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Aktuell: Gaspreis fällt kräftig – die „Kavallerie“ ist im Anmarsch

Schiff für den Transport von Flüssiggas

Der Gaspreis am Terminmarkt ist seit Jahresanfang bis gestern um 800 Prozent explodiert. Vor allem in den letzten Wochen war der Preisanstieg bei Gas dramatisch. Sich leerende Lager in Kombination mit viel zu wenig oder zuletzt sogar gar keiner Lieferung mehr von Gazprom aus Russland – das war ein klares Signal für den Markt, die Preise hochzutreiben. Und jetzt?

Gaspreis rutscht kräftig ab

Gestern schrieb ich noch, dass Wladimir Putin diese Krise beenden könnte, in dem er mehr Gas nach Europa durchleiten lässt. Aber die geopolitische Krise rund um die Ukraine schiebt dem aktuell wohl einen Riegel vor. Aber jetzt tut sich was. Der für Europa entscheidende Gaspreis im Großhandel (Terminmarktkontrakt Dutch TTF für die Januar-Lieferung), der in den letzten zwei Wochen von 100 auf 180 Euro gestiegen war, fällt aktuell auf 136,50 Euro! Was ist hier los?

Kavallerie bringt Flüssiggas aus Übersee

Die „Kavallerie“ ist im Anmarsch, so drückt es der Gas-Experte Stephen Stapczynski aus. 20 Tankschiffe mit Flüssiggas aus den USA seien auf dem Weg Richtung Europa, um den Gasmangel zu bekämpfen. Zehn weitere Schiffe hätten auch europäische Häfen als Ziel. Bisher seien die Tanker mit Flüssiggas aus den USA eher nach Asien unterwegs gewesen. Aber da asisatische Abnehmer womöglich in den letzten Monaten ihre Vorräte massiv aufgefüllt haben, kann nun Europa beliefert werden? Ist das die Rettung für die europäischen Gas-Verbraucher – was man natürlich auch wird fürstlich bezahlen müssen? Aber besser viel zahlen als frieren? Stephen Stapczynski wirft auch die Frage auf, ob es für die US-Lieferanten dank des explodierten Gaspreises in Europa nun lukrativer ist, die Europäer statt die Asiaten zu beliefern. Dies wäre natürlich schlüssig bei großen Preisdifferenzen.

Schiffe umgeleitet

Es gibt auch konkrete Berichte über einzelne Schiffe, die jüngst ihre Route Richtung Asien während der Fahrt geändert haben Richtung Europa. Dies liege an dem gegenüber Asien deutlich höheren Gaspreis in Europa. Hier funktioniert sozusagen die freie Marktwirtschaft, wo der Preis ohne staatliche Beeinflussung zwischen Anbietern und Nachfragern gefunden wird. Entsteht eine exorbitante Erhöhung im Preis (in diesem Fall im Gaspreis), sehen die Verkäufer ihre Chance, und wollen natürlich vermehrt ihr Produkt dort absetzen, wo dieser erhöhte Preis erzielt werden kann. Steigen die Lieferungen von Flüssiggas Richtung Europa weiter deutlich an, und kann Europa hierüber seine Gas-Vorräte für den Winter auffüllen, würde der Gaspreis womöglich deutlich weiter sinken – und so reguliert sich der Markt möglicherweise von selbst.

Chart zeigt zeigt den Verlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 30. November TradingView Chart zeit den Verlauf im Dutch TTF Gaspreis seit dem 30. November.



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15 Kommentare

  1. Wie’s im Leben halt so läuft, plötzlich macht der andere das Geschäft.

  2. Die „Amerikanische Gaskavallerie“ dürfte mit ihren Schiffchen(150000 Kubikmeter Ladekapazität) einen ähnlich wichtigen Wert darstellen wie eine echte Kavallerie in einem heutigen Krieg! 2020 hat allein Deutschland um die 56 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht.Auch dürfte unseren Grünen das Verflüssigen und Zurückverdampfen von „Frackinggas“,sollte es überhaupt mengenmässig möglich sein,erhebliche politische Kopfschmerzen bereiten. Mal wieder so eine Meldung zum Beruhigen!

