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Europa

Aktuell: BIP Deutschland – Absturz nur in Finanzkrise noch größer

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung) ist im 1. Quartal 2019 zum Vorquartal mit -2,2% ausgefallen wie erwartet (Prognose war -2,2%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP allerdings stärker, nämlich um – 1,9% (Prognose war -1,6%)

Dazu schreibt Destatis:

Die Corona-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft stark. Obwohl die Ausbreitung des Coronavirus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, sind die Auswirkungen der Pandemie bereits für das 1. Quartal 2020 gravierend: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist gegenüber dem 4. Quartal 2019 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 2,2 % gesunken. Das war der stärkste Rückgang seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste Rückgang seit der deutschen Vereinigung. (..)

 

Bauinvestitionen und Staatskonsum verhindern stärkeren Rückgang

Stark rückläufig waren im 1. Quartal 2020 die privaten Konsumausgaben. Auch die Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – nahmen deutlich ab. Die Konsumausgaben des Staates und die Investitionen in Bauten wirkten dagegen stabilisierend und verhinderten einen noch stärkeren Rückgang des BIP. Außenwirtschaftlich gingen sowohl die Exporte als auch die Importe gegenüber dem 4. Quartal 2019 kräftig zurück. 

Bruttoinlandsprodukt bricht auch im Vorjahresvergleich ein

Auch im Vorjahresvergleich ist die Wirtschaftsleistung eingebrochen: Das BIP war im 1. Quartal 2020 preisbereinigt um 1,9 % niedriger als ein Jahr zuvor, kalenderbereinigt um 2,3 %. Nur in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat es stärkere Rückgänge gegenüber einem Vorjahresquartal gegeben, den stärksten mit -7,9 % im 2. Quartal 2009 (kalenderbereinigt mit -6,9 % im 1. Quartal 2009). 

Erwerbstätigkeit im 1. Quartal 2020 kaum verändert

Die Wirtschaftsleistung wurde im 1. Quartal 2020 von rund 45 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 147 000 Personen oder 0,3 % mehr als noch ein Jahr zuvor. Einen so niedrigen Zuwachs gegenüber einem Vorjahresquartal hatte es zuletzt im 2. Quartal 2010 gegeben (+106 000 Personen oder +0,3 %). Die Corona-Pandemie hat sich somit im 1. Quartal 2020 nur verhalten in der Zahl der Erwerbstätigen niedergeschlagen, auch weil Kurzarbeitende als Erwerbstätige zählen. 

Revision der bisherigen Ergebnisse

Neben der Erstberechnung des 1. Quartals 2020 hat das Statistische Bundesamt auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für die Quartale und das Jahr 2019 überarbeitet und neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen der Ergebnisse einbezogen. Dabei ergaben sich für das Bruttoinlandsprodukt geringfügige Änderungen der bisherigen Ergebnisse. So hat die Neuberechnung für das 4. Quartal 2019 preis-, saison- und kalenderbereinigt einen Rückgang des BIP um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal ergeben (bisheriges Ergebnis: 0,0 %). Detaillierte Angaben zu den Neuberechnungen enthält die Tabelle „Alt-Neu-Vergleich“ am Ende dieser Pressemitteilung. 

Methodischer Hinweis:

Die Corona-Pandemie beeinflusst die deutsche Wirtschaft seit Mitte März deutlich. Sie wirkt sich auch auf die Statistikproduktion aus. Die hohe Aktualität der Ergebnisse erfordert, dass ein Teil der in das Bruttoinlandsprodukt einfließenden Daten zunächst geschätzt wird, da nicht alle notwendigen Basisstatistiken rechtzeitig verfügbar sind. Schätzmodelle basieren jedoch auf ökonomischen Zusammenhängen der Vergangenheit, die in der aktuellen Situation teilweise nicht mehr gelten. Bei der Erstberechnung des BIP im 1. Quartal 2020 wurden daher die Methoden überprüft, um verzerrende Effekte aufgrund der Corona-Pandemie soweit möglich zu vermeiden. Dennoch können die Schätzanteile aufgrund der größeren Unsicherheiten zu stärkeren Revisionen als sonst üblich führen. 

 

 

Das BIP Deutschland im Sinkflug

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    LEO

    15. Mai 2020 10:39 at 10:39

    Wenn interessiert schon BIP-Deutschland oder die Zahlen aus China oder sonst was, die Märkte werden von fünf Aktien und Trump-Phantasien von V-förmigen Erholung getragen.

  2. Avatar

    Roberto

    15. Mai 2020 11:15 at 11:15

    …und der Dax seit dem gestrigen Nachmittagstief aktuell um 400 Punkte höher. Ja, es kann ein Strohfeuer sein. Aber dieses Strohfeuer brennt meines Erachtens ganz schön lange, um nicht zu sagen viel zu lange. Und wenn das dann so ist, ist es dann auch wirklich ein Strohfeuer ?

