Folgen Sie uns

Devisen

Aktuell: Streß an den Märkten – Dollar/Yuan über 6,90, Euro-Dollar an der 1,15er-Marke. Und ein Spendenaufruf für die deutsche Autoindustrie..

Helft den armen deutschen Autobauern!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Kaum ist Oktober, herrscht Volatilität. Nicht gerade untypisch für diesen Monat! Kein anderer Monat ist – historisch gesehen – auch nur annähernd so volatil wie eben der Oktober.

Auslöser ist heute vor allem Italien, sind vor allem Aussagen italienischer Politiker. So etwa von Di Maio, Chef der Cinque Stelle und Vize-Regierungschef, der in einem Radio-Interview meinte, dass Merkel und Macron zweifellos eine Ablösung der derzeitigen italienischen Regieurung wünschten. Dann der Finanzexperte der Lega, Claudio Borghi, der auch der Haushaltskommission im italienischen Parlemant vorsteht: er sei ehrlich davon überzeugt, dass Italien seine Probleme lösen könne, wenn es eine eigene Währung hätte. Um dann wenig später aber zu sagen: natürlich plane die italienische Regierung keinen Ausstieg aus dem Euro..

Und ansonsten, das wissen wir vom DDR-Genossen Ullbricht, hat auch niemand die Absicht gehabt, eine Mauer zu bauen..

Dann der Rechtsausleger der italienische Koalition und Innenminister Italiens, Matteo Salvini: er sei inzwischen bereit, von der EU Schadensersatz zu fordern für deren Kommentare, die die Märkt verunsicherten und die Renditen für italienische Staatsanleihen nach oben treiben. Also „Markt-Terrorismus“, wie gestern Di Maio meinte..

Italiens Banken ca. 3%im Minus – man fürchtet eine Herabstufung Italiens durch Ratingagenturen, was die mit Italiens Staatsanleihen vollgesogenen Banken schwer treffen würde. Die Anleiherendite der 10-jährigen italienischen Anleihe zwischenzeitlich über der Marke von 3,4%, der Renditaufschlag zu deutschen Anleihen (spread) nun so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr:

 


(Chart durch anklicken vergrößern)

 

Heute vormittag handelt der Euro in der Nähe der 1,15er-Marke und damit so tief wie seit dem 21.August nicht mehr:

 


(Chart durch anklicken vergrößern)

 

Und der Yuan ebenfalls unter Druck – Dollar-Yuan (Offshore) steigt erstmals seit Wochen wieder über die Marke von 6,90:


(Chart durch anklicken vergrößern)

Der Dax heute ebenfalls unter Druck – nur die deutschen Autobauer laufen ordentlich, weil die deutsche Regierung so ungemein hart gegen sie im Diesel-Skanal vorgeht. Das grenzt ja schon fast an Brutalität!

Daher unser dringender Hinweis: Spenden für die von der Merkel-Regieurung so schwer gestrafte, bettelarme deutsche Autoindustrie bitte auf das Konto von finanzmarktwelt.de überweisen – wir leiten das dann direkt an die deutschen Auto-Konzerne weiter. Ganz fest versprochen..

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    2. Oktober 2018 11:53 at 11:53

    Hallo, Hr. Fugmann! Man könnte ja fast über ihren ironischen Spendenaufruf für die deutsche Automobilindustrie lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wohl ziemlich einmalig in einem sog. Rechtsstaat, dass von Regierungsseite gegen das Strafrecht vertoßende Unternehmen geschützt werden. Wäre neugierig wie der Verfassungsgerichtshof darüber urteilen würde wenn ein kleineres Unternehmen gewerbliche, betrügerische Machenschaften betreibt und bei einer wohl nicht zu vermeidenden Klage die Verfassungsrichter anruft, weil man ja offensichtlich das Gleichheitsrecht mit einer solchen Klage gebrochen hätte????????????

