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Aktienmarkt: Der Lackmustest für die Katastrophen-Hausse

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Hausse am Aktienmarkt - kommt danach der Absturz?

Die These von der liquiditätsgetriebenen Hausse am Aktienmarkt als Folge der Notfallpolitik der Zentralbanken steht vor ihrem ultimativen Test.

Kann der Aktienmarkt allen Fundamentaldaten trotzen?

Seit sieben Jahren bewegen sich die Gewinne von Corporate America kaum vom Fleck, wohingegen der Aktienleitindex S&P 500 in dieser Zeit um 1.800 Punkte oder 145 Prozent angestiegen ist und aktuell nur 2,5 Prozent unter seinem Allzeithoch notiert. Die Gründe für diese Abkopplung sind hinlänglich bekannt: Aktienrückkäufe, Zinseffekte, Repatriierung von Auslandskapital im Zuge der US-Steuerreform und die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken weltweit.

Darüber hinaus wurde sehr viel Hoffnung in die Aktienmärkte eingepreist, besonders in Bezug auf die Konjunktur und die Unternehmensgewinne in den USA. Eine Frage gerät aktuell immer stärker in den Fokus für der Anleger: Können die Preise auch ohne Konjunkturhoffnungen und weit abgekoppelt von vielen Fundamentaldaten und trotz abnehmender Aktienrückkaufvolumina in den USA weiter steigen? Mit anderen Worten: Reicht allein der geldpolitische Stimulus, bestehend aus Zinsschwund und Geldmengenexplosion aus, um Dividendentitel in noch luftigere Höhen zu tragen? Theoretisch lautet die Antwort Ja. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Das Auspreisen von Illusionen versus Stimulus durch die Notenbanken

Zwei gegensätzliche Trends, bezogen auf die Kauf-Motivation der Marktteilnehmer, finden gerade statt: Erstens werden die zu hohen Erwartungen an einen Handels-Deal sowie die konjunkturelle Entwicklung ausgepreist und zweitens werden noch aggressivere Maßnahmen der Zentralbanken als Reaktion darauf eingepreist.

Natürlich kann es während dieses Impulswechsels für den Aktienmarkt zu Friktionen kommen, die in höherer Volatilität münden. Gleichwohl ist die unkonventionelle Geldpolitik der Notenbanken bereits so weit etabliert, dass die Marktteilnehmer im Falle heftigerer Korrekturen sehr zeitnah mit weiteren Zinssenkungen und der Ausweitung der Geldbasis rechnen können. Dieser Notenbank-Put sollte den Markt für Dividendentitel stabilisieren.

Was ist ein Crack-Up-Boom und sind wir schon mittendrin?

Ein Crack-Up-Boom, oder zu Deutsch Katastrophen-Hausse, ist sozusagen das große Finale in einem ungedeckten Papiergeldsystem, in dem Aktien und alle anderen Sachwerte preislich durch die Decke gehen. Die Bezeichnung geht zurück auf den Ökonomen Ludwig von Mises, einem Anhänger der österreichischen Schule. Die Voraussetzungen für einen Crack-Up-Boom sind ein ungedecktes Fiat-Geldsystem, eine fortgeschrittene Überschuldung sowie Notenbanken, die mittels massiver Geldmengenausweitung und der Abschaffung der Fremdkapitalkosten (Zinsen) der Überschuldung versuchen, Herr zu werden.

Eine wesentliche Voraussetzung fehlt jedoch noch: Die Hauptantriebskraft einer Katastrophen-Hausse ist gemäß von Mises die Angst der Marktteilnehmer vor einem Wertverlust der gesetzlichen Zahlungsmittel, die in der Flucht in Sachwerte, u. a. Aktien, mündet. Soweit sind wir in der Entwicklung aktuell aber noch lange nicht. Momentan kämpfen die Zentralbanken noch gegen Disinflation und eine abnehmende Wachstumsdynamik als Folgen der weltweiten Überschuldung.

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24 Kommentare

24 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    4. Dezember 2019 09:54 at 09:54

    Genial zusammengefasst und auf den Punkt gebracht, nur sind Aktien dann ja illiquide, ich kann Sie höchstens die am verfallende Währung zurücktauschen oder Wie halten und zuschauen wie ich zuerst MultiMrd und dann wieder arm werde, ohne das ich einen praktischen Nurzen daraus ziehen kann gut wenn die Inflation weniger schnell als die Kursgewinne laufen konnte ich mit einem rechtzeitigen Ausstieg und Wechsel in eine Fremndwährung doch noch einen Gewinn erzielenn bzw mein Vermögen sichern, ABER was ich einfach nicht glaube ist das uns diese Möglichkeit auch bleiben wird, Schlussendlich glaube ich nicht das eine Währung dies überlebt wenn nur eine der grossen Kracht in dieser Vermetzten Welt….