    • Avatar

      Koch

      15. Mai 2020 11:49 at 11:49

      Selbstverständlich bleibt ein Strohfeuer immer nur ein Strohfeuer!Um es richtig „schön“lodern zu lassen,muss man halt nur immer ordentlich neues Stroh nachlegen.Der Heizwert von Stroh ist dem von Papier ähnlich.Fiatgeld brennt daher genauso.Zu achten ist lediglich darauf,dass der permanent nachzulegende Brennstoff nicht feucht wird,sonst gibt’s einen giftigen,lebensbedrohenden Schwelbrand!

  3. Avatar

    sabine

    15. Mai 2020 11:21 at 11:21

    „Die Konsumausgaben des Staates und die Investitionen in Bauten wirkten dagegen stabilisierend und verhinderten einen noch stärkeren Rückgang des BIP.“
    Es erhöht sich die Staatsquote – super! Da freuen sich die Beamten. Ob das allerdings gut ist für die Wirtschaft oder Gesellschaft, glaub ich nicht. Überall Baustellen (Heut morgen 150 km, 4 Baustellen umfahren, 30 km Mehrfahrt.) Oft sind es Straßen, wo ich mir denk, die waren noch super in Ordnung. Die Staatsverwaltung kostet auch etwas, erst mal Geld einsammeln, dann planen und wieder ausgeben. Effektiv ist der Staat beim Wirtschaften aber sicher nur wenig. Muß er ja auch nicht so, wie ein Wirtschaftsunternehmen. Da ist also Geldschwund.

    • Avatar

      Beamter bald mot höherer Besoldung

      15. Mai 2020 11:47 at 11:47

      Ja genau. Da freuen sich die Beamten.
      Beförderung. Juhuu….

      Was sie täglich ein Mist hier verzapfen ist nicht zu toppen

      • Avatar

        Mot Besoldung

        15. Mai 2020 14:31 at 14:31

        @BEAMTER BALD MOT HÖHERER BESOLDUNG
        „…Was sie täglich ein Mist hier verzapfen ist nicht zu toppen…“
        Das hören die Polizeibeamten und die Feuerwehrbeamten vom Michel sehr gerne. Woanders ernten sie noch Applause.

  4. Avatar

    Tom

    15. Mai 2020 17:22 at 17:22

    Das ist ein relevanter Indikator. Angelehnt daran scheint das mittlere Szenario von ca. 6,5% Schrumpfung im Gesamtjahr realistisch (darin angenommen Schrumpfung von 2,6% in Q1).

    Solange es keine riesige zweite Welle mit flächendeckendem Lockdown mehr gibt, sondern nur noch punktuelle Ausbrüche in Hotspots, haben wir das Gröbste hinter uns.
    Es wird wohl am Ende auf eine Finanzkrise 2009 auf Steroiden hinauslaufen. Mit einer zweiten Euro-Krise im Anschluss. Täglich grüßt das Murmeltier. Der Weltuntergang ist jedoch abgesagt.

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Europa

Auftragseingänge der Industrie: Juhu, die Krise ist vorbei

Claudio Kummerfeld

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Verschiedene Metallerzeugnisse

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die Auftragseingänge der Industrie (genauer gesagt für das Verarbeitende Gewerbe) für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Vergleich zu September steigen sie um 2,9 Prozent. Wichtiger: Im Jahresvergleich zu Oktober 2019 steigen sie um 1,8 Prozent. Noch wichtiger: Gegenüber Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, lagen die Auftragseingänge der Industrie um 0,8 Prozent höher.

Also kann man basierend auf diesen Zahlen sagen, dass zumindest für die Auftragseingänge der Industrie die Coronakrise vorbei ist. Der Chart, der bis zum Jahr 2012 zurückreicht, zeigt eine abgeschlossene V-förmige Erholung. Klar erkennbar ist, dass die Aufträge aus dem Ausland (wohl vor allem aus China) den Schnitt nach oben ziehen.

Chart zeigt den Verlauf der Auftragseingänge der Industrie seit 2012

Hier Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

In der größten Branche des Verarbeitenden Gewerbes, der Automobilindustrie, stieg der Auftragseingang im Oktober 2020 weiter an (+1,0 % zum Vormonat) und lag damit 6,0 % über dem Vorkrisenniveau im Februar 2020.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Aufträge aus dem Inland im Oktober 2020 um 2,4 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 3,2 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 0,5 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 4,8 %.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Oktober 2020 um 2,3 % über dem Vormonatsniveau. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Anstieg um 3,8 % und im Bereich der Konsumgüter fielen die Aufträge um 2,2 %.

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Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

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Anmeldestatus

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