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Aktuell: UK-Finanzaufsicht zieht CFD-Regulierung drastisch an – wegweisend auch für Deutschland?

Die Regulierung für CFD-Anbieter mit Sitz in Großbritannien wird drastisch verschärft, wobei es vor allem um die Maximal-Hebel geht. Hierbei geht es der FCA nach eigener Aussage vor allem um den Schutz der Kunden, da nach einer FCA-Analyse 82% der Kunden…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir hatten es prognostiziert. Nachdem vor Kurzem die nur auf den ersten Blick unbedeutende zypriotische Finanzaufsicht CySec ihre Regulierung für Forex und Binäre Optionen angezogen hatte, folgt heute die britische Finanzaufsicht „Financial Conduct Authority“ (FCA). Sie widmet sich mit dem Oberbegriff „Contracts for Difference“ (CFD), dem mit hohen Hebelwirkungen durchgeführten Handel in Aktien, Indizes und Währungen. Die Regulierung für CFD-Anbieter mit Sitz in Großbritannien wird drastisch verschärft, wobei es vor allem um die Maximal-Hebel geht. Hierbei geht es der FCA nach eigener Aussage vor allem um den Schutz der Kunden, da nach einer FCA-Analyse 82% der Kunden im CFD-Trading Geld verlieren würden.

cfd-regulierung-trading
Aktiver Aktienhandel. Foto: Andyhill8/Wikipedia /Gemeinfrei

Bevor wir weitermachen, eine Frage an uns alle: Wo hört vernünftige Regulierung auf, und wo beginnt die Gängelung von Anlegern, frei entscheiden zu können, wie wo wann und was sie anlegen oder traden? Denn beim CFD-Trading handelt es sich fast zu 100% um Privatanleger, die ohne Anlageberater ganz alleine mit ihrem eigenen Geld Tradingentscheidungen treffen wollen. Wie sehr sollte ein Staat diese Menschen von ihrem Glück/Unglück abhalten? Wäre es nicht viel sinnvoller sich beim Anlegerschutz auf die Bürger zu konzentrieren, die von Banken und Anlageberatern in „Anlageprodukte“ geführt werden? Sollte man sich nicht hierauf konzentrieren? Aber gut, jetzt zum aktuellen Inhalt.

Die FCA spricht vom notwendigen Schutz von immer mehr Kunden, die Produkte wie CFDs handeln würden, ohne sie wirklich zu verstehen. Das mag im Einzelfall auch so sein. Vier konkrete Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass Kunden von CFD-Brokern mit Sitz in Großbritannien besser geschützt werden.

1)
Standardisierte Risikohinweise und verpflichtende Offenlegungen, wie bei CFDs bisher das Verhältnis von Gewinnen zu Verlusten ausgesehen hat. So eine Art Warnhinweis wie auf Zigarettenschachteln? Du darfst weiter rauchen, aber hey, schau mal hin was mit Dir passieren kann.

2)
Unerfahrene Neu-Einsteiger im CFD-Handel mit einer Erfahrung von weniger als 12 Monaten im aktiven Handel sollen einen maximalen Hebel von 25 nutzen dürfen (wer entscheidet eigentlich, was ein noch ein angemessener Hebel ist? Warum nicht bei 23 oder 27?).

3)
Für alle Privatkunden (also auch die Erfahrenen) wird ein maximaler Hebel von 50 verbindlich. Niedrigere Maximal-Hebel werden je nach riskanteren Einzelmärkten eingeführt. Die FCA verweist darauf, dass bisher teilweise Hebel von bis zu 200 Privatkunden zugänglich gemacht werden. Und in der Tat: Wer ihn ausnutzt und falsch im Markt liegt, hat verdammt schnell verdammt hohe Verluste. Andersrum natürlich genau so.

4)
Genau wie auf Zypern wird den Anbietern von CFDs verboten Bestandskunden und auch Neukunden Bonus-Anreize zu bieten. Denn wie schon die CySec vor Kurzem ausführte, ist man davon überzeugt, dass gerade die Neukunden durch Bonus-Versprechen animiert werden kräftig drauf los zu traden, um Mindestanforderungen für den Bonus zu erreichen. Die Vermutung vieler Aufseher ist aber, dass bis dahin viele Kunden ihre Einlagen durch das aktive Trading schon durchgebracht haben.

Diese neuen Regeln sind zwar de facto schon beschlossen – offiziell will man aber noch bis zum 7. März 2017 Feedback aus der Branche einholen und auswerten. Dann im Frühjahr 2017 soll die Umsetzung der Regeln erfolgen. Vielleicht dann mit Hebel 35 statt 25? Aber letztlich ist die Marschrichtung klar: Gesetzliche Einschränkung! So oder ähnlich wird wohl demnächst auch die Regulierung in Deutschland aussehen. Maximal-Hebel für Kunden usw. Warum groß eigene Ideen entwerfen, wenn die Briten als Hauptstandort für CFD-Anbieter schon diese konkreten Vorgaben machen. Wie schnell darf man mit BaFin-News zu dem Thema rechnen?