    Ob die Schweizer Genies oder Wahnsinnig sind wird sich dereinst ein weisen, in abetracht dessen das auch der Schweizer Franken kollabieren könnte, hat man massenweise Werloses Papier in andere Devisen getauscht und anstatt das man alleine Devisen hält, die dann ggf gmeichzeitig Werlos werden, hat man einen Teil dessen in Aktien und Immos investiert (die es auch nach der Krise noch geben wird) und somit einen sichereren Wert darstellen könnten als Devisen….

    Es könnte sein das sich das für die Schweiz dereinst als genialer Schachzug erweist, schliesslich Besitzt die SNB heute schon 2.5% aller Unternehmen Weötweit, und man diskutiert darüber die Aktienquote zu verdoppeln….

    Würde man Gold in der Grössenordnung aufkaufen, wäre das wohl etwas auffällig im Bezug auf Misstrauen, Aktien gehen, und für eine Notenbank ist der Aktienpreis ha sakulär die Gestehungskosten von Papiergeld sind als Gegenvergleich ja NICHTs für die Notenbank inbesondere wenn Sie selbts sowieso die Rückkehr zum inneren Wert 0 erwartet…

    Insofern kann ich mir vorstellen das dass was heute sich als Wahnsinn präsentiert sich dereinst als genialer Schachzug entpuppt aber Wahnsinn und Genialität sind ja meist nur einen Grat voneinander entfernt…

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    PK

    4. Dezember 2019 10:18 at 10:18

    @Zipfel
    Das war ziemlich gut geschrieben, deckt sich zu 100% mit meiner Meinung und zeigt einmal mehr, daß Aktien auch in einer ansonsten katastrophalen Umgebung nicht zwangsweise fallen müssen, wenn die Alternative – Cash – noch schlimmer ist. Das ist ein einfacher Fakt, der von ganz vielen Crash Gurus immer wieder negiert wird.

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    Lausi

    4. Dezember 2019 10:52 at 10:52

    Wahrscheinlich wird die (Hyper)-Infaltion erst kommen, wenn die Notenbanken als letztes Mittel wirklich zum Helikoptergeld greifen – also wenn das gedruckte Geld auch den „kleinen Mann“ erreicht. Ansonsten kann es durchaus auch in Richtung Deflation gehen. Die Schlacht ist mMn noch nicht entschieden. Japan als Vorreiter im Auge zu behalten, ist sicherlich nicht verkehrt.

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    T-ShirtVerkäufer

    4. Dezember 2019 13:28 at 13:28

    Eine super Zusammenfassung!
    Nur habe ich aber Zweifel, ob es zu Notenbankenrallye überhaupt kommt.

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    barthez72

    4. Dezember 2019 13:47 at 13:47

    Helikoptergeld ist doch schon da !!!!

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    barthez72

    4. Dezember 2019 14:07 at 14:07

    Nur das kommt beim „BÜRGER“ nicht an. Er BÜRGT zwar dafür ,kann es aber nicht ausgeben ,das ist DER TRICK daran.

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      BrettonWood

      4. Dezember 2019 15:44 at 15:44

      Darum heisst er ja Bürger, weil er Bürgen muss….

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    Notenbank - Ungläubiger

    4. Dezember 2019 19:08 at 19:08

    Könnte mir vielleicht einer dieser „NOTENBANKGLÄBIGEN“ sagen wie lange diese Aktienhausse noch dauern könnte u. bis auf welches Kursniveau ?
    Die Crash Propheten negieren, dass diesmal alles anders ist?
    Die Gläubigen der immerwährenden Aktienhausse negieren, dass diese Kurse nur durch Tiefstzinsen eine extreme Umverteilung ist u. durch Rezession oder soziale Unruhen beendet wird.Diese Befürchtungen kommen übrigens von Dickfischen wie Jamie Dimon oder Ray Dalio.Wenn es die Politik nicht regelt, wird es der Mainstream machen.Der Klima Hype wurde ja auch nicht von der Politik ausgelöst.

