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Aktuell: Ursula von der Leyen mit hauchdünner Mehrheit neue EU-Kommissionspräsidentin

Claudio Kummerfeld

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am

Vor wenigen Augenblicken wurde das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament verkündet. Ursula von der Leyen wird neue EU-Kommissionspräsidentin. Sie erhielt 383 JA-Stimmen, gerade mal 9 Stimmen mehr als benötigt. Es gab 327 NEIN-Stimmen, 23 Enthaltungen und 1 ungültige Stimmen. Die Aussagen der Parlamentarier in den letzten Stunden haben es klar gemacht. Vor allem Konservative und Liberale haben Ursula von der Leyen die Mehrheit gesichert, zusammen mit Teilen der Sozialdemokraten.

Ursula von der Leyen
Ursula von der Leyen. Foto: Dirk Vorderstraße CC BY 3.0

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    16. Juli 2019 19:55 at 19:55

    Wenn ich sehe, welche aus meiner Sicht inkompetenten und korrupten Politiker in die höchsten Ämter gewählt werden, wird mir ganz schlecht!

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      Michael

      16. Juli 2019 22:10 at 22:10

      @Hesterberg, nun lassen wir Uschi mal machen statt reden und messen sie in Zukunft an ihren großen Worten aus einer flammenden Rede:

      Bis 2030 müssten die Treibhausgase um 50, wenn nicht 55 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden.
      Jede Person, die Vollzeit arbeitet, soll einen Mindestlohn erhalten, von dem man auch leben kann.
      Jedes Kind müsse Zugang zu den grundlegendsten Rechten haben, dies werde ein wichtiger Teil ihres Aktionsplans sein.
      Rechtsstaatlichkeit ist universell, sie gilt für alle.
      Große Internetkonzerne müssen fair besteuert werden. Profite seien okay, aber wenn Unternehmen nur vom Bildungswesen in Europa, der hiesigen Infrastruktur profitieren, ohne sich an den Kosten zu beteiligen, sei das nicht fair. „Wenn sie die Vorteile möchten, dann müssen sie sich auch an den Lasten beteiligen“.
      Es lebe Europa! Vive l’Europe! Long live Europe!

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        BrettonWood

        17. Juli 2019 07:29 at 07:29

        Jeder verspricht irgendwelche Uropien und trotzdem glaubt das Volk die immer wieder gleichen Sprüche reine Polemik ohne konkretes Underlaying was sollen wir da warten und schauen? Wer kur Visionen hat und kein Konreten Handlungsideen kann auch LSD nehmen (kein Aufruf zum Drogenkonsum)

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          Michael

          17. Juli 2019 12:55 at 12:55

          @BrettonWood, in dem Fall war es mal nicht das „dumme“ Volk, sondern etwas über 50% der europäischen Politiker. Vom Volk hat nicht einer die Frau von der…äh..Laien gewählt.

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      Gixxer

      17. Juli 2019 00:01 at 00:01

      Also ich habe sie nicht gewählt und ich bin mir sicher ansonsten auch kein einziger EU-Bürger bei der Europawahl.
      Wie funktioniert Demokratie nochmal? War da nicht was mit Wahlen? Ich muss mich irren, sonst hätte die Uschi den Posten ja nicht bekommen können.

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        Michael

        25. Juli 2019 00:02 at 00:02

        @Gixxer u.a. das lässt sich nun gleich 1:1 auf Großbritannien übertragen. Premier Boris hat nicht einmal ein Drittel Zustimmung bei den Wählern und hat den Posten dennoch bekommen.

        Das Versuchsmodell Demokratie ist gescheitert, Bürokratie und Autokratie sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. In USA wird derjenige Präsident, der die wenigsten Wählerstimmen hat. In der Türkei müssen Wahlen wiederholt werden, wenn das Ergebnis nicht passt. In Italien dominiert ein Innenminister das Geschehen, in Ungarn wird die Pressefreiheit abgeschafft, in Polen die Judikative attackiert und geschwächt. In Österreich werden politische Strukturen im Urlaub auf Ibiza geschmiedet, Ministerposten werden weltweit gewechselt wie Unterwäsche.