Die FCA verweist unter anderem darauf, dass sie unzufrieden ist mit den bisherigen Risikoaufklärungen und Intransparenz bei Anbietern. Auch erwähnt sie, dass es sich teilweise schon eher um Glückspiel als um Investments handele. Hiermit meint die FCA wohl die nicht wirklich seriös angehauchte Branche für Binäre Optionen, wo wir auch eher von Glückspiel sprechen. Aber was wissen wir schon. Hier die FCA im Original-Zitat zur heutigen Veröffentlichung.


“We have serious concerns that an increasing number of retail clients are trading in CFD products without an adequate understanding of the risks involved, and as a result can incur rapid, large and unexpected losses. We are introducing stricter rules for CFD products to ensure the sector addresses the shortcomings identified, and that firms make sure that retail clients are aware of the high risks involved in trading these complex products.

“The FCA also has concerns that binary bets pose investor protection risks and question whether binary bets meet a genuine investment need.”

On-going supervision work by the FCA over the past six years has identified instances of poor conduct across the CFD sector. This includes firms failing to adequately consider if CFDs are appropriate for their customers, failing to provide adequate risk warnings, and firms offering excessive levels of leverage to retail clients.

The FCA has also observed that binary bets are not transparent enough for investors to adequately value them, and have product features which are more akin to gambling products than investments.

The FCA’s proposed measures are intended to ensure an appropriate level of consumer protection. Several EU member states have already introduced restrictions on CFD retail products.


15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    m.d

    6. Dezember 2016 14:13 at 14:13

    die regelung geht in die richtige richtung. bin seit 2 jahren dabei und habe einiges verloren. einen niedrigeren hebel für neueinsteiger wäre mehr wie richtig.
    ausserdem sollten die fx anbieter jedem einsteiger seminare anbieten in welcher man den angehenden trader auf die grundlagen des tradings einübt. und das müsste kostenlos sein.

    • Avatar

      Oliver Berzbach

      7. Dezember 2016 11:08 at 11:08

      ist besser, wenn Du beim Sparbuch bleibst

  2. Avatar

    simi

    6. Dezember 2016 14:24 at 14:24

    ein niedriger Hebel würde dazu führen das die Konten größer werden müssten um handeln zu können, ein Anfänger verspielt dann evtl. im ersten Jahr 10.000€ statt bisher vielleicht 1000…

    • Avatar

      m.d

      6. Dezember 2016 14:43 at 14:43

      ich habe für einsteiger 1:25 gemeint. nach z.b einem jahr auf 1:50 anheben nach 2 jahren 1:100. es geht mir nur um den schutz der anleger welche ihren ersten trade machen.
      noch wichtiger wäre mir das anbieten von kostenlosen seminaren. das seminar kann man ja als bonus anbieten wenn ein konto eröffnet. oder?

  3. Avatar

    Marko

    6. Dezember 2016 14:31 at 14:31

    Ja, und Witz ist, nebendran bei Finanzmarktwelt,sehen wir Werbung eines CFD-Brokers ? ;)

    CFDs sind kein Glücksspiel, werden aber zum Glücksspiel zu überhöhten Hebeln bzw., dann, wenn ich mein Konto „überhebele“.
    Die bekannten CFD-Broker haben übrigens Ihre Margin-Sätze „zurückgefahren“ , nachdem nicht vorhanden „Italexit“….
    Jaja ,die Schweiz und die Folgen… :D

    CFDs sind attraktiv, aber dies nur bei Indizes, Aktien-CFDs z.B. machen keinen Sinn… Ausserdem muss man wissen, mit welchem Broker man handelt, Stichwort Intrasparenz…

    VG

    Marko

  4. Avatar

    Marko

    6. Dezember 2016 14:45 at 14:45

    Und die Werbung sagt :

    Keine Nachschusspflicht ?!

    Wollen Sie wissen, wieviele CFD-Broker ordentlich in Bredouille kamen, beim „Schweiz-Event“ ?
    Bei so einem „schwarzen Schwan“ haben die CFD-Broker keine Chance (aus verschienden Gründen), das ist und bleibt Fakt.
    Deswegen macht eine einheitliche Hebelbegrenzung für „gierige Privatanleger“ schon Sinn…

    Vg

    marko

  5. Avatar

    Der Katamaransegler

    6. Dezember 2016 15:18 at 15:18

    „Kundenschutz“ ist nur leeres Geschwätz. Im Grunde gehts es um die Vorbereitung für Besteuerung der Round Turns. Und bei den CFD’s guckt Onkel Fiskus halt in die Röhre.
    Wenn der mütterlich sorgende Staat wirklich den ach so armen kleinen hilflosen Trader vor den Krallen der Börsengier würde beschützen wollen, dann dürften erst recht keine Warrants (Optionsscheine) mehr angeboten werden.
    Es gibt noch genügend andere Instrumente, mit denen Unerfahrene und Neulinge ihr Konto zerschiessen können. Hauptsache „Hebel“.
    Nach 25 Jahren im Trading bin ich überzeugt davon, dass viele genau das brauchen.
    Und fast genauso viele sind lernresistent. Das ist weder Zynismus noch Häme – es ist Realität.