  2. Avatar

    Sabine

    2. Oktober 2018 12:50 at 12:50

    Der WIRKLICHE Dieselskandal ist die Politik, die absolut schwachsinnige Werte verlangt. Aus ideologischen und pekuniären (Geldgier) Gründen.
    https://www.autozeitung.de/schadstoffe-feinstaub-co2-klimasuender-189741.html
    Seit dem Jahr 2000 wurden vier neue Abgasnormen eingeführt. Der erlaubte Ausstoß sank bei Diesel um 84%, bei Benzinern um 60%. Bei Norm 5 kommt hinten bessere Luft raus als vorne rein. Wir haben es geschafft! Auto die Reinigungsanlage! Natürlich ist das Grünen noch zu wenig. Lieber Atomkraftwerke für die E-Autos.
    2.) Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge, (Straßen)Baumaschinen sind die wirklich fetten Umweltsünder beim Auspuff-Ausstoß. Aber die läßt man ungeschoren, weil man hier nicht melken kann!
    3.) „Das Frauenhofer Institut stellte bereits 2010 fest, daß die Umweltzonen …..“ nicht nur wirkungslos für die Belastung durch Feinstaub, sondern auch durch Stickstoffdioxid“ sind und die Umweltzonen sogar eine Senkung der Stickstoffdioxidemissionen verhindern. (Fraunhofer-Institut: Zielkonflikt zwischen Feinstaubminderung und Stickstoffdioxidreduzierung, 2010).“
    https://www.aerzteblatt.de/forum/120300/Am-Arbeitsplatz-sind-950-Mikrogramm-NOx-8-h-am-Tag-40-h-die-Woche-zugelassen
    Zitat: „Völlig unverständlicherweise werden Jahresdurchschnittsgrenzwert für NO2 von 40µg/m³ im Verkehr festgelegt, obwohl die Grenzwerte von Schadstoffen in Innenräumen weitaus großzügiger betrachtet werden und der Mensch sich zu 70-80 Prozent des Tages in Räumen aufhält. Höchst offiziell sind am deutschen Arbeitsplatz für Beschäftigte laut Bundesgesundheitsblatt 950 µg/m³ Innenraumluft als „Maximale Arbeitsplatz-Konzentration“ (MAK) erlaubt. 20 x so hoch wie für NO2 auf Straßen – und zwar 8 Std täglich und 40 in der Woche!!!“
    Außerdem: Der Hauptumweltschaden bei Autos entsteht bei der Herstellung! (Ich arbeite dort!) Eine schwedische Studie hat eindeutig gezeigt, daß E-Autos bei der Herstellung mehr Umweltschäden verursachen. Und bei der Abwrackprämie war die Umwelt bei den Politikpharisäern auch extrem egal! Es mußten funktionierende Autos verschrottet werden, durften auch nicht nach Afrika verschenkt werden! Wo waren da die ganzen Umweltpharisäer?

    Ergo, wenn kein Verbrechen, sondern nur Umgehung des Sozialismus und irrer Grenzwerte, warum soll man da ein schlechtes Gewissen haben? Wenn ich in der damaligen DDR die Mauer überquert hätte, hätte mir niemand eins reingeredet! Auch wenn es in der DdR politisch nicht korrekt gewesen wäre!

    • Avatar

      Kritisch on fire

      2. Oktober 2018 13:48 at 13:48

      Hallo, Sabine! Sie arbeiten bei AUDI, wenn ich mich nicht irre und ich finde es toll wie sie die Automobilbranche und damit ihren Arbeitgeber zu schützen versuchen! Es geht hier aber meiner Meinung nach nicht um die von ihnen zu Recht oder Unrecht angeprangerten Schadstoffgrenzen, hier und dort. Es geht zumindest mir persönlich darum, dass bestehende Gesetze ganz bewusst verletzt und durch gezielte Manipulationen den Konsumeten ein Produkt verkauft wurde welches eben nicht den vorgegebenen Gesetzen entsprach. Ich nenne das den Verdacht auf vorsätzlichen, gewerbsmäßigen Betrug. Das ist gemäß der gültigen Strafgesetzordnung ein sog. Offizialdelikt der eigentlich von Amts wegen verfolgt werden müßte. Soll heißen, dass die Staatsanwaltschaft selbstständig Ermittlungen einleiten müßte. Das geschieht aber nicht. Das finde ich einem sog. Rechtsstaat nicht würdig und im hohen Ausmaß gefährlich.