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          Shong09

          25. Juli 2019 10:49 at 10:49

          Also mit Britannien liegen Sie aber mal ganz falsch.
          Gerade dieser wurde von 2/3 der Partei gewählt und die Partei wiederum wurde auch in einer freien Wahl gewählt.
          Nicht, dass ich mich mit dieser Partei identifizieren würde, bei mir wäre es ganz klar UKIP ;)
          Man höre sich nur mal die Reden von Herrn Farage im EU Parlament an, reines Balsam für die Seele, dass noch nicht jeder korrumpiert ist

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            Michael

            25. Juli 2019 13:18 at 13:18

            @Shong09, Herr Schlaumeier, da liege ich also mal wieder ganz falsch… Habe ich nicht geschrieben, dass Chief Boris nicht einmal ein Drittel Zustimmung bei den Wählern hat? Ging es bei @Gixxer nicht um die Zustimmung im Wahlvolk? Ansonsten könnte man ja auch argumentieren, das Flinten-Uschi von einer, wenn auch knappen, Mehrheit im Parlament gewählt wurde und dieses wiederum in freien Wahlen.
            Großbritannien braucht Neuwahlen, um zu bestätigen, ob das Volk den Boris wirklich haben will.

            https://www.arte.tv/de/afp/neuigkeiten/britischer-finanzminister-hammond-erklaert-wegen-johnson-seinen-ruecktritt
            https://www.n-tv.de/politik/Johnson-wirft-Konkurrenten-Hunt-raus-article21165534.html
            https://www.bote.ch/nachrichten/international/ruecktritt-des-britischen-finanzministers;art46446,1187421
            https://www.faz.net/aktuell/brexit/premierminister-boris-johnson-hat-sein-kabinett-neu-aufgestellt-16301684.html

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            Michael

            25. Juli 2019 13:44 at 13:44

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            Shong09

            25. Juli 2019 15:01 at 15:01

            Dazwischen liegen mMn himmelweite Unterschiede, wie es mit der Flintenuschi und der verurteilten Straftäterin gelaufen ist im Hinterzimmer, oder ob parteiintern von 15.000 Personen gewählt wird.
            Dass die Parteivorsitzenden ab und zu mal während der Legislaturperiode wechseln, dass ist eben so.
            Wie Sie schon selbst sagen, 1/3 befürwortet Boris und er wurde gewählt, im Gegensatz zu (gar) nicht gewählt. Da bestehet doch ein kleiner aber feiner Unterschied, so würde ich behaupten.

            Dass 1/3 der Wähler stützt Ihre Aussage nicht, denn es müsste jmd. geben, der dan nbeenfalls als Einzelperson mehr Zustimmung bekommt und dann müssten die Briten dessen Partei auch noch wählen wollen.
            Abgesehen davon haben die Briten ein leicht anderes Wahlsystem.

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            Shong09

            25. Juli 2019 15:07 at 15:07

            Vlt das gleiche Urteil und Strafe wi ebei Lagard? Wird dann Chef des IWF ;) und somit abgerufen aus EU Parlament.

            Solange er nicht bestochen wird, ist mir das doch latte wenn einer mit zu viel Geld ihm seinen Leben finanziert. Solange er die Politik macht, für die er gewählt wurde, und nicht welche, für die er von bestimmten Personen bezahlt wird, anstatt ersteres zu verfolgen.
            Ich sehe da eher eine Finanzierung aufgrund dessen, weil er ersteres verfolgt

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            Michael

            25. Juli 2019 16:42 at 16:42

            😂 😂 Der war echt gut: Dass die Parteivorsitzenden ab und zu mal während der Legislaturperiode wechseln… In drei Jahren drei verschiedene Personen im Amt, und mal sehen, ob Boris weitere drei Monate überlebt.

