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Aktuell: HSH Nordbank für 1 Milliarde Euro verkauft an Höllenhunde und Heuschrecken

Und da ist die offizielle Bestätigung! Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein bestätigen den Verkauf ihrer HSH Nordbank-Anteile über 94,9%. Den Zuschlag erhält ein Konsortium von mehreren Private Equity-Investoren, die man auch als…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Und da ist die offizielle Bestätigung! Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein bestätigen den Verkauf ihrer HSH Nordbank-Anteile über 94,9%. Den Zuschlag erhält ein Konsortium von mehreren Private Equity-Investoren, die man auch als Mega-Heuschrecken bezeichnen dürfte (aus der Hölle, wie dieser Artikel es bezeichnet?). Aus den offiziellen Worten der beiden Länder hört man, wie viel man doch erwarte. Zum Beispiel glaubt man nun an eine weitere Entwicklung der Bank, Sicherung der Standorte bla bla bla.

Für die HSH Nordbank selbst wohl kaum gute Nachrichten

Aber wer sich im Finanzgeschäft nur ein klein wenig auskennt, der weiß: Solche Finanzinvestoren interessieren sich nicht eine Sekunde für Standorte, für Menschen, oder dafür irgendetwas zu entwickeln. Sie werden sich die Kredit-Portfolios der HSH Nordbank ausführlich angesehen haben, und scheinen offenbar der Meinung zu sein, dass man die Forderungen höher verscherbeln kann, als sie aktuell in den Büchern stehen. Nur dann macht für sie der Kauf einen Sinn. Denn die Bank selbst, mit ein bisschen Mittelstandsgeschäft hier, und ein bisschen Windrad-Finanzierungsgeschäft da, das braucht im großen Gesamtbild niemand wirklich. Die Bank wird man aller Voraussicht nach zerlegen, abbauen, verwerten. So vermuten wir es mal.

Die Käufer sind Cerberus (Höllenhund aus der griechischen Mythologie), J.C. Flowers, GoldenTree,  Centaurus Capital und BAWAG. Die übrigen 5,1% gehörten übrigens schon sei Jahren J.C. Flowers. Der Kaufpreis von 1 Milliarde Euro kann sich noch reduzieren für den Fall, dass die HSH Nordbank die Länder-Bürgschaft über 10 Milliarden Euro doch nicht in voller Höhe in Anspruch nehmen sollte. Denn wenn die HSH Nordbank zum Beispiel nur 9,7 Milliarden Euro Bürgschaft in Anspruch nimmt, verzichtet sie quasi auf einen Wertgegenstand in Höhe von 300 Millionen Euro. Dementsprechend würde wohl auch der Kaufpreis reduziert werden – das nur als Beispiel!

Die Bürgschaft wird schon bald zur Realität für die Länderhaushalte

Aber mal ehrlich. Natürlich wird die HSH Nordbank die vollen 10 Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Die neuen Eigentümer haben mit den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit der heutigen Vereinbarung auch klar gestellt, dass die 10 Milliarden Euro-Garantie vorzeigt beendet wird. Das bedeutet, dass die Länder diese Summe an die HSH Nordbank auszahlen in Cash – damit werden die beiden Landeshaushalte zügig ganz real 10 Milliarden Euro mehr Schulden haben, und nicht erst in ein, zwei, drei oder fünf Jahren. Für die vorzeitige Bürgschaftsbeendigung zahlt die HSH Nordbank den beiden Ländern eine „Belohnung“ von 100 Millionen Euro. Wie lustig!

Jetzt müssen noch die Parlamente in Hamburg und Kiel zustimmen, sowie EU-Kommission, EZB und die BaFin. Aber das ist alles nur noch Formsache. Die HSH Nordbank hat finanzstarke Käufer gefunden, und damit ist die Sache besiegelt! Die beiden Länder hatten schon für mehrere Milliarden Euro totale Schrottkredite aus der HSH Nordbank herausgekauft, und in ihre eigenen Bücher genommen in Form einer Zweckgesellschaft. Die musste den Wert des Schrotts unlängst nach unten korrigieren. Der tatsächliche Schaden durch die HSH Nordbank wird für die Länder also irgendwo bei 11 oder 12 Milliarden Euro liegen.