    • Avatar

      Kritisch on fire

      2. Oktober 2018 14:13 at 14:13

      Nachtrag! Ich muss mich insoferne korrigieren, dass natürlich Ermittlungsverfahren eingeleitet und auch durchgeführt wurden (Hausdurchsuchungen, etc)und das finde ich auch i.O. Was mich aber jetzt so sehr stört, sind die Verhandlungen der Politik mit den Herstellern. Das ist m.E. „Schattenboxen“. Die Politik sollte das eingeleitete Strafverfahren abwarten und dies auch entsprechend kommunizieren. Die Staatsanwaltschaften sollen Anklage erheben, Klage führen und die Gerichte über notwendige Schadensersätze, Strafen gegen Verantwortlichen, etc. urteilen. Wenn es der Politik gelingt (ich zweifle nur daran) außergerichtliche Schadensersatzzahlungen zu erwirken so wäre das begrüßenswert, was jedoch niemals die Unabhängigkeit der Justiz und die damit verbundene Urteilsfindung beeinträchtigen darf.

      • Avatar

        Wolfgang M.

        2. Oktober 2018 15:41 at 15:41

        @Kritisch on fire. Jetzt haben Sie doch noch die Kurve gekriegt. Natürlich hat die StA das Legalitätsprinzip angewandt und Ermittlungen durchgeführt. Bei Hausdurchsuchungen sind auch richterliche Anordnungen erforderlich, da bei diesen langwierigen Ermittlungen sicherlich keine Gefahr im Verzuge gegeben war. Wo sich die Gerichte in Wirtschaftsstrafsachen immer schwer tun, ist Vorständen nachzuweisen, dass sie vorsätzlich (mit Wissen und Wollen) gehandelt haben. Daran scheitert es oft. Fahrlässiges Handeln ist ja nur strafbar, wenn dies ausdrücklich im Gesetz bestimmt ist. Das ist die strafrechtliche Seite, die zivilrechtliche eine andere. Allerdings fällt es schon schwer, dass man hier die bewusste Erregung eines Irrtums durch Unterdrückung wahrer Tatsachen zur Erreichung eines rechtswidrigen Vermögensvorteils nicht beweisen kann. Vw und Audi hätten doch nie so viele Autos bei Offenlegung der echten Emmissionswerte verkauft – Sinnhaftigkeit dieser Emmissionsgrenzen hin oder her. Der große Witz für mich ist, dass der promovierte Ingenieur Martin Winterkorn, der sich zum Schrecken seiner Mitarbeiter für jedes Detail interessierte, immer noch sein Unwissen über die Herkunft der guten Abgaswerte beteuern kann.
        Viele Grüße

        • Avatar

          Kritisch on fire

          2. Oktober 2018 16:30 at 16:30

          @Wolfgang.M!
          Ja, Ja, Ja – manchmal geht es mit mir durch, wenn ich mir den ganzen Mist sowohl der Politik wie auch der Hersteller anhören muss, mit dem Wissen, dass wie immer am Ende der Kleine die Zeche bezahlt! Man denkt jetzt sogar noch darüber nach Sonderrabatte einzuführen um das „Bescheiß-Fahrzeug“ gegen ein neues austauschen zu können und dafür natürlich noch einmal kräftig in die Tasche greifen darf – eine Ungeheuerlichkeit oder eigentlich geniale Marketingstrategie wie sie eigentlich nur Politikern einfallen kann.

  3. Avatar

    Macwoiferl

    2. Oktober 2018 14:01 at 14:01

    Ahoi Herr Fugmann, warum so hämisch über Italien?
    Di Maio und Co. haben völlig recht!
    Statt Austerität zum Wohle von Goldman Sachs lieber Geld zum Wohle der Bürger.
    Endlich mal jemand, der Klartext redet- RESPEKT!
    Bin gespannt wie lange die durchhalten.
    Den Herrn Tsipras hat ja Barack Obama seinerzeit telefonisch zerschreddert.
    Plötzlich ward aus dem Salonlinken dann ein griechischer Bankenvertreter.
    Eu-Junta und Mainstream-Medien versuchen nun das gleiche bei Italien.
    Schade, dass Sie ins selbe Horn stoßen!

  4. Avatar

    Wolfgang M.