            Das Sprüchlein mit dem Hinterzimmer ist zwar recht plakativ, aber genauso unsinnig. Für die beiden Spitzenkandidaten bestand keine Möglichkeit auf einen Konsens, das wäre ähnlich peinlich und paralysierend geworden, wie in Deutschland nach den letzten Wahlen. Der EU-Rat schlägt nun mal einen Kandidaten vor, das Parlament muss ihn wählen.
            Nicht, dass ich missverstanden werde, auch ich fand die ganze Aktion seltsam und empörend. Und Flinten-Uschi halte ich ebenso für völlig inkompetent, wie viele andere es tun. Aber in einem derart heterogenen Monsterkonstrukt wie der EU, in der ein paar osteuropäische Rechtspopulisten und Illiberale oder Monsieur Macron die nominierten Spitzenkandidaten einfach blockieren können, wenn diese ihnen nicht genehm sind, wird es wohl immer zu derart faulen Kompromissen kommen.

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      jeschl

      17. Juli 2019 05:56 at 05:56

      Kann ich nur beipflichten.
      Armes Deutschland, arme EU….
      ;-(

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    zentralkomitee der sozialistischen einheitspartei europas

    16. Juli 2019 21:27 at 21:27

    Was für eine undemokratische Prozedur! Da zeigt das Europaparlament seine hässliche Fratze! Kaum zu glauben was da abläuft. Aber die Bundeswehr kann nun aufatmen und sich neu ordnen.

  3. Avatar

    Michael

    25. Juli 2019 17:41 at 17:41

    Nun ja, genau genommen war es der Europarat, und noch genauer war es Herr Macron, der Weber nicht wollte, und Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Italien, die keinen Sozialdemokraten ertragen konnten. Bei den übrigen 22 Staatschefs war ein demokratischer Konsens mehr als wahrscheinlich und möglich.

    Was die Bundeswehr angeht, wäre ich mir nicht so sicher ;)

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Gastronomie-Krise: Harte Fakten, weniger Insolvenzen, großes Problem

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Umgedrehtes Glas

Es ist kein Geheimnis. Die Gastronomie ist zusammen mit anderen Branchen wie Reisebüros, Airlines, Solo-Selbständigen uvm von der Coronakrise brutal getroffen worden, frontal und mit voller Wucht. Für den Zeitraum März bis August hat das Statistische Bundesamt heute harte Fakten für die Gastronomie geliefert. Der Umsatz der Branche lag im Vergleich zu März bis August 2019 um 40,5 Prozent tiefer. Man überlege sich das Mal. 40 Prozent weniger Umsatz in so einem großen Vergleichszeitraum. Das kann doch eigentlich kein Unternehmer überleben.

Hinzu kommt, was inzwischen auch kein Geheimnis mehr ist, dass die Insolvenzen in Deutschland in den letzten Monaten deutlich geringer ausfielen als im Vorjahr. Dies lag einerseits an Finanzhilfen des Staates und am Kurzarbeitergeld. Aber vor allem lag es an der großen staatlich genehmigten Insolvenzverschleppung. Bis vor Kurzem war die Insolvenzantragspflicht nämlich seit März ausgesetzt. Nun aber dürften ab Oktober und ab Januar die Insolvenzzahlen vermutlich deutlich ansteigen. Zitat von den Statistikern:

Von März bis Juli 2020 meldeten in dieser Branche 753 Unternehmen Insolvenz an – das waren 126 weniger als im Vorjahreszeitraum und 135 weniger als von März bis Juli 2018. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zum 1. März 2020 ausgesetzt wurde, was über alle Wirtschaftszweige hinweg zu einem Rückgang der Insolvenzen führte. Im Juli 2020 beantragten bundesweit 146 Gastronomie-Unternehmen Insolvenz, das waren 16,1 % weniger als im Juli 2019. Dieser Rückgang entspricht der Gesamtentwicklung: Insgesamt wurden im Juli 2020 in Deutschland 16,7 % weniger Insolvenzen angemeldet als im Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Umsätze in der Gastronomie in der Coronakrise

