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Aktienrückkäufe: Wird die Politik das Financial Engineering einbremsen?

Aktienrückkäufe Politik

Die Größenordnungen sind für das normale Zahlenverständnis eigentlich nicht nachvollziehbar, aber dennoch sind diese eine gemessene Größe: Über fünf Billionen Dollar steckten Unternehmen aus dem S&P 500 in der Zeit seit der Finanzkrise in Aktienrückkäufe, viele über Kredite, die durch die ultraniedrigen Zinsen infolge der zahlreichen Notenbankinterventionen (Quantitative Easing) möglich waren. Nach der Corona-Krise im Jahr 2020 schießen die Buybacks (noch) einmal in die Höhe. Die Politik sieht Handlungsbedarf, auch wenn viele „Großaktionäre“ in den Reihen der Politik von dieser Art von Kurspflege profitieren.

Aktienrückkäufe: (noch) kein Ende in Sicht

Es ist wahrscheinlich wieder ein Grund für die andauernde und nahezu korrekturlose Rallye am Aktienmarkt im Jahr 2021. Nachdem die US-Notenbank die Restriktionen für Finanztitel bei Dividenden oder auch für Aktienrückkäufe gelockert hat, ist das Financial Engineering in den USA wieder in vollem Gange. Das Aktienjahr 2021 bricht alle Rekorde auf diesem Gebiet.

Aktienrückkäufe 2021

Diese Grafik bildet die Aktionen der Unternehmen vor der Berichtssaison zu Q3 ab, die gerade am Ausklingen ist. Im Zuge der guten Quartalszahlen haben viele Unternehmen weitere Aktienrückkäufe für die nächste Zeit angekündigt. Die Billionen-Dollar-Grenze ist in Reichweite. Selbst Warren Buffet will noch Milliarden Dollar dafür einsetzen, aus seinem riesigen 143 Milliarden Dollar starken Cashbestand. In den letzten Tagen haben die großen Einzelhändler in USA ihre überraschend guten Quartalszahlen gemeldet. Und einige davon haben sofort auch die Aktienrückkäufe für die nächste Zeit forciert.

Beim großen Einzelhändler Lowe’s stehen noch Aktienrückkäufe in Höhe von drei Milliarden Dollar aus, damit erreicht man 12 Milliarden Dollar in 2021. Target hat nach den Quartalsergebnissen die 2,2 Billionen Dollar bestätigt und der in Deutschland nicht allzu bekannte Einzelhändler TJX Companies hat seine Aktienrückkäufe auf 800 Millionen Dollar angehoben.

Dies ist deshalb so interessant, weil diese Branche im letzten Jahrzehnt im besonderen Maße sich regelrechte interne Gefechte beim Rückkauf eigener Aktien geliefert hat.

Die Reduktion des Free Float im Retail Sector seit 2011:

Dillard ˋs minus 64 Prozent
Kohl ˋ s minus 51 Prozent
Lowe ˋs minus 50 Prozent
Gap minus 38 Prozent
Home Depot minus 35 Prozent
Da brauchte der erzielte Gewinn gar nicht so besonders anziehen, die Aktienbewertungen sanken fortwährend.

Ab jetzt darf voll zugeschlagen werden. Die Blackout Period ist vorbei.

Aktienrückkäufe blackout period

Fazit

Die Zinsen in den USA dürften in 2020 ihr Tief gesehen haben (0,52 Prozent für die 10-jährigen US-Staatsanleihen), das Jahr 2021 ist mit 0,92 Prozent gestartet und nach einem Durchhänger ist die so bedeutsame Benchmark für den gesamten Kapitalmarkt wieder bei 1,60 Prozent angekommen. Einige Unternehmen dürften sich daher beeilen, die sehr aktionärsfreundlichen Aktienrückkäufe noch einmal zu forcieren, zumal auch viele Bonusregelungen für das Management an das KGV des Unternehmens gebunden sind.

Der König auf dem Gebiet der Aktienrückkäufe – zumindest in der Gesamtsumme – bleibt der Billionen-Dollar-Konzern Apple, der 31 Prozent seiner Aktien seit einem Jahrzehnt vom Markt genommen hat. Eine gewaltige Verbesserung der Gewinne pro Aktie waren die Folge, auch wenn die absoluten Gewinne in manchen Phasen gar nicht gestiegen sind.

Die regierenden Demokraten in den USA haben schon angekündigt gegen diese Art des Financial Engineering vorgehen zu wollen, obgleich dies bei einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen in vielen Unternehmen nicht mehr notwendig sein dürfte. Denn die Buybacks sind in vielen Fällen kreditfinanziert gewesen und dies würde sich bei höheren Zinsen nicht mehr rentieren. Wieder einmal ein Beispiel für die Auswirkungen der lockeren Geldpolitik, die sich doch sehr auf eine spezielle Vermögensgruppe konzentriert hat.

Aber auch wieder eine Begründung dafür, warum die Aktienkurse im Jahr 2021 bisher partout keine Korrektur (größer 10 %) vollziehen wollten.



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1 Kommentar

  1. Mir ist es egalt, warum die Kurse steigen, Hauptsache sie steigen. S&P bis Jahresende bei 5200. Buy the dip, bis der Arzt kommt.

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