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Aktuell: 31 Länder bringen 60 Millionen Barrels Öl aus Reserven auf den Markt

Öl-Pumpe

Wie die Internationale Energie-Agentur (IEA) vor wenigen Minuten vermeldet hat, werden 31 Mitgliedsländer insgesamt 60 Millionen Barrels Öl aus ihren Reserven auf den Markt werfen, um den globalen Ölmarkt zu beruhigen – dass man nämlich keine Befürchtung für einer Öl-Verknappung haben muss. Der Ölpreis bis kurz vor der Meldung kräftig angestiegen. WTI-Öl lief bis in der Spitze auf 104,90 Dollar, kommt jetzt aber nur minimal zurück auf 104,30 Dollar. Rutscht der Ölmarkt gleich weiter ab, oder sagen sich die Trader „60 Millionen Barrels sind zu wenig, lass uns weiter auf den steigenden Ölpreis wetten“?

Wie die IEA in ihrem Statement schreibt, haben sich die 31 Mitgliedsländer des Verwaltungsrats der IEA darauf geeinigt, 60 Millionen Barrel Öl aus ihren Notreserven freizugeben, um ein einheitliches und deutliches Signal an die globalen Ölmärkte zu senden, dass es zu keinen Versorgungsengpässen infolge des russischen Einmarschs in der Ukraine kommen wird. Die heutige außerordentliche Verwaltungsratssitzung auf Ministerebene wurde laut Mitteilung von der amerikanischen Energieministerin Jennifer Granholm in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der diesjährigen IEA-Ministertagung geleitet.

Die IEA-Minister nahmen laut Mitteilung mit Besorgnis die Auswirkungen der ungeheuerlichen Aktionen Russlands auf die Energiesicherheit zur Kenntnis und sprachen sich für die von der internationalen Gemeinschaft als Reaktion darauf verhängten Sanktionen aus. Die Minister hätten darauf hingewiesen, dass der Einmarsch Russlands vor dem Hintergrund bereits angespannter globaler Ölmärkte, erhöhter Preisvolatilität, kommerzieller Lagerbestände, die auf dem niedrigsten Stand seit 2014 sind, und begrenzter Möglichkeiten der Produzenten, kurzfristig zusätzliche Lieferungen bereitzustellen, erfolgt sei.

Es sei ermutigend zu sehen, wie schnell sich die Weltgemeinschaft geeinigt hat, um Russlands Vorgehen zu verurteilen und entschlossen zu reagieren, so wird IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol zitiert. „Ich freue mich, dass sich auch die IEA heute zusammengefunden hat, um Maßnahmen zu ergreifen. Die Lage auf den Energiemärkten ist sehr ernst und erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Die globale Energiesicherheit ist bedroht und gefährdet die Weltwirtschaft in einer fragilen Phase des Aufschwungs.“

Er sei dankbar, dass die IEA-Mitgliedsländer die ersten 60 Millionen Barrel zur Verfügung gestellt haben, um die Ölmärkte zu stabilisieren. Er freue sich auch, dass die IEA-Mitglieder sich verpflichtet hätten die Ukraine bei der Versorgung mit Treibstoff nach Kräften zu unterstützen. Desweiteren freue er sich darauf, auf Einladung des Verwaltungsrats den ukrainischen Energieminister Galuschtschenko als besonderen Gast auf unserer nächsten Ministertagung Ende des Monats begrüßen zu dürfen.

Die IEA-Mitglieder verfügen laut Mitteilung über Notvorräte von 1,5 Milliarden Barrel Öl. Die Ankündigung einer ersten Freigabe von 60 Millionen Barrel, also 4 Prozent dieser Vorräte, entspreche 2 Millionen Barrel pro Tag für 30 Tage. Der koordinierte Abbau ist der vierte in der Geschichte der IEA, die 1974 gegründet wurde. Frühere gemeinsame Aktionen fanden 2011, 2005 und 1991 statt.

Russland spielt laut aktueller Aussage der IEA auf den globalen Energiemärkten eine überragende Rolle. Es ist der drittgrößte Ölproduzent und der größte Exporteur der Welt. Seine Ausfuhren von rund 5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag machen etwa 12 Prozent des Welthandels aus – und seine rund 2,85 Millionen Barrel Erdölprodukte pro Tag entsprechen etwa 15 Prozent des weltweiten Handels mit Raffinerieprodukten. Etwa 60 Prozent der russischen Ölexporte gehen laut Mitteilung nach Europa und weitere 20 Prozent nach China.

Die Minister haben heute beschlossen, dass die Energieversorgung weder als politisches Zwangsmittel noch als Bedrohung für die nationale und internationale Sicherheit eingesetzt werden darf. Das IEA-Sekretariat werde die globalen Öl- und Gasmärkte weiterhin genau beobachten und dem Verwaltungsrat Empfehlungen geben, einschließlich möglicher zusätzlicher Notvorratsziehungen, falls erforderlich. Der Verwaltungsrat ermutigte auch jedes Mitgliedsland, sein Möglichstes zu tun, um die Ukraine bei der Versorgung mit Erdölprodukten zu unterstützen, und empfahl den Regierungen und Verbrauchern, ihre Bemühungen zur Einsparung beizubehalten und zu verstärken.

Die Minister erörterten laut Mitteilung der IEA auch die beträchtliche Abhängigkeit Europas von russischem Erdgas und die Notwendigkeit, diese zu verringern, indem man sich nach anderen Lieferanten umschaut, auch über LNG. Am Donnerstag will das IEA-Sekretariat einen 10-Punkte-Plan veröffentlichen, wie die europäischen Länder ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen bis zum nächsten Winter verringern können.



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