Unsere Meinung dazu: Die Charts zeigen eine spürbare Erholung in der Gastronomie. Der größte Teil des Tals ist für einige Bereiche der Branche demnach durchschritten. Selbst wenn man annehmen würde, dass von nun an die Umsätze in der Gastronomie wieder laufen wie früher, ist für die breite Öffentlichkeit unsichtbar ein Riesenproblem für die Branche entstanden. Oft wurden Bankkredite und Ladenmieten gestundet. Sie müssen nun zusätzlich zu den wieder aufgenommenen monatlichen Zahlungen nachgezahlt werden. Und im Zuge der Krise haben viele Unternehmer Kredite in aufgenommen. Das bedeutet: Selbst wenn die Umsätze wieder laufen sollten, wäre die monatliche Kostenbelastung für viele Betriebe deutlich höher als vor der Krise, und für viele Unternehmer ist das wohl dauerhaft nicht tragbar. Eine auf mehrere Quartale ausgedehnte Pleitewelle könnte folgen, und das nicht nur in der Gastronomie.

Weitere Details zu Umsatzrückgängen in der Gastronomie von den Statistikern im Wortlaut:

Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren all jene Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 % unter denen des Vorjahreszeitraums (Caterer: -42,1 %).

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Wie die Entwicklungsländer versuchen die Krise zu überleben

Hannes Zipfel

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am

Coronakrise sorgt in Entwicklungsländern für immense Probleme

Viele Schwellenländer standen bereits vor dem Ausbruch der Pandemie vor großen finanziellen Problemen. Einige von ihnen waren bereits unmittelbar vom Staatsbankrott bedroht. Wie gehen die Entwicklungsländer mit der Zusatzbelastung durch die Corona-Krise um, trotz bereits zum Teil überbordender Schuldenstände und weniger effizienter Staatsstrukturen und Sozialsysteme? Können sie die Krise finanziell überhaupt überleben oder lösen sie eine globale Pleitewelle bei Staaten aus?

Lage der Entwicklungsländer spitzt sich zu

Momentan schauen in Zeiten der Pandemie die westlichen Ökonomen vor allem auf die Entwicklungen vor der eigenen Haustür. Doch gerade das stark vom Export abhängige Deutschland sollte auch die Entwicklungen jenseits der Hauptabsatzmärkte Europa und USA im Auge behalten. Der Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer für die Weltwirtschaft betrug bislang immerhin drei Viertel des globalen Gesamtwachstums. Dieser Trend soll sich laut dem Analysehaus Ashmore und dem IWF auch in Zukunft fortsetzen (Daten aus 2019). Doch dazu müssen die Schwellenländer zunächst die Pandemie ökonomisch und gesellschaftlich überleben.

Grafik zeigt globalen Wachstumsbeitrag der Entwicklungsländer

Wuchsen die Ökonomien der als Schwellenländer eingestuften Staaten in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 5,9 Prozent pro Jahr, so droht ihnen im Jahr 2020 die erste Rezession mit einer wirtschaftlichen Kontraktion in Höhe von durchschnittlich 3,3 Prozent. Davon geht der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner aktuellen Publikation „Emerging And Frontier Markets: Policy Tools In Times Of Financial Stress“ aus. Doch es könnte noch viel schlimmer kommen, wenn sich die Konjunkturlage im Zuge wirtschaftlicher Einschränkungen durch die Pandemie nochmals verschlechtert und bereits jetzt stark geschwächte Länder weitere Belastungen verkraften müssen.

Besonders Staaten wie Venezuela, Argentinien, Pakistan, die Türkei, Chile, Indien etc. haben jetzt schon massive wirtschaftliche Probleme bis hin zu Währungskrisen und der teilweisen Zahlungsunfähigkeit zu meistern. Am Anfang der Pandemie hatte eine beispiellose Kapitalflucht eingesetzt, bei der innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden US-Dollar von internationalen Investoren aus Schwellenländern abgezogen wurden. Die Situation war von der Dimension her damit bereits im Frühling 2020 dramatischer als während der Weltfinanzkrise. Länder wie Argentinien, die Ukraine und Chile gerieten an den Rand des Staatsbankrotts. Und so könnte die sich mit der Pandemie weiter ausbreitende Rezession lediglich der Vorbote einer neuen Schwellenländerkrise sein.