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      Dorinella

      5. Dezember 2019 09:09 at 09:09

      Die Hausse endet erst dann, wenn die Fed die Zinsen wieder anhebt. Vorher wird der Markt durch Trump und Co weiter manipuliert und hoch gehalten.
      Wenn die Zölle am 15.12. kommen … und das werden sie … und die Preise für Alltagsgüter anziehen, gerät die FED in eine Zwickmühle. Bei höherer Inflation eigentlich Zinsen rauf !! Geht aber nicht.

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    Shorti

    5. Dezember 2019 16:02 at 16:02

    @ Drinella,haben sie vielleicht die Informationen von W.Müller Markus Fugmann über die tickenden Zeitbomben der Untenehmensanleihen verpasst. Dort gibt es in den nächsten 2 Jahren tonnenweise auslaufende tiefverzinste BBB Anleihen die erneuert werden müssen . Könnten Sie mir sagen wer die kauft u.wie man dort die Zinserhöhung verhindern könnte.

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      Chris

      5. Dezember 2019 19:28 at 19:28

      @Shorti so wie es aussieht, wurde da jede Menge verpasst. Viel Halbwissen, noch mehr bla, bla und kaum Bestand. Denken Sie, Sie bekommen eine halbwegs fundierte Antwort?

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        Dorinella

        5. Dezember 2019 19:52 at 19:52

        @Chris … Warten Sie es doch erst mal ab, wie mein „ Halbwissen und mein bla bla „ sich in Zukunft hier so darstellen wird …

        • Avatar

          Claudia

          5. Dezember 2019 22:47 at 22:47

          @Dorinella, auch hier ein*e Kommentator*in mit eher provokativen statt argumentativen Stärken. Lassen Sie sich von dem sinnfreien Gesülze einiger weniger Trolle nicht mürbe machen, sonst verlieren Sie ganz schnell die Lust und Energie, auf dieser prinzipiell sehr seriösen und interessanten Plattform aktiv teilzuhaben. Ich fände das sehr schade, nachdem sich außer den üblichen Dauerbeton-Kommentatoren, GEZ-Paranoiden und Bretton-Markos kaum mehr jemand zu Wort melden wagt.

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            Dorinella

            6. Dezember 2019 08:53 at 08:53

            Vielen Dank für Ihre Antwort, ich werde sie beherzigen.

          • Avatar

            Chris

            6. Dezember 2019 10:31 at 10:31

            „sinnfreie Gesülze einiger weniger Trolle“
            Punktlandung!

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      Dorinella

      5. Dezember 2019 19:39 at 19:39

      @shorti…meine Einschätzung hierzu ist folgende : ich glaube, dass Powell auch im Hinblick der „ Zombifirmen“ oder „ gefallene Engel“ seine jüngste Kehrtwende vollzogen hat !
      Im Moment ist es doch noch so, dass Anleger so ziemlich alles kaufen, was auf dem Markt ist. Das würde sich wahrscheinlich für diese Unternehmen drastisch ändern, wenn sie in den „ Hochzinsbereich“ abrutschen.
      Ich denke auch, dass sie eine tickende Zeitbombe darstellen. Und auch, dass wenn sich keine Käufer für diese Anleihen mehr zu finden sind, sie möglicherweise von speziell dafür ausgerichteten Firmen billig aufgekauft werden, die diese dann zerschlagen und in Teilen weiter veräußern. Es sei denn, sie haben die Chance, zu fusionieren. Was wohl den wenigsten gelingen wird.

      Nein. Ich glaube nicht, dass hier die Zinsen niedrig gehalten werden können.
      Es kommt auch immer auf die Zahl der dann verlorenen Arbeitsplätze an. Und ob es im Falle einer drohenden großen Arbeitslosigkeit nicht Sinn machen würde, dass hier der Staat einspringt. Ford zB. ist ja gerade im Gespräch als solches Unternehmen mit BBB -Anleihen.
      Kleinere oder unbedeutende Fiirmen denke ich, werden aufgekauft, um zerschlagen zu werden.

      Sollte aber durch Trumps Zölle auf Altagsgüter am 15.12 in Kraft treten… und die Inflation steigt über 2%… kommt die FED in Erklärungsnot ! Obwohl … sie hat ja bereits angekündigt, ein Überschreiten der 2% wäre noch nicht tragisch …
      klar … alles im Hinblick auf diese „ Zombifirmen „
      Genauso wie die EZB die Zinsen nicht anheben kann, denn dann kommt Italien ins Mega-Schwitzen.

