Devisen

Aktuell: Türkische Zentralbank interveniert erneut – Türkische Lira ohne Erholung

Türkei-Flagge

Die türkische Lira notierte heute auf einem Rekordtief bei 13,94 Lira für 1 US-Dollar. Und aktuell kommt zum dritten Mal in wenigen Tagen die identische Mitteilung der türkischen Zentralbank, wieder nur der eine Satz, Zitat: „The Central Bank of the Republic of Turkey directly intervenes in the market via selling transactions due to unhealthy price formations in exchange rates.“

Die türkische Zentralbank verkauft also US-Dollar und Euro aus den eigenen Beständen und kauft im Tausch dafür türkische Lira, in der Hoffnung, dass der Lira-Kurs ansteigt. Denn das Kursniveau der Lira sei ungesund, so die Mitteilung. Die Reaktion am Devisenmarkt? Erschütternd. Denn wenn eine Notenbank offiziell verkündet, dass sie interveniert um die Währung zu stützen, wertet sie eigentlich spürbar auf. Aber wie letztes Mal, sah man vorhin nur wenige Minuten eine kleine Reaktion. US-Dollar vs Lira wertete ab von 13,93 auf 13,73, um bis jetzt wieder auf 13,92 zu steigen. Es war also eine wenige Minuten anhaltende kleine Lira-Aufwertung, die sofort wieder verpufft ist.

Zerohedge erwähnt aktuell, dass laut Goldman Sachs die Devisenreserven der türkischen Zentralbank schnell abgebaut werden. Dies macht die Lage noch problematischer. Denn wenn man am Devisenmarkt zur Ansicht kommt, dass die Zentralbank der Türkei bald gar keine Handlungsoption mehr hat, könnte man auf die Idee kommen mehr denn je gegen die türkische Lira zu spekulieren. Dieser Trade läuft eh seit geraumer Zeit, da das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Zentralbank dank der politischen Beeinflussung durch Präsident Erdogan erloschen ist.

Erdogan übt massiv Druck aus, dass der Leitzins noch weiter gesenkt werden soll. In den letzten Wochen wurde er bereits kräftig gesenkt von 19 auf 15 Prozent – während die Inflation in der Türkei in den letzten Monaten immer weiter gestiegen ist auf aktuell 21,3 Prozent. Eigentlich müsste man zum Bremsen der Inflation den Leitzins auf das selbe Niveau oder sogar noch höher anheben – aber in der Türkei geschieht das Gegenteil.

Brasilien zum Beispiel fährt aktuell genau den Kurs, der nach weltweit anerkannten ökonomischen Maßstäben der richtige ist. Die Inflation steigt, und die Zentralbank hebt den Leitzins gerade kräftig an um zur Inflation aufzuschließen (hier die jüngste Meldung zur Zinsanhebung von gestern).

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten zwölf Monaten
Chart zeigt Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten zwölf Monaten.



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2 Kommentare

  1. Kein Problem.

    Der Topökonom des Landes, Erdogan, hat alles im Griff.

    Da Zinsen ja Teufelszeug sind, betet er heute einfach die Inflation weg.

    Montag ist alles wieder in bester Ordnung und das Wirtschaftswunder in der Türkei nimmt seinen lauf ;-)

    Jetzt darf ich wohl keinen Urlaub mehr in der Türkei machen oder? Naja, hatte ich eh nicht vor, solange der Möchtegernsultan dort sein Unwesen treibt ;-)

  2. Hoppla.

    Herr Erdogan, der Topökonom der Türkei, hat sich wohl ein wenig verspekuliert.

    Jetzt haben wir es Montag und die Lira stürzt weiter gegenüber dem Dollar ab.

    Und bei der Inflation in der Türkei sieht es nicht viel besser aus.

    Vielleicht möchte Herr Erdogan ja einfach nur beweisen, dass ein Notenbank insolvent gehen kann ;-)

    In dem Zusammenhang:

    Von den Aposteln der Modern Monetary Theology (passt irgendwie besser als „Theory“;-) hört man zurzeit auch nicht mehr viel.

    Könnten die Vertreter dieser Theory bzw. Theologie nicht noch einmal in schlauen Worten erklären, warum eine ungedeckte Geldvermehrung die keinerlei Anreize für Mehrleistung setzt, keine Nebenwirkungen (wie z.B. Inflation) hat?

    Vielleicht könnte ja mal Herr Erdogan (als Topökonom des 21. Jahunderts) bei „Boom and Bust“ seine Ideen zu Zinssenkungen bei galoppierender Inflation erklären. Das wäre Lustig :-)

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