Zwei kleine positive Aspekte kann man in der heutigen Verkündung erkennen: Erstens ist die Bank endlich weg (aus Sicht der Länder). Und zweitens kann man die volle Schuldenhöhe schon bald in vollem Umfang in den Länderhaushalten sehen – dann wissen die Steuerzahler der Nordländer demnächst, woran sie wirklich sind, und nicht erst scheibchenweise in ein paar Jahren. Was wird das heißen für die Bürger im Norden in den nächsten Jahrzehnten im Vergleich zu anderen Bundesländern? Weniger Schulen, weniger Lehrerstellen, weniger Straßenreparaturen, schlechterer Bürgerservice, höhere Gebühren überall, und und und?

Hier die aktuelle Verlautbarung der Stadt Hamburg im Wortlaut:

Bei den Käufern handelt es sich um Cerberus European Investments LLC, J.C. Flowers & Co. LLC, GoldenTree Asset Management UK LLP, Centaurus Capital LP sowie BAWAG P.S.K. Der Vertrag sieht einen Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro für 94,9 Prozent der an der HSH Nordbank gehaltenen Aktien vor.

Voraussetzung für den Verkauf ist die Beendigung der 2009 übernommenen sogenannten Sunrise-Garantie, mit der die Länder im Umfang von zehn Milliarden Euro für Verluste aus den Altgeschäften der früheren HSH Nordbank haften. Der Kaufpreis kann sich verringern, wenn die Länder nach abschließender Überprüfung weniger als die volle Garantiesumme auszahlen. Für die vorzeitige Beendigung und Auszahlung der Garantie erhalten die Länder einen Ausgleichsbetrag in Höhe von 100 Millionen Euro. Durch den Fortbestand der Bank werden die Risiken aus der Gewährträgerhaftung für die Länder reduziert.

Der Vollzug des Kaufvertrags (Closing) erfordert die Zustimmung des Schleswig-Holsteinischen Landtags und der Hamburgischen Bürgerschaft. Weitere Voraussetzungen für das Closing sind zudem die Zustimmung der Europäischen Kommission und der Europäischen Bankenaufsicht, die eng in den Privatisierungsprozess eingebunden sind.

Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein: „Wir haben heute ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Verkauf der Landesanteile an der HSH Nordbank erreicht. Rückblickend bleibt festzuhalten, dass das Engagement des Landes sehr teuer für den Steuerzahler geworden ist. Das ist bitter für beide Länder. Mit der heutigen Unterzeichnung des Kaufvertrags haben wir dennoch etwas erreicht, das viele noch vor einem Jahr für unmöglich gehalten hätten. Ziel war es stets, das Landesvermögen so weit wie möglich zu schonen. Es gab eine Reihe von Interessenten und am Ende hat das wirtschaftlich beste Angebot den Zuschlag erhalten. Ich wünsche mir, dass es gelingt, die neuen Besitzer von den Stärken unseres Standorts und den Stärken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier in Kiel zu überzeugen. “

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Nach einem sorgfältigen Auswahlverfahren haben die Länder geeignete Käufer für die HSH Nordbank gefunden und ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt. Ich hoffe, dass nach den Beratungen in den Landesparlamenten auch die EU-Kommission und die zuständigen Aufsichtsbehörden zügig grünes Licht für den Verkauf geben werden. Mit der Privatisierung können wir den Schaden für die Länder, der durch die verantwortungslose Expansionsstrategie der Bank in den Jahren 2003 bis 2008 entstanden ist, so gering wie möglich halten.“

Monika Heinold, Finanzministerin von Schleswig-Holstein: „Heute ist kein Tag der Freude, sondern ein Tag, an dem wir zu unserer Verantwortung stehen. Mein Ziel war es immer, das Landesvermögen so gut es geht zu schützen. Der Verkaufsvertrag ist dafür eine gute Grundlage, auch wenn der Gesamtschaden für den Landeshaushalt insgesamt sehr hoch ist. Es war ein hartes Stück Arbeit bis zum Abschluss des Kaufvertrages und noch sind wir nicht fertig. Der Schlussstrich unter das Kapitel HSH Nordbank ist erst gezogen, wenn das sogenannte Closing stattgefunden hat und alle Altverpflichtungen in den Landeshaushalt übernommen sind.“

