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Aktien

Aktienmarkt: Der Lackmustest für die Katastrophen-Hausse

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Motive, Kapital in Aktien zu allokieren, sind aktuell noch der allgemeine zinsbedingte Anlagenotstand und die Gewissheit, dass die Zentralbanken, wie z. B. in Japan und der Schweiz, bereit sind, neben Anleihen auch Aktien und Immobilien (via REITS) aufzukaufen. Insofern befinden wir uns noch in einer Frühphase der Katastrophen-Hausse.

Aber worin besteht eigentlich die Katastrophe? Ganz klar aus dem Zwang, dem die Notenbanken unterliegen, dass überschuldete Weltwirtschaftssystem mit „unkonventionellen“ Maßnahmen permanent vor dem Kollaps zu bewahren. Diese Katastrophe fühlt sich aktuell noch nicht wie eine an und wird selbst von Finanzmarktprofis momentan noch unterschätzt, aber das Dilemma der Überschuldung bleibt und entwickelt sich fort.

Fakt ist, dass die Normalisierung der Geldpolitik aus diesem Grund bereits gescheitert ist und sowohl in den USA als auch in Euroland neue QE-Programme gestartet wurden. Damit ist die letzte Phase des seit 1971 laufenden Experimentes eines weltweit ungedeckten Papiergeldsystems eingeläutet.

Im kommenden Jahr werden zwei Dinge als logische Folge der fortschreitenden Überschuldung und des Zinsgewöhnungseffektes geschehen: Erstens werden die Zinsen weltweit noch weiter abgesenkt und zweitens werden die Gelddruckprogramme ebenfalls weiter ausgedehnt. Damit wird sich im Zeitverlauf und mit zunehmender Aggressivität der Zentralbanken auch das eigentliche Kaufmotiv bei Aktien in einer Katastrophenhausse einstellen: die Angst vor dem Kontrollverlust der Zentralbanken einhergehend mit der ungewollten Zerstörung der Kaufkraft des Fiat-Geldes durch die Geldpolitik.

Wie die Spätphase eines solchen Crack-Up-Booms aussieht, konnte man exemplarisch im Jahr 2007 in Simbabwe beobachten. Die dortige Hyperinflation, ausgelöst durch eine fatale Wirtschafts- und Geldpolitik des Mugabe-Regimes, führte zu einem beispiellosen Aktienboom an der ZSE in Harare (Zimbabwe Stock Exchange). Die Inflationsrate erreichte in dem Jahr eine offizielle Rate von 7.635 Prozent und der der Zimbabwe Industrial Index stieg von Januar 2005 bis Juli 2007 von 2.200 Punkten auf über 4 Millionen Punkte und somit deutlich schneller als die Geldentwertung des Simbabwe-Dollars in diesem Zeitraum voranschritt. Dies ist natürlich ein Extrembeispiel eines gescheiterten Staates im Süden Afrikas aber das Prinzip eines Crack-Up-Booms ist immer gleich.

Fazit

Der Aktienmarkt ist gerade dabei, in eine neue Phase einzutreten. Nicht mehr fundamentale Impulse, wie Gewinn- und Umsatzwachstum sowie starke Bilanzen beeinflussen die Entwicklung am Aktienmarkt, sondern primär die Geldpolitik.
Interessant ist nun zu beobachten, wie schnell und wie holprig dieser Übergang zur „Totalen Notenbankrallye“ erfolgt.
Für Aktionäre macht es im Grunde keinen Unterschied, warum der Aktienmarkt steigt. Gesellschaftlich erleben wir gleichwohl die Abkehr von der freien Marktwirtschaft hin zum Notenbanksozialismus, was im Zeitverlauf auch die Aktionäre tangieren wird. Bekanntlich vertragen sich Sozialismus und Eigentum nicht allzu gut, was in massiver Besteuerung oder gar Enteignung von Sachwerten münden könnte. Aber bis dahin werden noch etliche Indexpunkte an den Kurstafeln der Welt hinzukommen, wahrscheinlich sogar etliche Stellen vor dem Komma.