    1. Deutschland hat 2020 86 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht.
      Verflüssigt nimmt Erdgas nur 1/600 seines Volumen ein.
      150.000 Kubikmeter Flüssiggas entsprechen also 90.000.000 Kubikmeter gasförmigen Erdgas.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

      1. Ich denke mal, das die 150000m3 verflüssigtes Gas sind und die 56 Milliarden m3 sind Erdgas unter atmosphärischem Druck in Gasform.

    2. Hatte ich noch vergessen.
      Für den Jahresbedarf müssten die Amis dann etwa 955 Schiffsladungen heranschaffen.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    3. 150000 Kubikmeter Flüssiggas sind ca. 90 Mio Kubikmeter Gas

      bei 20 Schiffen ca. 1,8 Mrd Kubikmeter

  3. 20 der obigen Tanker waern ca.1.8 Milliarden Nm3 Gas.

    1. Oha, ich komme auf 60.000 Schiffe im Jahr, um nur ein Zehntel des bundesdeutschen Gasverbrauch von knapp 90 Mrd. m3 sicherzustellen. So viele Gastanker gibt es nicht und so viele könnten auch gar nicht entladen werden….. Frohes Fest

      1. Vielleicht mal drüber nachdenken, was das L in LNG meint.

  4. gerüchtenverbreiter

    Habe mir gerade Pressekonferenz von Putin angeschaut. Er sagt, dass die Deutschen das Gas aus langfristigen Kontrakten mit Russen nach Polen und weiter nach Ukraine in Reversverfahren verkaufen und damit Gasleitung blockieren, anstatt es in die Lagerung zu pumpen mit dem Ziel bis zu 1 mlrd. € zu verdienen und empfiehlt Deutschen zu „fragen“ warum es so läuft?

    https://www.vesti.ru/article/2656103

  5. gerüchtenverbreiter

    Putin erzählt seine Version zur Gaspreisexplosion

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat Deutschland als Verursacher steigender Gaspreise in Europa ausgemacht und den Staatskonzern Gazprom in Schutz genommen. Gazprom liefere derzeit nicht über die Jamal-Pipeline, weil deutsche und französische Unternehmen keine Bestellungen aufgegeben hätten, sagte Putin bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau.

    Deutschland nutze die niedrigeren Preisen aus langfristigen Lieferverträgen, um das Gas mit Gewinn an Nachbarländer zu verkaufen. Er vermute, dass ein Teil des an Deutschland gelieferten russischen Gases letztendlich an die Ukraine weiterverkauft werde. Europa habe sich die Gas-Probleme selbst eingebrockt und sollte diese nun selbst lösen.

    Zum zweiten Mal seit November sind die Gaslieferungen über die Jamal-Pipeline, die über Belarus und Polen läuft, in dieser Woche versiegt. Aus Deutschland wird Gas zurück nach Polen gepumpt, was Experten zufolge an Verträgen polnischer Kunden liegt.

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/der_boersen_tag/Putin-erzaehlt-seine-Version-zur-Gaspreisexplosion-article23019466.html

    1. Vielleicht steckt hinter den günstigen Gasverkäufen an Polen und Ukraine was ganz anderes. Schließlich sind die beiden Länder starke Gegner von Nordstream2.

  6. Der Deutsche Gasverbrauch von 56 Milliarden Kubikmeter würde in ca. 622 LNG-Tanker
    mit einer Tankkapazität von 150.000 m3 LNG passen.
    600 Nm3 Gas entsprechen 1 m3 LNG.
    622 Tanker a 150.000 m3 = 93 Millionen m3 LNG = 56 Milliarden Nm3 Gas
    Die größten LNG-Tanker (Q-Max) haben eine Tankkapazität von 266.000 m3.

  7. Erinnert mich an die Luftbrücke der Amerikaner in Berlin😄.

  8. Ich habe es nicht nachgerechnet; aber ich schätze, dass Erdgas verflüssigen, über den Atlantik schippern mit Spezialschiffen und dann wieder am Zielort vergasen, mehr CO2 freisetzt, als alle anderen Brennstoffe. Aber wer die Atomkraftwerke abstellt und gleich ein Dutzend Kohlekraftwerke dabei, und die Stromlücke mit Gaskraftwerken ausfüllen will/muss, darf nicht wählerisch sein.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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