Dr. Peter Tschentscher, Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg: „Seit 2009 haben die Länder ihre Risiken aus der damals bestehenden Gewährträger-haftung von 65 Milliarden Euro konsequent reduziert. Mit der Privatisierung erhalten wir einen nennenswerten Kaufpreis und verhindern eine Abwicklung der Bank, die mit zusätzlichen Kosten und neuen Risiken verbunden wäre. Das ist ein gutes Verhandlungsergebnis.“

HSH Nordbank Cerberus Höllenhund
Der Hauptinvestor Cerberus hat sich als Firmennamen aus der griechischen Mythologie einen Höllenhund ausgesucht. Wie nett… Foto: William Blake / Gemeinfrei

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    leser

    28. Februar 2018 13:48 at 13:48

    Mir wäre ein ordentliches Involvenzverfahren lieber.

    Der Verkauf vermindert die Transparenz der Abläufe und Verantwortlichkeiten nur zusätzlich. Wetten, dass die Politiker, die dem Verkauf jetzt zustimmen, weder den Vertrag komplett gelesen, geschweige die Details verstanden haben? Da flüchtet man lieber in die Grotesko nach Berlin. Im Ergebnis bleibt, dass Milliarden an Steuergeldern versenkt wurden und niemand seinen Kopf dafür hinhält. Ein Skandal mehr in der an Skandalen reich gesegneten Republik.

  2. Avatar

    Lossless

    28. Februar 2018 15:40 at 15:40

    Hätte man die 11 bis 12 Milliarden an Steuergelder in die Bildung investiert, dir Rendite wäre unbezahlbar.

  3. Avatar

    Christoph

    28. Februar 2018 18:31 at 18:31

    Weiß jemand wieciel die HSH in den guten Jahren den Ländern eingebracht hat?

  4. Avatar

    Gixxer

    1. März 2018 11:27 at 11:27

    Ist doch ein prima Deal. Ich gebe jemandem 10 Mrd und er gibt mir im Gegenzug dafür 1 Mrd. Prima Geschäft!

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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Der Stimulus kommt garantiert!

Hannes Zipfel

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USA Flagge

Ohne die massiven Geldzuflüsse der letzten Monate an die westlichen Finanzmärkte, allen voran in den USA, wären die Kursstände heute ganz andere. Bricht dieser Zustrom an frischem Geld mangels neuem Stimulus ab oder das Kapital flieht aus Angst vor neuen Lockdowns in Cash, dann folgt der nächste Corona-Crash. Daher wird es einen Stimulus geben. Die Frage ist nur: von wem?

Der Stimulus ist systemrelevant

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem jüngsten „World Economic Outloook“ mit einem Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr in Höhe von 4,4 Prozent (Seite 29). Für die größten acht Industrienationen (G-8) sogar mit einer Kontraktion in Höhe von 5,8 Prozent.

Demgegenüber stehen fiskalische COVID-19-Hilfen in durchschnittlich zweistelliger prozentualer Höhe des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Falle Deutschlands würde dies gemäß der aktuellen Schätzung des IWF zum deutschen BIP-Wachstum in 2020 bedeuten, dass ohne finanzpolitische Hilfen unsere Wirtschaft in diesem Jahr um 14,9 Prozent einbrechen würde. Die der USA um 17,5 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt Japans würde ohne fiskalische COVID-19 Stimuli gar um -26,4 Prozent kollabieren.

Grafik zeigt Stimulus je nach Land

Sollte es also, wie es sich nun in den weltweiten Statistiken abzeichnet, zu einer erneuten Covod-19-Welle kommen, wären sowohl die Projektionen des IWF hinfällig als auch die exorbitanten Hilfsgelder nicht ausreichend, um eine ökonomische Katastrophe zu verhindern. Dieser Tatsache sind sich die Regierungen aller betroffenen Staaten sicher bewusst. Daher ist entsprechend den wirtschaftlichen Belastungen in Folge erneuter signifikanter Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit neuen Finanzhilfen zu rechnen. Es wäre jedenfalls politisch sehr nachteilig für die Verantwortlichen, einen solchen fiskalischen Stimulus abzulehnen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen wären unabsehbar.

