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Aktuell: Ölpreis kollabiert mit -30% gegenüber Freitag! Das gibt Probleme!

Ölpumpe vor Sonnenuntergang

Der Ölpreis bricht heute früh völlig zusammen! Wie schlimm es werden würde, konnte gestern noch niemand abschätzen. Aber dass es schlimm werden würde, war klar. Der WTI-Ölpreis notiert heute früh bei knapp unter 30 Dollar, wobei der Preis im Tief heute früh schon bei 27,46 Dollar lag. Und das bei einem Schlusskurs Freitag Abend von 41,50 Dollar. Vergleichbar ist das Bild im Brent-Öl, wo der Preis übers Wochenende von 45 auf jetzt 33,29 Dollar fällt. Eine Katastrophe für alle Trader, die nach dem extrem gefallenen Ölpreis der letzten Wochen zuletzt auf endlich mal wieder steigende Preise gewettet hatten (noch im Januar lag WTI-Öl bei 65 Dollar!). Da wird es viele Hedgefonds zerlegen! Aber was ist passiert?

Ölpreis kollabiert durch Saudi-Aktion!

Gestern berichteten wir bereits im Detail über die Vorkommnisse am Wochenende. Letzte Woche lehnte Russland es ab gemeinsam mit der OPEC die Öl-Fördermenge kräftig zu senken. Schon in den Tagen zuvor war der Ölpreis wegen dieses drohenden Szenarios gefallen. Durch die russische Verweigerungshaltung war der gesamte Kürzungsdeal der OPEC hinfällig. Wo wir eigentlich dachten, dass Saudi-Arabien im Alleingang mehr Fördermenge vom Markt nehmen könnte, geschah am Wochenende völlig überraschend genau das Gegenteil.

Saudi-Arabien überflutet den Markt offenbar mit zusätzlichem Öl (von 9,7 auf vielleicht 11 oder 12 Millionen Barrels pro Tag), und senkt ab April die Endkundenpreise spürbar! Damit schwenkt man um, und versucht mit einer Art Brutalo-Aktion Konkurrenten wie die Fracker in den USA vom Markt zu fegen, weil die viel höhere Produktionskosten haben, und bei niedrigen Ölpreisen womöglich aus dem Markt ausscheiden. Ähnliches hatten die Saudis bereits 2014 versucht, aber ohne Erfolg. Funktioniert es dieses Mal?

Die Auswirkungen werden furchtbar sein!

Der folgende Chart zeigt WTI-Öl seit Mai 2019. Aktuell wird der tiefste Stand seit dem Jahr 2016 erreicht, wo der Ölpreis nach einer langen Abwärtsphase von über 100 Dollar im Hoch ein Tief erreicht hatte. Was ist an einem stark gefallenen Ölpreis schon so schlimm, mag man sich in Europa fragen? Denn ja, auf den ersten Blick sind wir die Gewinner, denn für Verbraucher und Unternehmen verbilligen sich Kraftstoffe deutlich! Aber die gesamte Öl-Industrie gerät mächtig in Schieflage. Die Fracking-Industrie in den USA beschäftigt Millionen von Menschen, und bezahlt gute Gehälter. Womöglich werden demnächst viele dieser Unternehmen pleite gehen, weil die Förderkosten nun deutlich über dem Ölpreis liegen werden. Kaum vorstellbar, dass Kapitalmarkt und Banken die Fracker weiter volle Pulle mit Cash versorgen? Oder geschieht ein Wunder wie vor sechs Jahren, als die Saudis es auch schon versuchten?

Aber neben den Frackern werden auch die Staatshaushalte der OPEC-Länder brutal getroffen. Venezuela, Saudi-Arabien, VAE und wie sie alle heißen. Dort leben die Staatskassen von den Öl-Einnahmen. Ein so dramatisch fallender Ölpreis pulverisiert die Einnahmen, und diese Länder müssen wohl zahlreiche Wohltaten für ihre Bürger zurückfahren, Steuern erhöhen usw. Und das, wo es in vielen Ländern in der Region eh schon heftige Probleme gibt. Man sehe nur den Iran, Irak uvm. Die instabile Lage in vielen dieser Länder dürfte sich verschärfen. Die theoretische Hoffnung könnte nur sein, dass Russland, wo man ja nun auch deutlich weniger Einnahmen aus Öl haben wird, zurück an den Verhandlungstisch der OPEC kommen wird.

Ölpreis seit Mai 2019 im Chartverlauf



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