      Also Schlussfazit : Die Zinsen kann die FED in Zukunft nicht wieder anheben.

      • Avatar

        Petra

        5. Dezember 2019 22:23 at 22:23

        @Dorinella, vor etwa 10 Jahren hätte man noch gesagt und zugelassen, dass man sich in einer ganz normalen Rezession befindet, in der schwache und kränkelnde Volkswirtschaftsobjekte wie überschuldete Staaten, Unternehmen und Privatpersonen ohne tragfähigen Tilgungsplan ausgemerzt werden. Seit den massiven und einseitig motivierten Erstschlägen von Mario Draghi 2014 und Donald Trump 2017 hat man sich völlig unverantwortlich ohne jegliches Risikomanagement auf neues und unerforschtes Gebiet begeben. Keine Ahnung von den Auswirkungen, kein Plan B, keine Auswege zurück. Kapitalismus in reinster Form zum Wohle der Aktienmärkte, Konzerne und Superreichen. Und gleichzeitig eine fast obszön und paradox konträre Schuldzuweisung für alle negativen Auswirkungen in Richtung der zusehends verschwindenden und unbedeutenden sozialen oder kritischen Bewegungen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. God bless Capitalica!

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          sabine

          6. Dezember 2019 08:04 at 08:04

          „Kapitalismus in reinster Form?“ Ich glaub, Sie haben sich verschrieben. Es müßte heißen, Kommunismus in schleichender/heimlicher Form. Auch wenn die da oben und die Qu-Medien sagen, es sei Kapitalismus.
          1. Kapitalismus heißt, Kapital wird dort investiert, wo es sich lohnt. Lohnen heißt direkter Gewinn oder Zinsen. Der Nachteil ist, daß bei einer Absolutsetzung dieses Vorgangs das Menschliche verloren geht. Geld ist eine Versuchung. Es geht dann – mehr oder weniger – nicht mehr um Moral oder Verteilung des zuviel (!!!!) an die, die zuwenig haben.
          2. Gegen diesen Nachteil setzen die Gutmenschen und grauen Emminenzen im Hintergrund ein System, daß „menschlich“ regiert, indem sie das Eigentum einschränken, einsacken und/oder verbieten, die Staatsquote erhöhen (vom Schutzstaat zum ausgabenintensiven Wohlfahrtsstaat – „Ab 50% haben wir Sozilismus“ sagt Helmut Schmidt – und das haben wir schon lange.) Das begeistert braune und rote Sozialisten, die dies System immaniert haben: Gutsein durch Zwangsstaat. Man kann gar nicht anders und darf dabei helfen.
          https://www.handelsblatt.com/politik/international/niall-ferguson-im-interview-der-sozialismus-ist-bislang-immer-gescheitert-wirtschaftshistoriker-warnt-vor-linksruck/24312278.html
          Was fordern die Grünen in der Klimahysterie: Wir müssen die anderen Meinungen verbieten!
          Eine Grüne hatte damals schon bei der bösen Ablehnung der Masse der Riesterrente gesagt, man müsse die Leute dann eben dazu zwingen. Ein anderer Grüner widersprach: Die Riesterrente sei so kompliziert wie ein Schaltplan eines Atomkraftwerkes.
          3. Die Zombiefirmen sind das genaue Gegenteil von „lohnt“! Vetternwirtschaft und das richtige Parteibuch im ganz großen Stil … sind die Folgen. Berlin-Flughafen z.B. Natürlich gibt es auch im Kapitalismus Vetternwirtschaft – Absprachen – Kartelle. Aber das wird im Kapitalismus durch Ordnungsämter verhindert oder versucht. Die EU heimst dann immer Millionen/Milliarden ein und die Verantwortlichen legen diese Kosten auf die Produkte um und machen weiter.
          Im Sozialismus verhindert das niemand mehr. Wie auch. Wer soll denn dem Staat auf die Finger klopfen? Man kommt sofort mit der Easy-Keule, politisch unkorrekt, Konterrevolutionär, Kapitalist …

          • Avatar

            sabine

            6. Dezember 2019 08:10 at 08:10

            Mit „zuviel“ mein ich in Deutschland automatische Garagentore, 1-Meter-Bildschirme, KReuzfahrten, E-Autos, Gartenzäune, neue Küchen. Das ist alles absolut unnötig! Denn eine Sklavenbefreiung im Sudan kostet etwa 150€. Und man ändert ein menschliches Leben um 1.000%. Zum Beispiel!
            https://csi-de.de/artikel/nach-17-jaehriger-sklaverei-endlich-frei/

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            Petra

            6. Dezember 2019 12:21 at 12:21

            Wenn ich von Kapitalismus spreche, meine ich nicht die überkommenen Schönredner-Begriffe aus dem letzten Jahrtausend, sondern die „modernen“ Formen, wie sie sich vor allem im aktuellen Jahrtausend manifestiert und etabliert haben.