  6. Avatar

    Marko

    6. Dezember 2016 15:52 at 15:52

    Um es nochmal ganz klar zu sagen :

    Sie handeln über CFDs indirekt Futures-Kontrakte, es ist egal, ob Sie über ein Market-Maker, oder über einen DMA (Direct-Market-Accsess), also einen sogenannten ECN-Broker, handeln.
    Deshalb dürfte die Werbung mit „keiner Nachschusspflicht“, sehr interessant werden, sollte es zu einem „Black-Swan-Event“ kommen, gerade für die sogenannten Market- Maker? :D

    VG

    Marko

    Die Attraktiviät der CFSs besteht eben darin, dass man dem doofen Privatanleger teilweise zu Billigstkonditionen einen Zugang zum Futuresmarkt ermöglicht, als „Bonbon“ z.B : obendrauf :

    „Wenn Sie 1000 Eur einzahlen, dann erhalten Sie von uns einen 250 EUR-Trading-Bonus“

    zu den Konditionen des CFDs-Anbieters, versteht sich ?

    Na, wer wird da wohl gewinnen ?

    VG

    Marko

  7. Avatar

    Marko

    6. Dezember 2016 16:17 at 16:17

    „Und bei den CFD’s guckt Onkel Fiskus halt in die Röhre.
    Wenn der mütterlich sorgende Staat wirklich den ach so armen kleinen hilflosen Trader vor den Krallen der Börsengier würde beschützen wollen, dann dürften erst recht keine Warrants (Optionsscheine) mehr angeboten werden.“

    Der Witz ist, die Optionsscheine werden von Emittenten (Banken) verkauft, die sich über Futures-Börse absichen müssen. Bei Optionsscheinen gibt es, im Unterschied zu den CFDs einen Unterschied : Garantiert keine Nachschusspflicht.

    Nur das Problem ist, sogenannte Warrants sind für den 08/15 – Kunden so schwer berechenbar (bzw zu verstehen :D ).

    Da sagte man sich, nehmen wir doch mal sogenannte Hebel-Zertifikate auf Gold, Dax usw.

    Das kapieren „Die“ dann, damit können „Wir“ Geld verdienen. :D

    Dann kam z.B. Goldman-Sachs mit ihrem sogenannten Bric-Zertifakten, Faktor-Zertifikate usw.

    VG

    Marko

    • Avatar

      Der Katamaransegler

      6. Dezember 2016 17:34 at 17:34

      Hallo Marko,
      Meine Meinung zu Optionsscheinen will ich hier nicht niederschreiben. Es ist erstens vertane Zeit und zweitens müsste ich mit einer Anzeige rechnen, würde ich mich verständlich ausdrücken. Weder sind sie berechenbar, noch kann man stops setzen …
      Im Lauf der Zeit häufte sich die Kritik und hatte sich in den Foren der Zocker-Szene herumgesprochen. Es folgte von den Emittenden eine neue, geradezu geniale Konstruktion, die man euphemistisch „Zertifikate“ nannte. Der Ausdruck suggeriert die geballte Seriosität einer Teppichetage.
      Die Nachfrage ist enorm. In der Schweiz werden sie mit ganzseitigen Anzeigen in grossen Zeitungen beworben. Unglaublich.
      Anzeigen, so grossformatig wie jene von BMW oder Daimler. Und es kommt immer irgendwo das Wort „garantiert“ vor.
      Das sagt viel. VG

      • Avatar

        Marko

        7. Dezember 2016 23:40 at 23:40

        Hallo Herr Katamaransegler,

        der Punkt ist doch folgdender, natürlich sind Optionsscheine, nebst Zertifakten, nebst allen CFDS im Amiland verboten. Warum ?
        Na ganz einfach darum weil der Emittent, der die Dinger verkaft, das Sagen hat.

        Nur, kann mann, wenn man Ahnng hat, mit optionsschenen „spielen“, das können die allerwenigsten, weil „die“ doch wissen, dass 90 %der CFD, Zeritifakte-Player , also diese Leute mit den Heblrodukten verlieren werden. Ausserdem gibt es bei den Hebelprodkten die „richtige Börse“, Futures, Optionen usw, aber : das sind entweder die Eintrittskriterien zu hoch (Futures) oder die Sache wird so komplizuert , dass sich Otto-Normalverbraucher darauf niemals einlässt.

