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Aktuell: Russland hebt Leitzins auf 8,5 Prozent – weitere Schritte möglich

Russland-Flagge

Die russische Zentralbank hat vor wenigen Minuten verkündet, dass man den Leitzins um 100 Basispunkte anhebt von 7,50 auf 8,50 Prozent. Im Chart sieht man den Zinsverlauf in den letzten zehn Jahren. Wie weltweit auch, hatte man in Russland zum Ausbruch der Coronakrise den Leitzins kräftig gesenkt. Nun wurde er in mehreren Schritten verdoppelt auf aktuell 8,5 Prozent. Laut Aussage der Zentralbank liegt die Inflationsentwicklung in Russland (8,4 Prozent) über den Prognosen der Zentralbank aus Oktober. FMW: Mustergültig wie auch in Brasilien folgt die russische Zentralbank mit ihrem Leitzins der Inflation auf dem Weg nach oben, um sie einzudämmen. Die türkische Zentralbank ging gestern mal wieder genau den entgegengesetzten Weg, und senkt trotz steigender Inflation den Leitzins – als Folge davon crasht die türkische Lira immer weiter in den Keller.

Aber zurück nach Russland. Der Beitrag hartnäckiger Faktoren zur Inflation ist laut aktueller Aussage der Zentralbank in Moskau nach wie vor beträchtlich, da die Nachfrage schneller wachse als die Kapazität zur Produktionssteigerung. In diesem Umfeld und angesichts steigender Inflationserwartungen sei die Risikobilanz für die Inflation deutlich nach oben geneigt. Dies könne zu einer stärkeren und länger anhaltenden Abweichung der Inflation vom Zielwert nach oben führen. Der geldpolitische Kurs der Zentralbank von Russland ziele daher darauf ab, dieses Risiko zu begrenzen und die Inflation auf 4 Prozent zurückzuführen.

Wenn sich die Situation entsprechend der Basisprognose entwickelt, hält sich die Zentralbank von Russland die Aussicht auf eine weitere Leitzinserhöhung auf ihren kommenden Sitzungen offen. Hier auszugsweise weitere Aussagen der Notenbanker. Die rasch expandierende Kreditvergabe, das Wachstum der Reallöhne und die geringe Sparneigung der Haushalte, die durch hohe Inflationserwartungen angetrieben wird, unterstützen die steigende Verbrauchertätigkeit, insbesondere auf den Märkten für Nicht-Nahrungsmittel. Der Verbrauch kommerzieller Dienstleistungen habe sich trotz der schwierigen epidemiologischen Situation dem Niveau vor der Pandemie angenähert. Die wachsende Binnen- und Auslandsnachfrage und die hohen Unternehmensgewinne würden die Investitionstätigkeit stützen.

Der vom Arbeitsmarkt ausgehende Inflationsdruck hat sich laut Aussage der Zentralbank verstärkt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften nehme in vielen Branchen zu. Gleichzeitig herrsche in vielen Branchen trotz des Zustroms ausländischer Arbeitskräfte ein Mangel an Arbeitskräften. Die Arbeitslosenquote sei auf ein Rekordtief gesunken, während die Zahl der offenen Stellen auf einem Rekordhoch liegt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt deute darauf hin, dass ein weiterer Anstieg der stetigen Wachstumsraten der russischen Wirtschaft in erster Linie von den Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität abhängen wird.


source: tradingeconomics.com



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2 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel – informativ wie immer.

    Das Thema Arbeitskräfte-Mangel treibt mich um. Es scheint ein weltweites Phänomen zu sein.
    Vor Corona gab es zwar auch einen sog.“ Basis-Mangel „, doch aktuell scheint dies zu einem dramatischen Mangel angewachsen zu sein.

    Wie ist dies zu erklären – die Leute sind ja noch da, die Wirtschaft brummt nun nicht wirklich. Gut, bei und gibt es Kurzarbeitergeld, in den USA (gab es) hohe Schecks, in Russland?

    Mit diesen Maßnahmen kann man sicherlich einen Teil des des Mangels erklären (was allerdings Fehlallokation bedeuten würde), aber eben nicht das Problem insgesamt.

    Ich freue mich auf Eure Erklärungen.

    1. der Arbeitskräftemangel ist für mich auch nicht verständlich…die Bevölkerung wächst, die Digitalisierung und Robotik schreitet weiter voran und dennoch soll es Arbeitskräftemangel geben,,,suspekt…ich kann mir das Phänomen nur dadurch erklären, dass vieles von den Staaten weltweit kumuliert in einigen Ländern produziert wurde im Rahmen der Globalisierung und damit Mengendegressionseffekte gegriffen haben…wenn jetzt viele Länder Deglobalisieren, dass müssen kleinere Mengen in jedem Land hergestellt werden und damit tritt Arbeitskraftmangel auf in den einzelnen Ländern…herrliches Szenario für Maschinenbauer…in jedem Land steht eine Maschine wo früher nur in einem Land 5 stehen…und die Firmen suchen Arbeitskräfte…das war ja wahrscheinlich auch das erklärte Ziel der USA….und die Firmen sind angehalten noch mehr in Fortschritt und Technik zu investieren, damit Maschinen noch mehr leisten können…

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