Ein globales Problem

Die Budgets und logistischen Möglichkeiten zur Stützung der heimischen Wirtschaft, zur Gesundheitsversorgung und zur Aufrechterhaltung sozialer Mindeststandards sind im Gegensatz zu den entwickelten Volkswirtschaften in den Schwellenländern deutlich geringer ausgeprägt und damit anfälliger für Krisen. Selbst der Kollaps einzelner Entwicklungsländer ist nicht mehr auszuschließen (Failed States).

Wird diese Entwicklung zum Massenphänomen, bekommen auch die Industrieländer ernste Probleme. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Kosten, die über die Anteile der Industriestaaten an der Weltbank und dem IWF in Form von Nothilfen oder Kreditstundungen gewährt werden, sondern auch um massive Migrationsbewegungen, die sich längst in Gang gesetzt haben und zu gesellschaftliche Spannungen führen können. So sind allein wegen der sich weiter zuspitzenden humanitären Katastrophe in Venezuela ca. 4,8 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit 2016 aus dem Land geflohen. Diese Massenbewegung, auch bekannt als Bolivarian diaspora, wirkt sich auch auf die Aufnahmeländer belastend aus.

Dabei ist Venezuela alles andere als ein Einzelfall: Laut der UNO Flüchtlingshilfe waren noch nie so viele Menschen wie heute auf der Flucht vor Armut und bewaffneten Konflikten. Ende 2019 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei knapp 80 Millionen – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren das fast neun Millionen Menschen mehr. Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht verdoppelt. Für das kommende Jahr wird mit einer deutlichen Intensivierung der globalen Fluchtbewegung in Folge steigender Armut gerechnet. Für die Entwicklungsländer und vor allem für ehemalige Kriegsgebiete wie Syrien bedeutet dies, dass für den Wiederaufbau und für die Erwirtschaftung von Wohlstand und Steuereinnahmen dringend benötigte Menschen dauerhaft verloren gehen.

Maßnahmen gegen den Kontrollverlust in den Entwicklungsländern

Der IWF und die Weltbank haben bereits im April Mittel mobilisiert, um die Corona-Folgen für die Entwicklungsländer abzufedern. Dadurch sind zunächst die akuten Zahlungsbilanzprobleme vieler ärmerer Länder abgemildert worden. Doch das war lange vor der zweiten Corona-Welle. Im Sommer war es durch Notkredite des IWF in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar, die in Rekordgeschwindigkeit ausgezahlt wurden, noch gelungen, den sofortigen finanziellen Kollaps der Entwicklungsländer abzuwenden.

Zusätzlich zu den Notfallmaßnahmen des IWF hatten die G20-Staaten ein Schuldenmoratorium für die ärmsten 43 Entwicklungsländer beschlossen. Laut Weltbank sorgt diese Maßnahme in den betroffenen Staaten für eine Entlastung beim Schuldendienst von 11,5 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Nun ist in Anbetracht der zweiten Corona-Welle bei den G-20-Staaten bereits eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums bis Mitte 2021 im Gespräch. Doch auch das könnte nicht reichen, wenn die Pandemie und deren ökonomische Folgen den nach wie vor recht optimistischen Prognosen der IWF-Ökonomen folgen.

Geld spielt keine Rolle

Auch der am 27. Dezember 1945 gegründeten IWF war in seiner 75-jährigen Geschichte bisher noch nie mit einer derartigen Krise globalen Ausmaßes konfrontiert. Und so fordert die Direktorin dieser supranationalen Institution, Kristalina Georgieva, das Vermögen des Fonds von einer Billion Euro auf 2 Billionen Euro zu verdoppeln, da andernfalls im Zuge einer zweiten oder sogar dritten Corona-Welle dem Fonds die Mittel auszugehen drohen.

Doch woher kommt das Geld des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Zum einen kann der IWF sogenannte Sonderziehungsrechte vergeben, die nichts anderes als Buchkredite der Institution an seine Mitglieder darstellen. Zum anderen kommt Geld (und Gold) über Quotenregelungen direkt von den Mitgliedsstaaten, die zu den Nettozahlern gehören, wie z B. Deutschland oder die USA. Diese Staaten müssen sich gleichwohl für die Zahlung dieser gigantischen Summen selbst zusätzlich verschulden. Da der private Kapitalmarkt diese Schuldenmassen zu für die Schuldner tragfähigen Zinsen nicht mehr schultern kann, springen die Notenbanken ein und drucken das Geld (digital).