        Ein Beispiel, eine Mail eines bekannten CFD – Brokers :

        „hiermit informieren wir Sie darüber, dass die einschränkenden Tradingoptionen rund um das „Marktereignis“ Italien-Referendum aufgehoben sind…

        Alle unsere Tradinginstrumente sind wieder handelbar.
        Die Marginanforderungen für unseren Bestseller DAX30 CFD sind auf das gewohnte Level (Hebel auswählbar bis 200 (!!!!!!) ) zurückgekehrt….

        Die wenigen Kunden, die aufgrund heftiger Marktbewegungen und Gaps bei Admiral Markets UK in einen negativen Kontostand gerutscht sind, haben wir wie gewohnt mit eigenen Mitteln kompensiert, unserer Negative Balance Compensation Policy folgend.

        Obwohl wir rund um das Ereignis „Italien Referendum“ keine besonders nennenswerten, abnormalen Marktbewegungen gesehen haben, ist im Jahr 2016, insbesondere rund um die anderen Markt-Events „Trump Wahl“ und „Brexit“, die Rate der negativen Kontostände der Kunden signifikant gestiegen (!!!!!)

        . Für Ihr und unser Risikomanagement werden wir deshalb für einige europäische Index-CFDs & Anleihe CFDs die Marginanforderungen bis auf weiteres erhöhen.

        Alle oben genannten Handelsinstrumente beinhalten eine längere, tägliche Handelspause, was gehäufter zu größeren Gaps führen kann. Das generelle Weekend-Gaprisiko gilt hier natürlich ebenso, wie grundsätzlich für alle handelbaren Werte.“

        Lustig !!!

        Das ist eben die Gier der Menschen, mit einem Hebel von 200 den Dax zu handeln…

        VG

        Marko

  8. Avatar

    Michael

    6. Dezember 2016 21:43 at 21:43

    Welcher normale Mensch braucht einen Hebel von 100? Wer sowas ausreizt hat sein Konto schneller geerdet als er gucken kann.

  9. Avatar

    Adiceltic

    7. Dezember 2016 11:59 at 11:59

    Ich finde diese Entscheidung mehr als überfällig!!! Endlich mal eine vernünftige Entscheidung zum Schutz und Gemeinwohl aller. Wobei ich mich eh frage warum der Statt bei diesen Geschäften so lange tatenlos zugesehen hat, trotz Banken- und Finanzkrise. Eigentlich eine Schande für die Politik…

  10. Avatar

    Marko

    9. Dezember 2016 22:54 at 22:54

    „Das Verlustrisiko ist bei CFDs mit Nachschusspflicht für den Anleger unkalkulierbar. Aus Verbraucherschutzgründen können wir das nicht akzeptieren“, erläutert Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele das Einschreiten der Aufsicht.

    Exakt, mit anderen Worten : CFDs sind in Wirklichkeit „kleine Futures“ für die „kleinen Frau bzw. Mann“, um jene abzuzocken…

    Was anderes sind die „echten Futures“, das sind die Eintritsbarrieren wesentlich höher, das sind in der Regel Profis, die sowas in Sachen unbegrenzter Nachschusspflicht kaufen. Aber : die Profis kaufen dann doch lieber keine CFDs, lieber das Underlying… :D

    VG

    Marko

    • Avatar

      Der Katamaransegler

      10. Dezember 2016 19:30 at 19:30

      Hallo Marko,
      Die „Unkalkulierbarkeit des Risikos bei CFD’s “ ist
      1.) Wasser auf die Mühlen der etablierten Warrnt Emittenden
      2.) Gibt dem BaFin seine Existenzberechtigung – Das Wort Papiertiger benutze ich natürlich nicht ;-)
      Mit diesem Feldzug schägt das BaFin gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe:
      – Es trifft publikumswirksam den Nerv der breiten nicht informierten Masse
      – Es geriert sich als Retter und Beschützer der Hilflosen
      – Es bereitet den Boden für die Round Turn- Besteuerung
      – Es unterstützt die etablierten Warrant-Emittenden
      – Es kann sagen: „Verbieten tun wir nichts “ (was ja auch stimmt)
      – Es zeigt der Bevölkerung, dass dieser bisher zahnlose Tiger neuerdings im Besitz einer Zahnprothese ist und sie voller Stolz allen präsentiert.
      Wer näher hinsieht, der bemerkt bald:
      Die neuen Zähne des BaFin sind nur Bangemacherei. Zubeissen können sie nicht.
      Immerhin, als Wurfgeschoss erfüllen sie leidlich hren Zweck.
      VG und Handbreit

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

Veröffentlicht

am

Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien

Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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Aktien

JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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