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Aktuell: Türkei belässt Leitzins bei 14 Prozent – trotz grassierender Inflation

Die Zentralbank der Türkei hat entschieden den Leitzins bei 14 Prozent zu belassen - und das trotz grassierender Inflation!

Türkei-Fahne

Die Zentralbank in Ankara hat vor wenigen Minuten entschieden den Leitzins für die Türkei bei 14 Prozent zu belassen. Im letzten Jahr wurde er von 19 auf 14 Prozent abgesenkt, trotz einer steigenden Inflation. Und obwohl die Teuerungsrate auch dieses Jahr immer weiter ansteigt auf inzwischen dramatisch hohe 73,5 Prozent, hat die Zentralbank in den letzten Monaten den Leitzins unverändert bei 14 Prozent gehalten, so auch heute. Eigentlich wäre eine drastische Zinsanhebung notwendig um die Inflation zu bekämpfen. Aber Präsident Erdogan drängt seit geraumer Zeit auf weiter fallende Zinsen. Wie begründet die Zentralbank die heutige Entscheidung? Den wichtigsten Teil haben wir fett markiert.

Türkei hält Leitzins stabil bei 14 Prozent – die Aussagen der Zentralbank

Die eskalierenden geopolitischen Risiken haben sich laut aktuellem Statement der Zentralbank in Ankara in der ersten Jahreshälfte negativ ausgewirkt und eine Abschwächung der weltweiten Wirtschaftstätigkeit bewirkt. Die globalen Wachstumsprognosen für den kommenden Zeitraum wurden nach unten korrigiert. Die zunehmende Besorgnis über die weltweite Nahrungsmittelsicherheit aufgrund von Handelsbeschränkungen, der hohe Verlauf der Rohstoffpreise, die anhaltenden Versorgungsengpässe in einigen Sektoren, insbesondere bei Nahrungsmitteln und Energie, und die hohen Transportkosten hätten international zu einem Anstieg der Erzeuger- und Verbraucherpreise geführt.

Die Auswirkungen der hohen weltweiten Inflation auf die Inflationserwartungen und die internationalen Finanzmärkte beobachte man genau. Darüber hinaus würden die Zentralbanken in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften betonen, dass der Inflationsanstieg aufgrund der steigenden Energiepreise und des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage länger anhalten könnte als bisher angenommen. Die Divergenz in den geldpolitischen Schritten und Mitteilungen der Zentralbanken in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften habe aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirtschaftsaussichten zugenommen. Es sei zu beobachten, dass die Zentralbanken ihre Bemühungen verstärkt haben, neue unterstützende Maßnahmen und Instrumente zu entwickeln, um den zunehmenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten zu begegnen.

Die Kapazitätsauslastung und andere Frühindikatoren zeigen laut der Zentralbank in Ankara, dass sich das robuste Wachstum in der Türkei vom Jahresanfang auch im zweiten Quartal fortsetzt, unterstützt durch die Auslandsnachfrage. Während der Anteil der nachhaltigen Komponenten des Wirtschaftswachstums mit tourismusbedingten Verbesserungen zunimmt, würden die Risiken für die Leistungsbilanz der Türkei aufgrund der Energiepreise bestehen bleiben. Ein nachhaltiger Leistungsbilanzsaldo sei wichtig für die Preisstabilität. Das Kreditwachstum und die Mittelverwendung für realwirtschaftliche Zwecke werden genau überwacht. Man werde die verstärkte makroprudenzielle Politik weiterhin entschlossen umsetzen und bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Die Begründung für den unveränderten Zinssatz

Der Inflationsanstieg in der Türkei ist laut Aussage der Zentralbank auf steigende Energiekosten infolge geopolitischer Entwicklungen, auf vorübergehende Auswirkungen von Preisbildungen, die nicht durch wirtschaftliche Fundamentaldaten gestützt werden, sowie auf starke negative Angebotsschocks infolge des Anstiegs der weltweiten Energie-, Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffpreise zurückzuführen. Bei der Zentralbank geht davon aus, dass der Disinflationsprozess aufgrund der ergriffenen und entschlossen umgesetzten Maßnahmen zur Stärkung der nachhaltigen Preis- und Finanzstabilität sowie des Rückgangs der Inflation aufgrund des Basiseffekts und der Beilegung des anhaltenden regionalen Konflikts einsetzen wird. Daher habe man heute beschlossen den Leitzins unverändert zu lassen.

Um eine institutionelle Grundlage für nachhaltige Preisstabilität zu schaffen, werde die umfassende Überprüfung des politischen Rahmens mit dem Ziel fortgesetzt, eine dauerhafte und verstärkte Liraisierung aller politischen Instrumente der Zentralbank der Türkei zu fördern. Die sicherheits- und liquiditätspolitischen Maßnahmen, deren Überprüfungsprozess abgeschlossen ist, würden weiterhin umgesetzt, um die Wirksamkeit des geldpolitischen Transmissionsmechanismus zu stärken.

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Die Zenralbank wird laut eigener Aussage im Rahmen der Liraisierungsstrategie weiterhin alle verfügbaren Instrumente entschlossen einsetzen, bis starke Indikatoren auf einen dauerhaften Rückgang der Inflation in der Türkei hindeuten und das mittelfristige Ziel von 5 Prozent (aktuell 73,5 Prozent) erreicht ist, um das vorrangige Ziel der Preisstabilität zu erreichen. Ein stabiles allgemeines Preisniveau werde die makroökonomische Stabilität und die finanzielle Stabilität durch den Rückgang der Länderrisikoprämie, die Fortsetzung der Umkehr der Währungssubstitution und den Aufwärtstrend bei den Devisenreserven, sowie den dauerhaften Rückgang der Finanzierungskosten fördern. Dies würde eine tragfähige Grundlage für ein weiteres gesundes und nachhaltiges Wachstum von Investitionen, Produktion und Beschäftigung schaffen.



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1 Kommentar

  1. unsere türkischen nationalbanker hätten auch eine auszeichnung von “ london school of economics “ verdient. das ist diskriminierung.
    ich glaube, wenn die ecb 25 basispunkte die zinsen anheben sollte, liegt es nahe das frankreich massive probleme bekommt, und wieder die gelbwesten wüten werden. danach nehme ich an kommt die zweite wirtschaftsunterstützung heisst corona 2.0.
    somit hat man die bürger am besten im griff, heisst 2 fliegen mit einer klappe.

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