            Turbokapitalismus und Raubtierkapitalismus sind eine Form des Kapitalismus, die durch alleinige Ausrichtung an ständiger Profitmaximierung von Unternehmen unter Ausschluss anderer, insbesondere sozialer Aspekte geprägt sei. Dieser habe durchaus auch positive Folgen, führe aber zu einer immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen Arm und Reich, was zu vielen politischen Risiken führe. Helmut Schmidt bezog den Ausdruck auf den rücksichtslosen Gebrauch der Macht einiger Manager großer Verbände, Konzerne, Geldinstitute und Medienunternehmen. 2007 sprach er von Raubtierkapitalismus im Zusammenhang mit Hedgefonds und Private-Equity-Häusern. Aus den Spekulanten, die aus der Freigabe der Wechselkurse Profite gezogen hätten, seien Zehntausende geworden, die international auf alle nur denkbaren künftigen Ereignisse spekulierten.

            Überwachungskapitalismus
            Während „Überwachung“ (Surveillance) in der Regel von staatlichen Stellen und von den Geheimdiensten ausgeht, haben sich im Internet und darüber hinaus marktbeherrschende Unternehmen etabliert, die über die Internetnutzung, Nutzung von Social Medias (Sozialen Medien), Telefonen, Fernseher, WLANs, Smart Homes, Kraftfahrzeugen und dem Internet der Dinge sowie über vielfältige Sensoren Benutzerdaten erfassen und diese über Big Data (Massendatenverarbeitung) analysieren, verarbeiten und für sich und andere Marktteilnehmer aufbereiten und nutzen. Die so erfassten Nutzerdaten gehen über das hinaus, worüber staatliche Behörden in der Regel verfügen, und da die Erfassung der Daten zielgerichtet und systematisch erfolgt, gleicht dies einer Überwachung zur Marktkapitalisierung der Nutzerdaten bei gleichzeitiger Entmündigung ihrer eigentlichen Besitzer.

            Kasino-Kapitalismus bezeichnet einen Zustand des globalen, weitgehend kapitalistischen Wirtschaftssystems, der durch krisenanfällige, weltweit vernetzte Finanzmärkte geprägt wird. Im Kasino-Kapitalismus haben sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft abgekoppelt, indem die Finanzierung von Wertschöpfung gegenüber hoch spekulativen Finanzmarkttransaktionen in den Hintergrund getreten ist. Daraus entständen regelmäßig Finanzkrisen, die sich teilweise verheerend auf die Realwirtschaft auswirkten. Die meisten Spekulanten befassten sich demzufolge wesentlich damit, der Bewegung der Masse ein kurzes Stück vorauszueilen, wobei langfristige Überlegungen naturgemäß keine Rolle spielen. Demnach erfolgen viele Anlageentscheidungen, d. h. die Allokation von finanziellen Ressourcen, nach Gewinnstrategien, die einem Glücksspiel angemessen seien. Die Finanzmärkte hätten dadurch die Tendenz, sich von der Realwirtschaft abzukoppeln. Die eigentliche Aufgabe des Finanzmarktes, nämlich realwirtschaftliche Investitionen zu finanzieren und damit den Akkumulationsprozess der Volkswirtschaft sinnvoll zu steuern, werde so nur noch eingeschränkt erfüllt.

            Der Finanzmarkt-Kapitalismus löst den traditionellen Manager-Kapitalismus ab (siehe dazu James Burnham). Er ist durch eine spezifische Konfiguration von ökonomischen Institutionen geprägt. Zu diesen Institutionen zählen: die Aktienmärkte, die Investmentfonds (als Eigentümer), Finanzanalysten und Ratingagenturen (boundary roles) sowie Transfermechanismen (z. B. feindliche Übernahmen). Das Zentrum der Steuerung im Finanzmarkt-Kapitalismus bilden die Aktienmärkte. Sie bieten eine besondere Gelegenheitsstruktur für Opportunismus (Moral Hazard), weil sie eine Transformation von Unsicherheit in Risiko nur fingieren. Für Windolf sind die „neuen Eigentümer“ die Investmentfonds, welche in den USA bereits die Mehrheit an den großen Aktiengesellschaften besitzen. Der operativen Logik der Finanzmärkte unterworfen, zwingen sie Staaten und Unternehmen zu kurzfristigen Strategien der Profitmaximierung und Renditensteigerung. Finanzanalysten und Ratingagenturen besetzen in diesem System wichtige boundary roles, die Unsicherheit in Risiko umwandeln. Als spezifische Transfermechanismen für feindliche Übernahmen identifiziert Windolf den Markt für Unternehmenskontrolle, Aktienoptionen und Shareholder Value.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus#Varianten_des_Kapitalismus_in_der_Diskussion
            und darin verlinkte Begriffe

