Kommt es zum bekannten Phänomen „Sell on good news“ am Mittwoch Abend, wenn die US-Notenbank die Zinsen wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte senkt? Denn die Aktienmärkte sind in letzter Zeit sehr gut gelaufen, stets mit der Begründung von Analysten und Händlern, dass man die bevorstehenden sinkenden Fed-Zinsen einpreist. Aktuell haben sich mehrere Top-Strategen der Wall Street geäußert.
Aktienmärkte: Große Prüfung Fed Mittwoch Abend
Führende Wall-Street-Strategen sagen, dass die rekordverdächtige Rally der US-Aktienmärkte nach der erwarteten Zinssenkung der Federal Reserve am Mittwoch vorübergehend an Schwung verlieren könnte. Strategen von Morgan Stanley, JPMorgan und Oppenheimer Asset Management warnen aktuell laut Bloomberg, dass eine vorsichtigere Haltung die optimistische Stimmung ablösen könnte, da sich die Anleger stattdessen auf eine mögliche Konjunkturabkühlung konzentrieren.
Die Erwartungen einer Lockerung der Geldpolitik durch die Fed haben dem S&P 500, dem Leitindex für die US-Aktienmärkte, der sich nahe seinem Rekordhoch befindet, einen Großteil seines jüngsten Aufschwungs verliehen. Es wächst jedoch die Sorge, dass eine Senkung um 25 Basispunkte am Mittwoch nicht ausreichen wird, um der Abkühlung des US-Arbeitsmarktes entgegenzuwirken. Die Anleger versuchen auch weiterhin, die Auswirkungen der Zölle auf die Inflation einzuschätzen, die weiterhin über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt.
„Das kurzfristige Risiko konzentriert sich auf die Spannung zwischen den rückläufigen, schwachen Arbeitsmarktdaten und der Reaktion der Fed, die möglicherweise nicht dem ‚Bedarf an Schnelligkeit‘ der Märkte entspricht“, sagte Michael Wilson von Morgan Stanley. Dennoch empfiehlt er, bei Kursrückgängen der Aktienmärkte zu kaufen. In seinem optimistischsten Szenario sieht er den S&P 500 bis Mitte 2026 um 9 % auf 7.200 Punkte steigen.
Die Strategen von JPMorgan sagten, dass die Aktienmärkte zwar die schwachen Indikatoren ignoriert und mehrere Rekordhöhen erreicht haben, sich dieser Trend jedoch umkehren könnte, sobald die Fed 2025 ihre erste Zinssenkung vornehme. „Sobald die Lockerung wieder aufgenommen wird, könnten die Aktien etwas vorsichtiger werden und weitere Abwärtsrisiken einpreisen, wodurch die derzeitige, möglicherweise selbstgefällige Haltung neu bewertet würde“, schrieb ein Team unter der Leitung von Mislav Matejka.
Es gibt auch Optimisten
Die Warnungen stehen im Widerspruch zu der allgemein optimistischen Stimmung gegenüber US-Aktien. Der S&P 500 ist in diesem Jahr um 12 % gestiegen, angetrieben durch Gewinne der großen Technologieunternehmen. Eine Reihe von Strategen, darunter die Deutsche Bank und Barclays, haben ihre Jahresendziele für den S&P 500 in diesem Monat angehoben und verwiesen dabei auf robuste Unternehmensgewinne und den Hype um künstliche Intelligenz.
Auch bei Oppenheimer AM sagte Chief Investment Strategist John Stoltzfus, dass etwaige Rückgänge nach der Zinssenkung der Fed sowohl in ihrem Ausmaß als auch in ihrer Dauer begrenzt sein dürften, solange die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft stabil bleiben. „Sollte die Fed sich wie von den meisten erwartet für eine Senkung um nur 25 Basispunkte entscheiden, könnte der Markt nach dieser Nachricht etwas schwächer reagieren, nachdem er die Aktienmärkte in Erwartung einer solchen Zinssenkung auf neue Rekordhöhen getrieben hat”, schrieb er in einer Mitteilung.
FMW/Bloomberg
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…vielleicht kommen ja auch gar keine guten Nachrichten und dann heißt es „buy on bad news“…