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24 Kommentare

24 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    4. Dezember 2019 09:54 at 09:54

    Genial zusammengefasst und auf den Punkt gebracht, nur sind Aktien dann ja illiquide, ich kann Sie höchstens die am verfallende Währung zurücktauschen oder Wie halten und zuschauen wie ich zuerst MultiMrd und dann wieder arm werde, ohne das ich einen praktischen Nurzen daraus ziehen kann gut wenn die Inflation weniger schnell als die Kursgewinne laufen konnte ich mit einem rechtzeitigen Ausstieg und Wechsel in eine Fremndwährung doch noch einen Gewinn erzielenn bzw mein Vermögen sichern, ABER was ich einfach nicht glaube ist das uns diese Möglichkeit auch bleiben wird, Schlussendlich glaube ich nicht das eine Währung dies überlebt wenn nur eine der grossen Kracht in dieser Vermetzten Welt….

    Ob die Schweizer Genies oder Wahnsinnig sind wird sich dereinst ein weisen, in abetracht dessen das auch der Schweizer Franken kollabieren könnte, hat man massenweise Werloses Papier in andere Devisen getauscht und anstatt das man alleine Devisen hält, die dann ggf gmeichzeitig Werlos werden, hat man einen Teil dessen in Aktien und Immos investiert (die es auch nach der Krise noch geben wird) und somit einen sichereren Wert darstellen könnten als Devisen….

    Es könnte sein das sich das für die Schweiz dereinst als genialer Schachzug erweist, schliesslich Besitzt die SNB heute schon 2.5% aller Unternehmen Weötweit, und man diskutiert darüber die Aktienquote zu verdoppeln….

    Würde man Gold in der Grössenordnung aufkaufen, wäre das wohl etwas auffällig im Bezug auf Misstrauen, Aktien gehen, und für eine Notenbank ist der Aktienpreis ha sakulär die Gestehungskosten von Papiergeld sind als Gegenvergleich ja NICHTs für die Notenbank inbesondere wenn Sie selbts sowieso die Rückkehr zum inneren Wert 0 erwartet…

    Insofern kann ich mir vorstellen das dass was heute sich als Wahnsinn präsentiert sich dereinst als genialer Schachzug entpuppt aber Wahnsinn und Genialität sind ja meist nur einen Grat voneinander entfernt…

  2. Avatar

    PK

    4. Dezember 2019 10:18 at 10:18

    @Zipfel
    Das war ziemlich gut geschrieben, deckt sich zu 100% mit meiner Meinung und zeigt einmal mehr, daß Aktien auch in einer ansonsten katastrophalen Umgebung nicht zwangsweise fallen müssen, wenn die Alternative – Cash – noch schlimmer ist. Das ist ein einfacher Fakt, der von ganz vielen Crash Gurus immer wieder negiert wird.

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    Lausi

    4. Dezember 2019 10:52 at 10:52

    Wahrscheinlich wird die (Hyper)-Infaltion erst kommen, wenn die Notenbanken als letztes Mittel wirklich zum Helikoptergeld greifen – also wenn das gedruckte Geld auch den „kleinen Mann“ erreicht. Ansonsten kann es durchaus auch in Richtung Deflation gehen. Die Schlacht ist mMn noch nicht entschieden. Japan als Vorreiter im Auge zu behalten, ist sicherlich nicht verkehrt.

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    T-ShirtVerkäufer

    4. Dezember 2019 13:28 at 13:28

    Eine super Zusammenfassung!
    Nur habe ich aber Zweifel, ob es zu Notenbankenrallye überhaupt kommt.

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    barthez72

    4. Dezember 2019 13:47 at 13:47

    Helikoptergeld ist doch schon da !!!!

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    barthez72

    4. Dezember 2019 14:07 at 14:07

    Nur das kommt beim „BÜRGER“ nicht an. Er BÜRGT zwar dafür ,kann es aber nicht ausgeben ,das ist DER TRICK daran.

    • Avatar

      BrettonWood

      4. Dezember 2019 15:44 at 15:44

      Darum heisst er ja Bürger, weil er Bürgen muss….

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    Notenbank - Ungläubiger

    4. Dezember 2019 19:08 at 19:08

    Könnte mir vielleicht einer dieser „NOTENBANKGLÄBIGEN“ sagen wie lange diese Aktienhausse noch dauern könnte u. bis auf welches Kursniveau ?
    Die Crash Propheten negieren, dass diesmal alles anders ist?
    Die Gläubigen der immerwährenden Aktienhausse negieren, dass diese Kurse nur durch Tiefstzinsen eine extreme Umverteilung ist u. durch Rezession oder soziale Unruhen beendet wird.Diese Befürchtungen kommen übrigens von Dickfischen wie Jamie Dimon oder Ray Dalio.Wenn es die Politik nicht regelt, wird es der Mainstream machen.Der Klima Hype wurde ja auch nicht von der Politik ausgelöst.

