Aktien

Über menschliche Blödheit am Beispiel von Aktienrückkäufen

Von Markus Fugmann

Hat Wirtschaft etwas mit Logik zu tun? Phasenweise. Aber derzeit wiederholt sich ein Muster, das zutiefst unlogisch ist – und weil Unlogik offenbar eine der zuverlässigsten Konstanten der menschlichen Existenz ist, erleben wir nun aktuell ein immer wiederkehrendes Schema des konzentrierten Unsinns.

Es geht um Aktienrückkäufe. Als die Aktienmärkte auf hohen Höhen notierten und so richtig schön teuer waren, dachten sich viele US-Unternehmen: wenn wir nicht wissen, wohin mit dem Cash, dann kaufen wir eben eigene Aktien zurück. Sehr zum Wohl der eigenen Aktionäre, sehr zum Unwohl der weiteren Entwicklung eines Unternehmens, weil sich sinnvollere Investitionen finden dürften als Aktienrückkäufe. Etwa die Forschung. Ein Musterbeispiel für dieses Verhalten war Apple, dessen oberstes Ziel neben der Steuervermeidung der Rückkauf eigener Aktien mehr – aber selbst das hat dem Aktienkurs nicht wirklich geholfen. Dafür hat man dann in der Zwischenzeit ein solch weltbewegendes Produkt wie die Apple Watch entwickelt. Und das wiederum war das sicherste Zeichen dafür, dass Apple in der Vergangenheit zu wenig in Forschung und Innovation investiert hatte.

Im Jahr 2007, also kurz vor der Finanzkrise, beliefen sich die Aktienrückkäufe von US-Unternehmen auf 723 Milliarden Dollar. Nur zwei Jahre später, 2009, als die Kurse am Boden lagen, waren es nur 155 Milliarden Dollar. Und das obwohl die Aktien eben deutich günstiger zu haben waren als noch im Jahr 2007. Aber, und auch das ist eine Konstante der Menschheit: was billig ist, will niemand haben, was teuer ist finden alle sexy.

Letztes Jahr betrugen die Aktienrückkäufe ca. 677 Milliarden Dollar, fast so viel wie 2007. Aber nun, zu Beginn des Jahres 2016, wo die eigenen Aktien viel günstiger zu haben wären nach dem Abverkauf, will niemand mehr zugreifen. Weil man eben jetzt pessimistischer geworden ist. Und weil, wer pessimistisch ist, nicht kauft, schon gar nicht eigene Aktien, weil man das Geld angesichts der ach so schweren Zeiten ja noch dringend brauchen könnte. Dass der Ausblick für die Weltwirtschaft auch vor kurzem noch (also 2015), als alle wild kauften, nicht wirklich viel anders war als derzeit, weil das, worüber jetzt sich alle Sorgen machen, eigentlich vorher schon sonnenklar war – Schwamm drüber. Shit happens.

Die einzigen Ausnahmen in den USA: der Ölindustrie-Zulieferer Schlumberger, General Motors und BlackRock. Sonst gähnende Kaufunlust. Dabei hätten die im S&P 500 gelisteten Konzerne durchaus Geld: sie sitzen auf etwa 1,3 Billionen Dollar an Kassenbeständen. So viel Cash war noch nie. Aber jetzt haben sie alle Angst, wenn es günstig (oder zumindest günstiger) ist. Als es noch schön teuer war, konnte sie nicht genug davon bekommen. Es ist diese menschliche Blödheit, die uns eine Garantie gibt: es wird immer wieder Blasen geben, diese platzen dann, dann entsteht die nächste Blase (weil diesmal natürlich alles anders ist), die platzt. Und immer so weiter und weiter.

Und irgendwie ist das auch schön! Worüber sollte man denn sonst schreiben, wenn nicht über die unzerstörbare, auch durch Erfahrung nicht aus dem Gleichgewicht zu bringende menschliche Dummheit?



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