        • Avatar

          Dorinella

          6. Dezember 2019 09:20 at 09:20

          @Petra…Hallo. Danke für Ihre Antwort. Ja, wir befinden uns in einem Teufelskreis, der sich immer schneller dreht. Meiner Meinung nach hatte Draghi, als er anfing die Zinsen zu senken und Staatsanleihen anfing zu kaufen, gar keine andere Wahl. Griechenland drohte, aus der EU auszutreten. Das wäre die absolute Kathastrophe gewesen für ALLE, hauptsächlich aber für Deutschland. Bei sowas kommt das Thema „Target-System“ wieder auf den Tisch. Italien auch nicht besser, Spanien ebenfalls problematisch. Diese Länder wurden etwas aufgefangen durch Draghi. Die grossen Banken in diesen Ländern haben aber immer noch grosse Probleme. Wir sitzen im Verbund ( EU ) eigentlich alle auf einem riesen Pulverfass. Jetzt kommt erschwerend die Klimadebatte hinzu, die auch unglaublich teuer wird.
          Eigentlich brennt es an allen Ecken und Enden. Und es werden nur Löcher gestopft. Trotzdem wird alles irgendwie zusammengehalten. Deutschland befindet sich mal einen Monat in Resession, den nächsten wieder nicht usw. Die Autoindustrie kämpft gerade massiv. Früher hätte hier Merkel SOFORT eingegriffen ! Das tut sie aber jetzt nicht mehr, da sie wohl von den Bürgern gelyncht würde, da die Autoindustrie uns in letzter Zeit soooo über den Tisch gezogen hat. Hier werden eine ganze Menge Jobs verloren gehen, vor allem in der Zuliefererbranche. Das nächste Problem ist dann die Immobilienblase…..usw usw…

  9. Avatar

    Shorti

    6. Dezember 2019 01:15 at 01:15

    @ Dorinella, aber bitte ,Alles richtig, aber sie schreiben, die Hausse endet dann wenn die Fed die Zinsen anhebt.Aber die Zinsen der Unternehmensanleihen macht der Markt u.nicht die FED ,wie schon von W.Müller beschrieben.Une wenn die vielen Zombifirmen fallen, wird der ganze Aktienmarkt leiden.Übrigens der Russel 2000 ( Index der kleineren Firmen) ist schon länger am Fallen.
    P.S Sonst gute Einschätzung von einem Jungtalent auf F.M.W ? Viele Börsenspezialisten mit gefühlten 100Jahren Börsenerfahrung haben ihre realistische Einschätzung noch nicht begriffen..
    @ Columbo hatte Recht, mit der Aufforderung, öfter zu schreiben..

    • Avatar

      Dorinella

      6. Dezember 2019 08:47 at 08:47

      @shorti…Vielen Dank für das Kompliment, darüber freue ich mich sehr. Mit dem Ende der Hausse meinte ich die am Aktienmarkt. Und die würde abrupt enden, wenn die Fed jetzt wegen Überschreitung der Inflationsgrenze die Zinsen wieder anheben müsste. Was sie ja aber schon abgepuffert hat, so nach dem Motto….“ wir sind auf die 2 %-Marke gar nicht mehr so fixiert“
      Dass die Zinsen für die Unternehmensanleihen macht, weiss ich wohl. Und hier wird es echt brenzlig, wenn sie in den Hochzinsbereich kommen. Einen schönen Nikolaustag wünsche ich.

      • Avatar

        Dorinella

        6. Dezember 2019 09:36 at 09:36

        @shorti…oh je…Wort vergessen…dass die Zinsen für die Unternehmensanleihen DER MARKT macht….weiss ich wohl.