Der Ausgang der US-Wahlen ist für den Stimulus nicht entscheidend

Momentan schauen die Marktteilnehmer sehr genau auf die Umfragewerte zu den US-Wahlen am 3. November sowie den Äußerungen der politischen Führer beider Lager (Demokraten und Republikaner) zum Thema neuer Stimulus.

Dabei ist es grundsätzlich für neue Finanzhilfen völlig unerheblich, wer die Wahlen Anfang November gewinnt, sofern es ein Ergebnis gibt. Als im März dieses Jahres der „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act“ (CARES) unterzeichnet wurde, gab es weder einen Präsidenten Joseph Biden, auf den viele Marktteilnehmer aktuell in Sachen Stimulus die größeren Hoffnungen setzen, noch einen einheitlich dominierten Kongress. Dennoch initiierten sowohl das Weiße Haus als auch die beiden Kammern des Kongresses, also der republikanisch dominierte Senat, als auch das demokratisch dominierte Abgeordnetenhaus seit dem 3. März insgesamt vier Hilfsprogramme, die bis heute eine Dimension von insgesamt 2,8 Billionen US-Dollar angenommen haben.

Das Staatsdefizit spielte dabei selbst für die größten Gegner staatlicher Verschuldung keine Rolle. Warum sollte das im Falle einer Wiederholung einer solchen ökonomischen Notlage anders sein? Die Finanzierung ist auf jeden Fall über die US-Notenbank Fed sichergestellt.

Die Fed positioniert sich bereits

Sollte es jedoch zu keinem Wahlergebnis kommen bzw. für eine längere Zeit kein Wahlsieger feststehen, könnte immer noch ein Notkompromiss zwischen den Parteien von einer neuerlichen akuten Notlage erzwungen werden. Und selbst wenn aus unbekannten Gründen tatsächlich kein neuer fiskalpolitischer Stimulus kommen sollte, stünde immer noch die Geldpolitik bereit um einzuspringen. Verbal haben sich die US-Notenbanker längst positioniert: Sie fordern permanent neue fiskalpolitische Stimuli und haben sich selbst zusätzlich dem Ziel verschrieben, auch mithilfe der Geldpolitik die soziale Schere in den USA zu schließen.

Auch ganz praktisch war die US-Notenbank Fed in die Stützung der größten Volkswirtschaft der Welt involviert: Seit Beginn der Epidemie im Februar dieses Jahres hat die Fed ihre Bilanz durch den Ankauf von Schuldpapieren um 3 Billionen US-Dollar aufgestockt. Mit in dieser Summe enthalten sind Kreditfazilitäten für größere Unternehmen.

Um eine Kaskade an Insolvenzen zu verhindern, nahm die Fed seit Mitte Juni dieses Jahres Anleihen von Unternehmen mit weniger als 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von unter 5 Milliarden US-Dollar mit auf ihre Bilanz. Die eigens hierfür gestartete „Main Street Lending Facility“ ist mit einer Staatsgarantie abgesichert. Damit schließt die Fed eine Finanzierungslücke, kommen doch für staatliche Hilfen aus dem Paycheck Protection Program (PPP) ausschließlich nur Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern in Frage.

Das Besondere an diesen Kreditfazilitäten ist die Tatsache, dass die Fed erstmals direkt als Kreditgeber auftrat, ohne den Umweg über das US-Finanzministerium zu gehen. Zählt man nun diesen Tabubruch, die permanente Forderung nach neuen Stimuli und das selbst gesteckte Ziel der Schließung der sozialen Schere in den USA zusammen, dann ist der Schritt hin zu Finanzhilfen für weite Teile der US-Unternehmen, Selbstständigen und Privathaushalte direkt aus der Notenpresse nicht mehr weit. Zumindest ist es eine Art Rückversicherung für einen Stimulus in den USA im Falle einer nicht handlungsfähigen Regierung. Dies gilt übrigens auch für die anderen großen Notenbanken dieser Welt, die zum Teil mit direkten Aktienkäufen in Sachen Tabubruch in diesem Fall schon weiter sind als die US-Notenbank Fed.