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      Dorinella

      5. Dezember 2019 09:09 at 09:09

      Die Hausse endet erst dann, wenn die Fed die Zinsen wieder anhebt. Vorher wird der Markt durch Trump und Co weiter manipuliert und hoch gehalten.
      Wenn die Zölle am 15.12. kommen … und das werden sie … und die Preise für Alltagsgüter anziehen, gerät die FED in eine Zwickmühle. Bei höherer Inflation eigentlich Zinsen rauf !! Geht aber nicht.

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    Shorti

    5. Dezember 2019 16:02 at 16:02

    @ Drinella,haben sie vielleicht die Informationen von W.Müller Markus Fugmann über die tickenden Zeitbomben der Untenehmensanleihen verpasst. Dort gibt es in den nächsten 2 Jahren tonnenweise auslaufende tiefverzinste BBB Anleihen die erneuert werden müssen . Könnten Sie mir sagen wer die kauft u.wie man dort die Zinserhöhung verhindern könnte.

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      Chris

      5. Dezember 2019 19:28 at 19:28

      @Shorti so wie es aussieht, wurde da jede Menge verpasst. Viel Halbwissen, noch mehr bla, bla und kaum Bestand. Denken Sie, Sie bekommen eine halbwegs fundierte Antwort?

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        Dorinella

        5. Dezember 2019 19:52 at 19:52

        @Chris … Warten Sie es doch erst mal ab, wie mein „ Halbwissen und mein bla bla „ sich in Zukunft hier so darstellen wird …

        • Avatar

          Claudia

          5. Dezember 2019 22:47 at 22:47

          @Dorinella, auch hier ein*e Kommentator*in mit eher provokativen statt argumentativen Stärken. Lassen Sie sich von dem sinnfreien Gesülze einiger weniger Trolle nicht mürbe machen, sonst verlieren Sie ganz schnell die Lust und Energie, auf dieser prinzipiell sehr seriösen und interessanten Plattform aktiv teilzuhaben. Ich fände das sehr schade, nachdem sich außer den üblichen Dauerbeton-Kommentatoren, GEZ-Paranoiden und Bretton-Markos kaum mehr jemand zu Wort melden wagt.

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            Dorinella

            6. Dezember 2019 08:53 at 08:53

            Vielen Dank für Ihre Antwort, ich werde sie beherzigen.

          • Avatar

            Chris

            6. Dezember 2019 10:31 at 10:31

            „sinnfreie Gesülze einiger weniger Trolle“
            Punktlandung!

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      Dorinella

      5. Dezember 2019 19:39 at 19:39

      @shorti…meine Einschätzung hierzu ist folgende : ich glaube, dass Powell auch im Hinblick der „ Zombifirmen“ oder „ gefallene Engel“ seine jüngste Kehrtwende vollzogen hat !
      Im Moment ist es doch noch so, dass Anleger so ziemlich alles kaufen, was auf dem Markt ist. Das würde sich wahrscheinlich für diese Unternehmen drastisch ändern, wenn sie in den „ Hochzinsbereich“ abrutschen.
      Ich denke auch, dass sie eine tickende Zeitbombe darstellen. Und auch, dass wenn sich keine Käufer für diese Anleihen mehr zu finden sind, sie möglicherweise von speziell dafür ausgerichteten Firmen billig aufgekauft werden, die diese dann zerschlagen und in Teilen weiter veräußern. Es sei denn, sie haben die Chance, zu fusionieren. Was wohl den wenigsten gelingen wird.

      Nein. Ich glaube nicht, dass hier die Zinsen niedrig gehalten werden können.
      Es kommt auch immer auf die Zahl der dann verlorenen Arbeitsplätze an. Und ob es im Falle einer drohenden großen Arbeitslosigkeit nicht Sinn machen würde, dass hier der Staat einspringt. Ford zB. ist ja gerade im Gespräch als solches Unternehmen mit BBB -Anleihen.
      Kleinere oder unbedeutende Fiirmen denke ich, werden aufgekauft, um zerschlagen zu werden.

      Sollte aber durch Trumps Zölle auf Altagsgüter am 15.12 in Kraft treten… und die Inflation steigt über 2%… kommt die FED in Erklärungsnot ! Obwohl … sie hat ja bereits angekündigt, ein Überschreiten der 2% wäre noch nicht tragisch …
      klar … alles im Hinblick auf diese „ Zombifirmen „
      Genauso wie die EZB die Zinsen nicht anheben kann, denn dann kommt Italien ins Mega-Schwitzen.

