Der Aktienmarkt befindet sich im großen KI-Rausch. Auch wenn Chipaktien ab Mitte Juni einen deutlichen Sturz erlebten – im großen Bild scheint die Euphorie intakt zu sein. Die Aufträge wachsen enorm, wie auch die Umsätze, aber auch die Schulden. Zwei große Fraktionen stehen sich gegenüber. Anders als in früheren Hausse-Phasen, wo man sich zu großen Teilen einig war, erlebten wir derzeit die Optimisten, und die Pessimisten. Letztere verweisen auf die gigantischen Schuldenberge, die in einer Katastrophe münden.
Aktienmarkt: Kritik am Kreislaufsystem
Was die Pessimisten kritisch sehen: Die KI-Anbieter und Chiphersteller überladen sich mit immer größeren Schuldenbergen, die in eine Überschuldung führen. Und Chiphersteller (allen voran Nvidia) und die KI-Anbieter (allen voran OpenAI) haben seit mehreren Quartalen ein riesiges Kreislaufsystem erschaffen, wo die Chiphersteller den KI-Anbietern Geld zukommen lassen, mit dem die Anbieter wiederum bei den Chipherstellern Hardware einkaufen.
Das Wachstum bei Kosten, Schulden und bei den Einnahmen aus KI-Nutzung ist enorm. Das Risiko: Was, wenn irgendwann die Endnutzer-Einnahmen nicht mehr stark genug wachsen, um den Aufbau der Schulden weiter zu finanzieren? Dann könnte das große Kreislaufsystem kollabieren. Auch könnten die alten Chips in den KI-Rechenzentren schnell an Wert verlieren als Sicherheit für Kredite. So sehen es die Kritiker.
Optimisten
Die Optimisten sehen die stark steigenden Umsätze der KI-Anbieter und der Chiphersteller. Durch die drastisch steigenden Gewinne bleiben die Bewertungen der Aktien in einem akzeptablen Rahmen, und der Aktienmarkt hat Luft für weitere Anstiege. Letzte Woche hatte ich abseits der US-Märkte für das große Bild den Dax analysiert. Auch hier sieht man stark steigende Unternehmensgewinne, die sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt haben. Und man sieht von deutschen Anlegern enorme Mittelzuflüsse in Aktienfonds, vor allem ETF. Weltweit dürften konstant hohe Mittelzuflüsse für hohen Kaufdruck sorgen, während die Unternehmen hohe Gewinne machen und damit die KGV-Bewertungen moderat halten.
Mario Lochner über „Märchen“ der Bären
Eindeutig zum Lager der Optimisten darf man Mario Lochner zählen. Er hat in einem X-Posting aufgelistet, warum die Bedenken der Kritiker am KI-Boom unbegründet sein sollen. Den Bären würden ihre Prognosen gerade um die Ohren fliegen, so seine Aussage. Kritiker würden seit Jahren sagen, KI sei eine Blase, und das Wachstum sei auf Pump finanziert. Doch die Realität erzähle bislang eine andere Geschichte.
Beispielsweise würden KI-Chips nicht nach wenigen Jahren an Wert verlieren. Die Realität sei, dass CoreWeave Nvidias A100 aus dem Jahr 2020 bis 2029 vermietet habe. Neun Jahre wirtschaftliche Nutzung – während selbst ältere GPU-Generationen weiter zu starken Preisen nachgefragt werden.
Auch bespricht er die Kritik, dass NeoClouds an ihren Schulden zugrunde gehen würden. Die Realität sei aber, so Mario Lochner: Nebius wuchs im zweiten Quartal um 454 %. Das Management könnte nach eigener Aussage schon heute die gesamte Kapazität für 2027 verkaufen – hält aber bewusst Leistung zurück, weil kurzfristige Kunden noch höhere Preise zahlen.
Auch bespricht Mario Lochner den Ausblick der Kritiker, dass der KI-Winter komme, weil der Speicherzyklus vorbei sei. Darauf entgegnet er, dass der Chef von SK Hynix ausgerechnet 2027 die größte Speicherknappheit der Geschichte erwartet. TrendForce sehe KI auch 2027 als wichtigsten Treiber der DRAM-Nachfrage. Das Problem sei nicht zu wenig Nachfrage – sondern zu wenig Angebot. Natürlich würden die Preise nicht ewig steigen und das Geschäft zyklisch bleiben, aber eben nicht so zyklisch wie früher offenbar.
Auch sieht Lochner es nicht so, dass die Hyperscaler Milliarden ohne Ertrag verbrennen. Die Realität sei beispielsweise, dass Google laut SemiAnalysis bereits auf einem TPU-Auftragsbestand von mehr als 150 Milliarden Dollar sitzen soll. Die Analysten prognostizieren deshalb für 2027 ein Google-Cloud-Wachstum im mittleren dreistelligen Prozentbereich – viel höher als der Marktkonsens.
🐻 Den Bären fliegen ihre Prognosen gerade um die Ohren…
Seit Jahren heißt es: KI ist eine Blase und das Wachstum auf Pump finanziert. Doch die Realität erzählt bislang eine andere Geschichte…
📜 Märchen 1: „KI-Chips verlieren nach wenigen Jahren ihren Wert“
Die Realität:… pic.twitter.com/ULozx6oUan
— Mario Lochner (@mario_lochner) August 16, 2026
Simon Betschinger
Auch eindeutig zu den Optimisten darf man Simon Betschinger zählen. Er postet Vergleiche von KGV-Bewertungen am Aktienmarkt heute und zur Jahrtausendwende. Und in der Tat: Viele Tech-Firmen haben heute relativ akzeptable KGV-Bewertungen, weil ihre Gewinne so stark ansteigen. Und zu Zeiten der Dotcom-Krise gab es viele defizitäre Firmen im Fokus der Anleger, während die heute stark beachteten Firmen sehr profitabel arbeiten.
Befindet sich der Nasdaq-Index in einer Bubble-Phase? Vermutlich nicht. pic.twitter.com/4jaBxA16qU
— Simon Betschinger (@SBetschinger) August 17, 2026
Fazit: Worauf es ankommt
Wird die Zahl der KI-Nutzer weiterhin so stark wachsen, und werden die neu entstehenden Kapazitäten in KI-Rechenzentren voll ausgelastet? Das ist die große Frage, die man derzeit von Quartal zu Quartal neu bewerten muss. Entstehen (vereinfacht gesagt) die Kapazitäten schneller als dass die Endnutzerzahl bei KI steigt, hat das Kreislauffinanzierungsmodell ein Problem.
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Man muss nur in seinem persönlichen Umfeld schauen, was KI, Robotisering und Automatisierung alles noch übernehmen können, letztere beide dank KI.
Bis das alles von den Menschen abgenommen wurde, wird es möglicherweise mal mit einem Tief zwischendurch, weiter nach oben gehen.
Es fehlt uns oft an Fantasie, sich die Möglichkeiten vor zu stellen aber sie sind da. Endlos viel.