Nichts anderes tun aktuell auch die Zentralbanken vieler Entwicklungsländer, um ihre Staaten flüssig zu halten. Da dies bei Staaten mit ohnehin schwachen Währungen gleichwohl gefährlich ist und schnell zu einem Kollaps des Außenwertes der Währung führen kann, müssen die Geldpolitiker der Schwellen- und Entwicklungsländer andere Wege zur Unterstützung der Wirtschaft und des Staates gehen.

Nahezu alle Zentralbanken senkten daher zunächst die Zinssätze. Die größten Notenbanken intervenierten an den Devisenmärkten, entweder mit eigenen Reserven oder mit Geldern des IWF bzw. US-Dollar-SWAP-Linien der US-Notenbank Fed. Etwa die Hälfte der Institute senkte die Mindestreserveanforderungen für Banken, um das Finanzsystem liquide zu halten und die Kreditbedingungen zu lockert. Rund 20 Zentralbanken der Entwicklungsländer haben zum ersten Mal überhaupt quantitative Lockerungen vorgenommen (Geldmengenausweitung), um Staats- und Privatschulden am Sekundärmarkt zu erwerben, die sonst keine Käufer mehr fanden.

Die Folgende Grafik zeigt sehr anschaulich, dass anders als in den Industrieländern mit vermeintlich starken Währungen die Notenbanken der Entwicklungsländer primär über qualitative Maßnahmen agierten. Aber nicht aus purer Vernunft, sondern weil ihnen schlicht und einfach das Privileg der momentan noch konsequenzlosen Gelddruckens in beliebiger Höhe verwehrt ist. Daher ist es nur fair, dass Staaten wie die USA oder Länder der Eurozone ihre Geldschöpfungsprivilege im Interesse der durch die Pandemie in Existenznöte geratenen Entwicklungsländer einsetzen.

Grafik zeigt Unterstützung der Notenbanken

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Bundesbank: Erholung der Industrie läuft, Dienstleistungen problematisch

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Deutschland Flagge

Die Bundesbank hat heute ihren Monatsbericht für Oktober veröffentlicht. Demnach verliert der wirtschaftliche Aufschwung deutlich an Schwung. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte im dritten Vierteljahr 2020 stark angestiegen sein. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt könnte die deutsche Wirtschaft damit bereits etwas mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im ersten Halbjahr wieder wettgemacht haben. Trotzdem dürften noch etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau vom letzten Vierteljahr 2019 fehlen.

Aus heutiger Perspektive dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen. Die Industrie ist gemäß der Bundesbank-Aussagen nicht das Problem, sondern der Bereich Dienstleistungen, der ja von erneuten Corona-Restriktionen direkt betroffen ist. Die deutsche Exportindustrie profitiert derweil zum Beispiel durch die wieder gut laufende Konjunktur in China. Hier die Bundesbank mit ihrer Headline-Aussage zur Industrie:

Dem Monatsbericht zufolge hat die Industrie nach dem besonders starken Einbruch im Frühjahr bis Juli bemerkenswert aufgeholt. Im August habe die Erholung zwar eine Verschnaufpause eingelegt, im Mittel der Monate Juli und August sei die Industrieproduktion dennoch gegenüber dem stark gedrückten Frühjahrsquartal kräftig angestiegen (+13,5 %). Gleichwohl verfehlte sie das Vorkrisenniveau aus dem vierten Quartal 2019 immer noch um gut ein Zehntel. Die Auftragseingänge hätten jedoch weiter zugenommen und beinahe wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Und hier die Headline-Aussagen zum Dienstleistungssektor:

Während sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen laut Umfrage des ifo Instituts etwas aufhellte, trübte sie sich bei den Dienstleistungsunternehmen im September zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder etwas ein, schreibt die Bundesbank. Insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe dürften durch die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen und die deshalb in einigen Regionen ausgeweiteten Eindämmungsmaßnahmen belastet werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Vierteljahr wohl nur noch vergleichsweise wenig steigen wird.

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