      Also Schlussfazit : Die Zinsen kann die FED in Zukunft nicht wieder anheben.

      • Avatar

        Petra

        5. Dezember 2019 22:23 at 22:23

        @Dorinella, vor etwa 10 Jahren hätte man noch gesagt und zugelassen, dass man sich in einer ganz normalen Rezession befindet, in der schwache und kränkelnde Volkswirtschaftsobjekte wie überschuldete Staaten, Unternehmen und Privatpersonen ohne tragfähigen Tilgungsplan ausgemerzt werden. Seit den massiven und einseitig motivierten Erstschlägen von Mario Draghi 2014 und Donald Trump 2017 hat man sich völlig unverantwortlich ohne jegliches Risikomanagement auf neues und unerforschtes Gebiet begeben. Keine Ahnung von den Auswirkungen, kein Plan B, keine Auswege zurück. Kapitalismus in reinster Form zum Wohle der Aktienmärkte, Konzerne und Superreichen. Und gleichzeitig eine fast obszön und paradox konträre Schuldzuweisung für alle negativen Auswirkungen in Richtung der zusehends verschwindenden und unbedeutenden sozialen oder kritischen Bewegungen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. God bless Capitalica!

        • Avatar

          sabine

          6. Dezember 2019 08:04 at 08:04

          „Kapitalismus in reinster Form?“ Ich glaub, Sie haben sich verschrieben. Es müßte heißen, Kommunismus in schleichender/heimlicher Form. Auch wenn die da oben und die Qu-Medien sagen, es sei Kapitalismus.
          1. Kapitalismus heißt, Kapital wird dort investiert, wo es sich lohnt. Lohnen heißt direkter Gewinn oder Zinsen. Der Nachteil ist, daß bei einer Absolutsetzung dieses Vorgangs das Menschliche verloren geht. Geld ist eine Versuchung. Es geht dann – mehr oder weniger – nicht mehr um Moral oder Verteilung des zuviel (!!!!) an die, die zuwenig haben.
          2. Gegen diesen Nachteil setzen die Gutmenschen und grauen Emminenzen im Hintergrund ein System, daß „menschlich“ regiert, indem sie das Eigentum einschränken, einsacken und/oder verbieten, die Staatsquote erhöhen (vom Schutzstaat zum ausgabenintensiven Wohlfahrtsstaat – „Ab 50% haben wir Sozilismus“ sagt Helmut Schmidt – und das haben wir schon lange.) Das begeistert braune und rote Sozialisten, die dies System immaniert haben: Gutsein durch Zwangsstaat. Man kann gar nicht anders und darf dabei helfen.
          https://www.handelsblatt.com/politik/international/niall-ferguson-im-interview-der-sozialismus-ist-bislang-immer-gescheitert-wirtschaftshistoriker-warnt-vor-linksruck/24312278.html
          Was fordern die Grünen in der Klimahysterie: Wir müssen die anderen Meinungen verbieten!
          Eine Grüne hatte damals schon bei der bösen Ablehnung der Masse der Riesterrente gesagt, man müsse die Leute dann eben dazu zwingen. Ein anderer Grüner widersprach: Die Riesterrente sei so kompliziert wie ein Schaltplan eines Atomkraftwerkes.
          3. Die Zombiefirmen sind das genaue Gegenteil von „lohnt“! Vetternwirtschaft und das richtige Parteibuch im ganz großen Stil … sind die Folgen. Berlin-Flughafen z.B. Natürlich gibt es auch im Kapitalismus Vetternwirtschaft – Absprachen – Kartelle. Aber das wird im Kapitalismus durch Ordnungsämter verhindert oder versucht. Die EU heimst dann immer Millionen/Milliarden ein und die Verantwortlichen legen diese Kosten auf die Produkte um und machen weiter.
          Im Sozialismus verhindert das niemand mehr. Wie auch. Wer soll denn dem Staat auf die Finger klopfen? Man kommt sofort mit der Easy-Keule, politisch unkorrekt, Konterrevolutionär, Kapitalist …

          • Avatar

            sabine

            6. Dezember 2019 08:10 at 08:10

            Mit „zuviel“ mein ich in Deutschland automatische Garagentore, 1-Meter-Bildschirme, KReuzfahrten, E-Autos, Gartenzäune, neue Küchen. Das ist alles absolut unnötig! Denn eine Sklavenbefreiung im Sudan kostet etwa 150€. Und man ändert ein menschliches Leben um 1.000%. Zum Beispiel!
            https://csi-de.de/artikel/nach-17-jaehriger-sklaverei-endlich-frei/

          • Avatar

            Petra

            6. Dezember 2019 12:21 at 12:21

            Wenn ich von Kapitalismus spreche, meine ich nicht die überkommenen Schönredner-Begriffe aus dem letzten Jahrtausend, sondern die „modernen“ Formen, wie sie sich vor allem im aktuellen Jahrtausend manifestiert und etabliert haben.

