entlang der KI-Investitionskette, Stärke im Verteidigungssektor sowie eine Neubewertung im Bereich physische KI.
Die Analysten um Cindy Park und Dongmin Lee verweisen darauf, dass ein nachhaltiger Anstieg über 8.000 Punkte maßgeblich von beschleunigten Unternehmensreformen und strukturellen Verbesserungen im Kosdaq abhängt. Entscheidend sei, ob Südkorea Reformen des Handelsgesetzes umsetzt und die Rechte von Aktionären konsequent schützt.
FMW/Bloomberg
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