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Aktuell: Russland senkt Leitzins – warum Moskau einen starken Rubel fürchtet

Starker Rubel und die "Holländische Krankheit"

Roter Platz in Moskau als Symbol für Russland - Furcht vor zu starkem Rubel

Die Zentralbank von Russland hat soeben beschlossen den Leitzins von 20 auf 17 Prozent zu senken – und reagiert damit auf den wiederstarkten Rubel!

Wegen der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs wurde der Leitzins Ende Februar von 9,5 auf 20 Prozent angehoben. Der jetzt auf 17 Prozent gesenkte Zins soll ab dem 11. April wirksam werden. Warum dieser überraschende Schritt?

Laut Aussage der Zentralbank sind die externen Bedingungen für die russische Wirtschaft nach wie vor schwierig und schränken die Wirtschaftstätigkeit erheblich ein. Die Risiken für die Finanzstabilität seien nach wie vor vorhanden, hätten aber vorerst nicht mehr zugenommen, was auch auf die beschlossenen Kapitalkontrollmaßnahmen zurückzuführen sei. Es gebe einen stetigen Zufluss von Geldern in Festgeldanlagen. Die jährliche Inflation werde aufgrund des Basiseffekts weiter ansteigen. Die jüngsten wöchentlichen Daten würden jedoch auf eine spürbare Verlangsamung des aktuellen Preiswachstums hindeuten, auch aufgrund der Wechselkursdynamik des Rubels. Die bereits erfolgte Verschärfung der monetären Bedingungen werde teilweise durch die von der Regierung und der Zentralbank von Russland aufgelegten Programme zur Unterstützung der Kreditvergabe kompensiert, werde aber weiterhin die Inflationsrisiken begrenzen.

Die heutige Entscheidung spiegelt laut Zentralbank eine Veränderung des Gleichgewichts der Risiken eines beschleunigten Verbraucherpreiswachstums, eines Rückgangs der Wirtschaftstätigkeit und der Risiken für die Finanzstabilität wider. Bei ihren weiteren Leitzinsentscheidungen will die Zentralbank von Russland die Risiken berücksichtigen, die sich aus den außen- und binnenwirtschaftlichen Bedingungen und der Reaktion der Finanzmärkte ergeben, sowie die tatsächliche und erwartete Inflationsdynamik im Verhältnis zum Zielwert und die wirtschaftliche Entwicklung über den Prognosehorizont hinweg. Und man hält sich die Möglichkeit einer weiteren Leitzinssenkung für die kommenden Sitzungen offen. Die nächste Sitzung findet am 29. April statt.

Warum ein starker Rubel ein Problem für die russische Wirtschaft ist

Warum fürchtet die Zentralbank eine zu starken Rubel? Mit einem Wort: es droht die sogenannte „Holländische Krankheit“ durch eine zu starke Aufwertung des Rubel:

„Holländische Krankheit (englisch Dutch disease) ist ein volkswirtschaftliches Modell, das die negativen Auswirkungen eines Booms des Rohstoffsektors auf den produzierenden Sektor beschreibt“ (Wikipedia)

Die Folge eines zu starken Rubel: Importe werden billiger (das bringt die russische Konkurrenz in Industrie und Landwirtschaft unter Preisdruck). Gleichzeitig werden Exporte teurer, was zu einer Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit führt, während durch den starken Rubel gleichzeitig die Produktion in Russland teurer wird (Faktorpreiserhöhung).

Ergo: eine zu starke Aufwertung des Rubel ist nicht im Interesse der russischen Zentralbank – daher die Leitzinssenkung nach der starken Erholung des Rubel-Kurses!

Hier der Verlauf desLeitzinses in Russland in den letzten fünf Jahren:


source: tradingeconomics.com



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