            Turbokapitalismus und Raubtierkapitalismus sind eine Form des Kapitalismus, die durch alleinige Ausrichtung an ständiger Profitmaximierung von Unternehmen unter Ausschluss anderer, insbesondere sozialer Aspekte geprägt sei. Dieser habe durchaus auch positive Folgen, führe aber zu einer immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen Arm und Reich, was zu vielen politischen Risiken führe. Helmut Schmidt bezog den Ausdruck auf den rücksichtslosen Gebrauch der Macht einiger Manager großer Verbände, Konzerne, Geldinstitute und Medienunternehmen. 2007 sprach er von Raubtierkapitalismus im Zusammenhang mit Hedgefonds und Private-Equity-Häusern. Aus den Spekulanten, die aus der Freigabe der Wechselkurse Profite gezogen hätten, seien Zehntausende geworden, die international auf alle nur denkbaren künftigen Ereignisse spekulierten.

            Überwachungskapitalismus
            Während „Überwachung“ (Surveillance) in der Regel von staatlichen Stellen und von den Geheimdiensten ausgeht, haben sich im Internet und darüber hinaus marktbeherrschende Unternehmen etabliert, die über die Internetnutzung, Nutzung von Social Medias (Sozialen Medien), Telefonen, Fernseher, WLANs, Smart Homes, Kraftfahrzeugen und dem Internet der Dinge sowie über vielfältige Sensoren Benutzerdaten erfassen und diese über Big Data (Massendatenverarbeitung) analysieren, verarbeiten und für sich und andere Marktteilnehmer aufbereiten und nutzen. Die so erfassten Nutzerdaten gehen über das hinaus, worüber staatliche Behörden in der Regel verfügen, und da die Erfassung der Daten zielgerichtet und systematisch erfolgt, gleicht dies einer Überwachung zur Marktkapitalisierung der Nutzerdaten bei gleichzeitiger Entmündigung ihrer eigentlichen Besitzer.

            Kasino-Kapitalismus bezeichnet einen Zustand des globalen, weitgehend kapitalistischen Wirtschaftssystems, der durch krisenanfällige, weltweit vernetzte Finanzmärkte geprägt wird. Im Kasino-Kapitalismus haben sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft abgekoppelt, indem die Finanzierung von Wertschöpfung gegenüber hoch spekulativen Finanzmarkttransaktionen in den Hintergrund getreten ist. Daraus entständen regelmäßig Finanzkrisen, die sich teilweise verheerend auf die Realwirtschaft auswirkten. Die meisten Spekulanten befassten sich demzufolge wesentlich damit, der Bewegung der Masse ein kurzes Stück vorauszueilen, wobei langfristige Überlegungen naturgemäß keine Rolle spielen. Demnach erfolgen viele Anlageentscheidungen, d. h. die Allokation von finanziellen Ressourcen, nach Gewinnstrategien, die einem Glücksspiel angemessen seien. Die Finanzmärkte hätten dadurch die Tendenz, sich von der Realwirtschaft abzukoppeln. Die eigentliche Aufgabe des Finanzmarktes, nämlich realwirtschaftliche Investitionen zu finanzieren und damit den Akkumulationsprozess der Volkswirtschaft sinnvoll zu steuern, werde so nur noch eingeschränkt erfüllt.

