Anleihen

Aktuell: Weidmann macht Druck – „P in PEPP steht nicht für permanent“

Gestern hörte man Aussagen des österreichischen Notenbankchefs Robert Holzmann zum Thema Tapering bei der EZB, also dem Wunsch nach einem Zurückfahren der Anleihekäufe. Vor wenigen Minuten hat die Bundesbank den Text einer Rede ihres Chefs Jens Weidmann veröffentlicht. Er drängt mit seinen Worten die EZB nicht explizit zum Tapering wie Robert Holzmann. Aber er macht durchaus Druck.

Jens Weidmann über die Definition von PEPP

Von der allgemeinen Ausrichtung der Geldpolitik seien die Krisenmaßnahmen der EZB zu unterscheiden. Insbesondere das PEPP, das Notfallankaufprogramm für Wertpapiere (Pandemic Emergency Purchase Programme), ist laut Jens Weidmann eng an die Pandemie gebunden und „muss beendet werden, sobald die Notsituation überwunden ist. Aus gutem Grund steht das erste P in PEPP für pandemisch und nicht für permanent“, so seine Worte.

Wie hartnäckig der verstärkte Preisauftrieb im Euroraum sein wird, sei die entscheidende Frage für den EZB-Rat. Denn unsere Geldpolitik ist mittelfristig orientiert und schaut daher durch einen kurzfristigen Anstieg der Inflationsrate hindurch, so Jens Weidmann. Eine Annäherung der Inflationserwartungen an die Zielrate der EZB wäre auch durchaus willkommen.

Vorbauen für Tapering

In der nächsten Woche werde der EZB-Stab neue Projektionen veröffentlichen, denen er nicht vorgreifen möchte. Zuletzt lag die Inflationsprognose für den Euroraum in den kommenden Jahren deutlich unter der Zielrate. Daher ist eine expansive Geldpolitik laut Jens Weidmann „weiterhin angemessen“. Doch man solle eben auch das Risiko einer zu hohen Inflation nicht ausblenden. Angesichts der bestehenden Unsicherheit solle man den sehr lockeren Kurs der Geldpolitik nicht für zu lange festschreiben. Dafür habe er im EZB-Rat bei der Diskussion um die Forward Guidance geworben.

Die erhöhte Flexibilität des Programms soll laut Jens Weidmann einer außerordentlichen Situation wie der Pandemie vorbehalten sein. Sonst drohe insbesondere, dass die Geldpolitik ins Schlepptau der Fiskalpolitik gerät. Wegen der andauernden Unsicherheit könne man den PEPP-Ausstieg aber nicht weit im Voraus festlegen. Damit die PEPP-Nettokäufe dann nicht ruckartig enden müssen, sollte man sie seiner Meinung nach schon vorher schrittweise zurückfahren, wenn es die Situation erlaubt.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Foto: Chatham House – Dr Jens Weidmann, President of the Deutsche Bundesbank Uploaded by Magnus Manske CC BY 2.0



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1 Kommentar

  1. Häh ?!!?
    Die EZB hat doch ein symetrisches Inflationsziel ausgerufen oder ?
    Mit dem „alten“ Slogan um und bei 2% war ein Zeitkomponente nicht so wichtig – 2% sind 2%, jegliches abweichen war also korrekturbedürftig.
    Jetzt haben wir ein sysmetrischen Ziel, leider leider hat man hier vergessen zu sagen für welchen Zeitraum diese Symetrie anzuwenden ist. Ein Schelm wer Böses dabei denkt :-)
    Oder habe ich der Schule nicht aufgepasst und sehe das mit dem Referenzpunkt und den definierten Grenzen des Symetrieraums zu eng oder aus einem falschen Blickwinkel ?!?!

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