Das Timing-Problem

Selbst im Falle der Entwicklung eines marktreifen Impfstoffs wird es wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern, bis die Pandemie durch Impfungen und Therapien weltweit eingedämmt werden kann. Bis dahin bleiben aus Sicht der Politik v. a. Präventionsmaßnahmen die einzige effektive Möglichkeit. Dies wiederum bedeutet anhaltende wirtschaftliche Schäden bis hin zum de facto Entzug der Existenzgrundlage für ganze Branchen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Börsen auch in den USA dies verstehen. Bereits bei der ersten Pandemiewelle fiel der sprichwörtliche Groschen an den US-Märkten recht spät, dann aber sehr schnell und sehr heftig. Erst Ende Februar realisierte die Wallstreet, dass die Pandemie keinen Bogen um Amerika macht.

Ob die Amerikaner im Zuge der aktuellen Datenlage in Sachen COVID-19-Pandemie schneller schalten, ist ungewiss. Daher bleibt für Anleger das Timing-Problem die eigentliche Herausforderung. Auch deshalb, weil der Druck auf die Institutionen einen neuen Stimulus zu liefern erst dann zu Handlungen führt, wenn die Börsenkurse als Krisenbarometer hellrot aufleuchten.

Fazit und Strategieansatz

Nach wie vor ist Timing an der Börse eher eine Kunst als eine Wissenschaft und oft vom Glück begleitet. Wolfgang Müller schrieb dazu vor Kurzem einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?“.
In Anbetracht der Tatsache, dass ein Stimulus im Falle einer erneuten deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung systemrelevant und damit so gut wie sicher ist, besteht wenig Grund, Vermögenswerte zu veräußern, die man mittelfristig halten möchte.

Für Trader bietet sich eine simpel anmutende Strategie an, die bereits im Frühjahr dies Jahres sehr profitabel war: Zunächst jetzt etwas Pulver trocken halten. Kommt es im Zuge sich wieder verschlechternder Konjunktur- und Unternehmenszahlen zu einem nochmaligen heftigen Rücksetzer an den Aktienmärkten, kann man in mehreren Tranchen ab dem Unterschreiten der einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie, z. B. beim S&P 500, in den Markt einsteigen und abwarten, bis der neue Stimulus kommt und die Märkte wieder nach oben zieht.

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DIW-Konjunkturbarometer aktuell: Aussichten verdüstern sich

Claudio Kummerfeld

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Das DIW-Konjunkturbarometer wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung einmal im Monat veröffentlicht. Heute hat man das Barometer für Oktober präsentiert mit der Headline-Aussage „Rückschlag mit Ansage“. Die zweite Corona-Infektionswelle sei in Deutschland angekommen und drohe den wirtschaftlichen Aufschwung abzuwürgen. Nachdem die Wirtschaft im abgelaufenen dritten Quartal dem Konjunkturbarometer zufolge noch deutlich um etwa sechs Prozent gewachsen sein dürfte, würden sich die weiteren Aussichten erheblich verdüstern. Das DIW-Konjunkturbarometer fällt für das Schlussquartal dieses Jahres von 122 Punkten auf 105 Punkte. Das DIW im Wortlaut:

Der Aufschwung wird sehr wahrscheinlich deutlich ausgebremst werden“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Es drohen wieder schärfere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens – das Pandemiegeschehen nimmt Verbraucherinnen, Verbrauchern und Unternehmen die Zuversicht. Und das in einer Zeit, in der viele Unternehmen noch mit den Folgen des Lockdowns vom Frühjahr kämpfen und kaum noch finanzielle Reserven haben“, so Michelsen. Stand jetzt werde die Wirtschaftsleistung in Deutschland zum Jahresende noch leicht steigen, der kräftige Aufholprozess aus dem Sommer dürfte sich aber nicht fortsetzen.

Das DIW-Konjunkturbarometer lässt den Rückschlag bereits erahnen, obwohl sich die zweite Infektionswelle in vielen aktuellen Zahlen noch so gut wie gar nicht widerspiegeln kann. Lediglich die jüngst veröffentlichten Unternehmensumfragen weisen auf die zunehmende Sorge vor einem erneuten Lockdown hin. „Das Wirtschaftsgeschehen wird wohl stellenweise wieder lahmgelegt werden – wenn auch nicht in dem Maße wie im Frühjahr,“ warnt Michelsen. Das Risiko, dass die Produktion – abhängig vom konkreten Infektionsverlauf – wieder deutlich zurückgefahren wird, sei in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen.

DIW-Konjunkturbarometer als Grafik

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