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Aktien

Aktienmärkte: Fahnenstangen bei den Aktienkursen haben Substanz

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Immer weiter bergauf? Aktienmärkte steigen immer weiter an

Allzeithöchststände werden zum täglichen Ritual und Bewertungen spielen v. a. in den USA nur noch sekundär eine Rolle. Doch haben die Fahnenstangen der Aktienmärkte auch Substanz?

Die Attraktivität der Aktienmärkte hat sich stark gewandelt

Kaufte man klassischerweise an der Börse gehandelte Unternehmensanteile, um an einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu partizipieren, regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten oder die blühende Zukunft einer Aktiengesellschaft zu antizipieren, so haben sich die Gründe für den Erwerb von Dividendentiteln zuletzt stark gewandelt. Die klassischen Kaufmotive mögen heute auch noch eine Rolle spielen, werden aber in der Kursentwicklung durch andere Faktoren enorm verstärkt oder völlig verzerrt. Als Beispiel soll hier nur das starke Aufwärtsmomentum erwähnt sein, das ständig neues, nach schnellen Gewinnen trachtendes Kapital anzieht (die Hausse nährt die Hausse).

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Impulse für die ungewöhnlich konstant steigenden Aktienmärkte, die man nicht per se als irrational oder nicht nachhaltig bezeichnen kann. Insofern ist die Fragestellung, ob die Fahnenstangen bei immer mehr Aktienkursen mit Substanz gestützt sind, durchaus berechtigt. Die Formulierung aus der Überschrift geht übrigens auf einen aufmerksamen Leser der FMW zurück und war die Inspiration für diesen Artikel. Vielen Dank dafür!

Der Zwang zur Nachahmung

In einem Artikel von Anfang Dezember hatte ich bereits auf den stattfindenden Impulswechsel für steigende Aktienmärkte hingewiesen. Dieser Wechsel vollzieht sich hin zur reinen zins- und liquiditätsgetriebenen Hausse, bei denen fundamentale Entwicklungen nur noch als Alibi-Investmentstory dienen, aber für die Bewertungen vieler Aktiengesellschaften sekundär sind. So ist es mittlerweile Usus, dass Unternehmen mit der hippsten Story und dem dynamischsten Momentum deutlich besser performen, als solide Unternehmen mit positivem Cashflow und moderaten Bewertungen.

Wobei die überteuerten Highflyer ganze Indizes nach oben ziehen und diese durch ihr zunehmendes Gewicht dominieren. Dies zwingt wiederum indexbasierte Anlageprodukte oder Benchmark orientierte Fonds dazu, ebenfalls diese Highflyer in ihren Portfolios überzugewichten. Andernfalls wird man als Fondsmanager schnell aussortiert, zumal der Siegeszug der passiven Indexfonds auch in dieser Branche zu einem Personalkahlschlag historischen Ausmaßes führt. Im Zuge der Trumpschen Steuerreform kam der Markt bekanntermaßen auch in den Genuss von Zusatznachfrage in Form von „Buybacks“ aus den Aktiengesellschaften selbst. Ein Effekt, der sich basiseffektbedingt sukzessive abschwächt. Nach ca. 1,3 Billionen US-Dollar im letzten Jahr soll es laut Schätzungen in diesem Jahr nur noch ca. 500 Mrd. US-Dollar Aktienrückkaufvolumina geben, also über 50 Prozent weniger.

Neuer Raketentreibstoff für die Börse

Dennoch verbirgt sich hinter den fahnenstangenartig ansteigenden Kursen eine gewisse Substanz. Diese Substanz speist sich ausschließlich aus der Geldpolitik der Notenbanken. Historisch niedrige Zinsen und eine Geldschwemme, die sich gemäß dem Cantillon-Effekt zu aller erst über die Banken und die Finanzmärkte ergießt, treibt die Vermögenspreise nach oben. Die Gründe für diese äußerst akkommodierende Geldpolitik sind so nachhaltig, dass sie eine echte Substanz darstellen. Welchen Zwängen die Zentral- und Notenbanken unterliegen und wie sich der Cantillon-Effekt nachhaltig auf die Vermögenspreise auswirkt, erläutere ich in diesem Video. Dort erfahren Sie auch, wie sich mit relativ wenig Aufwand und zu geringen Kosten ein auf diese außergewöhnliche Situation ausgerichtetes Wertpapierportfolio strukturieren lässt.