    2. Oktober 2018 14:49 at 14:49

    Und schwuppdiwupp hat Ministerpräsident Conte dementiert, dass man aus dem Eurosystem austreten wolle. Wie kann man denn ernsthaft in Erwägung ziehen, dass so etwas ohne langfristige Planung umsetzbar wäre, ohne ein Chaos auszulösen. Lehman 2.0 in größerer Dimension. Das größere Kapital hätte in Stunden das Land verlassen, die italienischen Banken wären auch ohne Bankrun erledigt, andere aus den Südländern ernsthaft gefährdet. Durch die internationale Vernetzung der Banken fegte ein Taifun über die Finanzmärkte. Die italienische Wirtschaft geriete sofort in der Rezession, mit heftigen Folgen. Da wäre der Verlust der Target 2-Salden noch das geringere Problem. Italienische Unternehmen hätten schnell doppelt so hohe Auslandsschulden (das ginge sogar noch schneller als aktuell mit der türkischen Lira), man mag sich das gar nicht alles ausmalen. Ein Italexit ginge m.E. nur mit einer international abgestimmten Aktion.

    • Avatar

      Columbo

      2. Oktober 2018 16:33 at 16:33

      Die EU-Reaktion auf Italien ist nicht sehr überzeugend, schon gar nicht Junckers Drohgebärden. Da war man bei Griechenland schon mutiger. Im Grunde weiß jeder, daß es ihn morgen auch erwischen könnte, also läßt man den Südstaaten ihre Defizite. Die EZB wird gute Miene machen, ist halt wieder so ein Experiment, eh schon eine Art Helikoptergeld, was da veranstaltet wird. Wie es ausgehen wird, wissen nur die Götter(und die Crashpropheten). Man kann nur beten, daß es nicht einen weltweiten Konjunktureinbruch gibt, denn dann…

  5. Avatar

    Michael

    2. Oktober 2018 20:41 at 20:41

    @Macwoiferl, wie gut nur, dass wenigstens Sie nie ins selbe Horn stoßen!
    Der böse Obama damals, die kriminelle EU, die weltumspannenden Mainstream-Medien. In jedem Kommentar, immer und immer wieder, dieser populistische, nie bewiesene oder je zu beweisende kindische Unsinn. Echt jetzt?!
    Glauben Sie wirklich, dass all die Rechts-Linkspopulisten bis hin zu den radikalen Fraktionen irgendwelche Lösungen parat haben, die Probleme zum sog. Wohle der Bürger lösen können oder würden?
    Glauben Sie wirklich, dass der Herr Tsipras von einem Ami seinerzeit telefonisch zerschreddert wurde? Hätte er nicht einfach auflegen können ;) Ist er nicht die Nr. 1 eines souveränen Staates?

    Könnte es nicht sein, dass all die großmäuligen Populisten ganz simpel und grausam einfach nur an der Realität scheitern, sobald sie aufgrund ihrer Lügen und falschen Versprechungen an die Macht gewählt werden? Dass die Realität Tausende und Abertausende von weiteren Facetten, Fragen und Aufgabenstellungen für unsere rechten Helden in petto hat, von denen sie ganz einfach überfordert sind?
    Wenn man nur Deutschland betrachtet: Noch nie waren all die Super-Maulhelden der AfD so angenehm ruhig, wie seit den Zeiten, zu denen sie nun auch utopische Monatseinkommen, dazu sensationelle Diäten und eine veritable Summe für die Zukunft einschieben dürfen.

    Betrachten Sie nur einmal die Unfähigkeit der großen Briten, aus einem Vertrag geordnet auszutreten. Chaos pur, Hoffnung auf Rosinenpicken, zwei Drittel inzwischen für einen Exit aus dem Brexit.
    Wenn ich mir das Szenario nun bei vergleichsweise zu den Briten heißblütigen, emotionsgesteuerten und erstmals an der Macht schnuppernden italienischen Politikern aus der Kasperl- und/oder Mafiaszene vorstelle, WOW!!!

    Ich höre, sehe und lese trotz meines 12-Stunden-Arbeitstages regelmäßig unzählige Nachrichten jeglicher Couleur, von radikal links über gemäßigt bis radikal rechts. Es gibt keine alles beeinflussenden Mainstream-Medien mehr im Zeitalter der globalen Informationsmöglichkeiten.
    Es gibt höchstens noch faule, tumbe, voreingenommene oder übersättigte Menschen, die nicht mehr willens sind, das gewaltige Spektrum an Informationen aufzurufen, aufzunehmen und objektiv zu verarbeiten.

    Es gibt (und gab praktisch so gut wie nie) Politiker, die irgendetwas nach ihren haltlosen Wahlversprechungen zum Wohle der Bürger getan haben. Klartext REDEN, schön und gut. Den Klartext zu durchdenken, nun ja… Klartext umzusetzen, au weia!!!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

weiterlesen

Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

weiterlesen

Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage