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Aktien

Aktienrückkäufe – die Party neigt sich dem Ende zu

Hannes Zipfel

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Aktienrückkäufe sind ein beliebtes Instrument, um die Bonuszahlungen der Top-Manager von US-Konzernen in die Höhe zu treiben. Da die Kaufprogramme jedoch prozyklisch eingesetzt werden, verstärken sie den Trend der Aktienmärkte in beide Richtungen.

Aktienrückkäufe sind ein zyklisches Geschäft

Solange der Aktienmarkt- und Ertragszyklus aufwärtsgerichtet ist, neigen die Manager der Konzerne aus dem S&P 500 zu massiven Rückkaufprogrammen, gern auch fremdfinanziert. Je später der Zyklus, umso stärker wird die Anzahl ausstehender Aktien reduziert. Dies geschieht selbst dann noch, wenn die Gewinne schon einbrechen. Besteht in der anschließenden Rezession jedoch wieder Kapitalbedarf, dreht sich der Zyklus um und es werden zur Deckung des Eigenkapitalbedarfs neue Aktien emittiert (die Anzahl ausstehender Aktien steigt wieder an).

Dieses Phänomen kann man aktuell erneut beobachten. Schaut man zunächst zurück auf den letzten vollständigen Aktien- und Gewinnzyklus von 2003 bis 2009, sieht man die Spätzyklik der Aktienrückkaufprogramme sehr gut (ausstehende Aktien orange vs. Gewinne blau).

Aktienrückkäufe in Relation zu den Unternehmensgewinnen

Im aktuellen Zyklus befinden sich die an der Börse gelisteten US-Unternehmen bereits mitten in der Gewinnrezession, dennoch werden die Aktienrückkäufe in diesem Jahr mit voraussichtlich 940 Milliarden US-Dollar das zweithöchste Dollar-Volumen aller Zeiten erreichen. Im Jahr 2018 waren es noch rekordhohe 1,08 Billionen US-Dollar.

Ohne Berücksichtigung der Aktienverknappung wären die Gewinne bei den S&P 500 Unternehmen im ersten Halbjahr 2019 bereits mit 5,6 Prozent rückläufig. Auch im abgelaufenen dritten Quartal werden in der Größenordnung von 3,4 Prozent Gewinnrückgänge erwartet, allerdings pro Aktie – auf Ebene der Konzerne wird es noch schlechter aussehen.

Da die Börse stets in die Zukunft blickt, sollte man drei sich überlagernde Effekte im Auge behalten: Erstens ist der starke Anstieg der Aktienrückkäufe seit Anfang 2018 maßgeblich auf außerordentliche Mittelzuflüsse durch Steuereffekte zurückzuführen, die sich sukzessive zurückbilden (daher die in diesem Jahre bereits rückläufigen Buyback-Volumina). Wie stark die aus der Steuerreform der Trump-Administration zufließenden Mittel die Aktienrückkäufe befeuert haben, kann man an folgendem Chart sehen (hellblaue Kurve):

Aktienrückkäufe auf Pump

Zweitens sinken konjunkturbedingt die freien Cashflows der Unternehmen, aus denen ebenfalls Rückkäufe finanziert werden können. Drittens wird es für die enorm verschuldeten US-Unternehmen immer schwieriger, Aktienrückkäufe durch die Aufnahme zusätzlichen Fremdkapital zu finanzieren:

Gesamte US-Unternehmensschulden

Beispiel Microsoft

Da besonders international tätige Tech-Konzerne mit sehr hohen Cash-Beständen im Ausland von der steuerbegünstigten Repatriierung von Überseevermögen im Zuge der Steuerreform profitiert haben, kann man in diesem Sektor den Sondereffekt am deutlichsten sehen: Erst vor knapp zwei Wochen, also am 18. September, kündigte Microsoft ein neues 40 Mrd. Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm an. Dies entspricht knapp 4 Prozent aller ausstehenden Aktien des Softwaregiganten. Eine Woche vorher kündigte bereits Oracle ein ebenfalls gigantisches neues Rückkaufprogramm in Höhe von 15 Mrd. US-Dollar an, im Zuge dessen sage und schreibe 8,4 Prozent der ausstehenden Aktien vom Markt weggekauft werden sollen. Aber es geht noch krasser: Alliance Data Systems, ein Anbieter von datenbasierten Kundenbindungs- und Direktmarketing-Services, hat Anfang September ein neues Aktienrückkaufprogramm über 14,2 Prozent aller ausstehenden Aktien angekündigt.

Und so wundert es auch nicht, dass besonders die Manager von Tech-Konzernen mit der Verknappung der Aktienanzahl ihre Boni erhöhen wollen, die u. a. an den Gewinn pro Aktie sowie die Performance des Aktienkurses gekoppelt sind (Hellgrün = Information Technologies Sektor).

Aktienrückkäufe S&P 500

Ganz aktuell wird dem Markt diese Sondernachfrage temporär entzogen, da während der Berichtssaison die Aktienrückkäufe ausgesetzt werden müssen. Der Hochpunkt dieser sogenannten Black-Out-Period steht vom 10. bis 17. Oktober an. Da der Oktober ohnehin anfällig ist für Korrekturen und die Unternehmens-Ergebnisse im S&P 500 in Summe signifikant unter denen des Vorjahres liegen werden, könnte der Oktober seinem Ruf gerecht werden und den Aktienmärkten genau wie im Vorjahr um die gleiche Zeit hohe Volatilität bescheren. Damals verlor der Index vom 10. bis zum 29. Oktober 2018 ganze 286 Punkte oder knapp 10 Prozent. In diesem Jahr muss man noch berücksichtigen, dass sich am Ende der nächsten Woche die Handelskrieger aus Washington und Peking zu Verhandlungen treffen, an die bereits sehr hohe und mehrfach in die Kurse eingepreiste Erwartungen geknüpft sind.

Fazit

Jede Party ist irgendwann zu Ende und es folgt der Kater. Im Fall der Aktienrückkäufe könnte das im Worst-Case-Szenario bedeuten, dass sich in den kommenden Quartalen bei einer zunehmenden Anzahl von Unternehmen nicht mehr die ausgewiesenen Gewinne auf eine reduzierte Anzahl von Aktien verteilt, sondern umgekehrt die Verluste. Dann würde sich der bisher angenehme Effekt steigender Gewinne pro Aktie bei gleichzeitig stagnierenden oder fallenden Gewinnen auf Konzernebene umkehren und die Verluste würden pro Aktie schneller steigen, als auf Konzernebene. Damit hätte sich dann auch das Motiv der Top-Manager ganz schnell erledigt, eigene Aktien zurückzukaufen.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Beobachter

    1. Oktober 2019 21:40 at 21:40

    Sehr gut Herr Zipfel, sie haben das Talent Vorgänge wie Aktienrückkäufe einfach zu erklären dass es jedes Kind versteht.Leider würde auch jedes Kind fragen warum machen sie das? Es ist sehr kurzfristiges Denken,
    wenn Bonussysteme die Manager animieren die Börsenkurse zu treiben, u.dies noch auf Kredit.Wie sie erwähnen wirkt es trendverstärkend in beide Richtungen.Welch ein Knall muss es geben, wenn fallende Gewinne oder sogar Verluste auf weniger Aktien aufgeteilt werden.
    Da mit dem bewussten Aushöhlen von Firmen keine Firma langfristig überleben kann wird auch die oft diskutierte Langfristanlage ( wie z.B. Buffett) hinfällig.Leider war die Politik nicht fähig nach der letzten Krise
    diese Misstände zu beseitigen.Ohne drastische Änderungen wird es soziale Unruhen geben.Wenn Manager Firmen in den Ruin treiben u.in wenigen Jahren mit Boni u.Abfindungen für immer saniert sind ,während die Belegschaft um die Existenz kämpft, kann das nicht gut enden.Bei der nächsten Krise wird der Mainstream
    diese Leute in die Enge treiben.
    Herr Zipfel ihre Beiträge sind der Gipfel!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – das Problem mit den aktuellen Zockereien

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die Zockereien der letzten Tage, und warum dies im großen Bild gesehen ein Problem für die Börse ist.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Kleinanleger verprügeln Short-Seller – Werbung

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Lieber Börsianer,

kennen Sie eigentlich schon das neue Online-Spiel, das seit einigen Tagen mit wachsender Begeisterung in den USA gespielt wird? Es heißt „Hau den Short-Seller“. Für den Fall, dass Sie auch einmal mitmachen möchten, hier kurz die Spielregeln.

In der Reddit-Gruppe „Wall Street Bets“ (Wall Street Wetten) einigen Sie sich mit Ihren Mitspielern – rund 3,5 Millionen sind dort derzeit – darauf, dass alle ein und dieselbe Aktie kaufen. Vor einigen Tagen vereinbarte man dort den konzertierten Kauf der Aktie des US-Einzelhändlers GameStop. Dem Unternehmen, das Videospiele in einigen tausend stationären Niederlassungen in den USA verkauft, geht es aufgrund des Lockdowns gar nicht gut. Am Markt gehen Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz um.

Deshalb haben diverse Hedgefonds diese Aktie leerverkauft bzw. geshortet. Diese Short-Seller sind übrigens Ihre Gegenspieler, die Sie aus der Aktie drängen möchten. Sie geben also mit Ihren digitalen Freunden von Reddit solange Kaufkraft in die Aktie, bis die Short-Seller richtig quietschen. Am Ende kippt der Short-Seller dann um und stellt seine Short-Position glatt. Zu Deutsch: Er muss nun ebenfalls die Aktie kaufen. Spätestens dann wird das Spiel für Sie richtig lustig.

Börsianer bezeichnen ein solches Phänomen, wenn der Short-Seller plötzlich auf die Käuferseite wechseln muss, auch als Short-Squeeze. Das Ergebnis: Die Aktie der GameStop legte gestern um 134 % zu. Auf Wochensicht liegt der US-Nebenwert mit 783 % im Plus.

Die Reddit-Gruppe hat daneben bereits die Aktie des US-Kinobetreibers AMC Entertainment hochgekauft (566 % in einer Woche) und damit den Short-Seller Melvin Capital zur Strecke gebracht. In der Branche wird gerade…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Shortsqueeze: Shortselling – so gefährlich wie selten zuvor!

Junge Trader handeln Aktien mit einer hohen Shortquote – und bringen Hedgefunds durch einen Shortsqueeze an den Rand des Abgrunds!

Wolfgang Müller

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Es war die Meldung des gestrigen Tages an der Wall Street: Der Hedgefonds Melvin Capital hat sein Engagement bei GameStop beendet, damit seine leerverkauften Aktien zurückgekauft, als Opfer eines Shortsqueeze hat Melvin Capital gewaltige Verluste eingefahren.

Sicherlich das Extrem in einer Entwicklung, die aber schon längere Zeit zu beobachten ist. Wetten auf fallende Kurse – Shortselling – sind derzeit gefährlicher denn je! Ein Überblick über das Coronajahr 2020 offenbart ein Fiasko.

Shortsqueeze: Eine Idee macht Schule

GameStop ist kein Einzelfall. Die jungen Trader der Generation RobinHood haben aus ihren Erfolgen anscheinend den Schluss gezogen, dass man bei Aktien mit einer hohen Shortquote sehr leicht Gewinne einfahren kann – durch einen Shortsqueeze, der Leerverkäufer zu Eindeckungskäufen zwingt. Durch organisierte Käufe von Aktien und Optionen, die die Shortseller unter Druck bringen. Diese müssen ihre Positionen schließen, sprich die Aktien kaufen und die Spirale dreht sich weiter nach oben. So realisiert beim Kinobetreiber AMC Entertainment oder beim Einzelhändler Bed Bath & Beyond. Der Name für das Spiel heißt Shortsqueeze, ein Begriff, der bei Google im Januar mit dem Faktor 15 nachgefragt wurde und dreimal so oft, wie beim bisherigen Hoch.

Generation Z oder doch Y?

Vermutlich Letztere, denn die unter 25-Jährigen haben wohl mehr mit ihren Studentenkrediten zu tun, von denen viele unter Wasser stehen. Das Durchschnittsalter der 13 Millionen RobinHooder ist zuletzt leicht über 31 Jahre gestiegen, entsprechend dem Median der Generation Y. Da die durchschnittliche Depotgröße vor Kurzem noch bei unter 5000 Dollar lag, bedeutet, dass es schon großer konzertierten Aktionen bedarf, um Marktbewegungen auszulösen. Deshalb auch das große Interesse an Pennystocks und Werten mit einer kleinen Marktkapitalisierung. Bei einer über 3000 Dollar schweren Amazon-Aktie wird man mit diesen Depotgrößen nicht so viel ausrichten, ist ein Shortsqueeze viel schwieriger in Gang zu setzen.