Der Zwang in die Aktienmärkte zu investieren

Die Abkürzung „TINA“ (There Is No Alternative) ist in Bezug auf die Aktienmärkte natürlich übertrieben, da es auch andere Vermögenswerte gibt, die von dem Raketentreibstoff der Notenbanken beflügelt werden. Gleichwohl gibt es aus Sicht professioneller Investoren und Geldverwalter einen enormen Rendite- und Anlagedruck. Aktien sind am leichtesten für Vermögensverwalter zugänglich, sie sind zudem hochfungibel und bieten im Idealfall zusätzlich laufende Erträge. Die Renditen vieler Aktien, zum Beispiel in Deutschland, erfüllen zudem nach wie vor die Anforderungen der Kapitaleigner. Durch die Ballung des Vermögens in relativ wenigen Händen generieren die Kapitaleigner permanent laufende Erträge aus Vermietung, Verpachtung, Dividenden, Sonderausschüttungen, Zinsen und Tilgungen. Dieses Geld muss neu angelegt werden und konkurriert mit der Zusatzliquidität aus den Notenbanken. Die Anforderungen für die Geldverwalter sind dabei hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man unter 5 Prozent Bruttorendite p. a. bezogen auf die Gesamtkapitalverzinsung keine Chance am Markt hat – trotz Nullzinsumfeld.

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Aktien

Dow Richtung 30.000, Banken-Vergleich, Handelsdeal, Tesla und Wirecard

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Dow visiert 30.000 Punkte an, US-Banken verdienen gut - New York im Fokus

Die Indizes laufen super. Der Dow Jones läuft dieser Tage mit voller Kraft Richtung 30.000 Punkte. Über die aktuelle Lage am Markt sprechen im folgenden Video Sissi Hajtmanek und Manuel Koch in Frankfurt. Sie blicken zurück auf die aktuelle Handelswoche, wo vor allem die hochprofitablen US-Banken im Mittelpunkt standen. Die größten Banken in den USA (JP Morgan, Citi etc) meldeten ihre Zahlen. Vor allem der Branchenprimus JP Morgan konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. Die Banken in den USA machen gigantische Gewinne. Sissi Hajtmanek und Manuel setzen die US-Banken in Relation zu der Ertragslage bei deutschen Banken.

Und da wird es interessant. Während die US-Banken (so unsere Anmerkung) ein großes Kapitalmarktgeschäft haben und somit unabhängiger von Zinsmargen sind, so haben sie zusätzlich noch ein existierendes Zinsumfeld dank der Fed, die die Zinsen in den USA in den Jahren nach der Finanzkrise wieder angehoben hatte, anders als die EZB. Die Banken vor allem in Deutschland hängen traditionell fast komplett von ihren Zinserträgen ab. Die EZB hat diese Ertragsquelle aber quasi vernichtet. Und so dümpeln die deutschen Banken vor sich hin, mit lächerlich niedrigen Erträgen in Relation zu den Konkurrenten in den USA.

Auch war diese Woche der Handelsdeal zwischen China und den USA ein wichtiges Thema. Sissi Hajtmanek erwähnt die Aufforderung von Donald Trump, dass die amerikanischen Landwirte schon mal mehr Traktoren kaufen sollten, weil die Chinesen so viele zusätzliche landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen würden. Eine mehr als zweifelhafte Aufforderung, da der unterschriebene Phase 1-Deal ja nur ein erster Schritt zur Einigung im Handelskrieg ist. Und jederzeit kann dieses fragile Gebilde wieder zusammenbrechen.

Besprochen werden im folgenden Video auch zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Tesla (derzeit über 500 Dollar) solle man zwar kaufen, aber erst mit einem Limit von 377 Dollar. Sie müsste also erstmal kräftig fallen, bevor sie entsprechend dieser Empfehlung wieder ein Kauf wäre. Auch die Aktie von Wirecard könne man kaufen, aber über dem aktuellen Kurs, nämlich mit einer Stop-Buy-Order bei 132 Euro. Und abschließend nochmal die Frage unsererseits: Läuft der Dow wirklich weiter mit voller Kraft auf die 30.000 Punkte-Marke zu? Noch fehlen dazu 635 Punkte. Aber das ist heutzutage ja kein großer Abstand mehr.

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Markus Koch (heute Vertretung) LIVE zum Börsenstart in New York – Einstufungen und Quartalszahlen

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Markus Koch meldet sich heute nicht selbst zum Börsenstart in New York, sondern lässt sich von einer Kollegin vertreten. Es geht vor allem um neue Einstufungen und Quartalszahlen bei Einzelaktien.

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