            Der Finanzmarkt-Kapitalismus löst den traditionellen Manager-Kapitalismus ab (siehe dazu James Burnham). Er ist durch eine spezifische Konfiguration von ökonomischen Institutionen geprägt. Zu diesen Institutionen zählen: die Aktienmärkte, die Investmentfonds (als Eigentümer), Finanzanalysten und Ratingagenturen (boundary roles) sowie Transfermechanismen (z. B. feindliche Übernahmen). Das Zentrum der Steuerung im Finanzmarkt-Kapitalismus bilden die Aktienmärkte. Sie bieten eine besondere Gelegenheitsstruktur für Opportunismus (Moral Hazard), weil sie eine Transformation von Unsicherheit in Risiko nur fingieren. Für Windolf sind die „neuen Eigentümer“ die Investmentfonds, welche in den USA bereits die Mehrheit an den großen Aktiengesellschaften besitzen. Der operativen Logik der Finanzmärkte unterworfen, zwingen sie Staaten und Unternehmen zu kurzfristigen Strategien der Profitmaximierung und Renditensteigerung. Finanzanalysten und Ratingagenturen besetzen in diesem System wichtige boundary roles, die Unsicherheit in Risiko umwandeln. Als spezifische Transfermechanismen für feindliche Übernahmen identifiziert Windolf den Markt für Unternehmenskontrolle, Aktienoptionen und Shareholder Value.

            https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus#Varianten_des_Kapitalismus_in_der_Diskussion
            und darin verlinkte Begriffe

        • Avatar

          Dorinella

          6. Dezember 2019 09:20 at 09:20

          @Petra…Hallo. Danke für Ihre Antwort. Ja, wir befinden uns in einem Teufelskreis, der sich immer schneller dreht. Meiner Meinung nach hatte Draghi, als er anfing die Zinsen zu senken und Staatsanleihen anfing zu kaufen, gar keine andere Wahl. Griechenland drohte, aus der EU auszutreten. Das wäre die absolute Kathastrophe gewesen für ALLE, hauptsächlich aber für Deutschland. Bei sowas kommt das Thema „Target-System“ wieder auf den Tisch. Italien auch nicht besser, Spanien ebenfalls problematisch. Diese Länder wurden etwas aufgefangen durch Draghi. Die grossen Banken in diesen Ländern haben aber immer noch grosse Probleme. Wir sitzen im Verbund ( EU ) eigentlich alle auf einem riesen Pulverfass. Jetzt kommt erschwerend die Klimadebatte hinzu, die auch unglaublich teuer wird.
          Eigentlich brennt es an allen Ecken und Enden. Und es werden nur Löcher gestopft. Trotzdem wird alles irgendwie zusammengehalten. Deutschland befindet sich mal einen Monat in Resession, den nächsten wieder nicht usw. Die Autoindustrie kämpft gerade massiv. Früher hätte hier Merkel SOFORT eingegriffen ! Das tut sie aber jetzt nicht mehr, da sie wohl von den Bürgern gelyncht würde, da die Autoindustrie uns in letzter Zeit soooo über den Tisch gezogen hat. Hier werden eine ganze Menge Jobs verloren gehen, vor allem in der Zuliefererbranche. Das nächste Problem ist dann die Immobilienblase…..usw usw…

  9. Avatar

    Shorti

    6. Dezember 2019 01:15 at 01:15

    @ Dorinella, aber bitte ,Alles richtig, aber sie schreiben, die Hausse endet dann wenn die Fed die Zinsen anhebt.Aber die Zinsen der Unternehmensanleihen macht der Markt u.nicht die FED ,wie schon von W.Müller beschrieben.Une wenn die vielen Zombifirmen fallen, wird der ganze Aktienmarkt leiden.Übrigens der Russel 2000 ( Index der kleineren Firmen) ist schon länger am Fallen.
    P.S Sonst gute Einschätzung von einem Jungtalent auf F.M.W ? Viele Börsenspezialisten mit gefühlten 100Jahren Börsenerfahrung haben ihre realistische Einschätzung noch nicht begriffen..
    @ Columbo hatte Recht, mit der Aufforderung, öfter zu schreiben..

    • Avatar

      Dorinella

      6. Dezember 2019 08:47 at 08:47

      @shorti…Vielen Dank für das Kompliment, darüber freue ich mich sehr. Mit dem Ende der Hausse meinte ich die am Aktienmarkt. Und die würde abrupt enden, wenn die Fed jetzt wegen Überschreitung der Inflationsgrenze die Zinsen wieder anheben müsste. Was sie ja aber schon abgepuffert hat, so nach dem Motto….“ wir sind auf die 2 %-Marke gar nicht mehr so fixiert“
      Dass die Zinsen für die Unternehmensanleihen macht, weiss ich wohl. Und hier wird es echt brenzlig, wenn sie in den Hochzinsbereich kommen. Einen schönen Nikolaustag wünsche ich.

      • Avatar

        Dorinella

        6. Dezember 2019 09:36 at 09:36

        @shorti…oh je…Wort vergessen…dass die Zinsen für die Unternehmensanleihen DER MARKT macht….weiss ich wohl.

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktien

Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

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Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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