Die Verluste der Shortseller

Wie oft hatte der Finanzdienstleister S3 im letzten Jahr über die Höhe der Shortquote bei Tesla berichtet? Ein ständiger Quell für Kursanstiege, weil es dem Marketingtalent Elon Musk immer wieder gelungen war, seine Fangemeinde zu begeistern. Seine Wut auf die Shortseller hatte ihn vor zwei Jahren fast um seinen CEO-Posten gebracht. Hat er vielleicht die Gelegenheit genutzt, um sich mit seinen Twitter-Botschaften (GameStonk u.a.) verspätet zu rächen? Jedenfalls haben Shortseller im Jahr 2020 mit Tesla 40 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, der höchste Verlust, der je mit einem US-Unternehmen erzielt wurde. Das war der bisher größte Shortsqueeze aller Zeiten!

Auf den nächsten Plätzen in der Rangliste Apple (-6,7 Mrd.), Amazon (-5,78 Mrd.), Pinduodo (-4,74 Mrd.) und Square (.4,70 Mrd. Dollar).

Insgesamt kommt S3 Partners auf Verluste in Höhe von 240 Milliarden Dollar.

Bescheiden hingegen die Gewinne der Shorties: Exxon Mobile (1,29 Mrd.), AT&T (1,26 Mrd.) und Raytheon (1,20 Mrd. Dollar). Da war in Deutschland bei einer Wirecard vermutlich mehr zu holen.

Für einige Hedgefonds wurde es durch die Aktionen der Bubble-Boomer, wie FMW sie bezeichnet, so richtig gefährlich. Hedgefonds mussten sich gegenseitig helfen, um eine gigantische Pleite zu verhindern. Citadel und Point72 Asset Management sahen sich gezwungen, 2,75 Milliarden Dollar in Melvin Capital Management zu investieren, um das Schlimmste abzuwehren.

Bloomberg berichtet, dass Melvin Capital mit seinen aggressiven Strategien seit 2014 durchschnittlich 30 Prozent Rendite erwirtschaften konnte. Zu Beginn des Jahres war es noch ein verwaltetes Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar, der Verlust der letzten Tage wird auf ebenso 30 Prozent geschätzt.

Was man auch nicht vergessen sollte: Von den bis zu 10.000 Hedgefonds, die es weltweit gibt, gehen jährlich Hunderte pleite, die aggressive Strategien fahren, die ihnen immer wieder auf die Füße fallen. Über die redet keiner, wenn es um die Bilanz der Superfonds geht, die bis zu 20 Prozent Gewinnbeteiligung verlangen konnten – die so genannten versunkenen Geheimnisse. Und in diesen Zeiten geht man einfach besonders risikoreich zu Werke. Short-Strategien, mit über 100 Prozent der verfügbaren Aktien (durch naked shortselling – oder ungedeckte Leerverkäufe) – es ist ein Spiel mit dem Feuer, welches mitunter durch einen Shortsqueeze gewaltige Verluste produziert.

Fazit

Das Finanzkonstrukt Leerverkauf ist nicht nur durch die Sondersituation Corona sehr riskant geworden. Die gemeinsamen Aktionen der Jungen Zocker hat eine große Dimension erreicht, die aber bald die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen wird. Es handelt sich bei organisierten Aktionen, einen Shortsqueeze auszulösen, schlichtweg um Marktmanipulation. Bei aller Verwunderung über die Kursexplosion und den explosiven Anstieg von GameStop im Januar von über 1000 Prozent: es geht bei diesem Nebenwert „nur“ um eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar.

Der S&P 500 hat eine Marktbewertung von 33.000 Milliarden Dollar und richtig marktbewegend sind natürlich Kursveränderungen von Tesla oder Facebook, wie zum Beispiel um 5 Prozent nach den gestrigen Zahlen nachbörslich. Nur fünf Prozent, aber bereits eine Veränderung um 75 Milliarden Dollar. Wie bereits dargestellt, die große Korrektur dürfte von den Big Seven ausgehen, die allein das Doppelte auf die Waage bringen, als alle Aktien im Russel 2000 zusammen.

Shortseller leben aktuell gefährlicher denn je - es droht der Shortsqueeze!

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